Bitcoin wird "Status eines Gold-Ersatzes" erreichen

  • Bei einer angenommenen weltweiten Gold-Gesamtmenge von 216.265,4 Tonnen1

    Bei ca. 9 Mrd Menschen sind für jeden ca. 24g Gold da. Bei einem Wert von ca. 130€ Gramm macht das ca. 3000€ in Gold pro Nase.

    Bei 21 Millionen Bitcoins bei einem Kurs von ca. 66000€ macht da ca. 150€ in Bitcoin pro Nase.

    Über den Daumen gepeilt ist also über 20 mal mehr Wert in Gold geparkt wie in Bitcoin steckt.

    Ich hoffe mal das ich mich beim Rechnen mit den ganzen Nullen nicht vertan habe.

  • Ich habe hier mal eine Tabelle wofür im ersten Quartal 2024 Gold verwendet wurde, Gold ist auch ein Wirtschaftsfaktor, und zwar ein nicht unerheblicher. Gold als reinen Wertspeicher zu reduzieren wird der Sache ganz und gar nicht gerecht.

    Wenn man berücksichtigt, dass es weltweit über 200.000 Tonnen Gold gibt und dieses Gold keinen unmittelbaren wirtschaftlichen Nutzen hat, sondern im Wesentlichen einfach „existiert“, wirken die in der Grafik dargestellten Größenordnungen insgesamt eher überschaubar.

    Der überwiegende Teil des Goldes dient als Wertspeicher. Dieser Wertspeicher kann zwar auf einen sehr langen Track Record verweisen (Lindy-Effekt), bringt jedoch auch klare Nachteile mit sich: eine schwache langfristige reale Rendite im Vergleich zu produktiven Assets sowie eine teils hohe Volatilität auf der Unterseite.

    Bitcoin hingegen verfügt über keinen vergleichbaren historischen Track Record, schlicht weil der Betrachtungszeitraum noch zu kurz ist. Entsprechend lassen sich viele der Eigenschaften, die Gold heute zugeschrieben werden, bei Bitcoin bislang weder bestätigen noch widerlegen.

  • Über den Daumen gepeilt ist also über 20 mal mehr Wert in Gold geparkt wie in Bitcoin steckt.

    Das kommt ganz gut hin und lässt sich an der aktuellen Marktkapitalisierung ablesen:

    Die gestrige Kursbewegung (30.01.2026) bei Gold von rund 4,5 % entspricht in etwa der gesamten Marktkapitalisierung von Bitcoin – und das an nur einem einzigen Tag.

    Anders gesagt: 17 Jahre Bitcoin in 24 Stunden Goldbewegung. – Das zeigt ganz gut, in welchen Dimensionen Gold spielt und wie klein Bitcoin im Vergleich immer noch ist. Wenn man sich das nüchtern vor Augen führt, relativiert sich vieles an kurzfristigem Gezappel.

    Wir sind bei Bitcoin noch sehr, sehr, sehr früh dran.


    Einundzwanzig
    30. Januar 2026 um 08:35

    Das wertvollste Produkt, das man sich mit Geld kaufen kann, ist ein leerer Kalender.

  • Wir sind bei Bitcoin noch sehr, sehr, sehr früh dran.

    Ich denke, genau an diesem Punkt liegt unsere Meinungsverschiedenheit. Du gehst davon aus, dass wir noch früh dran sind und erst am Anfang einer gewaltigen Entwicklung stehen. Ich hingegen stütze mich auf die Kapitalmarktforschung, die empirisch klar zeigt, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein nicht-produktives Asset mit geringem Track Record langfristig Bestand hat, äußerst gering ist. Man sollte sich daher nicht vom Survivorship Bias blenden lassen: Neben Gold, das überlebt hat, gibt es Tausende von „Leichen“ auf dem Friedhof der nicht-produktiven Assets.

