Genau deshalb hätte ich die Information von dudehier wahrscheinlich gar nicht gepostet. 99 % der Leser hier sind gar nicht in der Lage den Fall einzuordnen, sehen nur die Überschrift und denken: „Bitcoin wurde gehackt.“ Genauso wie morgen der Quantencomputer kommt und Bitcoin zerstört. 
Man muss das ganz objektiv betrachten. Wir befinden uns mit Bitcoin immer noch in einer frühen Phase. Die Usability wird besser werden, die Sicherheit wird weiter steigen und die Eigenverwahrung wird Schritt für Schritt alltagstauglicher. Das sind aber Entwicklungen, die Zeit brauchen.
Jemandem, der sich nicht regelmäßig mit dem Thema beschäftigt, aber trotzdem an der Entwicklung von Bitcoin partizipieren möchte, würde ich mittlerweile nicht unbedingt zur Eigenverwahrung raten. Dafür gibt es inzwischen gute Alternativen. Grepehat beispielsweise bereits ETPs ins Spiel gebracht. Natürlich verfehlt das den ursprünglichen Gedanken von Bitcoin, aber solche Zwischenschritte gehören auf dem Weg zur breiten Adoption wohl dazu. In zwei oder drei Jahren kann das schon wieder ganz anders aussehen.
Ich glaube nämlich, dass gerade in einer Zeit, in der Staaten immer stärker in das Eigentum ihrer Bürger eingreifen, bei vielen Menschen der Wunsch wächst, Vermögen tatsächlich selbst zu besitzen. Genau das ermöglicht Bitcoin in letzter Konsequenz wie kaum ein anderer Vermögenswert. Wer diese Unabhängigkeit möchte, muss heute allerdings noch bereit sein, sich ein Stück weit mit der Technik auseinanderzusetzen. Ich bin aber überzeugt, dass dieser Aufwand in Zukunft deutlich geringer werden wird.
Außerdem muss man sagen, dass die betroffene Coldcard eher eine Wallet für sehr technikaffine Nutzer ist. Dem klassischen Einsteiger werden in der Regel eher eine BitBox02 oder ein Trezor Safe 3 empfohlen. Die sind deutlich benutzerfreundlicher und verfügen über Sicherheitsmechanismen, die typische Bedienfehler erheblich erschweren. Aus der News:
Der Coldcard-Fall zeigt, warum eine Hardware-Wallet bei der Erzeugung des Seeds möglichst nicht von einer einzigen Zufallsquelle abhängig sein sollte. Andere Hersteller versuchen dieses Risiko abzufedern, indem sie mehrere voneinander unabhängige Quellen miteinander kombinieren.
Bei der BitBox02 fließen unter anderem Zufallsdaten aus dem Mikrocontroller, dem Secure Chip und dem angeschlossenen Computer ein. Selbst wenn beispielsweise der Zufallsgenerator im Mikrocontroller fehlerhaft wäre, könnten die anderen Quellen den fertigen Seed weiterhin absichern. Die Idee dahinter ist, dass nicht eine einzige defekte Komponente direkt das gesamte Sicherheitsmodell zu Fall bringt.
Trezor verfolgt einen ähnlichen Ansatz. Beim Model One und Model T wird Zufall aus dem Mikrocontroller mit zusätzlicher Entropie vom Computer oder Smartphone kombiniert. Bei neueren Modellen wie Safe 3 und Safe 5 kommt außerdem ein Secure Element als weitere Quelle hinzu. Der Computer kennt dabei nicht den fertigen Seed, sondern liefert nur einen Teil der Zufallsdaten, die erst auf dem Gerät mit den internen Quellen zusammengeführt werden.
Entscheidend ist und bleibt aber, wie sauber die verschiedenen Quellen technisch kombiniert werden und wie viel echte Zufälligkeit am Ende tatsächlich im Seed landet. Grundsätzlich ist ein solcher Aufbau aber robuster, als sich auf eine einzelne Quelle zu verlassen. Genau dieser fehlende Schutz gegen einen einzelnen Fehler wurde Coldcard nun offenbar zum Verhängnis.