Inflation und Kaufzurückhaltung zurück —> leider auch bei der Altersvorsorge

  • Bei der Morgenlektüre bin ich auf diesen Beitrag gestoßen:

    Die Deutschen bleiben im Sparmodus (Quelle Tagesschau)

    Die Börse mit der aktuellen Rallye scheint da mehr zu wissen.

    Besonders bedenklich ist mMn auch die Zurückhaltung bei der Altersvorsorge. Aber klar, wenn das Geld am Ende des Monats alle ist, kann auch nicht mehr weiter gespart werden. Oder anders herum: wenn am Anfang des Monats meine Sparrte abgeht, mir aber zur Mitte oder Ende des Monats die finanzielle Puste ausgeht, werde ich den Sparplan im nächsten Monat nach unten anpassen oder auch aussetzen.

    Altersarmut in Deutschland in der Zukunft ole ole (meinem Sarkasmus bitte ich mir nachzusehen)

  • Für die meisten Menschen mit Reichweite ist die Vorstellung, dass am Ende des Geldes noch Monat übrig ist, undenkbar. Deren einzige Erklärung für eine solche Situation ist eine Kombination von "selbst schuld" und mangelnder Leistungsbereitschaft. Das fängt bei unserem Kanzler an und hört hier im Forum noch lange nicht auf.

    Die etabierte Politik hat die kleinen Leute längst vergessen und den Rechtsradikalen überlassen.

  • Korrekt. Ich will nicht hetzen, aber bei den Aussagen der meisten Politiker fehlt mir das Einfühlungsvermögen in die Motivation der Menschen.

    Beispiel:

    Viele betrachten die Steuerbelastung und sagen "ist mit 26,x Prozent im Schnitt doch völlig okay - wir haben keine zu hohe Steuerlast". Das verkennt aber die Überlegungen, die ein normaler Arbeitnehmer anstellt.

    Nehmen wir folgendes Szenario an: 40.000 Euro Basis sind steuerfrei. Alles was darüber hinausgeht, wird zu 95% vom Staat abgegriffen.

    Verdient ein Arbeitnehmer also 40.000 Euro, dann hat er eine Steuerlast von 0%. Alles bestens.
    Verdient er 41.000 Euro, dann zahlt er 950 Euro Steuern, womit die Steuerlast immer noch bei moderaten 2,31% liegen würde. Auf dem Papier ist das immer noch vergleichsweise wenig, die Leute müssten jubeln.

    Aber man frage sich mal ernsthaft, ob wirklich jemand Überstunden machen würde, wenn er vom Mehrverdienst 95% abgezogen bekommt?

    Und genau diese Überlegung sollten unsere Politiker mal anstellen.

    Durch die überproportionale Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze und dem relativ früh einsetzenden Spitzensteuersatz von 42% liegen die Abzüge bei einem gut verdienenden Facharbeiter bald bei > 63%. Tendenz steigend, sofern es mit den Sozialabgaben so weitergeht.

    Ober anders herum gesehen: Wenn ich die Stunden reduziere, dann habe ich bei 1.000 Euro brutto weniger nur 370 Euro weniger netto. Dafür dann aber 3 Tage lang Wochenende.

    Die Frage an Merz und Co. ist: Wenn die Steuern und Sozialabgaben noch weiter angehoben werden sollen, warum soll man sich dann als Arbeitnehmer bei einer Stundenreduzierung "Faulheit" vorwerfen lassen? Das hat nichts mit Faulheit zu tun, das ist rein ökonomisches Denken.

  • Ihr merkt schon, dass Ihr Euch zwar zustimmt, aber dabei widersprecht?

    Angeblich kein Geld am Ende des Monats, aber lieber die Stunden reduzieren und drei Tage Wochenende, weil die Steuerlast zu hoch sei und Arbeit sich nicht lohne.

    Dieses verquaste Jammern auf hohem Niveau ist irgendwie ziemlich deutsch. Dabei hätten wir allen Anlass auch öfter mal etwas Positives über unser Land zu sagen.

    Stattdessen immer nur Untergangsrhetorik.

    Wenn eine Gesundheitsministerin sagt, die erst vor wenigen Jahren eingeführten Ausweitungen der Pflegeversicherung würden auf Dauer zu teuer und vorschlägt, diese maßvoll zurückzustutzen, wird gleich der „Anfang vom Ende der Pflegeversicherung“ heraufbeschworen.

    Dabei geht es nur um einen Kompromiss zwischen dem status quo vor ein paar Jahren und der Situation heute.

    Gleiches, wenn jemand vorschlägt, die abschlagsfreie Frührente wieder abzuschaffen, die es vorher auch nie gab. Oder die Steuern und Abgaben, die heute niedriger sind als unter Kohl, maßvoll zu reformieren. Oder oder oder…

    Alles angeblich Vorwände, rechtsradikal zu wählen. Ernsthaft?

