Kontomodell Feedback

  • Ich habe mir Gedanken über meine zukünftige Finanzstruktur gemacht und möchte folgende Strategie umsetzen:

    • Schritt 1: Zunächst nutze ich ein Girokonto für Gehaltseingänge und tägliche Konsumausgaben. Parallel dazu baue ich auf einem Tagesgeldkonto eine Cash-Reserve (Notgroschen) von 3 bis 4 Monatsgehältern auf.
    • Schritt 2: Sobald der Notgroschen vollständig aufgebaut ist, wird der überschüssige monatliche Betrag automatisch auf ein Depot umgeleitet.
    • Schritt 3: Das Kapital im Depot investiere ich nach der klassischen 70/30-Strategie (z. B. 70 % World / 30 % Emerging Markets), um breit gestreut vorzusorgen.
  • Kater.Ka 24. Dezember 2025 um 17:06

    Hat das Thema freigeschaltet.
  • Hallo Johnas,

    kann man so machen...

    Schritt 3. hier kannst du auch einen MSCI ACWI oder FTSE All World überlegen. EM-Anteil ist dann natürlich deutlich kleiner als 30%.

    Üblicherweise nimmt man noch eine Aufteilung in sicherheitsorientierte Anlagen (z.B. Festgeld, Geldmarktfonds) und renditeorientierte Anlagen (z.B. Aktien, Aktien-ETF) vor, je nach Risikotragfähigkeit.

    Ohne deine Ausgangssituation, Anlageziele (kurfristig-mittelfristig-langfristig), Anlagehorizont, etc. zu kennen, kann ich hier nicht ausführlicher werden. Mein Rat lautet allerdings immer auch in Finanzbildung zu investieren! Meine Buchempfehlung hierzu:

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    oder

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    Dir Alles Gute mit deinen Finanzentscheidungen und frohe Weihnachten!

  • den FTSE habe ich auch schon in Betracht gezogen. Denn beim 70/30 muss ich halt rebalancing betreiben das es schön 70/30 bleibt würde mehr Aufwand bedeuten. Ich schau mal in die Bücher rein die sie empfohlen haben und frohe Weihnachten.

  • Kann man so machen, ich persönlich allerdings nicht.

    Ich empfinde den "Notgroschen" als überschätzt bzw. überbewertet.

    Zur Erklärung: Ja, ich habe neben meinem Girokonto, das dem Gehaltseingang und Abgang von tagtäglichen Ausgaben dient auch ein Tagesgeldkonto. Aber es dient im Grunde nur zum zwischenbunkern des Geldes, das ich nach dem Gehaltseingang SOFORT dorthin übertragen lasse, damit es nicht auf dem Girokonto liegt und somit unkontrolliert ausgegeben werden kann. Die Summe die ich dort vorhalte ist irgendwo zwischen 2-4k Euro. Mehr nicht. Alles drüber hinaus wandert sofort in die ETFs.

    Da ist auch schon die krux an der pauschalisierten Angabe von 3-6 Gehälter die man für den Notgroschen (Tagesgeldkonto) ansparen "soll". Das ist meiner Ansicht nach Quatsch. Es geht nicht um Monatsgehälter sondern genauer gesagt um Monatsausgaben (die deutlich geringer sind) oder um die denkbar höchste finanzielle Ausgabe die du von heute auf morgen (oder innerhalb des Monats) tätigen müsstest? Autoreparatur? Kaputte Heizung? .... Denk dir was aus.

    DAS muss der Notgroschen abdecken können. Die 3-6 Gehälter (die wiederum von Person zu Person extrem unterschiedlich hoch ausfallen können) ist bei Leuten mit höherem Einkommen und wenig finanziellem Risiko u.U. völlig überzogen.

    Ich hatte jetzt aktuell meinen finanziellen Supergau (mit etwas Vorlauf, also es kam nicht völlig unvorbereitet): Wohnung gekündigt worden, dadurch Umzugskosten, Möbel gekauft, dann plötzlich auch noch Auto kaputt usw.

    Ich hatte bevor dies geschehen ist ca 4k Euro auf dem Tagesgeldkonto und habe dann schlichtweg das befüttern der ETF pausiert. Das wars. Somit hatte ich jetzt dieses Geld zusätzlich plus die 4k vom Tagesgeldkonto mit denen ich arbeiten konnte. Nebenher kommt natürlich immer noch regelmäßig das Gehalt rein von dem die weiteren Ausgaben bezahlt werden.

