Robo-Advisor

Digitale Anlagehilfe gegen Aufpreis

Sara Zinnecker Stand: 20. Juni 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Sogenannte Robo-Advisors sind ein noch recht neues Angebot auf dem Finanzmarkt.
  • Gemeint sind meist junge Unternehmen, die das Geld der Kunden mit Hilfe einer Software in Wertpapieren (meist Indexfonds, ETFs) anlegen. Wir nennen sie auch digitale Anlagehelfer.
  • Bevor Sie dem Robo-Advisor Geld übertragen, müssen Sie Fragen zum finanziellen Hintergrund und zur Risikofreude beantworten. Der Anlagehelfer schlägt Ihnen dann ein Wertpapier-Portfolio vor.
  • Ansonsten haben Sie wenig Arbeit: Der Robo-Advisor eröffnet und verwaltet das Wertpapierdepot und kauft und verkauft die Wertpapiere für Sie.
  • Für den Service verlangen Robo-Advisors Geld: Ein guter Anbieter hält die Gesamtkosten unter 1 Prozent der Anlagesumme pro Jahr.
So gehen Sie vor
  • Prüfen Sie zunächst, ob Sie Ihr frei verfügbares Vermögen nicht in Form von Festgeld und Aktien-ETFs selbst anlegen können. Das ist deutlich günstiger.
  • Wenden Sie sich an einen Robo-Advisor, wenn Sie sich nicht selbst um ihre Geldanlage kümmern wollen. Der Anbieter schlägt Ihnen eine Anlage vor, die zu Ihrem Risikoempfinden passt und übernimmt die Geldanlage auch technisch für Sie.
  • Möchten Sie den Finanztip-Leitlinien zur Geldanlage bestmöglich folgen und dabei unterstützt werden, empfehlen wir Ihnen die Robo-Advisors Quirion und Growney.
  • Wissen Sie bereits, wie Ihre Geldanlage aussehen soll und scheuen Sie nur die technische Umsetzung, empfehlen wir die vorgegebenen Portfolios von Weltinvest.

2014 traten die ersten sogenannten Robo-Advisors im Internet an. Das Versprechen der jungen Unternehmen: eine günstige Geldanlage nach festen Regeln anzubieten, die möglichst viel für Sparer herausholt, und mit ein paar Klicks zu haben ist. Anfang 2019 tummeln sich mehr als 30 Robo-Advisors am deutschen Markt, die insgesamt mehr als eine Milliarde Euro deutscher Kunden betreuen.

Wie funktionieren Robo-Advisors? 

Robo-Advisors nehmen Sparern die Geldanlage umfassend ab. Sie fragen ab, wie viel Risiko ein Kunde bereit ist einzugehen, eine Software schlägt eine passende Geldanlage vor und der Anbieter setzt diese dann technisch für den Kunden um. Mit „Advisor“ ist ein Ratgeber oder Betreuer gemeint. Wir nennen die Robos auch digitale Anlagehelfer. 

Risikotyp bestimmen - Zunächst müssen Sparer in der Regel einen mehrteiligen Fragebogen ausfüllen und dort zum Beispiel Angaben zum Vermögen machen. Auch müssen sie angeben, wie viele zwischenzeitliche Verluste sie ertragen könnten – etwa bei einem Börsenabschwung. Zehn oder mehr Fragen können das schon sein. 

Anlageklassen aussuchen - Aus dem Risikotyp leiten die Anlagehelfer ab, auf welche Anlageklassen sie das Kundengeld aufteilen. Anlageklassen sind zum Beispiel Aktien, Anleihen, Rohstoffe oder Immobilien. Sie nutzen dafür häufig Regeln, die aus der Kapitalmarkttheorie stammen. Wer mehr Verlustrisiko einzugehen bereit ist, erhält in der Regel ein Portfolio, das zum Großteil aus Aktienfonds besteht. Wer weniger Risiko tragen möchte, bekommt mehr Anleihen beigemischt. Diese Anlageklasse erwirtschaftet aktuell kaum Zinsen, bewirkt aber, dass das Portfolio etwas weniger schwankt. 

