wie werde ich das Gendern los?

  • Sprache entwickelt sich nicht nur aus dem normalen Volk heraus, wie leicht naive Menschen vielleicht denken könnten, sondern insbesondere durch staatliche Reglementierungen, eine Verwaltung, Sprache und eine Normierung.

    Im Wesentlichen aber schon. Natürlich gibt es Ausnahmen, Sprache fungiert aber grundsätzlich wie ein Organismus und befindet sich in einem ständigen Adoptionsprozess. Das ist sprachwissenschaftlich auch gut belegt. – Aktuelle Tendenzen wie bspw. die verstärkte Integration von Anglizismen sind die Folge der Globalisierung. Dies sind natürlich gewachsene Strukturen. Niemand sagt von oben „jetzt müsst ihr englische Begriffe verwenden!" – Beim Gendern ist dies nicht so, hier ist eine Ideologie (neutral gemeint) im Hintergrund der Treiber dieser Veränderungen. Unabhängig davon, ob man diese gut oder schlecht heißt.

    Trüge ein Gendern nicht relativ schnell zu einer Änderung der gesprochenen Sprache bei, brauchte man sich in einigen Jahren nicht mehr darüber unterhalten ob dies nötig oder unnötig sei.

    Das Problem ist aber, dass die Sprecher der deutschen Sprache dies in der Mehrheit nicht wollen. Unabhängig vom Geschlecht. Dementsprechend führt dies zu Unzufriedenheit und Unverständnis bei vielen. Für Veränderungen wäre aber das Gegenteil notwendig, Verständnis und Zufriedenheit. Daher wird sich das Gender-Phänomen möglicherweise auf institutioneller Ebene durchsetzen, weil es gesetzlich vorgeschrieben wird – wobei es hier auch schon wieder Rückschritte gibt – im privaten Sprachgebrauch aus sprachökonomischen Gründen aber vermutlich eher ein Randphänomen bleiben.

    Das wertvollste Produkt, das man sich mit Geld kaufen kann, ist ein leerer Kalender.

  • Wenn ich da an die unheimlich sperrigen und schwierig zu schreibenden Wörter im Englischen denke, die natürlich seit der normannischen Eroberung in die Sprache „hineingerutscht“ sind und ursprünglich aus dem Lateinischen stammen…. Da es nichts von Verkürzung zu sehen.

    Soweit meine Englischkenntnisse tragen, bestätigt aber auch diese Liste das mächtige sprachökonomische Prinzip, dass es in einer Sprache keine zwei absolut synonymen Worte gibt, sondern sich auch vermeintlich synonyme Wörter in Bedeutungsnuancen, Register, Stil o. Ä. signifikant unterscheiden.

    Sprache entwickelt sich nicht nur aus dem normalen Volk heraus, wie leicht naive Menschen vielleicht denken könnten, sondern insbesondere durch staatliche Reglementierungen, eine Verwaltung, Sprache und eine Normierung.

    Deshalb ist es selbstverständlich klar, dass die regelmäßige Verwendung von verschiedenen Formen zum Beispiel im Universitäts oder Schulbereich zukünftige Sprache auch lenken könnte beziehungsweise kann.

    Du meinst mich mit naiv? :)

    Ich würde an der Stelle dennoch darauf hinweisen wollen, dass es einen Unterschied gibt zwischen dem, wie sich eine lebendige Sprache entwickelt, und dem, wie dies dann normativ umgesetzt wird. In dem Kontext der normativen Um- bzw. Durchsetzung könnte man dann viel sagen … von dem Märchen, die Lutherbibel habe das Deutsche standardisiert, über Grimms Wörterbuch bis zum Rechtschreibrat. Apropos: Mit Blick auf die normativen Aspekte des Themas kann ich nur die diesbezüglichen Empfehlungen des Rechtschreibrats empfehlen.

  • Nun ja, die Entstehung des generischen Maskulinums , wie z.B. das unpersönliche 'man' , kommt historisch aus einer Zeit, in der Männer allein gesellschaftlich relevant waren., während Frauen und Kinder per se an gesellschaftlichen Machtverhältnissen keinen Anteil hatten. Nicht umsonst schreiben meine Teilnehmer:innen :) manchmal fälschlich bis in B2 immer noch 'mann' statt man.

  • Ausländer, manchmal exstiert wohl as unpersönliche 'man' in ihren Sprachen nicht....

    Das gibt es in deutschen Dialekten und speziellen Regionen schon immer. Da benutzt „man“ nicht „man“.

    Es wird dann zu Konstruktionen mit „Du“ oder anderen Varianten.

    „Wenn du zu spät kommst, verpasst du den Bus“. Auch Umschreibungen wie „die Leute“, „einer“ oder ganz subjektlose Formulierungen sind üblich. Dadurch wirkt gesprochene Sprache persönlicher und weniger formell als das Standarddeutsch mit „man“.

    „Achim ? Den siehst du kaum draußen..“

    „Den kannst immer am Computer hocken sehn.“

    Und jetzt kein Witz:

    Die Hälfte der Bewerber:innen für die Polizei in Berlin kann keine Grammatik und keine ausreichende Rechtschreibung.
    Die können sich Kurse buchen, in denen ein Satzbau erklärt wird: Subjekt Prädikat Objekt.
    Die können kein Protokoll schreiben und nicht mit Menschen so sprechen, dass sie das nachher irgendwie wiedergeben können.

  • Und jetzt kein Witz:

    Die Hälfte der Bewerber:innen für die Polizei in Berlin kann keine Grammatik und keine ausreichende Rechtschreibung.
    Die können sich Kurse buchen, in denen ein Satzbau erklärt wird: Subjekt Prädikat Objekt.
    Die können kein Protokoll schreiben und nicht mit Menschen so sprechen, dass sie das nachher irgendwie wiedergeben können.

    Vielleicht sind bei der Polzei wohl andere Qualitäten gefragt. Hatte übrigens das, was du da beschreibst, hier selber bei der Polizei beobachten können und gewagt, eine Korrektur diesbezüglich anzubringen. Resultat: Fast wäre ich verhaftet worden!