    Was würde ich machen wenn dieser "Notgroschen" aufgebraucht und das Girokonto geleert ist? Ich geh logischerweise an meine ETF und verkaufe Anteile die ich gerade im real life brauche. Punkt Ende. Da ist mir schlichtweg Wurst, ob das jetzt steuerlich nicht so schlau wäre, ich brauche schlichtweg das Geld jetzt. Mir erscheint das sinnvoller als ständig z.B. 6 Monatsgehälter auf einem Tagesgeld mehr oder weniger "Zinsfrei" zu bunkern.

    Warum sollte ich bis zu 6 Gehälter auf einem Tagesgeld oder Geldmarktfond liegen haben, das in meinem Fall eine fünfstellige Summe wäre die so gut wie keine Zinsen abwerfen? Wenn ich Geld brauche dann hole ich es aus den Anlagen, dafür sind sie auch da.

    Kurzum:

    Ich würde den Notgroschen auf eine für dich persönlich angenehme Höhe bemessen, bei der du dich wohl fühlst und auch deine Lebensumstände berücksichtig. Eine pauschale "lege xx Gehälter als Notgroschen an -Aussage" ist in meinen Augen völliger schmarrn. Auch deine Geldanlagen sind Gelder die angefasst werden können und sollen, wenn es hart auf hart kommt.


    Grüße und frohe Weihnachten!

  • Der Plan sieht schon recht gut aus und Du machst schon sehr viel richtige, wenn Du so startest. Dennoch habe ich noch ein paar Punkte, über die es sich lohnt nachzudenken.

    Daumenregeln können nie mehr sein als eine erste Orientierung. Den Ausführungen von Alaska79x stimme ich zu. Ein überdimensionierter Notgroschen bringt Nachteile. Desto höher die monatliche Sparrate ist, desto kleiner kann der Notgroschen sein, weil man im Bedarfsfall ganz einfach die Sparrate aussetzen kann. Jemand der einen sicheren Job hat mit gutem Einkommen und zur Miete wohnt braucht weniger liquide Rücklagen als ein Selbständiger, der noch in einer älteren Immobilie wohnt und eventuell Verdienstausfälle kompensieren muss. Im zweiten Fall werden Rücklagen von 3 Monatseinkommen zu wenig sein. Tatsächlich hatten mein Mann und ich etliche Jahre lang überhaupt keinen Notgroschen, weil wir beide gut verdient hatten. Höhere Ausgaben für kaputte Waschmaschinen oder Autoreparatur hätten lediglich die Sparrate für einen Monat reduziert.

    Beim Depot kann man es sich einfacher machen, wenn man einen ETF wählt, der auch Emerging Markets enthält. Die 70/30 Aufteilung erinnert mich an die mittlerweile nicht mehr ganz so häufig empfohlene Aufteilung, die sich stärker am BIP als an der Marktkapitalisierung ausgerichtet hat. Wenn man von EM überzeugt ist, kann man auch bei einem FTSE All World oder einem MSCI ACWI (IMI) immer noch eine kleine Position EM hinzufügen. Notwendig ist das meiner Einschätzung nach nicht.

    Beim Rebalancen sollte man bedenken, dass man das über einen langen Zeitraum durchhalten muss. Anfangs macht es kein Problem eine 70/30 Aufteilung durch Steuerung der Sparrate aufrecht zu erhalten. Aber irgendwann wird das Depot größer und größer und dann kann man mit der Sparrate nicht mehr viel bewegen. Spätestens wenn man Anteile verkaufen muss für das Rebalancing, entstehen Kosten und es werden Steuern fällig. Demgegenüber kann man ein 90/10 oder 80/20 Depot deutlich länger über die Sparraten ausgleichen.

    Letzter Punkt den ich anmerken will, ist die Risikobereitschaft und Risikotragfähigkeit. Die kommt mir bei dem Plan noch ein wenig zu kurz. Es gibt Zeiten an der Börse wo es zugeht wie auf einer Achterbahn und das ist nicht jedermanns Sache. Es kann helfen, wenn man sich für solche Zeiten einen Plan macht, an den man sich dann hält. Wenn einem Ausschüttungen helfen, bei der Stange zu bleiben dann ist das ok. Wenn man einen größeren Sicherheitsanker braucht, um die Schwankungen zu mindern, dann ist auch das ok. Natürlich kannst Du nach Füllung des Notgroschens mit 100 % Aktien anfangen, aber Du musst darüber nachdenken, um im Krisenmodus nicht kalt erwischt zu werden. Spätestens wenn das Depot größer ist, als du in drei Jahren ansparen kannst, solltest Du eine Vorstellung davon haben mit welchen Schwankungen im Depot Du klar kommen wirst.

