Stoxx Europe 600

Günstig teilhaben am europäischen Aktienmarkt

Sara Zinnecker Stand: 19. April 2018
Das Wichtigste in Kürze
  • Unter verschiedenen Europa-Indizes bietet der Stoxx Europe 600 die breiteste Streuung. Der Aktienindex umfasst 600 Aktien aus 18 europäischen Ländern.
  • Fonds auf diesen Index (ETFs) sind eine Alternative oder Ergänzung zum MSCI World, falls Sie den Europa-Anteil im Depot erhöhen wollen.
  • Indexfonds auf den Stoxx Europe 600 erzielten zwischen 2013 und 2017 im Durchschnitt 9,8 Prozent Rendite pro Jahr.
  • Bei der Wertentwicklung liegen alle ETFs nah beieinander: Alle haben besser abgeschnitten als der Netto-Index, der ETFs als Maßstab dient.
  • Seit 2018 gilt eine einheitliche Besteuerung für alle Varianten von ETFs.
So gehen Sie vor
  • Achten Sie nicht primär auf Kosten oder kurzfristige Wertentwicklung. Entscheiden Sie eher, ob Sie mithilfe des ETFs Vermögen aufbauen und Dividenden ansparen möchten oder ob Sie Ausschüttungen ausbezahlt haben möchten.
  • Überlegen Sie, ob Sie sich auch mit einem ETF wohlfühlen, der die Indexaktien nicht nachkauft. Das ist bei einem synthetischen ETF der Fall.
  • Schauen Sie, welchen ETF Sie günstig bei Ihrer Depotbank bekommen – als Einmalanlage oder im Sparplan.
  • Wir empfehlen insgesamt vier Indexfonds, davon die wiederanlegenden (thesaurierenden) von Xtrackers (LU0328475792) und Source (IE00B60SWW18).
  • Bei den ausschüttenden ETFs empfehlen wir die von iShares (DE0002635307) und Comstage (LU0378434582).

Mit dem Kauf von Indexfonds (ETFs) können Sie einfach und günstig am Aktienmarkt teilhaben. Um Schwankungen an einzelnen Börsen möglichst wenig ausgesetzt zu sein, sollte der Index möglichst breit über Länder, Branchen und Währungen streuen. Es gibt Indizes, die weltweit aufgestellt sind, aber auch solche, die die Aktienkurse in bestimmten Währungsräumen oder Regionen abbilden, zum Beispiel Europa.

Für wen eignen sich Europa-ETFs?

Finanztip empfiehlt vor dem Hintergrund, dass ein Index möglichst breit streuen sollte, in einen ETF auf den Weltaktienindex MSCI World zu investieren.

Er umfasst mehr als 1.600 Aktien aus 23 Ländern. Ausgewählt werden die Titel, die die größte Marktkapitalisierung haben, bei denen also die Anzahl der Aktien multipliziert mit dem Aktienkurs den größten Börsenwert ergibt. Weil viele Firmen mit hohem Börsenwert in den USA sitzen, ist der Anteil von US-Aktien im MSCI World hoch. Er liegt derzeit bei rund 60 Prozent.

Anleger, die sich dem US-Markt nicht aussetzen wollen oder eine Ergänzung zum MSCI World suchen, haben europaweit Möglichkeiten, breit anzulegen. Unter den europäischen Indizes streut am breitesten der Stoxx Europe 600. Er umfasst die 600 nach Börsenwert größten Unternehmen aus 18 europäischen Ländern, darunter auch Großbritannien, die Schweiz und Schweden. Der Index ist also nicht auf den Euro-Raum beschränkt.

Wie sich einzelne bekannte Indizes unterscheiden, veranschaulicht folgende Tabelle:

