Bild: Westend61 / Imago

Autofahren wird immer teurer. Allein der Spritpreis ist seit der Pandemie so gestiegen, dass ein typischer Fahrer im Jahr gut 230 Euro zusätzlich zahlt. Diese Summe lässt sich mit Spritsparen kaum reinholen – aber bei der Kfz-Versicherung schon. Unser Tipp: Bis 30. November kannst Du noch wechseln.

Es überrascht immer wieder, wie sehr sich die Preise unterscheiden: Dieses Jahr haben wir das anhand einer Vollkasko für einen vier Jahre alten VW Polo festgestellt. Bei einem preiswerten Anbieter mit guten Konditionen kostete die Versicherung für unseren Musterkunden nur 280 Euro im Jahr. Wählten wir einen namhaften (und teuren) Anbieter, stieg der Preis auf 388 Euro.

Dass man stets Anbieter vergleichen sollte, wissen inzwischen die meisten. Setzt Du aber beim Abschluss auf der Website die falschen Häkchen, kommt Dich das ziemlich teuer zu stehen. Mit nur ein paar ungünstigen Angaben kann sich der Preis vervierfachen: Wir landeten in unserem Beispiel bei sage und schreibe 1.504 Euro jährlich.

Das sollte Dir nicht passieren! Den besten Preis findest Du erst, wenn Du mit den richtigen Häkchen bei den richtigen Merkmalen die Anbieter vergleichst. Und dann den günstigsten Versicherer auswählst. Mit unseren 7 Tipps geht das leicht von der Hand:

Paar im Bully
Bild: Westend61 / Imago

 

Tipp 1: Halte den Kreis der Fahrer klein

Wenn Du jeden ans Steuer lässt, wird Deine Versicherung im Schnitt doppelt so teuer, wie wenn nur Du und Dein(e) Partner(in) fahren. Besonders Fahranfänger treiben die Kosten nach oben. Wer seine Kinder fahren lassen will, sollte diese Tipps beachten.

Übrigens: Fährt ausnahmsweise mal jemand anders, hast Du trotzdem Haftpflichtschutz. Du musst allerdings mit einer Vertragsstrafe rechnen.

Tipp 2: Zahle ein Jahr im Voraus

Zahlst Du Deine Beiträge Monat für Monat, dann kostet Dich das mehr, als wenn Du ein Jahr im Voraus zahlst. 9 Prozent erlassen dann die Anbieter im Schnitt. So viel Zinsen bekommst Du auf kein Festgeld der Welt!

Tipp 3: Gib nicht zu viele Kilometer an

Wer weiß schon genau, wie viele Kilometer er oder sie im Jahr fährt? Wenn beim Ausfüllen auf dem Vergleichsportal diese Frage kommt, gibt mancher ein paar Tausend Kilometer mehr an – sicherheitshalber. Dumm nur, dass das den Preis treibt: 15.000 Kilometer Fahrleistung sind etwa 9 Prozent teurer als 10.000 Kilometer. Falls Du doch etwas mehr fährst, vielleicht wegen eines Urlaubs nach Spanien, kannst Du Deine Angabe hinterher anpassen. Dann wird der Beitrag nachberechnet – eine Vertragsstrafe musst Du nicht fürchten.

Tipp 4: Keine Kasko ohne Selbstbeteiligung

Wer kleine Schäden selbst zahlt, entlastet die Versicherung von viel Bürokratie – und spart dabei. Wir empfehlen mindestens 300 Euro Selbstbeteiligung bei der Vollkasko und 150 Euro bei der Teilkasko. Letzteres senkt die Beiträge im Schnitt um 18 Prozent. Ob sich Voll- oder Teilkasko überhaupt für Dich lohnen, erfährst Du hier.

Frau mit Hund im Auto unterwegs.
Bild: Aleksandar Nakic / GettyImages

 

Tipp 5: Denke über die Werkstattbindung nach

Das fünfte Merkmal, das wir in unserem Rechenbeispiel angehakt haben, war die Werkstattbindung. Das bringt im Schnitt 10 Prozent Rabatt. Allerdings hat die Werkstattbindung auch Nachteile: Manchmal ist der Weg zu Partnerwerkstätten der Versicherung weiter, Wartezeiten sind länger. Auch stellen sich Hersteller manchmal bei Garantie- oder Kulanzfällen quer, wenn schon freie Werkstätten am Auto gearbeitet haben.

Tipp 6: Diese vier Dinge sollten enthalten sein

Keine Kompromisse solltest Du bei den folgenden Merkmalen eingehen: Versichert sein solltest Du auch bei grober Fahrlässigkeit, bei Marderschäden und deren Folgen – und nicht nur bei Unfällen mit Wild, sondern auch mit Kühen und Schafen („erweiterte Wildschäden“). Außerdem sollte die Deckungssumme für die Haftung 100 Millionen Euro betragen. Diese Mindestkriterien machen die Versicherung nur unwesentlich teuer und sind äußerst sinnvoll.

Wenn Du Dir über diese Fragen kurz Gedanken gemacht hast, dann brauchst Du nur noch Deinen Fahrzeugschein und Deinen Führerschein – und kannst loslegen. Wir empfehlen, zunächst einen neuen Versicherer auszuwählen. Kündige dem alten erst, wenn Dein neuer Versicherungsschein vorliegt.

