Passt besonders gut ins Konzept, wenn man eh ein angespanntes Verhältnis zum Kapitalismus hat.
(eine sowohl dezent-elegante als auch treffende Formulierung übrigens)
Nach meinem Dafürhalten eine sehr stimmige Feststellung (unser Land betreffend aber insbesondere auch dieses Forum betreffend). Und eine Beschreibung des "roten Fadens" einer bestimmten Fraktion hier. Umso erstaunlicher, handelt es sich doch um ein Special-Interest-Forum "Finanzen" ...
Siehe beispielsweise schon hier:
Dies gilt umso mehr für die Fraktion der Staatsgläubigen hierzulande im Allgemeinen und auch eine "gewisse Fraktion" hier im Forum, die zwar via ETFs (zumeist als "ETF-Sparbüchsen" mit monatlichem Sparplan) - und zu ihrem eigenen Vorteil - in Aktien und damit in Unternehmen, Unternehmer und marktwirtschaftliche Ansätze investiert - die aber ansonsten durch eine erstaunliche Melange aus fehlender Affinität (um die Formulierung "Ferne" zu vermeiden) zur Wirtschaft und zum Unternehmertum sowie einer Art der Sozialromantik gekennzeichnet ist.
Ein wesentlicher Grund dafür dürfte sein, daß hier (in dem Forum) Selbständige, Freiberufler, Kleinunternehmer, Unternehmer, Mittelständler usw. (deutlich) unterrepräsentiert sind.
Bei näherem Nachdenken hat das eine gewisse Logik (oder ist fast eine Sachgesetzlichkeit). Für meinen Teil (und die meisten mir bekannten Selbständigen) bedeutete Selbständigkeit sehr lange Zeit "du arbeitest selbst - und das ständig". Hätte daher über die meiste Zeit meines Arbeitslebens gar nicht die Zeit gefunden, für bestimmte Aktivitäten, die ich eben heute altersbedingt habe (70 +).
Umso erstaunlicher, wieviel Zeit der ein oder andere findet - noch dazu zur besten "Sendezeit" (sprich Arbeitszeit) - um hier zu schreiben ... Das wäre aber ein anderes Thema.
Das mit den Reformen ist halt schwer, gewinne keine Beliebtheitspreise und wird deshalb selten gemacht...
Auch das hat eine innere Logik bis hin zu einer Sachgesetzlichkeit.
Politik die Nachfrageseite betreffend (Ankurbelung derselben) ist vergleichsweise einfach. Der Staat gibt (noch) mehr Geld aus, das sorgt für Aufträge, und darüber freuen sich alle. Noch einfacher (und vermeintlich) schmerzfreier: Das praktiziert der Staat schuldenfinanziert ... oder wie hierzulande mit einer historisch hohen Neuverschuldung ... (daß die noch höheren Schulden die Steuern von "morgen" sind und dabei "in Zukunft" auch zusätzliche Zinsbelastungen anfallen - passiert eben nicht sofort sprich im "Hier und Jetzt").
Für die (längst überfälligen) Reformen auf der Angebotsseite - den Arbeitsmarkt weiter flexibilisieren, um nur ein Beispiel aus diversen zu nennen - können Politiker dagegen weniger Beifall erwarten (um es noch möglichst subtil zu formulieren - eher Proteste, wäre wahrscheinlich präziser). Auch für das Setzen von Anreizen und das Bescheiden von Fehlanreizen beispielsweise gilt: Überfällig und wirksam - aber nicht alles oder eher wenig davon ist leicht in der Umsetzung und immer angenehm.
Nur am Rande aber in dem Kontext: Das konjunkturelle Zucken (nach Jahren von nahe Nullwachstum hierzulande macht selbst die Zahl "Eins vor dem Komma" beim Wirtschaftswachstum vielen Hoffnung oder löst gar Begeisterung aus ...) dürfte - nach meiner Einschätzung - ein eher kurzfristiges Zucken bleiben. Die leichte binnenwirtschaftliche Erholung stützt sich bislang weit überwiegend auf den Staat (und die schuldenfinanzierte Ankurbelung der Nachfrage; siehe oben) und nicht auf die private Wirtschaft (private Investitionsquote ist weiter (sehr) schwach). An den Standortbedingungen (Angebotsseite) hat sich nach mehr als einem Reformjahr wenig zum Guten und einiges zum Schlechten geändert.
Die tendenziell schrumpfende Erwerbsbevölkerung (den Aspekt den "Standort Deutschland" attraktiv zu positionieren für die weltweit begehrte "qualifizierte Zuwanderung" hatte ich hier diverse Male erwähnt) und der seit vielen Jahren eher anämische Anstieg der Produktivität dürften die Wirtschaft hierzulande unerbittlich auf einen (sehr) flachen Wachstumspfad lenken.
Eine wirklich solide und auf Wachstum abzielende Wirtschaftspolitik sieht jedenfalls anders aus und würde viel deutlicher an der Angebotsseite ansetzen (Rahmenbedingungen zur Verbesserung präziser Wiederherstellung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit).
Obwohl der "Kosto" (André Kostolany (1908 - 1999) seines Zeichens ungarischer Börsenspekulant mit US-amerikanischer Staatsbürgerschaft) u. a. mit russischen Staatsanleihen großartige Spekulationen erfolgreich gemeistert hatte - träumte er stets von der "größten Spekulation der Welt" ...
"Die größte Spekulation der Welt wäre es, einen Politiker zu dem Wert einzukaufen, den er hat, und ihn zu dem Wert zu verkaufen, den er sich selbst einräumt"