Breit gestreute Indizes im Vergleich

IndexAnlageregionIndexkonzeptAnteil der wichtigsten Länder
MSCI Worldweltweitdie 1632 nach Börsenwert größten Unternehmen der Industriestaaten; große und mittlere Konzerne60,04 % USA, 8,74 % Japan, 6,63 % Großbritannien, 3,71 % Frankreich, 3,64 % Kanada, 3,4 % Deutschland, 3,14 % Schweiz, 2,68 % Australien, 1,21 % Niederlande, 1,18 % Hongkong
Stoxx Europe 600Europadie 600 größten Unternehmen aus 18 europäischen Ländern; große, mittlere und kleine Firmen32 % Großbritannien, 15 % Frankreich, 14 % Schweiz, 13 % Deutschland, 5 % Spanien, 5 % Schweden, 4 % Niederlande, 4 % Italien, 3 % Dänemark, 2 % Belgien
MSCI EuropeEuropa448 Konzerne aus 15 europäischen Ländern repräsentieren ca. 85 % des Gesamtmarktes; große und mittlere Firmen29 % Großbritannien, 15 % Frankreich, 14 % Deutschland, 13 % Schweiz, 5 % Niederlande, 5 % Spanien, 5 % Schweden, 4 % Italien, 3 % Dänemark, 2 % Belgien, 2 % Finnland, 1 % Norwegen, 1 % Irland, 0,3 % Österreich, 0,2 % Portugal
MSCI EMUEurozonedie 242 größten Unternehmen aus 10 Ländern der Eurozone; Marktabdeckung zirka 85 %; große und mittlere Konzerne32 % Frankreich, 30 % Deutschland, 12 % Spanien, 9 % Niederland, 8 % Italien, 4 % Belgien, 3 % Finnland, 1 % Irland, 1 % Portugal, 1 % Österreich

Quelle: MSCI, Stoxx (Stand: 16. Januar 2017)

Welche ETFs kommen infrage?

2018 waren sechs börsengehandelte Indexfonds (ETFs) auf den Aktienindex Stoxx Europe 600 an der Frankfurter Börse gelistet. Einen davon haben wir von vornherein ausgeschlossen, weil er noch nicht lange auf dem Markt ist. Einen weiteren mussten wir ausschließen, da die Fondsgesellschaft Amundi eine eigene ETF-Sparte gründet und das investierte Kundenvermögen im April 2018 auf neue ETFs übergegangen ist.

Die anderen vier ETFs von den Anbietern Comstage, iShares, Source und Xtrackers haben wir für Sie untersucht.

Wir haben die ETFs in zwei Gruppen eingeteilt: in Fonds, die ihre laufenden Erträge aus Dividenden, Zinsen und anderen Finanzgeschäften wieder anlegen (thesaurieren), und in solche, die ihre Einnahmen an die Anleger ausschütten.

Thesaurierende Fonds eignen sich gut für die Vermögensbildung, da sie Erträge wieder anlegen und sich regelmäßig mehr Fondsguthaben verzinst. Anleger profitieren also von einem Zinseszinseffekt. Ausschüttende ETFs kommen für Anleger in Frage, die die jährlichen Auszahlungen auf ihrem Konto gutgeschrieben haben möchten und eine bestimmte Verwendung dafür im Sinn haben.

Folgende Tabelle zeigt die vier untersuchten ETFs im Überblick. Dabei ist auch angegeben, wie genau der ETF den Index nachbildet: indem er eine Auswahl der Original-Indexaktien nachkauft (physisch-replizierender ETF) oder sich von einer Bank (Swap-Partner) die Wertentwicklung des Index zusichern lässt (synthetischer ETF). Wie solche Tauschgeschäfte (Swaps) genau funktionieren, erklären wir im Ratgeber ETFs.

ETFs auf den Stoxx Europe 600 nach Bauart

 Art der NachbildungVerwendung der Dividenden
 ausschüttendthesaurierend
physisch replizierendiShares (ISIN: DE0002635307)Xtrackers (ISIN: LU0328475792)
synthetischComstage (ISIN: LU0378434582)Source (ISIN: IE00B60SWW18)

Quelle: Finanztip (Stand: 9. April 2018)

Den richtigen ETF auswählen

Ob Anleger einen physischen oder synthetischen ETF wählen, ist Geschmackssache. Finanztip hält das Risiko, dass Anlegern bei einem Ausfall des Anbieters oder des Swap-Partners Geld abhandenkommt, in beiden Fällen für sehr gering. Eine nähere Erläuterung dazu finden Sie in unserem Ratgeber ETFs.