Technische Umsetzung - Stimmt der Kunde der Aufteilung seines Geldes auf die Anlageklassen zu, setzen die digitalen Anlagehelfer dieses Portfolio technisch für Sparer um: Das heißt, sie eröffnen ein Depot für den Kunden, suchen günstige Aktienfonds (ETFs) heraus und kaufen und verkaufen diese. ETFs sind Fonds, die Aktien und Anleiheindizes – manchmal auch Rohstoff- und Immobilienindizes – einfach nachbauen.

Service kostet Aufpreis

Sehr viele Robo-Advisors legen in kostengünstige ETFs an. Deren Verwaltungsgebühr liegt oft in der Größenordnung von 0,3 Prozent im Jahr. Für die Umsetzung der Geldanlage, den Service also, kommen anschließend nochmal Gebühren obendrauf. Der Aufpreis variiert von Anbieter zu Anbieter und kann zwischen einem knappen halben Prozent der Anlagesumme bis zu mehr als 1 Prozent jährlich ausmachen. 

Aktive versus passive Robo-Advisors

Ist das Ausgangsportfolio einmal bestimmt, unterscheiden sich die digitalen Anlagehelfer darin, wie sie die Geldanlage für Kunden steuern. 

Manche folgen einem aktiven Ansatz. Das heißt, sie verteilen Vermögen laufend je nach Börsengeschehen zwischen Fonds um. Ziel ist es oft, dass Verluste mit sehr großer Wahrscheinlichkeit einen bestimmten Wert nicht überschreiten. Dazu sind Simulationen nötig – dafür wiederum braucht es Annahmen über die Verteilung von Renditen. Manche Anbieter achten dabei auch auf die Meinung der hausinternen Analysten.  

Andere Robo-Advisors folgen einem passiven Ansatz. Ihr Ziel ist es, die anfangs festgelegte, weltweit aufgestellte Vermögensaufteilung beizubehalten. Meist schichten die Anbieter Vermögenswerte wenige Mal im Jahr so um, dass die ursprüngliche Verteilung auf Anlageklassen wiederhergestellt ist (Rebalancing). Simulationen unter Annahmen gibt es nicht, ebensowenig spielen Expertenmeinungen eine Rolle.

Robo-Advisors schützen nicht vor Verlusten 

Auch wenn der Robo-Advisor Dienstleistungen wie die Käufe und Verkäufe der Wertpapiere für Sie übernimmt: Ein Schutz vor Kursverlusten und sonstigen Anlagerisiken ist die automatisierte Geldanlage nicht. 

Geht es etwa an der Börse nach unten oder steigen die Zinsen deutlich an, schlagen sich die Kursänderungen bei Aktien und Anleihen auch in Ihrem Depot nieder. 

Die Anlagehelfer haften allerdings dafür, dass die empfohlenen Wertpapiere zu Ihren persönlichen Verhältnissen und Ihren Anlagezielen passen – immer vorausgesetzt, Sie haben die Fragen zu diesen Themen richtig und vollständig beantwortet.

Für welche Sparer eignen sich Robo-Advisors?

Für Finanztip steht fest: Eine gute Geldanlage braucht nicht viele Hilfsmittel. Sie muss auch nicht viel kosten. Wir empfehlen daher eigentlich, dass Sie sich selbst darum kümmern. Wer aber die Verantwortung für die Geldanlage nicht selbst tragen kann oder will, sollte sich den Service eines guten Robo-Advisors genauer anschauen.

Selbstgemachte Geldanlage

Die Finanztip-Grundempfehlung lautet, einen Teil des Geldes langfristig in günstige, breit aufgestellte Aktien-Indexfonds (ETFs) zu investieren und – je nach Risikoneigung – einen anderen Teil in Festgeld oder Tagesgeld, um die Schwankungen am Aktienmarkt etwas aufzufangen. Diese selbstgemachte Geldanlage ist unschlagbar günstig

Sie brauchen dafür

Unsere Berechnungen zeigen: Wer in der Vergangenheit beliebige 15 Jahre ein Portfolio gehalten hat, das anfangs zu 80 Prozent aus dem Weltaktienindex und zu 20 Prozent aus Tagesgeld bestand, hat niemals Geld verloren. 

