Robo-Advisor

Digitale Anlagehilfe gegen Aufpreis

Sara Zinnecker Stand: 10. Juni 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Robo-Advisors übernehmen für Sie die langfristige Geldanlage. Häufig investieren sie in Indexfonds (ETFs).
  • Wichtigste Leistung der digitalen Anlagehelfer: Sie richten nach Ihren Vorgaben ein passendes Wertpapier-Portfolio ein und verwalten es auch. 
  • Ein guter Robo-Advisor kostet weniger als 1 Prozent der Anlagesumme pro Jahr. 
So gehen Sie vor
  • Sie wissen, was Sie wollen und kommen gut damit klar, Wertpapiere selbst zu kaufen und zu verkaufen? Dann bleiben Sie dabei. Das ist und bleibt der günstigste Weg.
  • Suchen Sie hingegen etwas Unterstützung, können Robo-Advisors für Sie das Richtige sein. Wenn Sie den Finanztip-Grundsätzen bestmöglich folgen wollen, empfehlen wir Ihnen QuirionVTB Invest und Growney.
  • Scheuen Sie die technische Umsetzung über Robo-Advisors, wissen aber bereits, wie Ihre Geldanlage aussehen soll? Dann empfehlen wir die vorgegebenen Portfolios von Weltinvest.

2014 traten die ersten sogenannten Robo-Advisors im Internet an. Das Versprechen der jungen Unternehmen: eine günstige Geldanlage nach festen Regeln, die möglichst viel für Sparer herausholt und mit ein paar Klicks zu haben ist. Anfang 2020 tummeln sich mehr als 30 Robo-Advisors am deutschen Markt, die insgesamt mehr als eine Milliarde Euro von deutschen Kunden betreuen.

Wie funktionieren Robo-Advisors?

Robo-Advisors nehmen Sparern die Geldanlage umfassend ab. Sie fragen ab, wie viel Risiko ein Kunde bereit ist einzugehen, eine Software schlägt eine passende Geldanlage vor und der Anbieter setzt diese dann technisch für den Kunden um. Mit „Advisor“ ist ein Ratgeber oder Betreuer gemeint. Wir nennen die Robos auch digitale Anlagehelfer.

  1. Risikotyp bestimmen - Zunächst müssen Sparer in der Regel einen mehrteiligen Fragebogen ausfüllen und dort zum Beispiel Angaben zum Vermögen machen. Auch müssen sie angeben, wie viele zwischenzeitliche Verluste sie ertragen könnten – etwa bei einem Börsenabschwung. Zehn oder mehr Fragen können das schon sein.
  2. Anlageklassen aussuchen - Aus dem Risikotyp leiten die Anlagehelfer ab, auf welche Anlageklassen sie das Kundengeld aufteilen. Anlageklassen sind zum Beispiel Aktien, Anleihen, Rohstoffe oder Immobilien. Sie nutzen dafür häufig Regeln, die aus der Kapitalmarkttheorie stammen. Wer bereit ist, mehr Verlustrisiko einzugehen, erhält in der Regel ein Portfolio, das zum Großteil aus Aktienfonds besteht. Wer weniger Risiko tragen möchte, bekommt mehr Anleihen beigemischt. Diese Anlageklasse erwirtschaftet aktuell kaum Zinsen, bewirkt aber, dass das Portfolio etwas weniger schwankt.
  3. Technische Umsetzung - Stimmt der Kunde der Aufteilung seines Geldes auf die Anlageklassen zu, setzen die digitalen Anlagehelfer dieses Portfolio technisch um: Das heißt, sie eröffnen ein Depot für den Kunden, suchen günstige Aktienfonds (ETFs) heraus und kaufen und verkaufen diese. ETFs sind Fonds, die Listen (Indizes) von Aktien und Anleihen einfach nachbauen – manchmal auch Rohstoff- und Immobilienindizes.

Service kostet Aufpreis

Sehr viele Robo-Advisors legen in kostengünstige ETFs an. Deren Verwaltungsgebühr liegt oft in der Größenordnung von 0,3 Prozent im Jahr. Für die Umsetzung der Geldanlage, den Service also, kommen anschließend nochmal Gebühren obendrauf. Der Aufpreis variiert von Anbieter zu Anbieter und kann zwischen einem knappen halben Prozent der Anlagesumme bis zu mehr als ein Prozent jährlich ausmachen.