  • Mischu die Zahlen können nicht Stimmen. Deutschland hat ja alleine schon über 300 Tonnen Gold eingelagert. Sind ja nur 289 Tonnen bei Zentralbanken angegeben.......

    Ich schrieb doch (steht auch klein in der Grafik) das es sich um Quartal 1/2024 was gehandelt wurde, aufs Jahr gerechnet grob mal 4 nehmen. Hat auch nix mit eingelagertem Gold zu ntun, sondern mit gehandeltem Gold. Übrigens hat Deutschland ca. 3350 Tonnen Gold gelagert.

  • Ich denke, genau an diesem Punkt liegt unsere Meinungsverschiedenheit. Du gehst davon aus, dass wir noch früh dran sind und erst am Anfang einer gewaltigen Entwicklung stehen. Ich hingegen stütze mich auf die Kapitalmarktforschung, die empirisch klar zeigt, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein nicht-produktives Asset mit geringem Track Record langfristig Bestand hat, äußerst gering ist. Man sollte sich daher nicht vom Survivorship Bias blenden lassen: Neben Gold, das überlebt hat, gibt es Tausende von „Leichen“ auf dem Friedhof der nicht-produktiven Assets.

    Ich glaube, man sollte hier zwei Dinge sauber trennen. Zum einen hast du völlig recht: Die Kapitalmarktforschung zeigt sehr klar, dass die Wahrscheinlichkeit gering ist, dass ein nicht-produktives Asset mit kurzem Track Record langfristig Bestand hat. Und für klassische Vermögensbildung über produktive Assets wie Unternehmen teile ich diese Sicht ausdrücklich. Empirisch landet man dort bei etwa 6–8 % realer Rendite – und wer damit zufrieden ist, fährt damit hervorragend.

    Gleichzeitig sollte man aufpassen, sich nicht vom Confirmation Bias der etablierten Modelle täuschen zu lassen ;)

    De facto stehen wir bei Bitcoin am Anfang – genau das betonst du ja selbst regelmäßig, indem du auf den sehr kurzen Betrachtungszeitraum und die junge Asset-Klasse verweist. „Jung“ und „früh“ widersprechen sich nicht, sie beschreiben denselben Zustand aus zwei Blickwinkeln.

    Der entscheidende Punkt ist für mich, dass Bitcoin nicht einfach ein weiteres nicht-produktives Asset ist, das man sauber in bestehende Schubladen einsortieren kann. Hier unterscheiden sich wahrscheinlich unsere Meinung, ich nehme mir aber heraus, dass ich mich mit dem Thema intensiver befasst habe (selbst Koryphäen wie ein Herr Beck oder Herr Kommer sind an dieser Stelle übrigens mittlerweile, trotz Kapitalmarktforschung, auch zurückgerudert und haben ihre Position in Bezug auf Bitcoin geändert – ein bisschen Demut täte dir an dieser Stelle gut, vielleicht kriegen wir das ja alle gemeinsam noch hin). Denn: Bitcoin stellt etwas qualitativ Neues dar. Bitcoin vereint fundamentale Eigenschaften, die es in dieser Kombination in der Menschheitsgeschichte bislang nicht gab: absolute Knappheit, globale Übertragbarkeit, Zensurresistenz und die Möglichkeit, Eigentum ohne Intermediäre zu halten. Gleichzeitig adressiert es ein uraltes menschliches Bedürfnis: Wert über Zeit möglichst sicher zu speichern – unabhängig von politischen oder institutionellen Machtstrukturen. Deswegen sind für mich alle empirischen Untersuchungen der Vergangenheit an dieser Stelle ohne Aussagekraft, weil wir eben eine gänzlich neue Situation haben, die es so in der Vergangenheit noch nicht gab.

