Europa-ETFs

So investieren Sie richtig in europäische Aktien

Sara Zinnecker Stand: 10. April 2018
Das Wichtigste in Kürze
  • Neben einem weltweiten Aktienindex können auch europäische Indizes für Anleger interessant sein.
  • Die Indizes bündeln entweder Aktien europäischer Unternehmen mit dem größten Börsenwert: darunter Werte aus Großbritannien und der Schweiz.
  • Alternativ gibt es Indizes, die nur Aktien von Ländern beinhalten, die der Eurozone angehören: Frankreich und Deutschland haben ein großes Gewicht.
  • Börsengehandelte Indexfonds (ETFs), die europäische Indizes abbilden, eignen sich als Beimischung zu einem weltweiten Aktienportfolio.
So gehen Sie vor
  • Investieren Sie neben dem MSCI World in einen europäischen Index, wenn Sie den Anteil europäischer Aktien in Ihrem Depot erhöhen wollen.
  • Überlegen Sie, ob Sie Aktien aus ganz Europa ins Depot holen wollen oder nur Aktien aus der Eurozone.
  • Wenn Sie europaweite Aktien bevorzugen, kaufen Sie Anteile eines ETF auf den Stoxx Europe 600 Index oder MSCI Europe.
  • Wollen Sie den Euro-Anteil im Depot erhöhen, ist ein ETF auf den MSCI EMU eine Option.
  • Kaufen Sie ETFs nur über eine günstige Onlinebank oder Broker.

Börsengehandelte Indexfonds (ETFs) sind für Anleger eine kostengünstige und transparente Möglichkeit, am europäischen Aktienmarkt teilzuhaben. ETFs kopieren die Wertentwicklung von Indizes. Die wiederum enthalten eine Vielzahl von Aktien und bündeln die Kursentwicklung.

Warum europäische Aktien ins Depot nehmen?

Als Fundament für ein gemischtes Portfolio aus Aktien-ETF, Festgeld und Tagesgeld empfiehlt Finanztip Indexfonds auf breit gestreute Indizes. Allen voran steht der Weltaktienindex MSCI World, der über mehr als 1.600 Aktien aus 23 Ländern streut. Eine ausreichend breite Streuung ist wichtig. Das Kursrisiko einzelner Aktien wird so auf mehrere Schultern verteilt, und allzu große Schwankungen sind weitgehend ausgeschlossen.

Allerdings ist der Anteil an US-Unternehmen im MSCI World hoch. Ende 2016 betrug er knapp mehr als 60 Prozent. Sollte die US-Wirtschaft künftig schwächeln, würden Anleger in den MSCI World das zu spüren bekommen. Wer daher den Anteil europäischer oder in Euro notierter Aktien in seinem Depot erhöhen will, kann ergänzend auch in europäische ETFs investieren.

Welche europäischen Indizes gibt es?

Von den sechs bekanntesten Europa-Indizes enthalten drei nur Unternehmen aus dem Euroraum (Euro Stoxx, MSCI EMU und Euro Stoxx 50). Die anderen drei decken zusätzlich auch andere europäische Länder mit entwickelten Aktienmärkten ab, wie Großbritannien und die Schweiz (Stoxx Europe 600, MSCI Europe, Stoxx Europe 50).

Alle Indizes stellen die Anbieter nach dem Börsenwert der gehandelten Unternehmensaktien zusammen. Je wertvoller ein Unternehmen, desto größer ist sein Gewicht im Index. Einen Überblick über die Zusammensetzung der einzelnen Indizes liefert die folgende Tabelle.

Europäische Aktienindizes im Vergleich

IndexAnlageregionIndexkonzeptAnteil1 der wichtigsten Länder
Stoxx Europe 600Europadie 600 größten Unternehmen aus 17 europäischen Ländern; große, mittlere und kleine Firmen29 % Großbritannien, 16 % Frankreich, 14 % Deutschland, 14 % Schweiz, 5 % Spanien, 5 % Schweden, 5 % Niederlande, 3 % Italien, 3 % Dänemark, 2 % Belgien
MSCI EuropeEuropa448 Konzerne aus 15 europäischen Ländern repräsentieren ca. 85 % des Gesamtmarktes; große und mittlere Firmen29 % Großbritannien, 15 % Frankreich, 14 % Deutschland, 13 % Schweiz, 5 % Niederlande, 5 % Spanien, 5 % Schweden, 4 % Italien, 3 % Dänemark, 2 % Belgien, 2 % Finnland, 1 % Norwegen, 1 % Irland, 0,3 % Österreich, 0,2 % Portugal
Euro StoxxEuroraumalle Unternehmen des Stoxx Europe 600 aus der Eurozone: derzeit 295 aus 12 Ländern32 % Frankreich, 30 % Deutschland, 10 % Spanien, 10 % Niederlande, 7 % Italien, 4 % Belgien, 3 % Finnland, 2 % Irland, 1 % Luxemburg, 1 % Österreich
MSCI EMUEuroraumdie 242 größten Unternehmen aus 10 Ländern der Eurozone; Marktabdeckung: ca. 85 %; große und mittlere Konzerne33 % Frankreich, 30 % Deutschland, 10 % Spanien, 10 % Niederlande, 7 % Italien, 4 % Belgien, 3 % Finnland, 2 % Irland, 1 % Portugal, 1 % Österreich
Stoxx Europe 50Europadie 50 größten europäischen Unternehmen aus den wichtigsten Branchen; nur Standardwerte34 % Großbritannien, 21 % Schweiz, 15 % Frankreich, 15 % Deutschland, 5 % Niederlande, 4 % Spanien, 2 % Belgien, 2 % Italien, 2 % Dänemark
Euro Stoxx 50Euroraumdie 50 größten Unternehmen aus 19 Branchen und 11 Ländern der Eurozone; meistbeachteter Europa-Index; nur Standardwerte37 % Frankreich, 34 % Deutschland, 10 % Spanien, 9 % Niederlande, 5 & Italien, 3 % Belgien, 1 % Irland, 1 % Finnland