Wie unterscheiden sich Robo-Advisors?

Ist das Ausgangsportfolio bestimmt, unterscheiden sich die digitalen Anlagehelfer unter anderem darin, wie sie die Geldanlage für die Kunden steuern.

  1. Aktive Robo-Advisors - Manche Anlagehelfer folgen einem aktiven Ansatz bei der Steuerung des Vermögens: Die Unternehmen verteilen Vermögen laufend je nach Börsengeschehen zwischen Fonds um. Ziel ist es oft, dass Verluste mit sehr großer Wahrscheinlichkeit einen bestimmten Wert nicht überschreiten. Dazu sind Simulationen nötig – dafür wiederum braucht es Annahmen über die Verteilung von Renditen. Manche Anbieter können auf die Meinung hausinterner Analysten zurückgreifen. 
  2. Passive Robo-Advisors - Andere Anlagehelfer folgen einem passiven Ansatz bei der Steuerung des Vermögens: Ziel ist es, die anfangs festgelegte, weltweit aufgestellte Vermögensaufteilung beizubehalten. Meist schichten die Anbieter Vermögenswerte wenige Mal im Jahr so um, dass die ursprüngliche Gewichtung der Anlageklassen wiederhergestellt ist (Rebalancing). Zum Beispiel 70 Prozent weltweite Aktien-ETFs und 30 Prozent Anleihe-ETFs, um Wertschwankungen etwas einzufangen. Simulationen unter Annahmen gibt es nicht, ebensowenig spielen Expertenmeinungen eine Rolle.
  3. Anlagehelfer ohne Risikoeinstufung - Diese Anbieter sind keine Robo-Advisors im engeren Sinn, weil sie darauf verzichten, über einen Katalog an Fragen den Risikotyp des Kunden zu bestimmen. Sie richten sich vielmehr an erfahrerene Sparer, die selbst gut einschätzen können, wie viel Risiko sie eingehen wollen. Die technische Umsetzung und die Verwaltung des Geldes wollen sie aber abgeben. Sparer können aus mehreren vorgefertigten Portfolios mit unterschiedlicher Gewichtung der Aktien- und Anleihekomponente wählen. Die Anlagehelfer folgen dann einem passiven Ansatz.

Robo-Advisors schützen nicht vor Verlusten

Auch wenn der Robo-Advisor Dienstleistungen wie die Käufe und Verkäufe der Wertpapiere für Sie übernimmt: Ein Schutz vor Kursverlusten und sonstigen Anlagerisiken ist die automatisierte Geldanlage nicht!

Geht es etwa an der Börse nach unten oder steigen die Zinsen deutlich an, schlagen sich die Kursänderungen bei Aktien und Anleihen auch in Ihrem Depot nieder. Je nach den Schwerpunkten des Anlagemodells kann die Wertentwicklung kurzfristig auch deutlich von einer selbstgemachten Geldanlage mit Aktien-ETFs, Tages- und Festgeld abweichen.

Die Anlagehelfer haften allerdings dafür, dass die empfohlenen Wertpapiere zu Ihren persönlichen Verhältnissen und Ihren Anlagezielen passen – immer vorausgesetzt, Sie haben die Fragen zu diesen Themen richtig und vollständig beantwortet.

Für wen eignen sich Robo-Advisors?

Für Finanztip steht fest: Eine gute Geldanlage braucht nicht viele Hilfsmittel. Sie muss auch nicht viel kosten. Wir empfehlen daher eigentlich, dass Sie sich selbst darum kümmern. Wer aber die Verantwortung für die Geldanlage nicht selbst tragen kann oder will, sollte sich den Service eines guten Robo-Advisors genauer anschauen.

Erste Wahl: Selbstgemachte Geldanlage

Die Finanztip-Grundempfehlung lautet, einen Teil des Geldes langfristig in günstige, breit aufgestellte Aktien-Indexfonds (ETFs) zu investieren und – je nach Risikoneigung – einen anderen Teil in Festgeld oder Tagesgeld, um die Schwankungen am Aktienmarkt etwas aufzufangen. Diese selbstgemachte Geldanlage ist unschlagbar günstig.

