Falsche Angaben in der Kfz-Versicherung

Mogeleien kosten Geld, aber nicht den Versicherungsschutz

Silke Kursawe
& Co-Autor
Stand: 22. August 2018
Das Wichtigste in Kürze
  • Kunden der Kfz-Versicherung sind verpflichtet, wahre Angaben etwa über die Fahrer des Autos oder den Abstellplatz bei Nacht zu machen.
  • Versicherer setzen einerseits darauf, dass Sie melden, wenn sich etwas ändert. Oder sie fragen bestimmte Merkmale regelmäßig ab. Bei Änderungen berechnen sie den Beitrag neu.
  • Wer seine Versicherung vorsätzlich falsch informiert, muss mit einer Vertragsstrafe rechnen.
  • Der Versicherungsschutz bleibt trotz falscher Angaben erhalten.
So gehen Sie vor
  • Machen Sie im Antrag zu Ihrer Kfz-Versicherung, sei es auf Papier oder online auf Vergleichsportalen, ehrliche Angaben und nehmen Sie sich Zeit für das Ausfüllen.
  • Den Fahrerkreis können Sie pauschal angeben, indem Sie nur das Alter des jüngsten und des ältesten Fahrers melden. Die Jahresfahrleistung geben Sie besser etwas knapper an.
  • Melden Sie Ihrer Versicherung, wenn sich bei Ihnen etwas ändert. Sie erhalten dann eine neue Beitragsrechnung.

Da sitzen Sie nun und wollen eine neue Kfz-Versicherung abschließen. Aber erstmal müssen Sie viele Fragen beantworten: Wie viele Kilometer werden Sie wohl im nächsten Jahr fahren? Wie alt sind der jüngste beziehungsweise der älteste Fahrer Ihres Autos? Wo stellen Sie nachts Ihr Auto ab? Einige Antworten lassen sich leicht geben – wer keine Garage hat, kann das nicht angeben. Aber wie sollen Sie heute wissen, wem Sie Ihr Auto mal überlassen werden und wie viel auf dem Tacho zusammenkommen wird?

Warum fragt die Versicherung nach Fahrern und Nutzung?

Den Anbietern geht es mit all diesen Fragen schlicht darum, Sie als Risiko besser einschätzen zu können. Und je detaillierter die Angaben sind, desto genauer können die Versicherer den Beitrag berechnen. In der Kfz-Versicherung geht es immer darum, günstiger als die Konkurrenz zu sein. Wichtig ist für Sie aber erstmal nur, dass Ihre Angaben stimmen.

Bei den Kilometern können Sie sich grob daran orientieren, wie viel Sie dieses oder voriges Jahr gefahren sind und welche Urlaubspläne die Familie hat. Für Ihren Fahrerkreis müssen Sie nicht alle Eventualitäten bedenken. Denn die zahlen Sie immer mit, falls Sie sie beim Antrag angeben. Wenn Sie einen beliebigen Fahrerkreis angeben, zahlen Sie mit den höchsten Beitrag zur Kfz-Versicherung, wie eine Finanztip-Studie belegt.

Machen Sie das also nur, wenn es wirklich stimmt, dass Sie wen auch immer mit Ihrem Auto fahren lassen. Sie müssen aber nicht jeden, der nur ein einziges Mal Ihr Auto nutzt, als Fahrer melden. Falls also ein Mechaniker Ihrer Autowerkstatt nach einer Reparatur eine Testfahrt macht oder Ihr Nachbar mal mit Ihrem Auto zum Baumarkt muss, brauchen Sie nicht die Versicherung informieren. Aber lassen Sie sich unbedingt den gültigen Führerschein des Nachbarn zeigen, bevor er losfährt, das ist Pflicht.

Was droht bei falschen Angaben?

Grundsätzlich gilt für jede Versicherung: Melden Sie so schnell wie möglich, wenn sich bei Ihnen etwas ändert, was für den Versicherungsantrag beziehungsweise -abschluss eine Rolle gespielt hat. Die Konsequenzen falscher Angaben sind von Versicherung zu Versicherung unterschiedlich.