Mehr dazu im Ratgeber Geldanlage

  • Gute Geldanlage kriegen Sie selbst hin! Kosten zu sparen ist der erste Schritt zu einer guten Rendite.
  • Weitere Ratgeber: Tagesgeld, Festgeld, Indexfonds

Zum Ratgeber

Automatisierte Geldanlage

Über einen digitalen Anlagehelfer können Sie nachdenken, wenn Sie lieber einen Teil der Verantwortung für die Geldanlage abgeben wollen. Das heißt, wenn Sie

  • Unterstützung wünschen bei der Entscheidung, wie viel Risiko Sie bei der Geldanlage tragen wollen oder können, 
  • einen konkreten Vorschlag schätzen bei der Frage, welche ETFs Sie kaufen und wie Sie diese kombinieren sollen, um Ihre Risikoneigung abzubilden,
  • die technische Umsetzung Ihrer Geldanlage abgeben wollen und
  • bei einem Börsenabschwung emotional reagieren. Robo-Advisors helfen Ihnen, ein einmal gewähltes Portfolio langfristig beizubehalten. Anleger dürften zweimal nachdenken, bevor sie sich beim Robo-Advisor einloggen und das eigens erstellte Portfolio für den Vermögensaufbau auflösen. 

Für diesen Service des „An-die-Hand-Nehmens“ zahlen Sie einen Aufpreis im Vergleich zur selbstgemachten Geldanlage. Der Aufpreis kann zwischen ein paar Zehntel Prozentpunkten und einem ganzen Prozent pro Jahr auf den Anlagebetrag liegen. 

Wägen Sie also ab, ob Ihnen der Zusatznutzen des Robo-Advisors den Aufpreis auch Wert ist: Vor allem für ein Portfolio mit geringem Aktienanteil, ist der Robo-Advisor deutlich teurer als ein selbstgemachtes Portfolio aus Tages- und Festgeld. Haben Sie sich bisher bei Ihrer Geldanlage von Ihrer Bank beraten lassen, ist ein Robo-Advisor kostenseitig stets eine Verbesserung.

Welche Robo-Advisors kommen infrage?

Im Februar und März 2019 haben wir die wichtigsten Anbieter im Bereich Robo-Advisory und digitale Vermögensverwaltung auf dem deutschen Markt identifiziert. Darunter waren mehr als 20 Anbieter, die laufend aktiv in die Vermögensaufteilung eingreifen und eine Handvoll, die ein einmal bestimmtes Portfolio beibehalten (passiver Ansatz).

Aktive Robo-Advisors kein Teil der Betrachtung 

Die aktiv agierenden Robo-Advisors bewertet Finanztip zum aktuellen Zeitpunkt nicht. Um Verlustrisiken einschätzen zu können und aktiv gegenzusteuern, müssen die Anbieter viele Annahmen treffen. Das genaue Vorgehen ist von außen schwer nachzuvollziehen und zu bewerten.

Der aktive Ansatz muss sich also erst beweisen – über längere Zeiten, bestenfalls über einen ganzen Börsenzyklus (Abschwung mit anschließender Erholung) hinweg. Die größten aktiven Robo-Advisors sind Scalable Capital (mit Abstand), danach Cominvest, Liqid, Truevest und Whitebox.

Passive Robo-Advisors setzen Finanztip-Anlageempfehlung eher um  

Robo-Advisors, die einem passiven Ansatz folgen, liegen näher bei den Finanztip-Grundsätzen der Geldanlage. Sie legen einmal am Anfang fest, in welche Anlageklassen das Geld der Kunden fließen soll und bringen das Portfolio automatisch meist einmal im Jahr auf diese Anfangsaufteilung zurück. Ansonsten folgt das Portfolio der Entwicklung des Marktes, weiteres Eingreifen gibt es nicht. 

Wir haben also diese passiven digitalen Anlagehelfer näher betrachtet. Um zu beurteilen, welche Anbieter besonders gut sind, haben wir uns mehrere Kriterien angeschaut. Wichtig war uns: 

  • Die Anbieter sind für Privatanleger geeignet, sie setzen also die Mindestanlagesumme nicht höher als 10.000 Euro an.
  • Die technische Umsetzung der passiven Geldanlage passiert online und aus einer Hand. Mischfonds oder Dachfonds haben wir beispielsweise aus diesem Grund ausgeschlossen.
  • Verwaltungs- und Fondskosten für 15.000 Euro angelegtes Geld machen nicht mehr als 1 Prozent der Anlagesumme pro Jahr aus. Der Abstand zur selbstgemachten Geldanlage ist sonst zu groß im Verhältnis zum Mehrwert an Service.
  • Die Anbieter stellen den Kunden ein breit aufgestelltes Portfolio zusammen, das aus günstigen Indexfonds (ETFs) besteht und nicht unnötig defensiv ausgerichtet ist.