Sie brauchen dafür

Unsere Berechnungen zeigen: Wer in der Vergangenheit beliebige 15 Jahre ein Portfolio gehalten hat, das anfangs zu 80 Prozent aus dem Weltaktienindex und zu 20 Prozent aus Tagesgeld bestand, hat niemals Geld verloren.

Mehr dazu im Ratgeber Geldanlage

  • Gute Geldanlage kriegen Sie selbst hin! Kosten zu sparen ist der erste Schritt zu einer guten Rendite.
  • Weitere Ratgeber: Tagesgeld, Festgeld, Indexfonds

Zum Ratgeber

Automatisierte Geldanlage

Über einen digitalen Anlagehelfer können Sie nachdenken, wenn Sie lieber einen Teil der Verantwortung für die Geldanlage abgeben wollen. Der Robo-Advisor 

  • unterstützt Sie bei der Entscheidung, wie viel Risiko Sie bei der Geldanlage tragen wollen oder können, 
  • macht einen konkreten Vorschlag dazu, welche ETFs Sie kaufen und wie Sie diese kombinieren sollen, um Ihre Risikoneigung abzubilden,
  • setzt Ihre Geldanlage technisch um und
  • hilft Ihnen, ein einmal gewähltes Portfolio langfristig beizubehalten – ganz ohne Emotionen.

Für diesen Service des „An-die-Hand-Nehmens“ zahlen Sie einen Aufpreis im Vergleich zur selbstgemachten Geldanlage. Er kann zwischen ein paar Zehntel Prozentpunkten und einem ganzen Prozent pro Jahr auf den Anlagebetrag liegen. 

Wägen Sie ab, ob Ihnen der Zusatznutzen des Robo-Advisors den Aufpreis auch wert ist: Vor allem für ein Portfolio mit geringem Aktienanteil ist der Robo-Advisor deutlich teurer als ein selbstgemachtes Portfolio aus Tages- und Festgeld. Haben Sie sich bisher bei Ihrer Geldanlage von Ihrer Bank beraten lassen, dürfte ein Robo-Advisor kostenseitig fast immer eine Verbesserung sein.

Welche Robo-Advisors kommen infrage?

Im April und Mai 2020 haben wir die wichtigsten Anbieter im Bereich Robo-Advisory und digitale Vermögensverwaltung auf dem deutschen Markt identifiziert. Darunter waren mehr als 15 Anbieter, die laufend aktiv in die Vermögensaufteilung eingreifen und zehn, die ein einmal bestimmtes Portfolio beibehalten (passiver Ansatz).

Aktive Robo-Advisors kein Teil der Betrachtung 

Die aktiv agierenden Robo-Advisors bewertet Finanztip zum aktuellen Zeitpunkt nicht. Um Verlustrisiken einschätzen zu können und aktiv gegenzusteuern, müssen die Anbieter viele Annahmen treffen. Das genaue Vorgehen ist von außen kaum nachzuvollziehen und zu bewerten.

Der aktive Ansatz muss sich also erst beweisen – über längere Zeiten, bestenfalls über einen ganzen Börsenzyklus (Abschwung mit anschließender Erholung) hinweg. Die größten aktiven Robo-Advisors sind Scalable Capital (mit Abstand), Cominvest, Liqid, Truevest und Whitebox.

Passive Robo-Advisors setzen Finanztip-Anlageempfehlung eher um  

Robo-Advisors, die einem passiven Ansatz folgen, liegen näher bei den Finanztip-Grundsätzen der Geldanlage: Sie streuen die Aktienanlage weltweit ausschließlich über günstige Aktien-Indexfonds (ETFs). Um Schwankungen des Portfolios abzufangen, fließt Geld idealerweise in günstige Anleihe-ETFs – der Ersatz für Tages- und Festgeld.

Darüber hinaus legen die passiven Robo-Advisor nur einmal am Anfang fest, in welche Anlageklassen das Geld der Kunden fließen soll und bringen das Portfolio automatisch, meist einmal im Jahr auf diese Anfangsaufteilung zurück (Rebalancing). Ansonsten folgt das Portfolio aber der Entwicklung des Marktes, weiteres Eingreifen gibt es nicht.