Einige Anbieter von Kfz-Versicherungen berechnen einen angepassten Beitrag ab dem Zeitpunkt, zu dem sich eines Ihrer persönlichen Merkmale geändert hat, das Sie im Versicherungsantrag angegeben haben. Andere Versicherer verlangen den neuen Beitrag rückwirkend ab Beginn des Versicherungsjahres. Machen Sie als Versicherter allerdings absichtlich falsche Angaben, müssen Sie sogar mit einer Vertragsstrafe rechnen. Ob Ihnen diese wirklich droht, steht in Ihren Versicherungsbedingungen. In der Praxis ist es für die Versicherungen nicht so einfach, absichtliches, also vorsätzliches Handeln ihrer Kunden nachzuweisen.

Trotzdem unser Rat: Bleiben Sie lieber ehrlich. Auch wenn nicht alle Versicherungen mit drakonischen Strafen auf falsche Angaben reagieren, ersparen Sie sich den Ärger, den unwahre Auskünfte bringen können. Eine kleine Änderung der Fahrleistung etwa wirkt sich nicht groß auf den Jahresbeitrag aus. Das macht auch im Schadensfall keine Probleme. Die bekommen Sie aber für den Fall, dass Sie Ihren 18-jährigen Sohn nicht als Fahrer angegeben haben, ihn dann aber doch ans Steuer lassen. Im Schadensfall kommt das schnell raus. Und je nachdem, wer den Unfall verschuldet hat, müssen Sie nur Beitrag nachzahlen oder bekommen sogar noch eine Vertragsstrafe aufgebrummt.

Was bedeuten falschen Angaben für den Versicherungsschutz?

Wenn Sie versehentlich eine falsche Angabe gemacht haben, ist der Versicherungsschutz nicht in Gefahr. Sie müssen also nicht befürchten, auf Ihrem Schaden sitzen zu bleiben. Aber Sie riskieren, dass Ihnen Ihr Versicherer kündigt. Dann wird es unter Umständen schwierig, eine neue günstige Versicherung zu finden.

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Was tun, wenn sich etwas ändert?

Sie können zwar warten, bis der Versicherer Sie nochmal explizit nach Ihren persönlichen Merkmalen fragt oder Sie im Schadensfall erwischt, wenn er die Kilometerstände aus dem Schadensgutachten mit dem aus dem Antrag vergleicht und Ihre Fahrleistung selbst ausrechnet. Trotzdem ist es sinnvoll, der Versicherung am besten immer dann eine Änderung mitzuteilen, sobald sie eingetreten ist.

Wenn Sie Ihr Auto auf einmal nicht mehr in einer Garage parken, wird sich das kaum auf die Beitragshöhe auswirken. Die Aufnahme des 18-jährigen Sohnes in den Fahrerkreis macht sich dagegen schon ordentlich bemerkbar, wie eine Finanztip-Studie zeigt. Trotz eines steigenden Beitrags sollten Sie so ehrlich sein und das zeitnah angeben.

Ein bisschen anders verhält es sich mit der Angabe zu den Kilometern, die Sie im Jahr fahren. Denn es macht einen Unterschied, ob Sie diese schon am Anfang oder erst am Ende des Jahres überschreiten. Sie sollten sich zunächst klar darüber werden, auf welche Höhe Sie Ihren Vertrag korrigieren müssen, bevor Sie das melden. Eventuell reicht es, die Jahresfahrleistung erst für das nächste Versicherungsjahr anzupassen.

Die Angabe von Änderungen funktioniert auch in die andere Richtung. Wenn Sie unerwartet wenig fahren oder Ihr Kind aus dem Fahrerkreis abmelden können, weil es ein eigenes Auto hat und das selbst versichert, sollten Sie das auch Ihrer Versicherung melden. Sehr wahrscheinlich bekommen Sie dann Geld erstattet.

Autor
Silke Kursawe
& Co-Autor
Jens Tartler

Stand: 22. August 2018


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