Entscheidungshilfe gesucht für neue Gasheizung oder Wärmepumpe oder ...

  • Gibt es eigentlich irgendwelche Daumenwerte, wie sehr sich Fassadenbegrünung oder Hecken am Haus auf den Heizenergiebedarf auswirken?

    Fassadenbegrünung wird leider nicht als energetische Sanierungsmaßnahme anerkannt. Im Prinzip wirkt sie wie eine hinterlüftete Fassade, wobei das Grün selber keine Dämmwirkung hat.

  • Fassadenbegrünung wird leider nicht als energetische Sanierungsmaßnahme anerkannt. Im Prinzip wirkt sie wie eine hinterlüftete Fassade, wobei das Grün selber keine Dämmwirkung hat.

    Mir geht es weniger um die Förderwürdigkeit, sondern um den tatsächlichen Effekt.

  • Mir geht es weniger um die Förderwürdigkeit, sondern um den tatsächlichen Effekt.

    Die Begrünung wirkt hauptsächlich im Sommer, weil durch Verdunstung die Wandtemperatur gesenkt wird.

    Ansonsten hier noch eine Bachelorarbeit:

    https://tore.tuhh.de/bitstream…lorarbeit_CleaKummert.pdf

    Wonach der Wärmeübergangswiderstand an der Außenseite von 0,15 auf 0,48 messtechnisch nachweisbar ist.

    Damit sinkt an meinem Haus der U-Wert des zweischaligen Mauerwerks von 0,76 auf 0,57.

    Eine Wärmedämmung von 2cm Stärke hat den gleichen Effekt. Also: bescheiden im Vergleich zu dem, was nötig ist.

  • Moin in die Runde.

    Hier kommt der Bericht eines Wiederholungstäters, der stets die Umwelt und nicht so sehr die Amortisation von Kosten im Kopf hat. Bin mit McProfit überein, dass Praktiker hier berichten sollten.

    Bereits 1994 habe ich damit begonnen mein Elternhaus (Baujahr 1923) energetisch zu sanieren. Die Familie brauchte im Dachboden mehr Platz, so wurde das alte Dach verändert und gegen ein modernes Warmdach (geschossene Dachhaut mit Vollsparrendämmung) ausgewechselt. Diese Dachform wird selbst heute noch selten verbaut. Das Haus blieb bei der Umbauphase bewohnt, den Innenausbau habe ich selbst gemacht. Es entstanden 210qm Wohnfläche.

    1998 folgten weitere Schritte, nachdem das Land NRW die Wärmeschutzverordnung 100 (Wärmebedarf max. 100kWh/qm) eingeführt hatte. Hierfür gab es ein zinsloses Landesdarlehen mit festen Sanierungsvorgaben (Dach, Fassade, Fenster, Kellerdecke) und einigem Papierkram. Die Haushülle wurde mit einer Vorhängefassade (Isolierierung mit aufgeklebten Riemchenklinker) soliert, da baurechtlich nicht anders möglich. Damit blieb die Hausoptik erhalten. In dem Zuge wurden auch die Fenster gegen damals modernste Fenster (2fach Verglasung mit UV-Folie) getauscht. Die Kellerdecke wurde auch gedämmt. Der Energeiverbrauch (Heizöl 1989 schon mit WW-Solar) reduzierte sich ab 1994 somit um 70 Prozent.

    2000 folgte dann das Finale mit dem Einbau einer hochmodernen Solvis Gasheizung (1000ltr-Pufferspeicher mit eingebautem Brenner und Solarwärmetauscher sowie Warmwasserwärmetauscher) mit 60 Solar-Vakuumröhren. Der Energieverbrauch sank nochmals um 40 Prozent.

    Gleichzeitig wurde mit dem damaligen 100 000-Dächerprogramm die erste PV-Anlage (2,4 kWp) aufgelegt. 2004 folgte die zweite PV-Anlage (2,4 kWp). Die erste Anlage geht inzwischen in den Eigenverbrauch, die zweite folgt 2025, dann mit Speicher für den Eigenverbrauch.

    Die alte Solvis-Heizung wurde im Mai 2023 durch eine moderne Solvis-Anlage gleicher Größe ersetzt, jedoch jetzt ohne Gas und mit Wärmeumpe (15.000 Euro). Die Förderung der Komplettinvestition (40.000 Euro) beträgt 14.000 Euro. Hier war der Verwaltungsaufwand kleiner, da online. Das Fördergeld wird in den nächsten Wochen kommen.


    Meine Meinung: Nicht immer auf das Geld schielen, sondern an die Nachwelt denken.

