Verkehrsweise ? Autos ÖPNV? Mobilität?

  • Dieses Thema lässt sich (weitgehend) nicht sachlich diskutieren, das geht bei vielen schon in Richtung pseudoreligiöser Fanatismus.

    Ich war kürzlich in den Niederlanden, in Zeeland. Die Vermieter des Ferienhauses leben außerhalb, 10 Autominuten vom nächsten Supermarkt entfernt, 5 Autominuten vom nächsten Haus entfernt, 30 Minuten von der nächsten größeren Stadt entfernt.

    Denen hilft es unglaublich, wenn jemand sagt (vermutlich völlig richtig), dass man in Utrecht nicht unbedingt ein Auto braucht. Die Vermieter des Ferienhauses brauchen definitiv ein Auto.

    Gleiches gilt in Deutschland. Und daher sollte man es einfach lassen, einen Weg als den einzig wahren und für alle anwendbaren zu propagieren. Das funktioniert einfach nicht.

  • wer lesen kann ist eindeutig im Vorteil

    Vielen Dank für den guten Hinweis.

    Bei dem Stadtnamen "Pontevedra" hatte ich aufgehört zu lesen, weil ich mich, wie schon geschrieben (siehe Nr. 87), an den Artikel in der SZ gut erinnern konnte und den besagten "Fall" schon kenne. Die danach im Text von Dir genannte Einwohnerzahl habe ich daher nicht mehr gelesen.

    eindeutig im Vorteil

    wird jedenfalls eine städtische Verkehrspolitik sein, die ein kohärentes Gesamtkonzept für alle Einwohner, Geschäftsinhaber, Gewerbetreibende und auch für alle Verkehrsteilnehmer bietet (Spazierende, Fußgänger, Radfahrer, Krafträder, PKWs, Busse/ÖPNV, Lieferverkehr usw. - mit Lösungen auch für behinderte bzw. in der Mobilität eingeschränkte Menschen). Solche Konzepte werden auch auf die überwiegende Akzeptanz der Beteiligten stoßen.

    Eine simple dem isolierten Mantra "Autos aus der Stadt verdrängen" folgende Vorgehensweise ohne ein solches stimmiges Gesamtkonzept wird auf den zunehmenden Widerstand der Bürger stoßen (kann man beispielsweise in meiner Geburtsstadt "bewundern" - inklusive dem damit verbundenen Niedergang der Innenstadt (samt den dortigen "Waffenverbotszonen"); siehe schon Nr. 40 und Nr. 87).

    Das gehört bei dem Thema im Sinne

    hier von mir zur Versachlichung

    auf jeden Fall dazu.

  • [...]

    Und daher sollte man es einfach lassen, einen Weg als den einzig wahren und für alle anwendbaren zu propagieren. Das funktioniert einfach nicht.

    Da stimme ich zu 100% zu: Lebenssituationen von Menschen ändern sich und damit auch das gesamte Umfeld.

    Als etwa 2008 unsere jüngste Tochter die Schule wechseln sollte und wir das Schulgeld nicht zusätzlich aufbringen konnten, habe ich meinen Kleinwagen verkauft und bin dann jahrelang täglich mit dem Fahrrad gependelt, bei Regen, Eis und Schnee. Die eingesparten Kosten wurden dann für das Schulgeld verwendet.

    2016 dann bin ich wieder auf einen Kleinwagen umgestiegen nachdem in den Jahren zuvor der Autoverkehr zunehmend rücksichtsloser wurde: schnelles Überholen in morgendlicher Dunkelheit bei 30 cm Abstand war mir zu bedrohlich geworden.

  • An meiner nächstgelegenen Bushaltestelle, der einzigen hier im Dorf, ist das Angebot von Freitagspätnachmittag bis Montagmorgen = 0. Gut, eigentlich stehen am Wochenende noch 4 Fahrten als "Anruf-Bus" drin, aber die Anrufe, die tatsächlich zu einer Fahrgastbeförderung führen, sind praktisch auch 0, weil Fahrermangel, gewisse Nachfrage vorausgesetzt... Die Woche über kann man Busse nutzen, die notgedrungen wegen der Schülerbeförderung eingesetzt sind, aber am Wochenende siehts ganz mau aus. Was den Verkehrsbetreiber nicht davon abgehalten hat, uns an der Bushaltestelle getrennt einen Fahrplan für Wochentage, und einen (leeren) fürs Wochenende anzubringen. Man diskutiert im Kreis nun darüber, die Haltestellen digitaler zu machen, konkret sollen Bildschirme die Papierpläne/Schilder ersetzen. Das wäre eine Qualitätssteigerung. Aber auf welchem Medium ich hier erkennen kann, dass der ÖPNV schlicht Mist ist und gar kein Bus kommt, ist eigentlich nachrangig.

    Jetzt könnte man sagen, das ist das Problem des Lebens in der Prärie, und das stimmt auch ein Stückweit. Andererseits bin ich in ca. 15min mit dem Auto in einer Stadt, die lt. Raumplanung ein Oberzentrum darstellt, damit also eigentlich auch Funktionen und Angebote für die umliegende "Landbevölkerung" bieten muss. Da hat man die Fahrradstraße für sich entdeckt, Bushaltestellen die keinen halben Kilometer auseinanderliegen, Buslinienverkehr im 5min-Takt... Da hat man verkehrsplanerisch für den ÖPNV einiges getan, was man schon so sehen könnte, man möchte die Autos aus dieser Stadt weitestgehend heraushalten. Alles gut und schön, aber dann muss das im Kontext der Raumplanung so aufeinander abgestimmt sein, dass ich aus einem (Ortsteil eines) Unterzentrums mit dem Bus mind. ein Mittelzentrum täglich in vernünftigem Rhytmus erreichen kann, und spätestens von dort mit Bus oder Bahn auch ins nächste Oberzentrum gelange. Klar würde das mehr Fahrzeit erfordern, als heute mit dem Auto, das wäre mir dann aber eigentlich noch egal - wenn es denn das entsprechende Angebot überhaupt gäbe, und ein Auto damit verzichtbar wäre.

    Das ÖPNV-Angebot und die Verkehrs(wege)planung sollte sich viel stärker an der Raumordnung bzw. -planung orientieren. Nicht daran, was Kommunen/Kreise für sich gerade sinnvoll finden. Denn die Raumplanung gibt letztlich auch vor, was für (und wieviele) Leute für welche Aktivitäten (Dienstleistungen, Konsummöglichkeiten, Kultur, Behörden... und auch Arbeitsplätze!) von wo nach wo gelangen müssen.