Dort haben wir auch Kriterien genannt, die bei der Auswahl des richtigen ETFs helfen. Mehr als nach Kosten und Wertentwicklung sollten Sie schauen, welchen ETF Sie günstig bei Ihrer Depotbank bekommen (als Einmalanlage oder im Sparplan), ob der ETF Dividenden ansparen oder ausschütten soll und ob Sie sich mit einem synthetischen ETF wohlfühlen.

Steuerlich werden seit 2018 alle gleich behandelt

Die steuerliche Handhabe der ETFs war bis Ende 2017 ein Entscheidungskriterium: Physische ETFs, die im Ausland aufgelegt sind und Dividenden ansparen, brachten bis zur Steuererklärung für das Jahr 2017 einen zusätzlichen Aufwand bei der Steuererklärung mit sich. Bei synthetischen ETFs müssen Anleger sich bis zum Verkauf um nichts kümmern.

Diesen Unterschied gibt es aber nicht mehr. 2018 ist ein neues Gesetz zur Besteuerung von Investmentfonds in Kraft getreten. Alle Fonds werden seither steuerlich gleich behandelt.

Welche ETFs auf den Stoxx Europe 600 empfiehlt Finanztip?

Alle untersuchten ETFs erfüllen die Finanztip-Auswahlkriterien: Sie weisen ein verwaltetes Vermögen von mindestens 100 Millionen Euro auf, sind seit mindestens fünf Jahren am Markt, und der Anbieter stellt eine Website zum ETF auf Deutsch bereit. Sie sind somit Finanztip-Empfehlung.

Über einen Zeitraum von fünf Jahren, von Anfang 2013 bis Ende 2017, lagen alle untersuchten ETFs auf den Stoxx Europe 600 in der Wertentwicklung pro Jahr nah beieinander und haben nach Kosten den Netto-Index sogar leicht geschlagen. 

Der Netto-Index misst die Wertentwicklung der im Index enthaltenen Aktien inklusive Dividenden nach Abzug der Quellensteuern und dient ETFs in der Regel als Referenz.

Wertentwicklung von ETFs auf den Stoxx Europe 600

 IndexArt der
Nachbildung
Kosten-
quote
(TER) pro Jahr
durchschn.
Wertent-
wicklung
(2013 - 2017)
pro Jahr
Gewinn
(2013 - 2017),
Anlage
10.000 €
 Stoxx Europe 600  9,81 %5.964 €
ETFs
thesaurierend
Xtrackers
(ISIN: 
LU0328475792)
physisch (optimiert)0,35 %9,92 %6.045 €
 Source
(ISIN:
IE00B60SWW18)
synthetisch0,33 %9,83 %5.982 €
ETFs
ausschüttend¹
iShares
(ISIN:
DE0002635307)
physisch0,2 %10,06 %6.151 €
 Comstage
ISIN:
LU0378434582)
synthetisch0,3 %9,86 %6.002 €

¹Wir berechnen die Wertentwicklung anhand des sogenannten Net Asset Value (NAV), den die ETF-Anbieter zur Verfügung stellen. Darin sind Verwaltungskosten des ETFs schon berücksichtigt. 
Quelle: Anbieter, Finanztip-Berechnung (Stand: 9. April 2018)

Wenn ein physischer ETF besser abschneidet als der Netto-Index, bedeutet das vereinfacht ausgedrückt, dass sich der Fonds einen Anteil der Quellensteuern über Doppelbesteuerungsabkommen erstatten lassen konnte. Vielleicht hat er auch über den Verleih von Aktien ein bisschen dazuverdient. Am Ende haben die Verwaltungskosten die zusätzlichen Einnahmen nicht völlig aufgefressen.

Wenn ein synthetischer ETF besser abschneidet als der Netto-Index, so hat er ein gutes Tauschgeschäft mit der Bank ausgehandelt und verhältnismäßig geringe Kosten.