Tipp 7: Vergleiche immer zweimal

Jeder Anbieter kalkuliert etwas anders. Deswegen gibt es nicht den einen Anbieter, der am günstigsten für alle ist. Es hängt immer vom Fall ab. Also haben wir erneut für Dich getestet, wie Du am besten vorgehst.

Das Ergebnis: Du solltest zweimal einen Preis anfordern. Zunächst bei einem Vergleichsportal. Seit Jahren liefern für Autoversicherungen die Anbieter Check24* und Verivox* den besten Überblick. Leider sind dort nicht alle preiswerten Versicherungen aufgelistet – der Direktversicherer Huk24* etwa fehlt. Der hat sich in unserem Test aber besonders hervorgetan: Er konnte in mehr als jedem dritten Fall das Angebot eines der beiden Portale noch unterbieten. Deshalb solltest Du dort ein zweites Angebot anfordern.

Autoverkehr in Richtung Siegessäle im Berliner Tiergarten.
Autoverkehr in Richtung Siegessäle im Berliner Tiergarten. Bild: Marco Piunti / GettyImages

 

Wenn Du die Merkmale festgelegt hast, bekommst Du am Ende von jedem Versicherer praktisch denselben Schutz. Du kannst dann also ruhig den günstigsten Anbieter auswählen – ohne Nachteile zu haben.

Zu Check24*

Zu Verivox*

Zur Huk24*

Wir hoffen, dass Du mit dem Wechsel die höheren Spritkosten wieder reinholst. Vielleicht sogar noch etwas mehr. Nun musst Du nur noch kündigen.

Richtig kündigen

Deine Kündigung muss bis zum 30. November bei Deinem alten Versicherer eingegangen sein. Verlangt er die „Textform“, genügt eine E-Mail. Verlangt er „Schriftform“, muss es ein unterschriebener Brief sein. Den kannst Du zur Not auch faxen. Denke daran, Folgendes anzugeben: Deine Adresse, die Adresse des Versicherers, das Datum, Deine Versicherungsnummer und das Kennzeichen. Hier findest Du ein Musterschreiben.

 

Mehr zum Thema in unseren Ratgebern Tarifmerkmale und Kfz-Versicherung und im Podcast „Auf Geldreise“.

Matthias Urbach
Autor

Stand:

Matthias Urbach war von 2014 bis 2022 stellvertretender Chefredakteur von Finanztip. Als Diplomphysiker und Absolvent der Henri-Nannen-Schule kombiniert er analytisches und redaktionelles Know-how. Zuvor war er unter anderem als Verlagsdirektor beim SpringerNature-Wissenschaftsverlag und als Leiter von taz.de tätig.

1 Kommentar

  1. Ich bin seit vielen Jahren bei der HUK Coburg (nicht HUK24). Seit Januar 2018 auch mit der KFZ-Versicherung.

    Ich habe einen Opel Astra H 1.4 von 06/2005 mit nun 96.000 km und zahle ab 01.01.2022 nur noch knapp 70,- Euro pro Quartal (Haftpflicht + TK ohne SB). Ich bin dann in der SF4, da ich über 15 Jahre lang keinen PKW in Deutschland angemeldet hatte (nur 2010-2011 in der Schweiz).

    Der Unterschied zwischen 0,- Euro SB und 150,- Euro SB in der TK bewegt sich pro Quartal im einstelligen Euro-Bereich. Deshalb belasse ich das auch so.

    Seit Herbst 2020 nutze ich außerdem den Telematik-Tarif der HUK und hatte am Stichtag (30.09.21) einen Fahrwert von 99%, was dem Maximalbonus von 30% ab 01.01.2022 entspricht.

    Zusätzlich habe ich Werkstattbindung und den KFZ-Schutzbrief, den ich bisher zum Glück nur 1x brauchte weil ich eine Schraube im Reifen hatte.

    Die angegebenen 6000 km reichten nicht aus. Deshalb erhöhte ich online auf 9000 km. Doch auch die musste ich zum Herbst nochmals auf die nächste Stufe (9001 km – 12.000 km) aufstocken. Dennoch war der Quartalspreis weiterhin sehr günstig (rund 10,- Euro Unterschied zwischen 6.000 und 12.000 km).

    Ich überlege nun auch ernsthaft, ob ich die VK nehme. Der Preisunterschied zur TK beträgt ab 01.01.2022 bei mir rund 17,- Euro pro Quartal. Ich bin allerdings ein sehr umsichtiger Fahrer (sonst hätte ich auch nicht den Fahrwert von 99% erreicht) und unsicher, ob ich die VK wirklich einmal brauche. Der Restwert unseres Autos dürfte bei unter 5000,- Euro liegen.

    In den letzten 3 Jahren ist uns 2x vorn ein Auto reingefahren (1x setzte ein Unfallverusacher nach einem Crash in Panik zurück und knallte gegen unser Auto und 1x schrammte ein Auto im Parkhaus an unserem entlang), was von den gegnerischen Versicherungen stets voll bezahlt wurde. Aber was, wenn man selber mal einen dicken Schaden an seinem eigenen Auto anrichtet? Ein paar tausend Euro für einen neuen Gebrauchten sind viel Geld wenn das alte Auto nur noch Schrottwert hat.

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