Warum überhaupt prozentuale Gebühren beim AV Depot zulassen?

  • Die Rechnung ist schon richtig, aber die Schlussfolgerung nicht. Also zunächst mal zu der Frage der Förderhöhe 50% vs 25%. Man muss letztlich beides separat rechnen, bei 50% ist es logischerweise besser, aber dennoch nicht gut. Es kommen effektiv 80% der Förderung dem Sparer zugute bei 50 Jahren Dauer. Das ist meiner Meinung nach eigentlich auch noch zu wenig, weil ich keine Rechtfertigung sehe, 20% zu verschenken. Aber es ist nicht komplett katastrophal.

    Viel schlechter wird es, wenn man die höheren Beträge betrachtet. Da ist die Basis also auch erhöht, aber viel weniger erhöht. Nämlich statt Faktor 1,5 nur 1,25 und das dann aber mit der gleichen, verringerten Jahresrendite. Das ist auf 50 Jahre sehr schlecht.

    Es ist andersherum, je länger die Zeit umso besser für das normale Depot. Die normale Investition wird in deinem Beispiel jedes Jahr mit 1,05 multipliziert, im AV Depot nur 1,04475. D.h. das normale Depot gleicht mit genug Zeit den Startnachteil aus. Du kannst es so zerlegen, dass beide 1,05 multiplizieren, also hebt sich das im Vergleich auf und man hat nur den Startvorteil und den Zeitnachteil. Das ergibt die Gleichung:

    1 = 1,5 * 0,995^n

    Das wird dann so nach n aufgelöst:

    n = ln(1/1,5) / ln(0,995) = knapp 81 Jahre. D.h. bis dahin wäre das AV Depot im Vorteil bei 50% Förderung.

    mit 25% Förderung:
    n = ln(1/1,25) / ln(0,995) = 44,5 Jahre. Ab dann hat die Investition im normalen Depot überholt.

    Da muss man sich aber im Klaren sein, was das bedeutet, nämlich dass bei dieser und längerer Anlagedauer der Staat eine Förderung gezahlt hat, die keinerlei Nutzen hat für den geförderten und bei einer längeren Zeit ist der Nutzen sogar negativ. D.h. ein 18 jähriger, der dieses Angebot hat, sollte darauf verzichten und lieber in das normale Depot investieren, bis er nur noch 44,5 Jahre übrig hat bis zum Ende der Anlage. Denn sonst hat er einen Schaden, eine negative Förderung. Also für Beträge über 360 Euro gilt das. Bei einer kürzeren Dauer ist ein positiver Effekt der Förderung zwar vorhanden, aber dennoch reduziert. Erst bei einer Einzahlung kurz vor dem Ende der Anlagezeit würde die Förderung komplette Wirkung haben, weil dann die schlechtere Jahresperformance keine Zeit mehr hat, sich auszuwirken.

    Also mit den Kosten von 0,2% und 25% Förderung gilt für das AV Depot im Vergleich zum normalen Depot:

    - Alle Einzahlungen bis 44,5 Jahre vor Ende der Anlage verursachen Verluste.

    - Die weiteren Einzahlungen nach diesem Zeitpunkt müssen erst mal diese Verluste wieder ausgleichen bis zu einem noch späteren Zeitpunkt

    - Bis dahin wurde die Förderung aufgewendet und hat für den Zweck der Altersvorsorge genau den Nutzen 0

    - Alle späteren Einzahlungen haben zwar einen positiven Effekt, aber dennoch verringert abhängig von der restlichen Zeit

  • Also mit den Kosten von 0,2% und 25% Förderung gilt für das AV Depot im Vergleich zum normalen Depot:

    - Alle Einzahlungen bis 44,5 Jahre vor Ende der Anlage verursachen Verluste.

    Bei 0,2% an zusätzlichen Kosten verursachen erst alle Einzahlungen bis 111,5 Jahre Verluste. Also dann In(0,998) im Nenner.

    Bei 0,5% Kosten sind es die von dir gesagten 44,5 Jahre.


    Wie bereit geschriebe, man muss abwarten, was der Markt anbietet und dann kann man rechnen, was dabei für jeden einzelnen rumkommt.

  • Was man meiner Meinung nach auch berücksichtigen sollte:

    Wir leben hier in einer Bubble.

    Viele hier legen eh schon kostengünstig in ETFs an, weltweit breit gestreut.


    In meinem persönlichen Umkreis kenne ich jedoch nur wenige, die das so handhaben.

    Ein Arbeitskollege z.B. haut 150 Euro pro Monat in eine bAV, bei der der AG lediglich den Pflichtanteil beisteuert. Jährliche Kosten dabei, unterirdisch schlecht.

    Aber... "der Chef unterstützt doch dabei". Was soll man da machen...

    Dann (natürlich) noch einen Bausparvertrag dazu.

    Der Kollege ist ein kluger Mensch. Und ich bin mir sehr sicher, dass er kein Einzelfall in Deutschland ist.

    Für diese Leute wird das neue AV-Depot eine deutliche Verbesserung gegenüber vielen anderen Vorsorgeprodukten sein.

    Selbst mein Chef, der ETFs im Allgemeinen verteufelt, (seitdem er vor Jahren bei einem wohl höchst spekulativen ETF viel Geld verloren hat) kam auf mich zu und sprach über das neue AV-Depot und wie gut das wäre.

    Das zeigt mir einfach, dass es dieses Mal viele Menschen in Deutschlan animieren könnte in Aktien/ETF zu investieren. Es könnte also in die richtige Richtung gehen.

  • Ach, gilt das immer noch?

    Ja. Eine meiner Nichten zieht sich gerade auf Empfehlung ihres Bruder Mel Gibsons Passion Christi rein.

    Da wird viel unhistorischer Mist gezeigt und Jesus von Nazareth wird fast 15 Minuten lang von den römischen Handlangern brutalst ausgepeitscht…

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