Nicht unnötig defensiv heißt: Ein digitaler Anlagehelfer muss in der Regel dem Aktienanteil im Depot günstige Anleihefonds beimischen. Diese Anleihefonds drücken in der Regel die Renditechancen, aber dämmen – ähnlich wie Tages- oder Festgeld – mögliche Schwankungen ein. Ein notwendiges Übel also.

Eine Anlage in Rohstoff- und Immobilienfonds dagegen halten wir für nicht notwendig, um Schwankungen im Portfolio weiter zu reduzieren. Sie machen das Portfolio umgekehrt möglicherweise zu defensiv. 

Mehr zu den Auswahlkriterien lesen Sie im Abschnitt „So haben wir analysiert“

Welche Robo-Advisors empfiehlt Finanztip?

Finanztip empfiehlt drei Anbieter, die eine langfristige Geldanlage im Sinne der Finanztip-Grundsätze besonders gut umsetzen: Quirion und Growney als klassische passive Robo-Advisors und Weltinvest als digitaler Anlagehelfer für Selbstentscheider.

Quirion
Robo-Advisor mit passivem Anlageansatz
  • Mindestanlage 5.000 Euro, Sparpläne ab 30 Euro pro Quartal
  • Geldanlage mit Fokus auf entwickelte Länder
  • etablierter Anbieter mit angeschlossener Bank
Growney
Robo-Advisor mit passivem Anlageansatz
  • keine Mindestanlage, Sparpläne ab 0 Euro
  • gut verständlicher Fragebogen
  • ausgewogene Anlage über entwickelte Märkte und Schwellenländer
Weltinvest
Anlagehelfer für Selbstentscheider
  • Mindestanlage 500 Euro, Sparplan ab 50 Euro
  • Kosten für die technische Umsetzung sehr gering
  • Portfolios mit 40 Prozent USA-Anteil, umgesetzt mit Vanguard-ETFs

Alle Empfehlungen folgen einem passiven Anlageansatz, kosten den Anleger weniger als 1 Prozent der Anlagesumme im Jahr, kümmern sich komplett um die technische Umsetzung der Geldanlage und bilden weltweite Portfolios ausschließlich mit günstigen Aktien-ETFs und Anleihe-ETFs. 

Das zeichnet die digitalen Anlagehelfer aus 

Was die einzelnen genau ausmacht und unterscheidet, haben wir noch einmal etwas genauer aufgeschrieben. 

Quirion

Wer bei Quirion anlegt, zahlt 0,48 Prozent an Gebühren unabhängig vom Anlagebetrag. Die ersten 10.000 Euro sind zum Zeitpunkt des Tests (März 2019) kostenlos. Dazu kommen die laufenden Kosten der ETFs, maximal 0,22 Prozent. Diese Kosten werden nicht eigens belastet, sondern mindern die Wertentwicklung der ETFs entsprechend. Ein Sparplan ist ab 30 Euro im Quartal möglich, zusätzlich zur Einmalanlage können Anleger auch monatlich ab 30 Euro ansparen.

Quirion schlägt Kunden je nach Risikoprofil eines von zehn Musterportfolios vor. Im Aktienbereich legt der Anbieter den Fokus auf entwickelte Länder: Die USA machen gut 45 Prozent der Gewichtung aus, Europa ein Fünftel und Schwellenländer noch etwa 14 Prozent. Die restlichen gut 20 Prozent teilen sich auf andere Ländergruppen auf, etwa Asien. Bei Portfolios mit Anleiheanteil werden Staatsanleihen und Unternehmensanleihen mit verschiedenen Laufzeiten beigemischt.

Quirion ist seit Ende 2013 am Markt und damit der älteste Robo-Advisor. Der Anbieter verwaltet nach eigenen Angaben Vermögen von 200 Millionen Euro für mehr als 7.000 Kunden. Quirion wird seit Mitte 2018 als eigene AG geführt und ist 100-prozentige Tochter der Quirin Privatbank, die Vermögensverwaltung gegen Honorar anbietet.

