Aktienquote über 90% im Ruhestand halten — sinnvoll oder Fehler?

  • Hallo,

    Ich bin 53, selbstständig. Ich will demnächst 80.000€ in einen FTSE All World (thesaurierend) investieren, dazu ein monatlicher Sparplan, den ich mit etwa 60 und 63 Jahren erhöhen werde, wenn Ausgaben für Kinder und Immobilienkredit wegfallen.

    Der entscheidende Punkt: meine großen Ausgaben (Kinder, Immobilienkredit, Beiträge) fallen alle vor dem 67. Lebensjahr weg, und die erwartete gesetzliche Rente sollte die verbleibenden Kosten allein decken. Das Depot ist für mich also kein Renteneinkommen, sondern eine langfristige Reserve, Horizont 85/90 Jahre, mit Entnahmen in Raten und eventuell einer zusätzlichen Entnahme zwischen 70 und 75.

    Deshalb möchte ich auf das klassische De-Risking zehn Jahre vor Rentenbeginn verzichten und auch mit 67 über 90% Aktienquote bleiben. Meine Risikobereitschaft dafür ist hoch, getestet unter anderem bei einem Kursrückgang von 40%, mit lediglich einem Liquiditätspuffer von einigen Jahresentnahmen, aufgebaut aus neuen Einzahlungen statt aus Verkäufen.


    Ist das vertretbar oder unterschätze ich hier etwas?


    Vielen Dank!:)

    Einmal editiert, zuletzt von Sebi73 (8. September 2026 um 21:10)

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  • Kater.Ka 8. September 2026 um 22:56

    Hat das Thema freigeschaltet.
  • Herzlich willkommen im Forum !

    Ja, das ist vertretbar. Wenn die gesetzliche Rente ab 67 deine laufenden Ausgaben deckt, ist das Depot langfristige Reserve und kein notwendiges Renteneinkommen.

    90 % Aktien sind dann durchaus vertretbar. Ich würde aber einen Liquiditätspuffer für mehrere Entnahmejahre halten. Einen ausschüttenden ETF könntest Du ebenfalls erwägen, weil die Ausschüttungen später einen Teil des laufenden Geldbedarfs decken können, ohne Anteile verkaufen zu müssen.

  • Würde nicht in Prozent rechnen. Deine x Jahre Liquiditätspuffer und alles weitere geht einfach in den ETF, auch wenn es dann 95% oder mehr sind.

    Aber ich würde die ausschüttende Variante wählen. Wächst ja trotzdem weiter, aber so bekommst du auch immer etwas extra Taschengeld das du dann vom Kopf her leichter ausgeben und sinnlos verbraten kannst. Weil man lebt nur einmal und der reichste auf dem Friedhof zu sein bringt auch nichts. Lieber sich noch bisschen was gönnen, wie gesagt, das Depot wächst ja trotzdem weiter.

  • Habe seit mehr 10 Jahren den MSCI World ETF empfohlen.

    Aktuell mache ich das nicht mehr, da dieser m.E. überbewertet ist.

    100% Aktien/Spielgeld bis ins hohen Alter: ja.

    Dummes ETF Geld: nein

    Wann der Crash kommt: keine Ahnung

    Kommt er: ja

    Eine Santander, Deutsche Bank, Postbank, Noris Bank oder Klarna möchte ich nicht als Vertragspartner.

  • Ist das vertretbar oder unterschätze ich hier etwas?

    Für mich ist es vertretbar, wobei ich den Puffer (für in 14++ Jahren) nicht jetzt schon aufbauen würde.

    Du planst noch höhere Sparraten in 7++ Jahren, also würde ich erst dann die Marktlage entsprechend abschätzt.

    U.U. hast Du auch dann Interesse daran, Dich mit einer Entnahmestrategie zu beschäftigen anstatt eine feste, aber nicht fürs Leben benötigte Entnahmehöhe festzulegen.

    Ach so, bei einem Selbstständigen mit Familie und Eigenheim gehe ich davon aus, dass sich die 90% Aktienquote nur auf die hier genannten und zukünftigen Rücklagen fürs Alter beziehen und nicht auch auf die aktuellen Rücklagen für Familie und Immobilie. Dafür wären mir 90% Aktien zu hoch (außer, es handelt sich um ganz andere Beträge wie hier genannt).

    Wann der Crash kommt: keine Ahnung

    Kommt er: ja

    Ja er kommt irgendwann. Und warum sollte das hier relevant sein? Ansparzeit für das erste Investment (die 80k) mind. 14 Jahre, eher 17. Selbst, wenn also morgen (direkt nach dem Invest) ein ähnlicher Verlauf wie 2000-2015 eintritt, gleicht das nicht nur die Sparrate wie aus.

    Kommt der Crash erst mit 67 (wenn also die Sparrate ggf. auf 0 reduziert wird), dann lief der Markt vorher wohl nicht 14 Jahre ohne jede Rendite, sondern eher mit mind. einer schwachen Realrendite, die immer noch über der von Tages- oder Festgeld liegt. Selbst ein Crash um 30% mit 67 und vorher nur 5% Rendite p.A. bringt aus heutiger Sicht mehr wie Tagesgeld (außer, das Hobby besteht im täglichen TG-Hopping und die Zinsen beliben ansatzweise so wie heute).

    Wer nicht demit rechnet, dass der Weltmarkt morgen zusammenbricht und dort 15-20 Jahre stehen bleibt, der muss erst einmal eine lukrativer Analge bei vergleichbarem Risiko finden. P2P oder Crypto gehört für ich nicht zu solchen Alternativen.

  • Entscheidend ist wie immer wann brauchst du wieviel, so wie du schreibst, kommst du mit deiner normalen Rente wahrscheinlich hin, jetzt ist die Frage, wieviel sind 10% bei dir? Reicht es für alle unvorhersehbaren Ausgaben? Wenn ja ist alles gut, wenn nicht besteht die Gefahr, in schlechten Zeiten verkaufen zu müssen. Weiterhin müsste man wissen, sollen deine Nachfahren gut erben, was ja schon durch eine abbezahlte Immobilie der Fall ist, oder willst du dir noch etwas gönnen, oder eine ordentliche Pflege, im Fall der Fälle, leisten können? Brauchen eventuell Angehörige Unterstützung von dir? Das sind alles Punkte die man bei deinem Überlegungen berücksichtigen sollte.

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