    Dieses ständige Jammern und die Anspruchshaltung, die dahinter steht, ist ein ernstes Problem.

    Das hat nichts mit Politik zu tun, eher mit Undankbarkeit dafür, in einem der besten, sichersten, freiesten und reichsten Länder der Welt zu leben.

    Über alles kann man reden und unterschiedlicher Meinung sein, aber bitte ohne diese ständige Untergangsrhetorik und ohne Gejammer auf hohem Niveau, sondern bitte mit Zuversicht, Besonnenheit und dem Willen, die Ärmel hochzukrempeln.

    Danke.

  • aber bei den Aussagen der meisten Politiker fehlt mir das Einfühlungsvermögen

    Das liegt aber auch daran, dass die Politiker, als Beispiel im Bundestag, weit über 10.000€ monatlich an Gehalt bekommen. Die interessiert doch dann noch nicht, was der Rentner nach 45 Jahren Berufsleben an Rente bekommt und ob er sich sein täglich Brot leisten kann.

  • "Angeblich kein Geld am Ende des Monats, aber lieber die Stunden reduzieren und drei Tage Wochenende, weil die Steuerlast zu hoch sei und Arbeit sich nicht lohne."

    Nimm die Aussagen von 3 Leuten und wirf sie zu einer Aussage zusammen. Schon hört es sich an, als wenn alle 3 Quatsch geschrieben haben. Keine saubere Diskussionsführung, oder?

    Ich habe hier lediglich geschildert, welche Überlegungen man aus ökonomischer Sicht in bestimmten Situationen anstellt. Wenn das für dich Unsinn ist, dann lasse ich dir da gerne deine Meinung.

    Ja, es mag Leute geben die sagen: Ich mache Überstunden und darf von 100 Euro mehr sogar 37 Euro behalten. Das ist voll super, weil es das Land voran bringt und zuhause ist es eh langweilig.

  • liegen die Abzüge bei einem gut verdienenden Facharbeiter bald bei > 63%.

    Rechne das bitte jetzt einmal konkret vor.
    Das Lied von diesem „Facharbeiter“ kann ich nicht mehr hören.

    Also jetzt bitte mal konkret für diesen Menschen hier die Rechnung aufmachen.

    Er ist Single bzw. nicht verheiratet…


    Also los…Bin gespannt.

  • Durch die überproportionale Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze und dem relativ früh einsetzenden Spitzensteuersatz von 42% liegen die Abzüge bei einem gut verdienenden Facharbeiter bald bei > 63%. Tendenz steigend, sofern es mit den Sozialabgaben so weitergeht.

    Diese Berechnungsrundlage würde gern mal sehen. Ich komme nicht auf solche Werte. Zumal der Verweis auf den Spitzensteuersatz hier auch wieder irreführend ist, da dies ein Grenzsteuersatz und nicht der Durchschnittsteuersatz ist.

    Wenn ich in folgenden Rechner 6000 Euro Monatsbrutto, StKl. 1, keine Kinder eingebe, so kommt ein Nettolohn von knapp 3700 Euro raus.

    Ansonsten zum eigentlichen Thema: Ich verkaufe immer mal wieder gebrauchte Dinge auf eBay und Kleinanzeigen(.de). Sind oft keine unbedingt lebensnotwendige, hochwertige Dinge. Seit dem Irankrieg geht quasi gar nichts mehr, keine Anfragen, keine Käufe. Die hohen Spritpreise scheinen die Leute zu paralysieren, obwohl beispielsweise im Supermarkt nach meiner Beobachtung die üblichen Dinge nicht teurer geworden sind. Butter wird teilweise für 99 Cent pro Packung verschleudert...

  • Wenn du mir einen Lohnsteuerrechner für das Jahr 2027 zur Verfügung stellst und die SV-Sätze ab 2027 nennst, dann rechne ich das genauer aus. Bis dahin bleibt es bei einer Überschlagsrechnung (grob gepeilt 42% Steuern + 21% SV).

    Ansonsten: "... bald bei > 63%..."

    BBG wird um 3.600 Euro plus reguläre Steigerung angehoben. Erwartet werden hier 77.100 Euro.

  • Zitat

    Ober anders herum gesehen: Wenn ich die Stunden reduziere, dann habe ich bei 1.000 Euro brutto weniger nur 370 Euro weniger netto. Dafür dann aber 3 Tage lang Wochenende.

    Hier in Deutschland gibt es noch einen weiteren Aspekt:

    Dienstleistungen sind extrem teuer. Wenn man Sachen selber macht (und eben auch die Zeit dafür hat), dann kann man viel Ausgaben sparen.

  • Wenn du mir einen Lohnsteuerrechner für das Jahr 2027 zur Verfügung stellst und die SV-Sätze ab 2027 nennst, dann rechne ich das genauer aus. Bis dahin bleibt es bei einer Überschlagsrechnung (grob gepeilt 42% Steuern + 21% SV).

    Ansonsten: "... bald bei > 63%..."