Xtrackers Stoxx Europe 600
ISIN LU0328475792 / WKN DBX1A7
  • ETF auf den Stoxx Europe 600
  • physische Nachbildung des Index
  • Fonds legt Dividenden wieder im Fondsvermögen an (thesauriert)
Source Stoxx Europe 600
ISIN IE00B60SWW18 / WKN A0RGCK
  • ETF auf den Stoxx Europe 600
  • synthetische Nachbildung des Index
  • Fonds legt Dividenden wieder im Fondsvermögen an (thesauriert)
Nur beim Anbieter abschließbar
Comstage Stoxx Europe 600
ISIN LU0378434582 / WKN ETF060
  • ETF auf den Stoxx Europe 600
  • synthetische Nachbildung des Index
  • Fonds schüttet Dividenden aus
iShares Stoxx Europe 600
ISIN DE0002635307 / WKN 263530
  • ETF auf den Stoxx Europe 600
  • physische Nachbildung des Index
  • Fonds schüttet Dividenden aus
Nur beim Anbieter abschließbar

Mehr dazu im Ratgeber Wertpapierdepot

  • Mit dem richtigen Wertpapierdepot zahlen Sie wenig fürs Kaufen und Verkaufen von Aktienfonds (ETFs).
  • Unsere Empfehlung der günstigsten Anbieter: Flatex und Onvista-Bank; die besten Kombiangebote aus Depot, Girokonto und Kreditkarte: DKB, Comdirect, Consorsbank und ING.

Zum Ratgeber

So haben wir untersucht

Untersuchung ETFs auf den Stoxx Europe 600

Folgende Auswahlkriterien mussten die ETFs in der Finanztip-Analyse im März 2018 erfüllen, um in die Analyse aufgenommen zu werden:

  • Die Fondsanteile müssen an einer deutschen Börse gehandelt werden. Andernfalls steigen die Nebenkosten beim Erwerb an.
  • Die gesetzlich vorgeschriebenen Anleger-Informationen müssen auf einer deutschsprachigen Website abrufbar sein.
  • Wir haben nur ETFs berücksichtigt, die vor 2013 auf den Markt kamen. Ohne eine entsprechende Historie ist eine Untersuchung der Wertentwicklung kaum aussagekräftig.
  • Das Fondsvolumen muss wenigstens 100 Millionen Euro betragen. Zu kleine Fonds sind langfristig möglicherweise nicht rentabel. Sie laufen Gefahr, zusammengelegt oder geschlossen zu werden.


Berechnet haben wir die Wertentwicklung der Fonds. Dazu haben wir die von den Fondsgesellschaften ausgewiesenen Netto-Inventarwerte (NAV) herangezogen. Der NAV ist die Summe aller Vermögenswerte abzüglich der Verbindlichkeiten geteilt durch die Anzahl der ausgegebenen Fondsanteile. Er wird berechnet auf Basis der Schlusskurse der im Fonds enthaltenen Wertpapiere. Die Verwaltungskosten (Total Expense Ratio, TER) sind im NAV bereits enthalten.

Manche Fonds weisen den NAV in US-Dollar aus. In diesen Fällen haben wir die Werte in Euro umgerechnet. Dazu verwendeten wir die von der Bundesbank veröffentlichten Schlusskurse auf Tagesbasis.

Bei dem ausschüttenden ETF auf den Stoxx Europe 600 haben wir künstlich eine Thesaurierung nachempfunden. Dafür haben wir die Ausschüttungen ohne Abzug von Steuern der Fondsanlage gutgeschrieben.

Folgende ETFs bildeten die Grundgesamtheit der Untersuchung. Sie sind an der Börse Frankfurt gelistet. Wir haben sie nach investiertem Vermögen geordnet.

ETFs auf den Stoxx Europe 600

AnbieterArt der
Nachbildung
und
Ertragsverwendung
investiertes
Vermögen
in Mio. €
Auflage-
datum
Kommentar
iShares (ISIN: DE0002635307)physisch-
ausschüttend
8.079,313.02.2004 
Xtrackers (ISIN: LU0328475792)physisch-
thesaurierend
1.717,720.01.2009 
BNP Paribas (ISIN: FR0011550193)synthetisch-thesaurierend1.234,316.09.2013zu jung
Amundi (ISIN: FR0010791004)synthetisch-thesaurierend416,322.09.2009nicht berücksichtigt, wurde im April 2018 auf einen neuen ETF übertragen
Source (ISIN: IE00B60SWW18)synthetisch-thesaurierend295,801.04.2009 
Comstage (ISIN: LU0378434582)synthetisch-
ausschüttend
255,103.09.2008 

Quelle: Anbieter, Börse Frankfurt (Stand: 8. März 2018)

Autor
Sara Zinnecker

Stand: 19. April 2018


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