Growney

Wer bis zu 50.000 Euro bei Growney anlegt, zahlt dafür im Schnitt 0,69 Prozent Gebühren im Jahr. Dazu kommen die laufenden Kosten des ETFs, maximal 0,27 Prozent. Diese Kosten werden nicht eigens belastet, sondern mindern die Wertentwicklung der ETFs entsprechend. Anlagebeträge ab 50.000 Euro kosten noch 0,39 Prozent an jährlicher Gebühr. Der Anbieter setzt keine Mindestanlage voraus, weder für die einmalige Anlage von Geld noch für einen regelmäßigen Sparplan. 

Insgesamt hat Growney fünf vorgefertigte Portfolios im Programm. Im Aktienbereich gewichtet der Anbieter die Ländergruppen USA (etwa 31 Prozent), Europa (etwa 25 Prozent) und Schwellenländer (etwa 31 Prozent) recht ausgewogen. Bei Portfolios mit Anleiheanteil werden Staatsanleihen mit Laufzeiten bis zu drei Jahren und Unternehmensanleihen mit Laufzeiten bis zu zehn Jahren entsprechend beigemischt. 

Die Risikobereitschaft der Sparer fragt Growney mit Hilfe eines sehr gut verständlichen Fragebogens ab. Growney ist ein Berliner Start-Up und seit 2016 am Markt. Die Kundendepots liegen bei der Sutor Bank in Hamburg. Growney verwaltet nach eigenen Angaben knapp 100 Millionen Euro für fast 3.000 Kunden. 

Sonderfall: Weltinvest

Diesen Anbieter betrachten wir etwas abgesetzt von Quirion und Growney, denn Weltinvest ist kein Robo-Advisor im klassischen Sinn. Er richtet sich an Selbstentscheider, bietet also keine Unterstützung bei der Frage, wie viel Risiko Kunden bei der Geldanlage tragen wollen oder können. Dennoch empfehlen wir Weltinvest, weil der Anbieter die Geldanlage-Prinzipien von Finanztip, breit und günstig Risiken zu streuen, gut abbildet. 

Die Gebühr für die technische Umsetzung einer von vier nach Risiko gestaffelten Portfolios kostet Kunden 0,33 Prozent der Anlagesumme. Die ETF-Gebühren belaufen sich auf maximal gut 0,17 Prozent. Sie sind in der Wertentwicklung der Fonds inbegriffen. Weltinvest nutzt ausschließlich ETFs der Marke Vanguard, einem etablierten Fondsanbieter aus den USA, der genossenschaftlich organisiert ist. 

Im Aktienbereich gewichtet der Anbieter die USA mit gut 44 Prozent etwas stärker, Europa und Schwellenländer kommen je auf gut 20 Prozent. Bei Portfolios mit Anleiheanteil wird ein Vanguard Anleihe-ETF mit sicheren Staats- und Unternehmensanleihen beigemischt. Weltinvest gehört zu Weltsparen, einer Plattform für Tages- und Festgelder. Der Anbieter ist seit September 2018 am Markt aktiv. Er verwaltet nach eigenen Angaben mehr als 100 Millionen Euro für gut 5.000 Kunden.

Portfolios für Mustersparer

Um Angebot und Unterschiede der empfohlenen Robo-Advisors greifbarer zu machen, haben wir auch getestet, welche Portfolios zwei Mustersparer jeweils vorgeschlagen bekommen hätten. Kurz gesagt: Das Portfolio von Quirion war etwas defensiver aufgestellt als das von Growney, der Anleiheanteil etwas höher. Wenn Sie dazu mehr Details wissen möchten, lesen Sie im Abschnitt „So haben wie analysiert“ weiter. 

Worauf müssen Sie bei den Robo-Advisors sonst noch achten?

Geht es um online Geldanlage, tauchen schnell drei Fragen auf: Wie kann ich das Konto/Depot eröffnen und wie lange dauert das? Was muss ich steuerlich beachten? Und: Was passiert eigentlich, wenn der Anbieter – in diesem Fall – der Robo-Advisor Insolvenz anmelden sollte?