    Darauf baut meine Argumentation auf. Ich betrachte Bitcoin weniger isoliert, sondern im Kontext der Rahmenbedingungen unseres Geld-, Sozial- und Wirtschaftssystems: steigende Verschuldung, demografischer Druck, politische Anreizsysteme und eine zunehmende Verwässerung monetärer Versprechen. In diesem Umfeld erscheint mir Bitcoin nicht als Zufallsprodukt, sondern als eine logische Reaktion auf strukturelle Entwicklungen.

    In diesem Sinne ist Bitcoin für mich eine Art selbsterfüllende Prophezeiung – nicht, weil sein Erfolg garantiert wäre, sondern weil die Bedingungen, unter denen er sinnvoll wird, zunehmend Realität sind. Mit einer ausreichend langen Zeitpräferenz wirkt Bitcoin für mich deshalb weniger wie eine klassische Spekulation, sondern eher wie eine asymmetrische Wette außerhalb des traditionellen Rendite-Risiko-Rahmens.

    Das heißt ausdrücklich nicht, dass Bitcoin produktive Assets ersetzt oder dass sein langfristiger Erfolg sicher ist. Niemand kennt die Zukunft. Aber genau diese Kombination aus Neuartigkeit, offenem Ausgang und potenziell großer Relevanz ist der Grund, warum ich persönlich davon ausgehe, dass wir uns noch sehr früh in diesem Prozess befinden – und warum ich Bitcoin einen Platz im Portfolio gebe.

    Am Ende unterscheiden sich unsere Positionen vermutlich weniger in den Fakten als in der Gewichtung der Wahrscheinlichkeiten. Du betonst stärker das empirisch Bewährte, ich stärker die mögliche strukturelle Neuerung. Beides ist legitim.

    Das wertvollste Produkt, das man sich mit Geld kaufen kann, ist ein leerer Kalender.

  • Lustig, wie Du immer die Monstranz der Kapitalmarktforschung vor Dir herträgst. :D Deine Argumentationen, meinst Du, genießen immer höhere Weihen, ne?! :D

    Um zu beschreiben, was ich damit meine: Es ist keine konstruktive Haltung in einer Diskussion, immer den Gestus einzunehmen, dass man selbst rein wissenschaftsbasiert argumentiert, während die Gegenüber Stuss erzählen. Insofern auch Respekt an Einundzwanzig, wie nüchtern und sachlich er dagegenargumentiert.

  • Manchmal ist auch schon mal in der Forschung etwas herausgefunden worden was dann später widerlegt wurde.

    Zu neuen Sachen gibt´s noch keine langen Zeitreihen und wie die Menschheit damit umgeht und welche Verwendung sie findet wird sich zeigen. Forschung dazu ist meist Spekulation und oft auch Interessen getrieben von der "alten" Erkenntnis bzw. Geschäftsmodellen die dahinter stehen.

    Ist das zittrige in den Edelmetallen-Kursen vielleicht schon eine Auswirkung das diese alten Assets "Konkurrenz" eines neues Assets bekommen?

    Das wird die Zukunft zeigen und für ausgeschlossen halte ich es nicht.

    Auf jeden fall ist ein Bitcoin leichter zu bedienen und zu verwahren wie ein Goldstück.

    Da die Menschen per se gerne die einfacher Lösung suchen könnte ich mir gut vorstellen das als Inflationsschutz in Zukunft der Bitcoin durchaus funktioniert.

    Abwarten, alles kann passieren. Sogar das Gegenteil.

  • Lustig, wie Du immer die Monstranz der Kapitalmarktforschung vor Dir herträgst. :D Deine Argumentationen, meinst Du, genießen immer höhere Weihen, ne?! :D

    Wie bereits erwähnt, bedienst du dich regelmäßig dem argumentum ad hominem. Es spielt keine Rolle, was ich denke oder wie ich schreibe; entscheidend ist allein, was real existiert.

    Wenn du Nachweise hast, die die Lindy-Regel widerlegen oder belegen, dass die meisten unproduktiven Assets langfristig überlebt haben, kannst du diese gerne anführen. Andernfalls sehe ich von deiner Seite kein fachliches Argument.

