Stoxx Europe 600

Günstig teilhaben am europäischen Aktienmarkt

Sara Zinnecker Stand: 11. April 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Unter verschiedenen Europa-Indizes bietet der Stoxx Europe 600 die breiteste Streuung. Der Aktienindex umfasst 600 Aktien aus 17 europäischen Ländern.
  • Fonds auf diesen Index (ETFs) sind eine Alternative oder Ergänzung zum MSCI World. Damit erhöhen Sie den Europa-Anteil in Ihrem Depot.
  • Indexfonds auf den Stoxx Europe 600 erzielten zwischen 2015 und 2019 im Durchschnitt knapp 7 Prozent Rendite pro Jahr.
  • Bei der Wertentwicklung liegen alle ETFs nah beieinander. Dabei haben alle besser abgeschnitten als der Netto-Index, der ETFs als Maßstab dient.
So gehen Sie vor
  • ​​​​Achten Sie nicht nur auf Kosten oder kurzfristige Wertentwicklung. Entscheiden Sie eher, ob Sie vor allem Vermögen aufbauen wollen oder an Dividenden interessiert sind. 
  • Schauen Sie, welchen ETF Sie günstig bei Ihrer Depotbank bekommen – als Einmalanlage oder im Sparplan.
  • Wir empfehlen insgesamt acht Indexfonds, davon unter anderem die wiederanlegenden (thesaurierenden) von Xtrackers (ISIN: LU0328475792), Lyxor (LU0908500753) und Amundi (LU1681040223) sowie die ausschüttenden von iShares (DE0002635307) und Comstage (LU0378434582).

Mit dem Kauf von Indexfonds (ETFs) können Sie einfach und günstig am Aktienmarkt teilhaben. Um Schwankungen an einzelnen Börsen möglichst wenig ausgesetzt zu sein, sollte der Index möglichst breit über Länder, Branchen und Währungen streuen. Es gibt Indizes, die weltweit aufgestellt sind, aber auch solche, die Aktienkurse in bestimmten Währungsräumen oder Regionen abbilden, zum Beispiel Europa.

Für wen eignen sich Europa-ETFs?

Finanztip empfiehlt vor dem Hintergrund, dass ein Index möglichst breit streuen sollte, in einen ETF auf den Weltaktienindex MSCI World zu investieren.

Er umfasst mehr als 1.600 Aktien aus 23 Ländern. Ausgewählt werden die Titel, die die größte Marktkapitalisierung haben, bei denen also die Anzahl der Aktien multipliziert mit dem Aktienkurs den größten Börsenwert ergibt. Weil viele Firmen mit hohem Börsenwert in den USA sitzen, ist der Anteil von US-Aktien im MSCI World hoch. Im April 2020 lag er bei etwa 63 Prozent.

Anleger, die sich dem US-Markt nicht in dem Maße aussetzen wollen oder eine Ergänzung zum MSCI World suchen, können auch europaweit breit anlegen. Unter den europäischen Indizes streut der Stoxx Europe 600 am breitesten. Er umfasst die 600 nach Börsenwert größten Unternehmen aus 17 europäischen Ländern, darunter auch Großbritannien, die Schweiz und Schweden. Der Index ist also nicht auf den Euroraum beschränkt.

Wie sich bekannte Indizes unterscheiden, veranschaulicht folgende Tabelle:

Breit gestreute europäische Indizes im Vergleich

IndexAnlageregionIndexkonzept                  Anteil der wichtigsten Länder
Stoxx Europe 600Europadie 600 größten Unternehmen aus 17 europäischen Ländern; große, mittlere und kleine Firmen

24,5 % Großbritannien, 17,3 % Frankreich, 14,5 % Deutschland, 5,7 Niederlande, 4,7 % Schweden, 4,4 % Spanien, 4,2 % Italien, 3,1 % Dänemark, 1,7 % Belgien

MSCI EuropeEuropa438 Konzerne aus 15 europäischen Ländern repräsentieren ca. 85 % des Gesamtmarktes; große und mittlere Firmen