1Die Prozentangaben sind gerundet. 
Quellen: MSCI, Stoxx (Stand: 30. Januar 2017)

Mehr Unternehmen, mehr Rendite

Diejenigen europäischen Aktienindizes, die mehr Unternehmen enthalten, haben in der Vergangenheit tendenziell auch mehr an Wert gewonnen. Der Stoxx Europe 600 beispielsweise schnitt sowohl kurz- als auch langfristig jedes Jahr leicht besser ab als der etwas enger gefasste MSCI Europe und deutlich besser als der nochmals enger gefasste Stoxx Europe 50.

Langfristig konnte der MSCI EMU, der die 242 größten Unternehmen der Eurozone bündelt, den enger gefassten Euro Stoxx 50 schlagen. Über die vergangenen fünf Jahre profitierte er sogar mehr als die auf Europa ausgelegten Indizes Stoxx Europe 600 und MSCI Europe.

Durchschnittliche Rendite von europäischen Indizes1

 Anlagezeitraum
Index5 Jahre10 Jahre15 Jahre
 

Rendite pro

Jahr in %

Rendite pro

Jahr in %

Rendite pro

Jahr in %

Stoxx Europe 6009,813,667,41
MSCI Europe9,43,367,01
MSCI EMU10,661,946,79
Stoxx Europe 507,761,975,16
Euro Stoxx 508,770,835,56

1Die Renditen beschreiben die durchschnittliche jährliche Wertentwicklung des jeweiligen Netto-Index für den Anlagezeitraum bis 29. Dezember 2017.
Quellen: MSCI, Stoxx, Finanztip-Berechnung (Stand: 17. Januar 2018)

Die Wertentwicklung über einen bestimmten Zeitraum ist ein Indikator, den Anleger bei den unterschiedlichen Indizes berücksichtigen können. Interessant ist es aber auch, einen Blick auf die Schwankungen zu werfen. Das funktioniert gut, indem man die Wertentwicklung von Indexfonds, die Dividenden wieder anlegen, miteinander vergleicht. Für sie sind tagesaktuelle Kurse vorhanden.

Rendite und Schwankung bekannter Indizes (2013 bis 2017)1

IndexETFRenditeSchwankungsbreite2
  

in %

pro Jahr

in %

pro Jahr

Stoxx Europe 600Xtrackers
(ISIN: LU0328475792)
9,915,3
MSCI EuropeiShares (ISIN: IE00B4K48X80)9,415,2
Stoxx Europe 50Amundi (ISIN: FR0010790980)7,915,4
MSCI EMUiShares (ISIN: IE00B53QG562)1116,8
Euro Stoxx 50iShares (ISIN: IE00B53L3W79)9,418,2
zum Vergleich:   
DaxXtrackers
(ISIN: LU0274211480)
10,917,8
MSCI WorldXtrackers (ISIN: LU0274208692)13,713,2

1Wir berechnen die durchschnittlichen Jahresrenditen für den Fünf-Jahres-Anlagezeitraum Ende Dezember 2012 bis Ende Dezember 2017.
2Die Schwankungsbreite bezeichnet die Abweichung vom Rendite-Mittelwert im Betrachtungszeitraum nach oben und unten. 
Quelle: ETF-Anbieter, Finanztip-Berechnung (Stand: 13. Juni 2018)

Deutlich wird, dass die breit über europäische Aktien gestreuten Indizes, Stoxx Europe 600 und MSCI Europe, ähnlich stark schwanken. Anleger sind bei beiden Indizes gut aufgehoben. Bei den Indizes, die auf europäische Aktien beschränkt sind, birgt der MSCI EMU mit seinen mehr als 200 Komponenten ein deutlich geringeres Schwankungsrisiko. Anleger sollten diesen breiter gefasste Index dem bekannten Euro Stoxx 50 vorziehen.

Welche Rolle spielt der Wechselkurs?

Mehr als die Hälfte der Unternehmen, die in den europaweit ausgerichteten Indizes vertreten sind, stammen aus Ländern außerhalb der Eurozone. Das größte Gewicht hat Großbritannien, gefolgt von der Schweiz und Schweden. Klar ist, dass die Entwicklung der entsprechenden Landeswährungen im Vergleich zum Euro den Depotstand des Euro-Anlegers beeinflusst. Denn der Kurs der Aktien wird in Euro umgerechnet.