So läuft die Kontoeröffnung ab 

Bei Quirion und Growney beantworten Sie Fragen zum finanziellen Hintergrund und Risikoempfinden direkt bei der Anmeldung. Wegen neuer gesetzlicher Regeln (Mifid II) müssen Sparer seit 2018 an einer Stelle im Anmeldeprozess angeben, wie viel Erfahrung sie bereits mit Wertpapieren haben. Wer als Selbstentscheider bei Weltinvest Kunde werden möchte, muss sich bei Weltsparen, der dazugehörigen Plattform für Tages- und Festgeldsparen, registrieren. 

Um die Anmeldung abzuschließen, müssen Sie sich legitimieren. Das geht entweder ganz klassisch über den Weg in die Postfiliale (Post-Ident) oder online per Video-Ident. Zwischen Registrierung und dem Zeitpunkt, an dem Sie tatsächlich Geld investieren können, vergehen in der Regel wenige Tage. Um Geld anzulegen, überweisen Sie es von einem festgelegten Girokonto, dem Referenzkonto, auf das Verrechnungskonto des digitalen Anlagehelfers. Alternativ können Sie ein Lastschriftmandat erteilen. Der Robo-Advisor bucht den gewünschten Anlagebetrag dann innerhalb weniger Banktage vom Referenzkonto ab.

Abgeltungssteuer wird automatisch abgeführt

Auch über die Steuer sollten Sparer kurz nachdenken. Erträge aus Fonds und ETFs werden seit 2018 anteilig jährlich mit Abgeltungssteuer belastet. Außerdem sind Verkaufsgewinne steuerpflichtig. Solche Gewinne können anfallen, wenn der Robo-Advisor ein oder mehrmals im Jahr innerhalb des Portfolios zwischen den Anlageklassen umschichtet. Die Steuern führt der Robo-Advisor aber direkt an den Fiskus ab. 

Anleger können den Steuerabzug verhindern, wenn sie einen Freistellungsauftrag einrichten. Denn die ersten 801 Euro Kapitalerträge sind steuerfrei (bei Verheirateten 1.602 Euro). Bei unseren Empfehlungen können Sparer recht einfach einen solchen Freistellungsauftrag im Kundenbereich einrichten. Bei Growney lässt sich der Auftrag online einrichten; Quirion und Weltinvest stellen ein Formular zur Verfügung, das Sparer ausfüllen und per Post an den Anbieter schicken müssen. Quirion will dies im Lauf des Jahres 2019 noch anpassen.

Sollten Ihre Kapitalerträge den sogenannten Sparerpauschbetrag von 801 Euro übersteigen, müssen Sie diese Gewinne in der Anlage KAP der Steuererklärung angeben. Dafür stellen Ihnen die Robo-Advisors jeweils im Frühjahr eine Jahressteuerbescheinigung aus. Details zur Steuer auf ETFs lesen Sie auch im Ratgeber zur Investmentsteuerreform.

Fondsguthaben sind sicher 

Viele Robo-Advisors haben noch nicht so viele Kundengelder eingesammelt und sind sehr klein. Manche Kunden fragen sich, was im Falle einer Insolvenz des Anbieters passiert. In einem solchen Fall gehört das Geld, das in Fonds angelegt ist, weiterhin Ihnen. Es zählt zum sogenannten Sondervermögen und fließt nicht mit in die Insolvenzmasse des Unternehmens. 

Die Fonds lagern bei einer separaten Depotbank, die sich um die Verwaltung des Vermögens kümmert. Sollte auch die Depotbank finanzielle Probleme bekommen, kümmert sich ein Treuhänder um das Fondsvermögen. Bei Quirion lagern die Fondsguthaben bei der Mutter Quirin, die Depotbank von Growney ist die Sutor Bank. Weltinvest arbeitet mit der DAB-BNP Paribas zusammen. 

So haben wir analysiert

Analyse von Robo-Advisors im Februar und März 2019

Im Februar 2019 haben wir Robo-Advisors/digitale Vermögensverwalter identifiziert, die bei Suchanfragen auf Google zu den Stichworten „Robo-Advisor“ und „digitale Vermögensverwaltung“ unter die ersten 100 Suchergebnisse kamen. Zudem haben wir alle Anbieter aufgenommen, die zur gleichen Zeit auf den Websites extra-funds.de gelistet und im Test der Stiftung Warentest vom Juli 2018 berücksichtigt waren. Am Ende haben wir so 32 Anbieter identifiziert.

