Es gibt das Black-Swan-Risiko eines „Failed State“. Also den unwahrscheinlichen Fall, dass ein Rechtsraum innerhalb kurzer Zeit kollabiert. Das Risiko eines Failed State ist real. Ich darf an den 6. Januar 2021 erinnern. Das hätte damals auch anders ausgehen können.
Hat man dann 70 % oder mehr seines liquiden Vermögens dort allokiert, erholt man sich davon sehr wahrscheinlich nicht mehr.
Das kann nicht passieren? Doch. Zum Beispiel in Russland 1917, in Deutschland und Österreich 1914 oder 1939, in Argentinien 1946 oder in China 1949. Alles damals entwickelte Wirtschaftsräume...und dann war plötzlich alles oder fast alles weg. Auch ein Japaner, der 1989 den Großteil seines Vermögens in japanischen Aktien oder Immobilien hatte, hatte ein Problem: Über 30 Jahre negative Rendite. Übrigens war und ist dieser Home Bias sehr verbreitet. Viele US-Amerikaner halten z.B. heute ausschließlich US-Aktien.
Man darf sich nichts vormachen. Senkt man den US-Anteil und schichtet nach Europa oder Asien um, entstehen andere und neue Risiken. Es ist also immer eine Abwägungsfrage. Jeder muss sich die Frage stellen: ,,Wie viel meines Vermögens möchte ich in einem einzigen Rechtsraum investiert haben?" Wenn man sich diese Frage stellt, sollte man idealerweise nicht nur das liquide Vermögen, sondern das Gesamtvermögen betrachten.
Das würde im Grunde eher dafür sprechen, aus Diversifizierungsgründen auch in Assets zu investieren, die von einem solchen Szenario möglichst unabhängig wären und außerhalb des traditionellen Finanzsystems liegen.
Denn machen wir uns nichts vor: Sollte es in den USA tatsächlich zu einem solchen „Failed State“-Szenario kommen, dann hätten wir ein globales Systemproblem. Die USA sind wirtschaftlich, finanziell und politisch so zentral für das weltweite System, dass in einem solchen Fall praktisch alle großen Aktienmärkte massiv betroffen wären. Da helfen dann auch keine 20 % Euro Stoxx 600 oder ein paar Prozent mehr Asien im Portfolio. ![]()