  • Ich habe mir Gedanken über meine zukünftige Finanzstruktur gemacht und möchte folgende Strategie umsetzen:

    • Schritt 1: Zunächst nutze ich ein Girokonto für Gehaltseingänge und tägliche Konsumausgaben. Parallel dazu baue ich auf einem Tagesgeldkonto eine Cash-Reserve (Notgroschen) von 3 bis 4 Monatsgehältern auf.
    • Schritt 2: Sobald der Notgroschen vollständig aufgebaut ist, wird der überschüssige monatliche Betrag automatisch auf ein Depot umgeleitet.
    • Schritt 3: Das Kapital im Depot investiere ich nach der klassischen 70/30-Strategie (z. B. 70 % World / 30 % Emerging Markets), um breit gestreut vorzusorgen.

    Oh! Ein Gestalter!

    Fang doch einfach mal an mit Girokonto und Tagesgeldkonto. Bis Du eine hinreichend Reserve auf dem Tagesgeldkonto aufgebaut hast, dauert es ja ein Weilchen. Dann siehst Du weiter.

  • Kann man so machen, ich persönlich allerdings nicht.

    Ich empfinde den "Notgroschen" als überschätzt bzw. überbewertet.

    Ich halte ein mechanistisches Verfahren für überbewertet.

    Ich habe neben meinem Girokonto, das dem Gehaltseingang und Abgang von tagtäglichen Ausgaben dient auch ein Tagesgeldkonto. Aber es dient im Grunde nur zum Zwischenbunkern des Geldes, das ich nach dem Gehaltseingang SOFORT dorthin übertragen lasse, damit es nicht auf dem Girokonto liegt und somit unkontrolliert ausgegeben werden kann.

    Ich habe mein Lebtag lang nie Geld unkontrolliert ausgegeben.

    Halt! Stimmt nicht! Da hat mich mein Gedächtnis im Stich gelassen. Als Grundschüler hatte ich nie Geld in der Tasche, so daß ich es auch nicht unkontrolliert hätte ausgeben können. Eines Tages aber doch. Da fand ich (für mich völlig unerwartet) 50 Pfennig in meiner Tasche. Heureka! Jetzt kann auch ich endlich mal Pannini-Bildchen kaufen (die hießen damals anders, ich schreibe es trotzdem so). Eine Tüte kostete 20 Pfennig, als konnte ich mir 2 davon kaufen. Auch dem Heimweg vom Kiosk nach Hause fiel mir ein, wozu mir meine Mutter die 50 Pfennig gegeben hatte - ich hätte mir davon ein Heft kaufen sollen. Und das ging jetzt ja nicht mehr. Welche Konsequenzen das für mich hatte, weiß ich nicht mehr.

    Immerhin: Seitdem bin ich von unkontrollierten Geldausgaben ziemlich gefeit. Ich kann mit beliebig viel Geld shoppen gehen und trotzdem nichts ausgeben.

    Die Summe die ich dort vorhalte [also auf dem Tagesgeldkonto] ist irgendwo zwischen 2-4k Euro. Mehr nicht. Alles drüber hinaus wandert sofort in die ETFs.

    Kann man machen. Damit fährst Du Deine Liquidität halt ziemlich knapp.

    Da ist auch schon die Krux an der pauschalisierten Angabe von 3-6 Gehältern, die man für den Notgroschen (Tagesgeldkonto) ansparen "soll". Das ist meiner Ansicht nach Quatsch. Es geht nicht um Monatsgehälter, sondern genauer gesagt um Monatsausgaben (die deutlich geringer sind) oder um die denkbar höchste finanzielle Ausgabe, die du von heute auf morgen (oder innerhalb des Monats) tätigen müsstest. Autoreparatur? Kaputte Heizung? .... Denk dir was aus. DAS muss der Notgroschen abdecken können.

    Nein. :)

    Der Umgang mit Geld ist individuell. Ich führe meine Barreserve auch verhältnismäßig knapp. Eine neue Heizung könnte ich davon nicht bezahlen, ich müßte dafür dann Anlagen auflösen, was ich bewußt in Kauf nehme.

    Die 3-6 Gehälter (die wiederum von Person zu Person extrem unterschiedlich hoch ausfallen können) sind bei Leuten mit höherem Einkommen und wenig finanziellem Risiko u.U. völlig überzogen.

    :)

    Ich hatte jetzt aktuell meinen finanziellen Supergau (mit etwas Vorlauf, also es kam nicht völlig unvorbereitet): Wohnung gekündigt worden, dadurch Umzugskosten, Möbel gekauft, dann plötzlich auch noch Auto kaputt usw.