  • Bitcoin vereint fundamentale Eigenschaften, die es in dieser Kombination in der Menschheitsgeschichte bislang nicht gab: absolute Knappheit, globale Übertragbarkeit, Zensurresistenz und die Möglichkeit, Eigentum ohne Intermediäre zu halten.

    Ich sehe das anders. Die Aussage klingt zwar stark, hält einer genaueren Betrachtung aber nicht stand. Bitcoins „absolute Knappheit“ ist keine naturgegebene Eigenschaft, sondern beruht auf sozialem Konsens und Code, der prinzipiell änderbar ist. Forks zeigen, dass Knappheit hier nicht ontologisch ist.

    Globale Übertragbarkeit ist ebenfalls kein Alleinstellungsmerkmal. Grezüberschreitende Wertübertragung existiert seit Jahrhunderten und auch heute über Banken, Zahlungsnetzwerke oder Stablecoins, wenn auch mit Intermediären. Die Zensurresistenz ist zudem relativ: Staaten können Nutzung effektiv einschränken, indem sie On- und Offramps, Infrastruktur oder Nutzer regulieren, ohne das Protokoll selbst anzugreifen. Und Eigentum ohne Intermediäre ist kein objektiver Vorteil, sondern ein Trade-off, der neue Risiken schafft, etwa durch Schlüsselverlust, fehlenden Rechtsschutz oder irreversiblen Betrug.

    In Summe handelt es sich weniger um eine historisch einzigartige Kombination as um eine neue Ausprägung bekannter Eigenschaften mit eigenen Vor- und Nachteilen.


    Zitat von Einundzwanzig

    In diesem Sinne ist Bitcoin für mich eine Art selbsterfüllende Prophezeiung

    Du übersiehst zwei zentrale Punkte. Erstens: Seine fundamentalen Eigenschaften Knappheit, globale Übertragbarkeit, Zensurresistenz, Eigentum ohne Intermediäre sind real, aber sie garantieren weder Stabilität noch breiten Wert. Wenn sie wirklich so revolutionär und unumstritten wären, würde der Markt das widerspiegeln: Bitcoin wäe deutlich stabiler und deutlich größer im Vergleich zu traditionellen Assets. Zweitens zeigt gerade die extreme Volatilität und das Spekulationsverhalten, dass Befürworter die angebliche Einzigartigkeit überschätzen. Vieles davon ist eher ein Overconfidence-Bias: Anleger sehen in Bitcoin mehr Potenzial, als objektiv vorhanden ist. Es ist also nicht die Realität, die sich selbst erfüllt, sondern die subjektive Wahrnehmung einiger Enthusiasten, die das Bild verzerrt.

    Also nochmal: Woher nimmst du die Gewissheit, das du schlauer bist als der Markt und damit Profis mit deutlich mehr Ressourcen als du? Du musst über Informationen verfügen, die diese Profis nicht haben. Welche sind das?

  • Wenn sie wirklich so revolutionär und unumstritten wären, würde der Markt das widerspiegeln:

    Dafür das es den Bitcoin noch gar nicht so lange gibt ist er aber schon ganz gut unterwegs.

    Neue Technologien brauchen immer 20-30 Jahre bis sie sich in der breiten Masse durchsetzen.

    Das war bei Fahrrad, Auto, Radio, Eisenbahn, Fernsehen und Internet nicht anders.

  • Dafür das es den Bitcoin noch gar nicht so lange gibt ist er aber schon ganz gut unterwegs.

    Neue Technologien brauchen immer 20-30 Jahre bis sie sich in der breiten Masse durchsetzen.

    Das war bei Fahrrad, Auto, Radio, Eisenbahn, Fernsehen und Internet nicht anders.