Wir empfehlen daher nur Anbieter, die einem passiven Ansatz folgen. Mehr zu den Auswahlkriterien lesen Sie im Abschnitt „So haben wir analysiert“.

Welche Robo-Advisors empfiehlt Finanztip?

Finanztip empfiehlt vier digitale Anlagehelfer: Quirion (Variante „Regular“), VTB Invest und Growney als klassische passive Robo-Advisors. Anleger, die dagegen bereits wissen, wie sie ihren Anlagebetrag auf Aktien und Anleihen aufteilen wollen, finden bei Weltinvest eine gute Lösung.

Quirion
Robo-Advisor der Quirin Privatbank, Variante „Regular”
  • Mindestanlage 1.000 Euro, Sparpläne ab 30 Euro pro Quartal
  • 0,7 Prozent jährliche Kosten, im ersten Jahr bis 10.000 Euro Anlage für 0,22 Prozent
  • Aktienanlage mit Fokus auf unterbewertete und kleine Unternehmen
  • etablierter Anbieter mit angeschlossener Bank
VTB Invest
Robo Advisor der VTB Direktbank
  • Mindestanlage 500 Euro, Sparpläne ab monatlich 50 Euro
  • 0,9 Prozent jährliche Kosten bei einer Anlage von 10.000 Euro
  • Start-Portfolio auf Basis historischer Kapitalmarktanalyse
Growney
Robo-Advisor mit passivem Anlageansatz
  • Mindestanlage 500 Euro, Sparpläne ab monatlich 25 Euro
  • 0,89 Prozent jährliche Kosten bei einer Anlage von 10.000 Euro
  • Aktienanlage berücksichtigt wirtschaftsstarke Länder mehr
  • Seit 2016 am Markt
Weltinvest
Anlagehelfer von Raisin (Weltsparen) ohne Risikoeinstufung
  • Mindestanlage 500 Euro, Sparplan monatlich ab 50 Euro
  • Günstige 0,48 Prozent Kosten bei einer Anlage von 10.000 Euro
  • Aktienanlage berücksichtigt größte Unternehmen und wirtschaftsstarke Länder gleichermaßen

Alle Empfehlungen folgen einem passiven Anlageansatz, bilden weltweite Portfolios ausschließlich mit günstigen Aktien-ETFs und Anleihe-ETFs ab, kümmern sich komplett um die technische Umsetzung der Geldanlage und kosten den Anleger weniger als ein Prozent der Anlagesumme im Jahr.

Anbieter, die zusätzlich in Rohstoffe, Immobilien oder inflationsgeschütze Wertpapiere investieren, empfehlen wir nicht. Das Ziel, Wertschwankungen einzudämmen, kann gut über Anleihe-ETFs erreicht werden. Weitere Anlageklassen richten das Portfolio dagegen möglicherweise defensiver aus, als es sein müsste.

Was sollten Sie zu den Empfehlungen wissen?

Die von uns empfohlenen Robo-Advisors unterscheiden sich in einigen Punkten. Neben der Dauer, die der Robo-Advisor bereits am Markt tätig ist, den Kosten und der Mindestanlage, halten die Anbieter auch unterschiedlich viele Portfolios bereit und setzen bei der Aktienanlage unterschiedliche Schwerpunkte.

Dabei legt kein Anbieter rein in den Weltaktienindex MSCI World an. Kurzfristig kann sich das Portfolio also auch deutlich abweichend im Wert entwickeln als die einfache selbstgemachte Geldanlage.

Die Unterschiede auf einen Blick hält die folgende Tabelle bereit:

Die wichtigsten Merkmale der empfohlenen Robo-Advisors

 QuirionVTB InvestGrowneyWeltinvest
Gründung2013201920162019
Rechtsform1Vermögens-
verwaltung
Vermögens-
verwaltung
Vermögens-
verwaltung
Anlagevermittler
DepotbankQuirin PrivatbankBaader BankSutor BankDAB BNP Paribas
Einmalanlageab 1.000 €ab 500 €ab 500 €ab 500 €
Sparplanab 30 € im Quartalab 50 €
monatlich
ab 25 € monatlichab 50 € monatlich
Gebühren für die Geldanlage0,48 % Grundgebühr +  ETF-Kosten von bis zu 0,22 %; im 1. Jahr entfällt die Grundgebühr bei eine Anlage bis 10.000 €0,7 % Grundgebühr + 0,2 % ETF-Kosten0,66 % Grundgebühr2 + bis zu 0,23 % ETF-Kosten0,33 % Grundgebühr + 0,15 % ETF-Kosten
10.000 € Anlage kosten0,7 %, im ersten Jahr 0,22 %0,9 %maximal 0,89 %maximal 0,48 %
Schwerpunkt des weltweiten Aktien-PortfoliosÜbergewicht auf unterbewerteten und kleinen Unternehmen (Faktor-Modell nach Fama/French)breite Streuung unter Berücksichtigung historischer Daten (Kapitalmarkt-
theorie nach Markowitz)3
Gewichtung der Länder nach Wirtschaftskraft (Bruttoinlands-
produkt) statt Börsenwert
Gewichtung der Länder zu 50 % nach Wirtschaftskraft (BIP) und 50 % nach Börsenwert
Anzahl vorgefertigte Portfolios109104
Rebalancingmind. einmal im Jahr, zusätzlich bei starker Abweichung von der urspr. Aufteilung der Anlageklassen (> 10 %).bei Abweichung von der urspr. Aufteilung der Anlageklassen (> 5 %).jährlich im Dezemberjährlich zum 30. Juni 
Fragebogen zum Risikotypfrei verfügbarnach Angabe einer E-Mail-Adressefrei verfügbarfrei verfügbar
Anzahl Kunden Ende April 202018.800 Kundenk.A.k.A.k.A.
Verwaltetes Vermögen Ende April 2020 380 Mio. €k.A.k.A.k.A.

Vermögensverwalter können Änderungen im Portfolio vornehmen, zum Beispiel Fonds austauschen, ohne die Kunden um Erlaubnis zu fragen. Sie dürfen Rückvergütungen von Fonds annehmen, allerdings fallen bei ETFs keine solchen an. Anlagevermittler müssen bei Änderungen des Portfolios Kunden um Zustimmung bitten; Rückvergütungen von Fondsanbietern sind grundsätzlich verboten. 
2 Für Anlagebeträge ab 50.000 Euro 0,37 % Grundgebühr. Ab voraussichtlich 1.1.2021 (Rückkehr zum Mehrwertsteuersatz von 19 %): 0,68 % bzw. 0,38 % Grundgebühr.
Bei der Portfoliotheorie nach Henry Markowitz wird versucht, für ein gegebenes Risiko – eine angenommene Schwankungsbreite – die beste Rendite zu erzielen und dafür Aktien möglichst breit zu streuen. Um die beste Kombination zu ermitteln, werden historische Daten analysiert. 
Quelle: Anbieter, Finanztip-Recherche (Stand: 2. Juni 2020)

Worauf müssen Sie bei den Robo-Advisors sonst noch achten?

Geht es um Online-Geldanlage, tauchen schnell drei Fragen auf: Wie kann ich das Konto/Depot eröffnen und wie lange dauert das? Was muss ich steuerlich beachten? Und: Was passiert eigentlich, wenn der Anbieter – in diesem Fall der Robo-Advisor – pleitegeht?

So läuft die Depoteröffnung ab

Bei Quirion, VTB Invest und Growney beantworten Sie Fragen zum finanziellen Hintergrund und zur Risikobereitschaft direkt bei der Anmeldung. Seit 2018 müssen Sparer an einer Stelle im Anmeldeprozess angeben, wie viel Erfahrung sie bereits mit Wertpapieren haben. Wer als Selbstentscheider bei Weltinvest Kunde werden möchte, muss sich bei Weltsparen registrieren. Das ist die dazugehörige Plattform für Tages- und Festgeldsparen.

Um die Anmeldung abzuschließen, müssen Sie sich legitimieren. Das geht entweder ganz klassisch über den Weg in die Postfiliale (Post-Ident) oder online per Video-Ident. Zwischen Registrierung und dem Zeitpunkt, an dem Sie tatsächlich Geld investieren können, vergehen in der Regel wenige Tage. Um Geld anzulegen, überweisen Sie es von einem festgelegten Girokonto, dem Referenzkonto, auf das Verrechnungskonto des digitalen Anlagehelfers. Alternativ können Sie ein Lastschriftmandat erteilen. Der Robo-Advisor bucht den gewünschten Anlagebetrag dann innerhalb weniger Banktage vom Referenzkonto ab.