    Ich hatte bevor dies geschehen ist ca 4k Euro auf dem Tagesgeldkonto und habe dann schlichtweg das Befüttern der ETF pausiert. Das wars. Somit hatte ich jetzt dieses Geld zusätzlich plus die 4k vom Tagesgeldkonto, mit denen ich arbeiten konnte. Nebenher kommt natürlich immer noch regelmäßig das Gehalt rein, von dem die weiteren Ausgaben bezahlt werden.

    Holla! Wohnungswechsel (vermutlich mit neuer Kaution), Umzugskosten, neue Möbel kaufen, Autoreparatur bezahlen - und all das zusammen haben 4 T€ abgedeckt? Das kann keine besonders große Wohnung gewesen sein und die Autoreparatur nicht schlimm.

    Das würde bei mir für all das vermutlich nicht reichen.

    Was würde ich machen, wenn dieser "Notgroschen" aufgebraucht und das Girokonto geleert ist? Ich geh logischerweise an meine ETF und verkaufe Anteile, [deren Verkaufserlös] ich gerade im real life brauche. Punkt Ende. Da ist mir schlichtweg Wurst, ob das jetzt steuerlich nicht so schlau wäre, ich brauche schlichtweg das Geld jetzt. Mir erscheint das sinnvoller, als ständig z.B. 6 Monatsgehälter auf einem Tagesgeld mehr oder weniger "zinsfrei" zu bunkern.

    Im Moment halte ich etwa 1% des Depotvolumens als Cash. Dafür bekomme ich aktuell 3% Zins, das ist nicht schlecht. Ansonsten gilt für eine Beimischung von 1% das, was ich a.a.O. über Beimischungen geschrieben habe: Die Wertentwicklung so kleiner Depotanteile ist fast egal (in beide Richtungen).

    Ich würde den Notgroschen auf eine für dich persönlich angenehme Höhe bemessen, bei der du dich wohl fühlst und [der] auch deine Lebensumstände berücksichtigt. Eine pauschale "lege xx Gehälter als Notgroschen an -Aussage" ist in meinen Augen völliger Schmarrn. Auch deine Geldanlagen sind Gelder, die angefasst werden können und sollen, wenn es hart auf hart kommt.

    So wird er es wohl machen, so wie es jeder sinnvollerweise machen wird. Schließlich legt jeder das eigene Geld selber an.

    :)

  • Immerhin: Seitdem bin ich von unkontrollierten Geldausgaben ziemlich gefeit. Ich kann mit beliebig viel Geld shoppen gehen und trotzdem nichts ausgeben.

    Welchen Sinn macht Shopping ohne etwas zu kaufen? Klingt nach mächtig Zeitverschwendung.

    Wenig Geld auf dem Girokonto habe ich sehr gerne zur Disziplinierung bei Geldausgaben eingesetzt. Wenn nichts mehr verfügbar war, haben mein Mann und ich nur noch das nötigste ausgegeben. Ob der Geldbeutel gefüllt war oder nicht, hat keine Rolle gespielt, das muss man selbst im Griff haben.

  • Welchen Sinn macht Shopping, ohne etwas zu kaufen? Klingt nach mächtig Zeitverschwendung.

    Für mich klingt das nach Information. Ich will sehen, was es gibt. Manche Frauen gehen gern in die Stadt und dort durch alle Kleider- und Schuhgeschäfte, auch ohne was zu kaufen. Ich hingegen gehe gern in den Mediamarkt.

    Andere Leute sagen, hier im Forum zu schreiben, sei mächtig Zeitverschwendung. :)

    Wenig Geld auf dem Girokonto habe ich sehr gerne zur Disziplinierung bei Geldausgaben eingesetzt. Wenn nichts mehr verfügbar war, haben mein Mann und ich nur noch das Nötigste ausgegeben. Ob der Geldbeutel gefüllt war oder nicht, hat keine Rolle gespielt, das muss man selbst im Griff haben.

    Mir ist völlig egal, was auf dem Girokonto ist, Hauptsache, ich bin nicht in den Miesen. Grundsätzlich halte ich das Girokonto knapp, schiebe Geld aber nur unregelmäßig auf das "Tagesgeldkonto". Ich überziehe das Konto nicht, weil der Speck auf die Wurst ginge, wenn ich Geld zu 3% aufs Tagesgeldkonto schieben würde und dann 10% Dispozinsen zahlen müßte.

    Ich habe das ganz gut im Griff.

    :)