    Ich sehe das anders. Das bisher propagierte Ziel, dass BTC bald als Zahlungsmittel akzeptiert wird und man in wenigen Jahren praktisch alles damit bezahlen kann, ist krachend gescheitert. Ich wüsste zumindest nicht, was ich damit kaufen sollte. Das Narrativ hat sich nur geändert, man spricht nun vom Wertspeicher. Dafür ist Bitcoin aufgrund seines prozyklischen Verhaltens in Krisen und der hohen Volatilität kaum geeignet. Wie es einmal sein wird, kann niemand vorhersagen.

    Das bedeutet: Der Markt sieht in BTC nach wie vor primär ein Spekulationsobjekt, also einen Zock. Würde es von Profis wirklich als ernsthafte Konkurrenz angesehen, wäre sowohl sein Anteil größer als auch sein Verhalten stabiler. Dass die Finanzindustrie mittlerweile Provisionen daraus schlägt und Produkte verkauft, ändert daran übrigens nichts. Die würden auch Kakerlaken-ETFs anbieten, wenn es Käufer gäbe. Als Qualitätsmerkmal fällt das somit aus.

    Man muss wirklich aufpassen, sich nicht vom Survivorship Bias blenden zu lassen. Noch einmal: Fast alle non-roduktiven Assets sind heute tot. Fast alle neuen Technologien, denen eine große Zukunft vorhergesagt wurde und die als Game Changer galten, sind heute verschwunden. Fast alle Produkte, die jemals erfunden wurden, existieren heute nicht mehr. Es wäre ein Fehler, die wenigen Überlebenden als Beispiel heranzuziehen.

  • Fast alle neuen Technologien, denen eine große Zukunft vorhergesagt wurde und die als Game Changer galten, sind heute verschwunden.

    Hast du ein paar Beispiele von diesen neuen Technologien denen eine große Zukunft vorhergesagt wurde?

    Wankelmotor würde mir jetzt einfallen, aber da hast du je bestimmt noch mehr Beispiele auf Lager.

  • Bitcoins „absolute Knappheit“ ist keine naturgegebene Eigenschaft, sondern beruht auf sozialem Konsens und Code, der prinzipiell änderbar ist. Forks zeigen, dass Knappheit hier nicht ontologisch ist.

    Theoretisch ja, aber kein Netzwerkteilnehmer würde dem zustimmen, da sie sonst ihre eigenen Werte verwässern würden. Dementsprechend ist dieses Szenario absolut unrealistisch. Bitcoin Cash & Co. haben zudem gezeigt, dass man Knappheit technisch kopieren kann – aber nicht Glaubwürdigkeit, Sicherheit und ökonomische Bedeutung.


    Globale Übertragbarkeit ist ebenfalls kein Alleinstellungsmerkmal. Grezüberschreitende Wertübertragung existiert seit Jahrhunderten und auch heute über Banken, Zahlungsnetzwerke oder Stablecoins, wenn auch mit Intermediären.

    Der qualitative Unterschied liegt aber in den Eigenschaften: Bitcoin ist global, final, neutral und ohne Erlaubnis übertragbar – ohne Gegenparteirisiko, Öffnungszeiten, politische Zugehörigkeit oder Bonitätsprüfung. Banken, Zahlungsnetzwerke oder Stablecoins leisten etwas Ähnliches, aber immer bedingt und widerrufbar. Das ist ein struktureller Unterschied.


    ie Zensurresistenz ist zudem relativ: Staaten können Nutzung effektiv einschränken, indem sie On- und Offramps, Infrastruktur oder Nutzer regulieren, ohne das Protokoll selbst anzugreifen. Und Eigentum ohne Intermediäre ist kein objektiver Vorteil, sondern ein Trade-off, der neue Risiken schafft, etwa durch Schlüsselverlust, fehlenden Rechtsschutz oder irreversiblen Betrug.

