Was passiert mit einem ETF wenn der zugrunde liegende Anbieter pleite geht?

  • Wenn der Indexanbieter pleite geht und keine Daten mehr liefert, wird die Fondsgesellschaft sich wohl einen ähnlichen Index eines anderen Anbieters suchen und darauf umstellen. Die Aktien sind noch da, die Kunden sind noch da...was sollte man sonst auch sinnvollerweise machen?

  • Was passiert mit einem ETF wenn der zugrunde liegende Index-Anbieter (z.B. MSCI, FTSE, Solactive) pleite geht oder zumindest langfristig/dauerhaft keine Daten mehr liefert? Gabs solch einen Fall bisher?

    Da hast du ja in deinem Beitrag schon drei Anbieter genannt - fällt einer davon weg, dann schließt die Fondsgesellschaft eben einen Vertrag mit einem anderen Anbieter.
    Einen solchen von dir ins Spiel gebrachten Fall gab es nach meiner Kenntnis bisher noch nicht. Die einzelnen Anbieter verlangen für die Nutzung des Index eine unterschiedlich hohe Provision, das ist auch einer der Gründe warum Fondsgesellschaften unterschiedliche Indizes für ihre Produkte nutzen.

  • Gabs solch einen Fall bisher?

    Von einer Pleite eines Index-Anbieters habe ich bisher noch nicht gehört.
    Es gab aber bereits häufiger den Fall, dass ein bestehender ETF im laufenden Betrieb den Index gewechselt hat.
    So hat z.B. xTrackers einige Ihrer ETF in den den letzten Jahren auf die ESG/SRI-Varianten des jeweiligen Index umgestellt. Das hat vielen Anlegern nicht gefallen.
    https://etf.dws.com/de-de/ueber-un…-aus-europa-an/

    iShares hat 2025 bei einigen bestehenden Multifaktor ETF den Indexanbieter MSCI gegen den Indexanbieter STOXX ausgetauscht.
    https://www.etfstream.com/de/articles/bl…ultifaktor-etfs

    Kann einem also durchaus passieren, dass ein bestehender ETF den Index wechselt. Dagegen kann man dann nur mit den Füßen abstimmen, was dann ggf. vorzeitige Steuerzahlungen auslöst.

  • Von einer Pleite eines Index-Anbieters habe ich bisher noch nicht gehört.
    Es gab aber bereits häufiger den Fall, dass ein bestehender ETF im laufenden Betrieb den Index gewechselt hat.
    So hat z.B. xTrackers einige Ihrer ETF in den den letzten Jahren auf die ESG/SRI-Varianten des jeweiligen Index umgestellt. Das hat vielen Anlegern nicht gefallen.
    https://etf.dws.com/de-de/ueber-un…-aus-europa-an/

    Interessant - Danke für die Beispiele! Was hat denn gestört an der ESG/SRI Variante? Die implizite Annahme, dass die Performance schlechter ist? Hat diese Umstellung denn dann auch viele dazu bewogen, ihre Anteile steuerwirksam zu verkaufen? Ich frage mich gerade, was für mich bei einer Indexumstellung das K.O. Kriterium wäre, bei dem ich verkaufen würde (sicherlich wenn der Index z.B. einen ganz anderen regionalen Schwerpunkt hätte, aber sonst…)?

  • Da hast du ja in deinem Beitrag schon drei Anbieter genannt - fällt einer davon weg, dann schließt die Fondsgesellschaft eben einen Vertrag mit einem anderen Anbieter.
    Einen solchen von dir ins Spiel gebrachten Fall gab es nach meiner Kenntnis bisher noch nicht. Die einzelnen Anbieter verlangen für die Nutzung des Index eine unterschiedlich hohe Provision, das ist auch einer der Gründe warum Fondsgesellschaften unterschiedliche Indizes für ihre Produkte nutzen.

    Ich habe den Eindruck, dass Solactive die großen Indizes “nachahmt”, was sich in geringfügig niedrigeren Kosten widerspiegelt. Sollte bei einer Solactive Pleite die Umstellung tatsächlich reibungslos funktionieren, könnte man gut auf einen entsprechenden Solactive ETF setzen (bei ansonsten gleichen Charakteristika der ETFs). Bei entsprechend hohen Beträgen und langem Anlagehorizont würden sich selbst eine Differenz von 0,01% bemerkbar machen.

  • Interessant - Danke für die Beispiele! Was hat denn gestört an der ESG/SRI Variante?

    Ich war nicht davon betroffen!