Anschließend haben wir die besten Robo-Advisors nach den folgenden Finanztip-Kriterien herausgesucht: Die Robo-Advisors sollen …

  1. … sich an Privatkunden richten und sich auch für sie eignen. Anbieter mit Mindestanlagesummen im sechsstelligen Bereich haben wir somit ausgeschlossen.
  2. … die technische Umsetzung der Geldanlage online und aus einer Hand anbieten. So fallen etwa Dachfondslösungen heraus oder Anbieter, die in Kooperation mit Finanzberatern agieren.
  3. … passiv agieren, also die Start-Allokation für den Kunden je nach Marktgeschehen immer wieder anpassen. Das entspricht den Finanztip-Grundsätzen für eine gute und einfache langfristige Geldanlage.
  4. … die Gebühren für eine Anlage von 15.000 Euro unter einem 1 Prozent per annum halten. Dabei rechnen wir die ETF-Kosten zu den Servicegebühren der Robo-Advisors. 
  5. … Kundengelder auf Anlageklassen aufteilen, die der Finanztip-Geldanlage-Empfehlung bestmöglich folgen. Sie sollen also Geld in weltweit aufgestellte Aktien(fonds) investieren und zur Stabilisierung nur Anleihen beimischen.

Unsere Kriterien erfüllten drei Anbieter: QuirionGrowney und Weltinvest

Dabei nimmt Weltinvest eine Sonderstellung ein, da auf eine Beurteilung der Risikobereitschaft absichtlich verzichtet wird. Der Anbieter eignet sich daher nur für Selbstentscheider, die lediglich die technische Umsetzung ihrer Geldanlage abgeben wollen. Die Geldanlage selbst entspricht den Finanztip-Grundsätzen zur Geldanlage.

Diese digitalen Anlagehelfer haben wir näher betrachtet

Anbieter

Mindestanlage

Einmalanlage /

Sparplan in €

Kosten Anlage
15.000 €

Gebühr /
Fondskosten1

in %

Anzahl
Portfolios

Empfehlung,

Kommentar

Quirion5.000 / 300,482 + max. 0,2210ja, etablierter und günstiger Anbieter, Tochter der Quirin Bank AG
Growney1 / 10,69 + max. 0,275ja, gut verständlicher Fragebogen
Weltinvest500 / 5030,33 + max. 0,1744ja, wenngleich Anbieter nur die technische Umsetzung übernimmt; Portfolio ausschließlich aus Vanguard-ETFs
Fintego2.500 / 500,7 + max. 0,225nein, da auch in Rohstoffe und Immobilien investiert wird
Ginmon5.000 / 50 (bei Einmalanlage von 1.000 €)0,75 + max. 0,2510nein, da auch in Rohstoffe und Immobilien investiert wird
Pixit (Targobank)5.000 / 500,99 + max. 0,1815nein, da Gesamtkosten über 1 Prozent liegen

1Die Fondskosten werden nicht extra erhoben, sondern mindern die Wertentwicklung des Portfolios.
2Die ersten 10.000 € Anlage kosten bei Quirion nichts. Eine Anlagesumme von 15.000 Euro kostet den Kunden effektiv maximal 0,38 Prozent. Wir haben das Basis-Paket von Quirion analysiert, das ohne persönlichen Berater auskommt.
3 seit Juni 2019.
Quelle: Anbieter (Stand Konditionen: 25. März 2019)

Folgende Anbieter haben unsere Kriterien nicht (vollständig) erfüllt: 

  • Kriterium 1: Liquid, United Signals
  • Kriterium 2: Easyfolio, Aviyou
  • Kriterium 3: Bevestor (Deka), Castel Insight, Cominvest, Easyinvesto (DWS), Fidelity Wealth Expert, Fundamental Capital, Investify, Knappvoith Vermögensverwaltung, Loni, Minveo, Monviso (Basler, DWS), Robin (Deutsche Bank), Scalable Capital, Sold Invest, Sutor Bank, Truevest, VisualVest (Union Investment), Warburg Navigator, Whitebox, Zeedin. 
  • Kriterium 4: Pixit (Targobank)

Die bisherige Empfehlung Vaamo und der Anbieter Prospery (Robo-Advisor der niederländischen ABN Amro) haben sich an unserer Umfrage nicht beteiligt. Im Juni 2019 zog sich Prospery dann auch vom Markt zurück. Details zu alten Empfehlungen lesen Sie im Testartikel 2016.