Depotübertrag möglich

Vermögensaufbau klappt nur, wenn Sie Ihr Geld langfristig anlegen. Sollten Sie sich jedoch dafür entscheiden, Ihr Erspartes eines Tages wieder selbst zu managen, können Sie auch einen Depotübertrag veranlassen. In diesem Fall werden die Aktien nicht verkauft und Sie müssen keine Steuern zahlen.

Alle Empfehlungen bieten den Depotübertrag kostenlos an. Lediglich Bruchstücke eines Fondsanteils können häufig nicht übertragen werden. Bruchstücke entstehen dann, wenn feste Euro-Beträge investiert werden, die nicht glatt durch den Wert eines Fondsanteils geteilt werden können.

Bei zwei der vier Empfehlungen können die Erziehungsberechtigen auch für ihre Kinder ansparen. Das Depot würde dann übertragen, sobald das Kind volljährig wird.

Die wichtigsten Merkmale rund um die Depoteröffnung

 QuirionVTB InvestGrowneyWeltinvest
Möglichkeiten der Depot-
eröffnung
Post-Ident, Video-IdentPost-Ident, Video-IdentPost-Ident, Video-Ident oder elektronische Signatur/ChipkartePost-Ident, Video-Ident
Dauer der Depot-
eröffnung
am Tag der erfolgreichen Legitimationbis zu vier Bankarbeits-
tage, nach Legitimation
bis zu zwei Bankarbeits-
tage nach Legitimation
zwei Bankarbeits-
tage nach Legitimation
Depotübertragja, kostenlosja, kostenlosja, kostenlosja, kostenlos
Kinderdepot möglich?janeinjanein

Quelle: Anbieter, Finanztip-Recherche (Stand: 2. Juni 2020)

Abgeltungssteuer wird automatisch abgeführt

Auch über die Steuer sollten Sparer kurz nachdenken. Erträge aus Fonds und ETFs werden seit 2018 anteilig jährlich mit Abgeltungssteuer belastet. Außerdem sind Verkaufsgewinne steuerpflichtig. Solche Gewinne können anfallen, wenn der Robo-Advisor ein oder mehrmals im Jahr innerhalb des Portfolios zwischen den Anlageklassen umschichtet. Die Steuern führt der Robo-Advisor aber direkt an den Fiskus ab.

Anleger können den Steuerabzug verhindern, wenn sie einen Freistellungsauftrag einrichten. Denn die ersten 801 Euro Kapitalerträge sind steuerfrei (bei Verheirateten 1.602 Euro). Bei unseren Empfehlungen können Sparer recht einfach einen solchen Freistellungsauftrag im Kundenbereich einrichten. Bei Growney lässt sich der Auftrag online einrichten; Quirion und Weltinvest stellen ein Formular zur Verfügung, das Sparer ausfüllen und per Post an den Anbieter schicken müssen.

Sollten Ihre Kapitalerträge den sogenannten Sparerpauschbetrag von 801 Euro übersteigen, müssen Sie diese Gewinne in der Anlage KAP der Steuererklärung angeben. Dafür stellen Ihnen die Robo-Advisors jeweils im Frühjahr eine Jahressteuerbescheinigung aus. Details zur Steuer auf ETFs lesen Sie auch im Ratgeber zur Investmentsteuerreform.

Fondsguthaben sind sicher

Viele Robo-Advisors haben noch nicht so viele Kundengelder eingesammelt und sind sehr klein. Manche Kunden fragen sich, was im Falle einer Insolvenz des Anbieters passiert. In einem solchen Fall gehört das Geld, das in Fonds angelegt ist, weiterhin Ihnen. Es zählt zum sogenannten Sondervermögen und fließt nicht mit in die Insolvenzmasse des Unternehmens.

Die Fonds lagern bei einer separaten Depotbank, die sich um die Verwaltung des Vermögens kümmert. Sollte auch die Depotbank finanzielle Probleme bekommen, kümmert sich ein Treuhänder um das Fondsvermögen. Bei Quirion lagern die Fondsguthaben bei der Mutter Quirin, bei VTB Invest ist die Baader Bank die Depotbank, bei Growney die Sutor Bank. Weltinvest arbeitet mit der DAB BNP Paribas zusammen.