24,4 % Großbritannien, 17,4 % Frankreich, 17,3 % Schweiz, 13,3 % Deutschland, 6,7 % Niederlande

Euro StoxxEuroraum alle Unternehmen des Stoxx Europe 600 aus der Eurozone: derzeit 300 aus 11 Ländern

33,8 % Frankreich, 28,5 % Deutschland, 11,2 % Niederland, 8,5 % Spanien, 8,1 % Italien, 3,4 % Finnland, 3,3 % Belgien, 1,9 % Irland, 0,7 % Österreich, 0,5 % Portugal

Quelle: MSCI, Stoxx (Stand: April 2020)

Welche ETFs kommen infrage?

2020 waren neun Indexfonds (ETFs) auf den Aktienindex Stoxx Europe 600 an der Frankfurter Börse gelistet. Einen davon haben wir von vornherein ausgeschlossen, weil er noch nicht lange auf dem Markt ist.

Die anderen acht ETFs von den Anbietern Amundi, BNP Paribas, Comstage, Invesco (Source), iShares, Lyxor und Xtrackers haben wir für Sie untersucht.

Wir haben die ETFs in zwei Gruppen eingeteilt: in Fonds, die ihre laufenden Erträge aus Dividenden, Zinsen und anderen Finanzgeschäften wieder anlegen (thesaurieren), und in solche, die ihre Einnahmen an die Anleger ausschütten.

Thesaurierende Fonds eignen sich gut für die Vermögensbildung, da sie Erträge wieder anlegen und sich dadurch regelmäßig mehr Fondsguthaben verzinst. Anleger profitieren also von einem Zinseszinseffekt. Ausschüttende ETFs kommen für Anleger in Frage, die die jährlichen Auszahlungen auf ihrem Konto gutgeschrieben haben möchten und eine bestimmte Verwendung dafür im Sinn haben.

Folgende Tabelle zeigt die untersuchten ETFs im Überblick. Dabei ist auch angegeben, wie genau der ETF den Index nachbildet: indem er eine Auswahl der Original-Indexaktien nachkauft (physisch-replizierender ETF) oder sich von einer Bank (Swap-Partner) die Wertentwicklung des Index zusichern lässt (synthetischer ETF). Wie solche Tauschgeschäfte (Swaps) genau funktionieren, erklären wir im Ratgeber ETFs.

ETFs auf den Stoxx Europe 600 nach Bauart

Art der NachbildungVerwendung der Dividenden
 thesaurierendausschüttend
physisch replizierendLyxor (ISIN: LU0908500753)iShares (ISIN: DE0002635307)
 Xtrackers
(ISIN: LU0328475792)
 
synthetischAmundi
(ISIN: LU681040223)
Comstage
(ISIN: LU0378434582)
 BNP Paribas
(ISIN: FR0011550193)
BNP Paribas
(ISIN: FR0011550672)
 Invesco
(ISIN: IE00B60SWW18)
 

Quelle: Finanztip (Stand: März 2020)

Den richtigen ETF auswählen

Ob Anleger einen physischen oder synthetischen ETF wählen, ist Geschmackssache. Finanztip hält das Risiko, dass Anlegern bei einem Ausfall des Anbieters oder des Swap-Partners Geld abhandenkommt, in beiden Fällen für sehr gering. Eine nähere Erläuterung dazu finden Sie in unserem Ratgeber ETFs.

Dort haben wir auch Kriterien genannt, die bei der Auswahl des richtigen ETF helfen. Nur nach Kosten und Wertentwicklung zu schauen, reicht nicht aus. Vielmehr sollten Sie danach entscheiden, 

  • welchen ETF Sie günstig bei Ihrem Depotanbieter bekommen (als Einmalanlage oder im Sparplan),
  • ob der ETF Dividenden ansparen oder ausschütten soll und
  • ob Sie sich mit einem synthetischen ETF wohlfühlen.

