Wenn die Baby-Boomer mal in Rente gehen

  • Wie sicher sind die privaten Rentenversicherungen, wenn die Baby-Boomer in Rente gehen?

    Sind die privaten Rentenversicherungen letztendlich auch Umlagesysteme, die dann Probleme bekommen könnten?

    Oder hoffen sie dann, dass das Ausland die privaten Renten finanziert?

    Ist das hier irgendwo schon diskutiert worden?

  • Wie sicher sind die privaten Rentenversicherungen, wenn die Baby-Boomer in Rente gehen?

    Sind die privaten Rentenversicherungen letztendlich auch Umlagesysteme, die dann Probleme bekommen könnten?

    Oder hoffen sie dann, dass das Ausland die privaten Renten finanziert?

    Ist das hier irgendwo schon diskutiert worden?

    Hallo.

    1.

    Im Normalfall schon ziemlich sicher. Da sitzen bei den Versicherern viele schlaue Mathematiker, die die Juristen beraten, damit die die Kaufleute beraten können. Die wissen innerhalb ihrer Modelle, was sie tun.

    2.

    Im laufenden Betrieb werden die Versicherungen wohl wie Umlagesysteme betrieben. Es wird wohl kaum Monat für Monat eine Anlage aus dem Sparanteil eines Monatsbeitrages gekauft. Wenn aber ein Bestand verkauft wird, etwa an ein Runoff-Unternehmen, gibt es definitiv einen Kapitalstock. Bis dahin, würde ich sagen, ist die durchschnittliche Versicherung technisch eine Umlage, rechtlich aber kspitalstockbasiert. (Der Unterschied liegt meiner Ansicht nach nur in der Zuordnung des Risikos.)

    3.

    Glaube ich nicht. Innerhalb normaler Parameter sollten die Versicherer keine Probleme bekommen, nur aufgrund von Demografie.

    4.

    So direkt war das wohl noch kein Thema, zumindest nicht in letzter Zeit. Wäre mir jedenfalls nicht bewusst.

  • Jeder Versicherte hat sein eigenes Konto.

    Du zahlst Beiträge und die Versicherung kalkuliert wie hoch Deine Rente ist, die sich auf Basis Deiner Einzahlungen abzgl. ihrer Kosten ergibt.

    Das würde ja bedeuten, dass sie die Einzahlungen vornehmlich verwahren.

    Arbeiten sie nicht mit den Mitteln der Einzahler von privaten Rentenversicherungen und sind dann auf neuen Mittelzufluss angewiesen?

    Wieso ist sonst die Überschussbeteiligung meiner 1882 abgeschlossenen Lebensversicherung zum Auszahlungszeitpunkt hin komplett weggeschmolzen und die Auszahlung exakt auf den Garantiezins begrenzt gewesen? Obwohl es früher hieß, dass am Anfang riskantere, später aber sicherere Anlageformen verwendet werden (mit dem Geld wurde da offensichtlich gearbeitet). Dann hätte doch im Sinne eines Maßes an "Verwahrung" ein Teil der Überschussbeteiligung rübergerettet werden müssen(?!)

    Läuft das bei der privaten Rentenversicherung anders?

  • Hallo.

    2.

    Im laufenden Betrieb werden die Versicherungen wohl wie Umlagesysteme betrieben. Es wird wohl kaum Monat für Monat eine Anlage aus dem Sparanteil eines Monatsbeitrages gekauft. Wenn aber ein Bestand verkauft wird, etwa an ein Runoff-Unternehmen, gibt es definitiv einen Kapitalstock. Bis dahin, würde ich sagen, ist die durchschnittliche Versicherung technisch eine Umlage, rechtlich aber kspitalstockbasiert. (Der Unterschied liegt meiner Ansicht nach nur in der Zuordnung des Risikos.)

    Ich verstehe das fett gedruckte nicht. Meint das den Fall, wo sich ein Versicherer von Verträgen trennt und sie an ein anderes Institut abtritt? Also so etwas hier https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/leb…olgen-1.5771417 ?

  • Vielleicht noch als Ergänzung:

    Sollte sich die Versicherung im großen Stil verkalkuliert haben und insolvent werden, sollte der Sicherungsfonds der Lebensversicherer einspringen.

    Aber in dem von Referat Janders beschriebenen runoff-Szenario sind die Runoff-Unternehmen nicht mehr dem Sicherungsfond der Lebensversicherer angeschlossen - richtig?

    In diesem Sinne - Referat Janders - ist das runoff-Szenario für mich jetzt kein beruhigendes Szenario. Und auf dieses dann als "dann ist es endlich doch kapitalstockbasiert" zu verweisen beruhigt mich auch nicht. Das fängt mit der Frage an "Warum trennt sich der Versicherer von den Verträgen?" Und auf der Antwort darauf gibt's nur weitere quälende Fragen.

  • Run-Off heißt ja, dass sich jemand den Ablauf der bestehenden Verträge konzentriert, es fallen Neugeschäft und Vertrieb weg. Das muss nicht per se schlecht für den Versicherungsnehmer sein.

    Das Beispiel mit dem Run-Off war vielleicht nicht perfekt gewählt.

    Mir ging es eher darum, dass die laufenden Renten aus laufenden Beitragszahlungen gezahlt werden und nicht jede Prämienzahlung direkt angelegt wird.

    Wenn ich heute einen 50er bei der Bank einzahle, dann bekomme ich ein Jahr später nicht unbedingt genau diesen 50er plus Zinsen zurück. Wahrscheinlich ist "mein" 50er direkt nach der Einzahlung wieder in Umlauf geraten.