So haben wir analysiert

Analyse von Robo-Advisors im April und Mai 2020

Im April 2020 haben wir Robo-Advisors/digitale Vermögensverwalter identifiziert, die bei Suchanfragen auf Google zu den Stichwörtern „Robo-Advisor“ und „digitale Vermögensverwaltung“ unter die ersten 100 beziehungsweise 50 Suchergebnisse kamen. Zudem haben wir alle Anbieter aufgenommen, die zur gleichen Zeit auf dem Datenportal finanzen.net gelistet oder unseren Experten bekannt waren. Am Ende haben wir so 30 Anbieter identifiziert.

Anschließend haben wir die besten Robo-Advisors nach den folgenden Finanztip-Kriterien herausgesucht. Die Robo-Advisors sollen zunächst:

  1. sich an Börseneinsteiger richten und sich auch für sie eignen. Anbieter mit Mindestanlagesummen von mehr als 10.000 Euro haben wir somit ausgeschlossen.
  2. die technische Umsetzung der Geldanlage online und aus einer Hand anbieten. So fallen etwa Dachfondslösungen heraus oder Anbieter, die in Kooperation mit Finanzberatern agieren. 
  3. passiv agieren, also die Start-Allokation für den Kunden je nach Marktgeschehen immer wieder anpassen. 
  4. die Gebühren für eine Anlage von 10.000 Euro unter einem Prozent pro Jahr halten. Dabei rechnen wir die ETF-Kosten zu den Servicegebühren der Robo-Advisors. 
  5. Kundengelder auf Anlageklassen aufteilen, die den Finanztip-Grundsätzen für eine gute und einfache langfristige Geldanlage bestmöglich folgen: Sie sollen also Geld in weltweit aufgestellte Aktien(fonds) investieren und zur Stabilisierung nur Anleihen beimischen. Anbieter, die andere Anlageklassen (Rohstoffe, Gold, Immobilien) nutzen, schließen wir aus, da diese Anlageklassen das Portfolio möglicherweise unnötig defensiv machen.

Zudem: Im Bereich der Anlagehelfer ohne Risikoeinstufung gab es im April 2020 drei Anbieter: Weltinvest, Fairrobo und das Weltportfolio der ETF-Plattform Just ETF. Da alle Depots über die Plattform von Raisin/Weltsparen abgeschlossen werden, empfehlen wir den Anbieter mit den geringsten Kosten.

Unsere Kriterien erfüllten vier Anbieter: GrowneyQuirion (Variante Regular), VTB Invest und Weltinvest.

Diese passiven Anlagehelfer haben wir näher betrachtet

Anbieter

Fondsarten

Mindest-
anlage

Kosten
Anlage
10.000 €

Anzahl
Portfolios

Empfehlung,

Kommentar

  Einmalanlage / Sparplan
in €
Gebühr / Fondskosten
in %
  
Growney12 Aktien- und 4 Renten-ETFs500 / 25(0,66)2 + max. 0,2310ja, gut verständlicher Fragebogen
Quirion9 Aktien- und 6 Renten-ETFs1.000 / 
30 pro Quartal
(0,48)3 + max. 0,2210ja, etablierter und günstiger Anbieter, Tochter der Quirin Bank 
VTB Invest12 Aktien- und 7 Anleihe-ETFs500 / 500,7 + 0,2 9ja, neu am Markt
Weltinvest6 Aktien- und 1 Renten-ETF500 / 500,33 + 0,154ja, wenngleich Anbieter nur die technische Umsetzung übernimmt; Portfolio ausschließlich aus Vanguard-ETFs
Fintego2 Aktien-, 2 Anleihe- und ein Rohstoff-ETFs2.500 / 50 0,7 + max. 0,21 5nein, da auch in Rohstoffe und Immobilien investiert wird
Ginmon7 Aktien-, 5 Renten-, 1 Rohstoff und 1 Immobilien-ETF5.000 / 50 (bei Einmalanlage 
von 1.000 €)
0,75 + max. 0,25 10nein, da auch in Rohstoffe und Immobilien investiert wird
Oskar6 Aktien- und 3 Anleihe-ETFs (einer inflations-
geschützt), Euwax Gold ETC
1.000 / 250,8 + 0,14 5nein, da auch in inflationsgeschützte Anleihen und Gold investiert wird
Pixit (Targobank)8 Aktien- und 5 Renten-ETFs5.000 / 500,99 + max. 0,415nein, da Gesamtkosten über 1 % liegen
Fairrobo 
(Raisin/
Weltsparen)
ca. 150 ETFs 1 / 1 36 € + 0,3 % pro Jahr und Fondskosten bis zu max. 0,85 %5 Muster-Portfolios oder Portfolio nach Wahlnein, Anlagehelfer für Selbstentscheider; wir empfehlen den günstigsten Anbieter aus dem Hause Raisin, Weltinvest
JustETF Weltportfolio 
(Raisin/
Weltsparen)
5 Aktien- und 2 Renten-ETFs500 / 500,334 + max. 0,3210 (klassisch, nachhaltig, Faktor-basiert, Dividende)nein, Anlagehelfer für Selbstentscheider; wir empfehlen den günstigsten Anbieter aus dem Hause Raisin, Weltinvest