    Stimmt, Staaten können Nutzung erschweren, regulieren, Kosten erhöhen. Aber sie können das Protokoll nicht selektiv kontrollieren oder abschalten, solange es global verteilt genutzt wird. Zensurresistenz ist kein „geht / geht nicht“, sondern eine graduelle Eigenschaft – und Bitcoin liegt auf dieser Skala deutlich weiter außen als alles, was wir bisher kannten.


    Erstens: Seine fundamentalen Eigenschaften Knappheit, globale Übertragbarkeit, Zensurresistenz, Eigentum ohne Intermediäre sind real, aber sie garantieren weder Stabilität noch breiten Wert. Wenn sie wirklich so revolutionär und unumstritten wären, würde der Markt das widerspiegeln: Bitcoin wäe deutlich stabiler und deutlich größer im Vergleich zu traditionellen Assets.

    Hohe Volatilität und spekulatives Verhalten sind kein Gegenbeweis gegen Relevanz, sondern ein typisches Merkmal früher Marktphasen mit geringer Markttiefe. Dass Bitcoin heute kleiner und volatiler ist als etablierte Assets, spricht nicht zwingend gegen seine Eigenschaften, sondern vor allem für seinen frühen Reifegrad. Stabilität ist historisch (du argumentierst doch immer damit ;) ) fast immer ein Resultat von breiter Nutzung, nicht deren Voraussetzung.


    Zweitens zeigt gerade die extreme Volatilität und das Spekulationsverhalten, dass wenige Marktteilnehmer die angebliche Einzigartigkeit überschätzen. Vieles davon ist eher ein Overconfidence-Bias: Anleger sehen in Bitcoin mehr Potenzial, als objektiv vorhanden ist. Es ist also nicht die Realität, die sich selbst erfüllt, sondern die subjektive Wahrnehmung einiger Enthusiasten, die das Bild verzerrt.

    Der Markt ist kein homogener Akteur mit einer einzigen Zeitpräferenz. Er setzt sich aus Teilnehmern mit völlig unterschiedlichen Horizonten, Zwängen und Zielsetzungen zusammen. Kurzfristig orientierte Akteure, institutionelle Vorgaben, regulatorische Unsicherheit, Risikomanagement und Karriereanreize sorgen dafür, dass viele Marktteilnehmer gar nicht dürfen, selbst wenn sie langfristiges Potenzial sehen. Der Markt „weiß“ also nicht im Sinne einer Wahrheit, sondern spiegelt aggregierte Präferenzen unter Restriktionen wider.

    Aktuell sorgt bspw. folgendes Thema für große Unsicherheiten:

    „Clarity Act: Unklarheit wegen Trumps Krypto-Deal mit den VAE"
    Weiße-Haus-Gespräche zu Stablecoins enden ohne Einigung, während Trumps 500 Mio. USD-Investment aus den VAE den Clarity Act beeinflusst.
    de.beincrypto.com

    Langfristig ist es egal, was entschieden wird, Bitcoin wird seinen Weg trotzdem machen. Kurzfristig beeinflussen solche Entscheidungen allerdings massiv den Kurs, gerade weil die Marktkapitalisierung im Vergleich zu anderen Assets sehr gering ist.


    Vieles davon ist eher ein Overconfidence-Bias: Anleger sehen in Bitcoin mehr Potenzial, als objektiv vorhanden ist. Es ist also nicht die Realität, die sich selbst erfüllt, sondern die subjektive Wahrnehmung einiger Enthusiasten, die das Bild verzerrt.

    Also nochmal: Woher nimmst du die Gewissheit, das du schlauer bist als der Markt und damit Profis mit deutlich mehr Ressourcen als du?

    Ich nehme für mich keine Gewissheit in Anspruch. Ich behaupte nicht, schlauer zu sein als der Markt. Im Gegenteil: Ich gehe explizit davon aus, dass niemand die Zukunft kennt. Meine Position ist keine Aussage über Sicherheit, sondern über Asymmetrie. Neue monetäre Systeme entstehen nicht im luftleeren Raum, sondern dadurch, dass Menschen sie nutzen, testen, kritisieren und wieder verwerfen. Ob daraus langfristig Substanz entsteht, entscheidet sich nicht heute und nicht in einem Kurschart, sondern über Zeit, Nutzung und Robustheit gegenüber Krisen.