  • Natürlich arbeiten sie mit Deinen Einzahlungen.

    Mein Satz bezog sich darauf, dass wie von Referat Janders unter 1. beschrieben, die Versicherer genau kalkulieren was sie "sicher" anbieten können.

    Hier mal mein Verständnis vom Konstrukt:

    Ein Teil Deiner Einzahlung wird sicherer und ein Teil risikoreicher angelegt. Je näher der Auszahlungszeitpunkt kommt, desto risikoärmer wird angelegt. Sollte es aber zu einem Crash kommen und die Modelle der Versicherer gehen davon aus, dass es eng wird mit dem garantierten Rentenfaktor, dann wird komplett in den risikoärmeren Teil investiert. Wenn dieser dann auch noch negativ wird (Negativzinsen der vergangenen Jahre), dann werden die "geretteten" Überschüsse dann leider weiter reduziert.

    Es kann daher sein, dass Dein Vertrag aus Sicht des Versicherers negativ ist, er aber trotzdem die vereinbarte Garantie zahlen muss.

    Die ganze Nummer funktioniert natürlich in der praktischen Umsetzung nicht auf Einzelvertragsebene sondern über den Gesamtbestand. Wenn der Versicherer also feststellt, dass er in Summe mehr sichere Anlagen braucht (z.B. für bevorstehende Rentenzahlungen), werden neue Kundengelder wahrscheinlich eher da angelegt werden. Es ändert aber nichts daran, dass er für jeden Kunden ein eigenes Vertragskonto führen muss.

    Wenn also jetzt einige Jahrgänge negativ sind und der Versicherer sich schwertut hier die Garantieleistungen zu erbringen, kommt eventuell der Verkauf von Verträgen (Run-Off) in Betracht.

    Dabei versucht der Aufkäufer durch günstigere Strukturen, dann doch noch die garantierten Renten zu erzielen. Die Bafin ist bei derartigen Transaktionen immer involviert und ich meine dass auch die Aufkäufer dem Sicherungsfonds angehören.

  • 2.

    Im laufenden Betrieb werden die Versicherungen wohl wie Umlagesysteme betrieben. Es wird wohl kaum Monat für Monat eine Anlage aus dem Sparanteil eines Monatsbeitrages gekauft. Wenn aber ein Bestand verkauft wird, etwa an ein Runoff-Unternehmen, gibt es definitiv einen Kapitalstock.

    Ich halte diese Aussage für spitzfindig und somit in der Tendenz falsch. Eine private Rentenversicherung ist kein Umlagesystem, selbst dann nicht, wenn man für die 57,23 € Sparanteil des Versicherungsnehmers J. keine explizite Buchung vorweisen kann. Selbstverständlich muß ein Versicherungsunternehmen Wertpapierkäufe und -verkäufe poolen, das dürfte technisch nicht anders darstellbar sein.

    In diesem Sinne ... ist das Runoff-Szenario für mich jetzt kein beruhigendes Szenario.

    So etwas wie Sicherheit gibt es auf dieser Welt nicht. Man lebt leichter, wenn man diese Wahrheit für sich akzeptiert und nicht immer auf den typisch deutschen Verlangen nach 100% herumreitet.

    Ich halte es für wenig wahrscheinlich, daß ein großes Versicherungsunternehmen platzt, bei dem ich meine Rentenversicherung habe. Und wenn doch, dann sollte die Aufsicht dafür gesorgt haben, daß nicht etwa gar kein Geld mehr da ist, sondern allenfalls weniger, so daß die zugesagten Leistungen nicht etwa überhaupt nicht erfüllt werden können, sondern die Renten reduziert werden.

    Das in meinen Augen viel größere Problem ist die Inflation, die geldbasierte Forderungen laufend entwertet. Daß die Inflation eben doch nicht naturgesetzlich auf 2% im Jahr begrenzt ist, sehen wir ja gerade. Was hilft mir eine supersichere Geldanlage für meine Altersvorsorge, wenn die in nominal korrekter Höhe ausgezahlte Rente hinterher unerwartet weniger Kaufkraft hat?

    Da bin ich mit meinen "Risikoanlagen" vermutlich besser dran als die Sicherheitsfreunde mit ihren festverzinslichen Wertpapieren.

    Selbst dann aber gibt es Hoffnung für jene: Erwirtschaftet eine Gesellschaft mit ihrem Versichertenkapital mehr Zins (wie es in einer Lage mit hoher Inflation zu erwarten ist), muß sie gemäß aufsichtsrechtlicher Vorgabe den größten Teil des Mehrertrages an die Versicherten ausschütten. Das sollte die Wirkung der Inflation zumindest mindern.

    Solange man lebt, bleibt eine Unsicherheit. 100% Sicherheit erreicht jeder von uns, wenn man ihn auf den Friedhof trägt. Es ist auch zu 100% sicher, daß das irgendwann einmal passiert. Ich für meinen Teil hätte allerdings nichts dagegen, bis es zu dieser 100%igen Sicherheit noch ein möglichst langes Weilchen dauert.

  • Ob das jetzt wirklich leichter lesbar ist, als wenn man die Fragen des Vorredners in vier kleinen Zitaten zitiert?

    Diese kleine Gehirnleistung sollte man seinem Kopf zutrauen können. Hält fit. ?

    Erfahrungsgemäß hätten wir bei dir mit 5 Zitaten rechnen dürfen, wenn auch nur ein Satz vor der ersten Frage gestanden hätte. ?