1 Die Fondskosten werden nicht extra erhoben, sondern mindern die Wertentwicklung des Portfolios.
2 Für Anlagebeträge ab 50.000 Euro 0,37 % Grundgebühr. Ab voraussichtlich 1.1.2021 (Rückkehr zum Mehrwertsteuersatz von 19 %): 0,68 % bzw. 0,38 % Grundgebühr.
3 Die ersten 10.000 Euro Anlage kosten bei Quirion im ersten Jahr nichts, die 0,48 Prozent entfallen.
4 Im zweiten Jahr steigt die Grundgebühr auf 0,43 Prozent der Depotsumme.
Quelle: Anbieter (Stand: April 2020)

Die Empfehlung Weltinvest nimmt eine Sonderstellung ein, da er die Risikobereitschaft der Kunden bewusst nicht abfragt. Der Anbieter eignet sich daher nur für Anleger, die bereits wissen, wie sie den Anlagebetrag auf Aktien und Anleihen aufteilen wollen und lediglich die technische Umsetzung ihrer Geldanlage abgeben wollen. Die Anlage selbst entspricht den Finanztip-Grundsätzen zur Geldanlage.

Die auf ETFs spezialisierte Plattform JustETF bietet ihrer Klientel nur minimal schlechtere Konditionen als Weltinvest – die Marke, mit der Raisin/Weltsparen offiziell antritt. JustETF-Kunden können das Angebot auf der Seite von JustETF abschließen und werden dann zu Weltsparen umgeleitet. Während Weltinvest nur vier Portfolios zur Auswahl hat, bietet JustETF zehn Portfolios, darunter auch nachhaltig ausgerichtete. Diese haben wir in dieser Analyse aber nicht näher untersucht. 

Folgende weitere Anbieter haben unsere Kriterien nicht erfüllt: 

  • Kriterium 1: Liquid, Zeedin.
  • Kriterium 2: Easyfolio.
  • Kriterium 3: Bevestor, Cominvest, Easyinvesto, Fidelity, Investify, Meininvest (Volksbanken), Minveo, Moneyfarm, Monviso (Baseler), Robin (Deutsche Bank), Scalable Capital, Smavesto (Sparkassen), Sold Invest, VisualVest (Union Investment), Warburg, Whitebox.

Mehr dazu im Ratgeber Indexfonds/ETFs

  • Mit kostengünstigen ETFs bauen Sie einfach Vermögen auf.
  • Unsere ETF-Empfehlungen für MSCI-World-ETFs: iShares (ISIN: IE00B4L5Y983)Xtrackers (ISIN: IE00BJ0KDQ92) und Source (ISIN: IE00B60SX394); für MSCI-All-Countries-World-ETFs: SPDR (ISIN: IE00B44Z5B48) und iShares (ISIN: IE00B6R52259).

Zum Ratgeber

Ergebnisse früherer Finanztip-Untersuchungen

Autor
Sara Zinnecker

Stand: 10. Juni 2020


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Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Verbraucher ist.

Mehr Informationen über unsere Arbeitsweise findest Du auf unserer Über-uns-Seite.