    BBG wird um 3.600 Euro plus reguläre Steigerung angehoben. Erwartet werden hier 77.100 Euro.

    Wo bleibt deine Berechnung ? Nimm einfach den Singel Kevin Dödel und rechne uns deine Behauptung vor. Facharbeiter soll er sein. Er ist über 24 und ist kinderlos. Er ist bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert. Nimm mal die Empfehlung von Finanztip und dann rechnest du mit der Hkk los.

    Nur zu. Wir sind gespannt.

    Oder wie die alten Griechen und Römer sagten: Hic Rhodus, hic salta !!!

    Oder für dich modern: jetzt hast du schon gewaltig rausgeschwätzt….jetzt bring die Berechnung.

  • Keine Ahnung, was Thebat für 2027 erwartet. Die Regierung verspricht eine Steuerreform, die niedrige und mittlere Einkommen entlasten soll. Selbst wenn es nicht so kommt, eine weitere Belastung halte ich für sehr unwahrscheinlich. Diese Thematik wird doch auch nur von der AfD bespielt um weitere Dummpfeifen einzufangen.

  • Angeblich kein Geld am Ende des Monats, aber lieber die Stunden reduzieren und drei Tage Wochenende, weil die Steuerlast zu hoch sei und Arbeit sich nicht lohne.

    Sind vermutlich unterschiedliche Klientel. Was ja auch vollkommen ok ist. Wer im Spitzensteuersatz verdient und die Arbeitszeit reduziert, kann über die Hälfte des Minderverdiensts auf Finanzamt und Sozialkassen abwälzen. Natürlich wird da ein zusätzlicher freier Tag schnell attraktiv.

    Wobei ich für die Behauptung, dass der durchschnittliche Bürger sich keine Altersvorsorge leisten kann, doch gerne einen Beleg hätte. Natürlich werden das keine 500€ pro Monat sein, aber die 150€ fürs Altersvorsorgedepot sind bei passendem Lebensstil auch mit dem Median-Netto drin.

  • Ich warte weiterhin auf den „Facharbeiter“ Kevin Dödel und das Rechenbeispiel …

    Bei 6.000 Euro brutto im Monat zahlt jemand in Steuerklasse 1 schnell über 1.000 Euro Einkommensteuer plus rund 1.300 Euro Sozialabgaben. Übrig bleiben etwa 3.600 Euro netto. Aber damit hört die Belastung ja nicht auf: Für fast jeden Euro, den er von diesen 3.600 Euro ausgibt, fallen nochmal 19 % Mehrwertsteuer an. Wenn er außerdem 15.000 Kilometer im Jahr fährt, zahlt er zusätzlich rund 1.500–1.600 Euro Steuern allein auf Benzin. Spart oder investiert er Geld (vom Netto!), langst der Staat wieder zu bei den Erträgen. Und wenn er vom Netto (!) einen Handwerksbetrieb beauftragt, um eine neue Küche einbauen zu lassen, zahlt er für die Arbeiter die ganzen Belastungen auch. Diesmal auf die Arbeitgeberseite. Die stecken auch in jede Wurst und jeder Semmel, die er kauft.

    Insgesamt bewegt sich die Gesamtbelastung damit deutlich über 50%. Und 3.600 Euro netto würde ich persönlich nicht als „reich“ bezeichnen.

    Aber dafür bekommt man natürlich auch einiges geboten: eine tolle Rente, ein hervorragendes Bildungssystem, schnelle Termine beim Facharzt, Verteidigungsfähigkeit auf höchstem Niveau und eine Bahn, die kaum besser sein könnte.

    Einmal editiert, zuletzt von Irving (16. Mai 2026 um 21:17)

  • Und in welchem Land in der EU bzw. Europa ist das anders?

    Zumal das Argument SEHR künstlich ist.

    Kevins Chef (der den berühmten Facharbeiter beschäftigt) stehen im Monat 40.000 Euro netto zur Verfügung.

    Schrecklich nun, dass er „für fast jeden Euro, der er von diesen“ 40.000 Euro ausgibt, noch 19 % Mehrwertsteuer bezahlen muss.

  • Und in welchem Land in der EU bzw. Europa ist das anders?

    Sagen wir mal so: Es ist Luft nach oben . . .ähm....unten. Na ja, Vizemeister hat schon was.;)

    https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ste…oecd-li.3471806

    https://www.handelsblatt.com/meinung/kommen…/100218961.html

    Zitat von Handelsblatt

    Deutschland hat seinen unrühmlichen zweiten Platz in der weltweiten Belastungstabelle gefestigt. Die Industrieländerorganisation OECD untersucht alljährlich, wie stark in ihren Mitgliedstaaten Arbeitseinkommen mit Steuern und Sozialabgaben belastet werden. Deutschland steht erneut auf Platz zwei, nur in Belgien müssen Arbeitnehmer mehr von ihrem Lohn an den Staat abgeben.

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