  • 16.8.2023

    Antwort aus dem Urlaub von McProfit an Uwe Vinke

    ich habe gerade mit großem Interesse deinen Erfahrungsbericht mit den Umbau der Heizung gelesen.

    Interessant, dass es eine echte Baustelle war und nicht nur theoretische Erläuterungen.

    Interessant war, dass du es zu einem sehr überschaubaren Betrag geschafft hast.

    Das erscheint mir eigentlich nicht vorstellbar. Es wäre aber immerhin eine Bestätigung, dass man kostengünstig einen Umbau machen kann.

    Der Umbau der Heizung an meinem Haus inklusive Wärmedämmung Fußbodenheizung neue Fenster hat rund 150.000 € gekostet. Nicht mit gerechnet noch einmal die selbe Summe für Umbauarbeiten, die nichts mit der Heizungsanlage zu tun haben.

    Obwohl alles fertig ist und alle Rechnungen vorliegen und von mir bezahlt wurden und vom Energieberater bestätigt sind, habe ich bis heute noch keine endgültige Zusage und es kommen immer weitere Nachfragen nach neuen Unterlagen.

    Selbst meine Bank Hat schon die Vermutung geäußert, dass sie vermutet dass den Bauherrn, die sich den Umbau auch mit eigenem Geld leisten können, nicht so leicht Zusagen geben.

    Da werden zusätzliche Hürden aufgebaut.

    Das betrifft aber alles nur meinen Fall und ich hoffe das ich hier eine Ausnahme bin.

    Ich will mit meinem Beitrag hier auch nur den Optimismus mancher Haus Eigentümer etwas dämpfen und diesen empfehlen sich genaue Angebote einzuholen.

    . Vor allem unvorhergesehenes einplanen.

    Viel Glück und viele Grüße aus Stuttgart von McProfit.

    Bitte melden Sie sich, , wenn der Zuschuss tatsächlich auf dein Konto überwiese wurde.

    Das ist ja letztlich entscheidend

  • Antwort an McProfit

    Die 40.000 Euro sind nur die Ausgaben in 2023 für die neue Solvis-Anlage mit Wärmepumpe.


    Dach, Fassade, Fenster und Keller in den 90er Jahren haben etwa 110.000 DM und die Solvis-Anlage in 2000 hat damals 32.000 DM gekostet. Diese Summen dürften heute in Euro anfallen.


    Wenn der Bafa-Zuschuss gezahlt ist, gebe ich Meldung. Ebenso, wenn im Winter die ersten Werte für die Wärmepumpe vorliegen.


    Grüße nach Stuttgart

  • Die 40.000 Euro sind nur die Ausgaben in 2023 für die neue Solvis-Anlage mit Wärmepumpe.


    Dach, Fassade, Fenster und Keller in den 90er Jahren haben etwa 110.000 DM und die Solvis-Anlage in 2000 hat damals 32.000 DM gekostet. Diese Summen dürften heute in Euro anfallen.

    Du bist ein Umweltfreund!


    Vergleicht man diese Beträge mit den Energierechnungen über diese Zeit, dürftest Du erheblich mehr bezahlt haben als einer, der ganz einfach nur Erdgas oder Heizöl verheizt hat.

  • Von McProfit an Achim Weiss

    Liebe Forums Freund,

    wenn man so wie ich und vermutlich auch Uwe Vinke ohnehin vorhat, sein in die Jahre gekommenes älteres Einfamilienhaus komplett zu modernisieren, dann ist es logisch, dass man auch eine Heizung der Zukunft einbaut.

    Auch dann, wenn sich die Mehrkosten in diesem Leben nicht mehr rechnen werden.

    Ganz anders ist es jedoch, wenn es nur darum geht, eine bestehende Heizungsanlage in eine Wärmepumpenheizung umzubauen

    Da man bei einem Heizungsumbau auch andere Handwerker benötigt wird sich die Umbau Zeit sehr lange hinziehen und man kann in dieser Zeit praktisch nicht im eigenen Haus wohnen.

    Daher würde ich mir in diesem Fall einen reinen Umbau der Heizung sehr gründlich überlegen, ob ich mir das antun wollte. Umweltfreund hin oder her.

    Das muss aber jeder für sich entscheiden. Viele Grüße aus Stuttgart McProfit.

  • Du bist ein Umweltfreund!


    Vergleicht man diese Beträge mit den Energierechnungen über diese Zeit, dürftest Du erheblich mehr bezahlt haben als einer, der ganz einfach nur Erdgas oder Heizöl verheizt hat.

    In was für einer Welt würden wir leben, wenn es nur um Finanzen gänge.