Steuerlich werden seit 2018 alle gleich behandelt

Die steuerliche Handhabe der ETFs war bis Ende 2017 ein Entscheidungskriterium: Physische ETFs, die im Ausland aufgelegt waren und Dividenden ansparten, brachten bis zur Steuererklärung für das Jahr 2017 einen zusätzlichen Aufwand bei der Steuererklärung mit sich. Bei synthetischen ETFs mussten Anleger sich bis zum Verkauf um nichts kümmern.

Diesen Unterschied gibt es aber nicht mehr. 2018 trat ein neues Gesetz zur Besteuerung von Investmentfonds in Kraft. Alle Fonds werden seither steuerlich gleich behandelt.

Welche ETFs auf den Stoxx Europe 600 empfiehlt Finanztip?

Acht ETFs, die an der Börse in Frankfurt gehandelt werden, erfüllen die Finanztip-Auswahlkriterien:

  • Sie weisen ein verwaltetes Vermögen von mindestens 100 Millionen Euro auf,
  • sind seit mindestens fünf Jahren am Markt und
  • der Anbieter stellt eine Website zum ETF auf Deutsch bereit.

Sie sind somit Finanztip-Empfehlung.

Über einen Zeitraum von fünf Jahren, von Anfang 2015 bis Ende 2019, lagen alle untersuchten ETFs auf den Stoxx Europe 600 in der Wertentwicklung pro Jahr nah beieinander und haben nach Kosten den Netto-Index sogar leicht geschlagen.

Der Netto-Index misst die Wertentwicklung der im Index enthaltenen Aktien inklusive Dividenden nach Abzug der Quellensteuern und dient ETFs in der Regel als Referenz.

Wertentwicklung thesaurierender ETFs auf den Stoxx Europe 600 (2015 bis 2019)

Index/ETFArt der 
Nachbildung
Kosten
(TER) p.a.
Wertent-
wicklung 
p.a.
Gewinn Anlage
10.000 €
Stoxx Europe 600  6,98 %4.012 €
Xtrackers (LU0328475792)physisch0,2 %7,14 %4.118 €
Lyxor (LU0908500753)physisch0,07 %7,12 %4.107 €
Amundi
(LU1681040223)
synthetisch0,18 %7,11 %4.000 €
Invesco/Source
(IE00B60SWW18)
synthetisch0,19 %7,08 %4.075 €
BNP Paribas
(FR0011550193)
synthetisch0,2 %7,06 %4.064 €

Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: März 2020)

Wertentwicklung ausschüttender ETFs auf den Stoxx Europe 600 (2015 bis 2019)

Index/ETFArt der 
Nachbildung

Kosten

(TER) p.a.

Wertent-
wicklung 
p.a.
Gewinn Anlage
10.000 €
Stoxx Europe 600  6,98 %4.012 €
iShares (DE0002635307)physisch0,2 %7,22 %4.168 €
BNP Paribas
(FR0011550672) 
synthetisch0,2 %7,06 %4.063 €
Comstage (LU0378434582)synthetisch0,2 %7,04 %4.053 €

Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: März 2020)

Wenn ein physischer ETF besser abschneidet als der Netto-Index, bedeutet das vereinfacht ausgedrückt, dass sich der Fonds einen Anteil der Quellensteuern über Doppelbesteuerungsabkommen erstatten lassen konnte. Vielleicht hat er auch über den Verleih von Aktien ein bisschen dazuverdient. Am Ende haben die Verwaltungskosten die zusätzlichen Einnahmen nicht völlig aufgefressen.

Wenn ein synthetischer ETF besser abschneidet als der Netto-Index, so hat er ein gutes Tauschgeschäft mit der Bank ausgehandelt und verhältnismäßig geringe Kosten.

Mehr dazu im Ratgeber Wertpapierdepot

  • Mit dem richtigen Wertpapierdepot zahlen Sie wenig fürs Kaufen und Verkaufen von Aktienfonds (ETFs).
  • Finanztip-Empfehlungen: Als Kombiangebot aus Depot, Girokonto und Kreditkarte haben am besten abgeschnitten: DKB, Comdirect und Consorsbank. Die günstigsten Anbieter sind: Smartbroker, Onvista-Bank und Trade Republic.