Steigen beispielsweise die Kurse des britischen Pfunds, des Schweizer Franken und der schwedischen Krone im Vergleich zum Euro, steigt auch der Wert des Index. Denn in Euro gerechnet kosten die Aktien aus diesen Ländern dann mehr. Umgekehrt wirkt es sich negativ auf die europaweiten Indizes aus, wenn die Fremdwährungen zum Euro fallen.

Anleger müssen also abwägen: Einerseits ermöglicht die Anlage in einen breiten europäischen Index eine bessere Streuung über Länder, Branchen und Unternehmensgrößen, andererseits führen die Schwankungen der Fremdwährungen dann zu Abweichungen zwischen der Entwicklung der Aktienkurse und der Wertentwicklung des Depots.

Anleger setzen aufs falsche Pferd

Insgesamt zeigt die Analyse, dass Anleger in der Vergangenheit mit Indexfonds auf den Stoxx Europe 600 am besten gefahren wären. Die Mehrheit setzt allerdings auf den bekannteren Euro Stoxx 50, dessen Entwicklung häufig auf den Startseiten von Finanzwebsites angezeigt wird. Den Stoxx Europe 600 dagegen sucht man dort oft vergeblich.

Das Volumen der ETFs, die dem Euro Stoxx 50 folgen und an der Frankfurter Börse gehandelt werden, betrug im Januar 2017 mehr als 30 Milliarden Euro. Die Anlagen in Indexfonds auf den Stoxx Europe 600 summierten sich gerade mal auf knapp 7 Milliarden Euro.

Indexfonds auf Europa-Indizes

Wir empfehlen Ihnen die breit gestreuten Indizes Stoxx Europe 600, MSCI Europe und den MSCI EMU. Indizes mit nur 50 Titeln wie der Stoxx Europe 50 oder der Euro Stoxx 50 haben sich in der Vergangenheit als zu anfällig für Krisen einzelner Sektoren erwiesen.

In separaten Ratgebern haben wir entsprechende börsengehandelte Indexfonds, sogenannte Exchange Traded Funds (ETFs), untersucht für die empfohlenen europaweiten Indizes Stoxx Europe 600 und MSCI Europe. Damit können Sie zu relativ geringen Kosten in die Entwicklung dieser Indizes investieren.

Wenn Sie mithilfe des Stoxx Europe 600 oder MSCI Europe Vermögen aufbauen wollen, empfehlen wir diese ETFs, die laufende Erträge wieder anlegen (thesaurieren):

Xtrackers Stoxx Europe 600
ISIN LU0328475792 / WKN DBX1A7
  • ETF auf den Stoxx Europe 600
  • physische Nachbildung des Index
  • Fonds legt Dividenden wieder im Fondsvermögen an (thesauriert)
Nur beim Anbieter abschließbar
Source Stoxx Europe 600
ISIN IE00B60SWW18 / WKN A0RGCK
  • ETF auf den Stoxx Europe 600
  • synthetische Nachbildung des Index
  • Fonds legt Dividenden wieder im Fondsvermögen an (thesauriert)
Nur beim Anbieter abschließbar
Xtrackers MSCI Europe
ISIN LU0274209237 / WKN DBX1ME
  • ETF auf den MSCI Europe
  • physische Nachbildung des Index
  • legt Dividenden wieder im Fonds an (thesauriert)
Nur beim Anbieter abschließbar
iShares MSCI Europe (ACC)
ISIN IE00B4K48X80 / WKN A0RPWG
  • ETF auf den MSCI Europe
  • physische Nachbildung des Index
  • Fonds legt Dividenden wieder im Fondsvermögen an (thesauriert)
Source MSCI Europe
ISIN IE00B60SWY32 / WKN A0RGCM
  • ETF auf den MSCI Europe
  • synthetische Nachbildung des Index
  • Fonds legt Dividenden wieder im Fondsvermögen an (thesauriert)
Nur beim Anbieter abschließbar

Anlegern, die sich auf den Euroraum konzentrieren wollen, raten wir zu Indexfonds auf den MSCI EMU. EMU steht für European Monetary Union, Europäische Währungsunion. Der Index hat bei vergleichbarer Rendite eine deutlich geringere Wertschwankungen als der Euro Stoxx 50. Besonders empfehlenswerte ETFs auf den MSCI EMU finden Sie in unserem Detailartikel.

Mehr dazu im Ratgeber Wertpapierdepot

  • Mit dem richtigen Wertpapierdepot zahlen Sie wenig fürs Kaufen und Verkaufen von Aktienfonds (ETFs).
  • Unsere Empfehlung der günstigsten Anbieter: Flatex und Onvista-Bank; die besten Kombiangebote aus Depot, Girokonto und Kreditkarte: DKB, Comdirect, Consorsbank und ING.

Zum Ratgeber

Autor
Sara Zinnecker

Stand: 10. April 2018


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