    Dass die Finanzindustrie mittlerweile Provisionen daraus schlägt und Produkte verkauft, ändert daran übrigens nichts. Die würden auch Kakerlaken-ETFs anbieten, wenn es Käufer gäbe. Als Qualitätsmerkmal fällt das somit aus.

    Großteile der Finanzindustrie sehen den Kryptosektor als existenzielle Gefahr, denn viele Bereiche von Banken würden damit obsolet werden, daher ist der Widerstand auch so groß, was noch einmal erklärt, warum solche fundamentalen Veränderungen Zeit benötigen (siehe Link oben).

    Das wertvollste Produkt, das man sich mit Geld kaufen kann, ist ein leerer Kalender.

  • Hast du ein paar Beispiele von diesen neuen Technologien denen eine große Zukunft vorhergesagt wurde?

    Wankelmotor würde mir jetzt einfallen, aber da hast du je bestimmt noch mehr Beispiele auf Lager.

    Allein in dem Feld in dem ich mich auskenne fallen mir ein . . Betamax, VHS-Systeme von Grundig/Philips, LaserDisc, Dial-Up-Internet, VCR-Player, Pagers, Nintendo Virtual Boy, IBM PCjr, Apple Lisa, Apple Newton, Microsoft Bob, WebTV, Orphaned Computertechnologien, Bluetooth-Gesichtsmasken und ähnliche CES-Gadgets, frühe Hoverboards, DivX-Discs, Bildplatte/TED-System, Magnetdrahtaufzeichnung . . aber auch z.B. Supersonic Transport (Konkurrenz zum Concorde).

    Ich weiß noch wie heute als ich vor ein paar Jahren auf einer Konferenz war und sich praktisch alle einig waren, dass Amazon und der Online-Handel bald Geschichte sein werden und wir alles zu Hause auf dem 3D-Drucker drucken werden. Also ich drucke heute nix mit dem 3D-Drucker und die Amazon-Lieferwagen fahren immer noch. Ich weiß auch noch wie alle davon ausgingen, dass wird bald mit Flugtaxis und autonom fahrenden Autos durch die Welt fahren. Wann war das Ziel? 2020? Kann ja jeder mal in den Himmel schauen. Ja okay. . . im Krieg scheint es wirklich gekommen sein.

    Bei Vorhersagen sind wir Menschen unglaublich schlecht. Einfach deshalb weil die Variablen unendlich sind und wir heute die neuen Ideen von morgen nicht kennen. Wir tendieren dazu etwas fortzuschreiben und bedenken nicht, dass morgen etwas kommen kann, das alles ändert.

    Die ,,Leichen" wirst du in jedem Feld und in jedem Jahrhundert zu Tausenden finden.

    Falls dich das wirklich interessiert, kann ich diese Studie und Bücher empfehlen.

    https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0166497224001901

  • Hast du ein paar Beispiele von diesen neuen Technologien denen eine große Zukunft vorhergesagt wurde?

    Wankelmotor würde mir jetzt einfallen, aber da hast du je bestimmt noch mehr Beispiele auf Lager.

    Videorekorder (egal ob VHS, Betamax oder Video 2000), wahrscheinlich hunderte von verschiedenen analogen und digitalen Speichermedien (Musikkassette, Floppydisk, ZIP-Drive, Sony Minidisk, DAT-Drives, CDs und DVDs), Overhead-Projektoren, Faxgeräte, Röhrenfernseher und sogar mein guter, alter Brockhaus. Die Liste lässt sich doch in beliebiger Länge weiterführen, wenn man noch etwas in die Vergangenheit zurückgeht. Selbst Ritterrüstungen braucht man heute nicht mehr so häufig :)