Portfolios für Mustersparer 

Um die vorgeschlagenen Portfolios unserer Empfehlungen Quirion und Growney etwas greifbarer zu machen, haben wir zwei Mustersparer ins Rennen geschickt und mit deren Vorgaben die jeweiligen Fragebögen ausgefüllt.

- Börseneinsteiger: Der Mustersparer ist 35 Jahren alt und will 15.000 Euro langfristig anlegen. Er hat weniger als 50.000 Euro an Erspartem auf der Seite. Er ist risikoaffin, würde aber Einbußen größer als 45 Prozent seiner Sparsumme nicht tolerieren.

- erfahrener Anleger: Der Mustersparer ist 50 Jahre alt und will 50.000 Euro anlegen. Er hat eine abbezahlte Immobilie und bespart eine Kapitallebensversicherung. Der Sparer ist sehr risikoaffin und würde auch Verluste seiner Geldanlage von bis zu 60 Prozent verkraften.

Quirion lieferte für den Börseneinsteiger ein Portfolio, das zu 60 Prozent aus Aktien und zu 40 Prozent aus Anleihen bestand. Es ist damit etwas defensiver aufgestellt als der Vorschlag von Growney. Dort würde der Börseneinsteiger ein Portfolio aus 70 Prozent Aktien und 30 Prozent Anleihen erhalten.

Für den erfahrenen Anleger verhält es sich analog: Bei Quirion bekäme der Börsenexperte ein Portfolio aus 90 Prozent Aktien und 10 Prozent Anleihen. Bei Growney wäre er zu 100 Prozent in Aktien investiert.

Weltinvest bietet Selbstentscheidern ebenfalls ein Portfolio mit 70 Prozent Aktien und 30 Prozent Anleihen, oder ein hundertprozentiges Aktienportfolio an.

Im Aktienanteil der einzelnen Portfolios finden sich bei den drei Anbietern unterschiedliche Gewichtungen der Ländergruppen: Quirion gewichtet die Ländergruppen USA und Europa stärker, bei Growney halten sich USA, Europa und Schwellenländer in etwa die Waage. Weltinvest setzt auf mehr als 40 Prozent USA-Anteil und je gut 20 Prozent Anteil von europäischen Aktien und Aktien aus Schwellenländern. 

Damit weichen alle Anbieter vom MSCI All Countries World Standardindex (MSCI ACWI) ab, der US-amerikanischen Aktien derzeit etwa 55 Prozent Gewicht einräumt (Stand: März 2019).

Mehr dazu im Ratgeber Indexfonds/ETFs

  • Mit kostengünstigen ETFs bauen Sie einfach Vermögen auf.
  • Unsere ETF-Empfehlungen für MSCI-World-ETFs: iShares (WKN: A0RPWH), Source (WKN: A0RGCS) und Xtrackers (WKN: DBX1MW); für MSCI-All-Countries-World-ETFs: SPDR (WKN: A1JJTC) und iShares (WKN: A1JMDF).

Zum Ratgeber

Ergebnisse früherer Finanztip-Untersuchungen

Autor
Sara Zinnecker

Stand: 20. Juni 2019


* Was der Stern bedeutet:

Wir wollen mit unseren unabhängig recherchierten Empfehlungen möglichst viele Menschen erreichen und ihnen mehr finanzielle Freiheit ermöglichen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos und werbefrei im Internet verfügbar. Unsere aufwendige redaktionelle Arbeit finanzieren wir so:

Unsere unabhängigen Experten untersuchen regelmäßig Produkte und Dienstleister. Nur wenn sie dann ein besonders verbraucherfreundliches Angebot empfehlen, kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Solche Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*). Geld erhalten wir, wenn Sie diesen Link z.B. klicken oder beim Anbieter dann einen Vertrag abschließen. Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Ihnen unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Sie als Verbraucher ist.

Mehr zu unserer Arbeitsweise lesen Sie hier.