    Mich würde es aber stören, wenn mein einer ETF auf ESG/SRI umgestellt würde. Eben weil ich mich mit meiner Geldanlage ganz bewusst gegen ESG/SRI entschieden habe. Ich möchte den weltweiten Aktienmarkt so abbilden will, wie er nun mal ist. Und ESG/SRI ist m.E. teilweise ziemlich willkürlich in der Auswahl der Unternehmen.
    So ändern sich ja teilweise auch die Ansichten, was nun den Filterkriterien entspricht je nach weltpolitischer Lage (z.B. Rüstung, Atomkraft).

    Hier das Beispiel des xtrackers MSCI ACWI, der 2021 auf eine ESG-Variante umgestellt wurde.
    https://etf.dws.com/de-de/IE00BGHQ…d-ucits-etf-1c/

    Die implizite Annahme, dass die Performance schlechter ist?

    Ob ein SRI/ESG-Produkt langfristig besser/schlechter performt kann niemand vorhersehen. M.E. ist es eher eine persönliche Einstellung ob ich mein Geld nach 'Nachhaltigkeitskriterien' anlegen möchte oder eben nicht. Ich möchte es eben ganz bewusst nicht.

    Hat diese Umstellung denn dann auch viele dazu bewogen, ihre Anteile steuerwirksam zu verkaufen? Ich frage mich gerade, was für mich bei einer Indexumstellung das K.O. Kriterium wäre, bei dem ich verkaufen würde (sicherlich wenn der Index z.B. einen ganz anderen regionalen Schwerpunkt hätte, aber sonst…)?

    Das vermag ich nicht zu sagen. Im Wertpapierforum waren jedoch viele Anleger angesäuert.
    Zumal es eben nicht der einzige xtrackers ETF war, der 2021 den Index auf ESG/SRI gewechselt hat.

    Das mit der Steuer kann Dir auch passieren, wenn der ETF-Anbieter ETF zusammenlegt oder den Standort ändert. Amundi hat vor einigen Jahren diverse alte ETF aus den Übernahmen von Comstage/Lyxor verschmolzen. Das war dann für viele Anleger steuerpflichtige Ereignise.

    2019 hat Amundi mit dem Amundi Prime Global ETF einen MSCI World Clone für nur 0,05% TER aufgelegt. Gerade in der Corona-Krise haben viele Neuanleger in diesen ETF investiert.
    2024 hat Amundi dann den Standort des ETF von Luxemburg nach Irland geändert. Für Privatkunden war das ein steuerpflichtiges Ereignis.
    Daher ist Amundi für viele Anleger eher eine NoGo was Investments angeht.

    Ich habe den Eindruck, dass Solactive die großen Indizes “nachahmt”, was sich in geringfügig niedrigeren Kosten widerspiegelt.

    Ist ja immer so.
    AFAIK hat Vanguard 2012 FTSE mit dem All World-Index 'beauftragt' und sich für 10 Jahre die Nutzung des Index exklusiv gesichert.
    Dafür konnten Sie dann 'Ihren' Welt-ETF für eine TER von 0,22% anbieten. Das 'Urprodukt' der Welt-ETF von SPDR (MSCI ACWI IMI) lag seinerzeit bei 0,4% TER.
    Seit einigen Jahren gibt es jetzt auch von Invesco einen ETF auf den FTSE All-World Index (TER 0,15%). Und auch der MSCI ACWI IMI von SPDR kostet seit einigen Jahren 'nur' noch 0,17% TER.
    Und Voila. Der Vanguard FTSE All World kostet jetzt auch nur noch 0,19% TER.
    Konkurrenz belebt das Geschäft.
    MSCI ist halt die bekannteste 'Marke' mit dem breitesten Angebot an Indizes die aufeinander abgestimmt sind. Aber die Eigenmarken anderer Indexanbieter sind auch nicht schlechter.

    Bei entsprechend hohen Beträgen und langem Anlagehorizont würden sich selbst eine Differenz von 0,01% bemerkbar machen.

    Kann man nicht so pauschal sagen. Viel entscheidender ist nachher die Tracking-Differenz. Also wie genau der ETF-Anbieter den Index abbildet.

    Der 'alte' Finanzwesir hat das sehr gut in einem Artikel zusammengefasst, dass Kosten (TER) nicht allein entscheidend sind:
    https://www.finanzwesir.com/blog/besten-etf-finden

    Und mal ehrlich. Wenn ich meine Sparrate kontinuierlich erhöhe ist das mit Sicherheit viel entscheidender als wenn ein ETF nun eine TER von 0,05 oder 0,1% hat.
    Wenn ich natürlich die Wahl zwischen 2 identischen Produkten habe und das eine 0,12% und das andere 0,3% kostet, empfiehlt es sich den günstigeren ETF zu nehmen.

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