Zum Ratgeber

So haben wir untersucht

Untersuchung ETFs auf den Stoxx Europe 600 im Jahr 2020

Folgende Auswahlkriterien mussten die ETFs in der Finanztip-Analyse im März 2020 erfüllen, um in die Analyse aufgenommen zu werden:

  1. Die Fondsanteile müssen an einer deutschen Börse gehandelt werden. Andernfalls steigen die Nebenkosten beim Erwerb an.
  2. Die gesetzlich vorgeschriebenen Anlegerinformationen müssen auf einer deutschsprachigen Website abrufbar sein.
  3. Wir haben nur ETFs berücksichtigt, die vor 2015 auf den Markt kamen. Ohne eine entsprechende Historie ist eine Untersuchung der Wertentwicklung kaum aussagekräftig.
  4. Das Fondsvolumen muss wenigstens 100 Millionen Euro betragen. Zu kleine Fonds sind langfristig möglicherweise nicht rentabel. Sie laufen Gefahr, zusammengelegt oder geschlossen zu werden.

Berechnet haben wir die Wertentwicklung der Fonds. Dazu haben wir die von den Fondsgesellschaften ausgewiesenen Netto-Inventarwerte (NAV) herangezogen. Der NAV ist die Summe aller Vermögenswerte abzüglich der Verbindlichkeiten geteilt durch die Anzahl der ausgegebenen Fondsanteile. Er wird berechnet auf Basis der Schlusskurse der im Fonds enthaltenen Wertpapiere. Die Verwaltungskosten (Total Expense Ratio, TER) sind im NAV bereits enthalten.

Manche Fonds weisen den NAV in US-Dollar aus. In diesen Fällen haben wir die Werte in Euro umgerechnet. Dazu verwendeten wir die von der Bundesbank veröffentlichten Schlusskurse auf Tagesbasis.

Bei dem ausschüttenden ETF auf den Stoxx Europe 600 haben wir künstlich eine Thesaurierung nachempfunden. Dafür haben wir die Ausschüttungen ohne Abzug von Steuern der Fondsanlage gutgeschrieben.

Folgende ETFs bildeten die Grundgesamtheit der Untersuchung. Wir haben sie nach investiertem Vermögen geordnet.

ETFs auf den Stoxx Europe 600

Anbieter

Bauart und

Ertrags-

verwendung

Auflageverwaltetes
Vermögen
in Mio. €
Kommentar
iShares
(ISIN: DE0002635307)
physisch-ausschüttend13.02.20045.598,9 
Lyxor
(ISIN: LU0908500753)
physisch-thesaurierend02.04.20132.066,9 
Xtrackers
(ISIN: LU0328475792)
physisch-thesaurierend20.01.20091.591,3 
BNP Paribas
(ISIN: FR0011550193)
synthetisch-thesaurierend16.09.2013954,4 
BNP Paribas
(ISIN: FR0011550672)
synthetisch-ausschüttend16.09.2013954,4Teilfonds des BNP-ETFs (ISIN: FR0011550193)
Invesco/Source 
(ISIN: IE00B60SWW18)
synthetisch-thesaurierend02.04.2009346,9 
Comstage (ISIN: LU0378434582)synthetisch-ausschüttend02.09.2008289,9 
Amundi
(ISIN: LU1681040223)
synthetisch-thesaurierend22.09.2009192,4 
Comstage
(ISIN: DE000ETF9603)
physisch-ausschüttend28.01.201827,3keine 5 Jahre am Markt und zu geringes Anlagevolumen

Quelle: Börse Frankfurt (Stand: März 2020)

Im Fall der beiden ETFs der französischen Großbank BNP Paribas handelt es sich um einen (ausschüttenden) Fonds mit einem (thesaurierenden) Teilfonds. Das verwaltete Vermögen wird zusammengefasst ausgewiesen. 

Autor
Sara Zinnecker

Stand: 11. April 2020


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