  • Wenn man so wie ich und vermutlich auch Uwe Vinke ohnehin vorhat, sein in die Jahre gekommenes älteres Einfamilienhaus komplett zu modernisieren, dann ist es logisch, dass man auch eine Heizung der Zukunft einbaut.

    Es ist die Frage, ob man das Haus modernisiert oder halt abreißt.


    Bauen ist teuer, weil es lohnintensiv ist. Die vielbeklagten Materialpreise spielen demgegenüber nur eine untergeordnete Rolle. Bauen im Bestand ist um ein Vielfaches teurer als Neubau, wie gerade Du sicherlich weißt. Es wird spannend, was sich bezüglich des Heizenergieverbrauchs gerade im Bestand in den nächsten Jahrzehnten tun wird. Die Energie wird voraussichtlich billig bleiben wie jetzt (wenn die Politik sie nicht künstlich verteuert), Bauleistungen hingegen werden voraussichtlich überproportional im Preis steigen, was die Relation weiter verschiebt zu Ungunsten der Bauleistungen verschieben wird.


    Was hilft mir "die Heizung der Zukunft", wenn diese es nicht schafft, das Haus ausreichend zu beheizen?


    Mir ist da ein Erfahrungsbericht eines Foristen aus Stuttgart erinnerlich, der mit seiner Wärmepumpe einen mutigen Schritt in die Zukunft gegen wollte, dessen Heizung aber trotz horrender Investition immer noch nicht zufriedenstellend funktioniert.


    Hier in der Gegend findet sich eine etwa 100 Jahre alte Siedlung, die komplett unter Ensembleschutz steht. Das heißt: Fassaden"sanierung" nicht möglich, Dachisolierung nur nach innen, Außenwanddämmung nur nach innen (was bauphysikalisch schlechter, weniger effizient ist als eine Außendämmung, dazu in der Ausführung aufwendiger). Die Leute dort dürften darauf bauen, daß die Stadt sie mit Fernwärme versorgt, damit haben sie dann zwar die Heizenergie zu bezahlen, sind aber der Forderung nach einem bestimmten Abdeckungsgrad aus "erneuerbaren Energien" nicht mehr ausgesetzt.


    Ich bemühe mich seit vielen Jahren, Energie effizient einzusetzen. Ich bin sehr erstaunt, wie stark ich den Energieverbrauch meines Haushalts habe verringern können, ohne daß ich das im Alltag groß merke. Mittlerweile bin ich aber vermutlich nahe am Minimum; eine weitere Reduktion wäre mit Einschränkungen verbunden, und solche mag eigentlich niemand.


    Meine Energierechnungen bringen mich keinesfalls um, auch die Verdoppelung der Heizrechnung im letzten Jahr hat mich nicht umgebracht. Allerdings gehöre ich zu einer Minderheit unserer Bevölkerung, die regelmäßig relativ viel Geld spart, somit den Hunni pro Monat mehr locker zusetzen kann. Nicht jeder kann das, nicht jeder will das. Schließlich kostet ja auch der Urlaub auf den Malediven Geld - und Fernurlaub gilt vielen als Menschenrecht.


    Ich bin nicht in der Pflicht, mein Haus zu "sanieren", frage mich aber doch, was es kostet, mittels Styropor auf den Außenwänden den Heizenergieaufwand zu verringern. Übrigens frage ich mich auch, was es kostet, das Styropor erstmal herzustellen und wie lange es vermutlich hält. Fairerweise müßte man diese Energie ja auf den Nutzungszeitraum verteilen.


    Jeder darf sein Geld nach seinem Gusto ausgeben, dennoch kann und darf auch ein Fremder ausrechnen, ob man sein Geld effizient eingesetzt hat. Wenn dann einer davon berichtet, daß er hundertausend DM oder Euro für Energiesparmaßnahmen in sein Haus gesteckt hat, halte ich die Frage nach der Amortisation schon für zulässig. Ich kann mir nicht vorstellen, daß das in einigermaßen realistischer Zeit wieder herauskommt.


    Das Thema bleibt sicherlich spannend.

  • Die Leute dort dürften darauf bauen, daß die Stadt sie mit Fernwärme versorgt, damit haben sie dann zwar die Heizenergie zu bezahlen, sind aber der Forderung nach einem bestimmten Abdeckungsgrad aus "erneuerbaren Energien" nicht mehr ausgesetzt.

    Dafür ist es dann aber auch vorbei mit dem Billiggasanbieter aus dem Vergleichsportal. Bei Fernwärme gilt nach wie vor das Monopol des örtlichen Lieferanten.

  • [Die Leute in der denkmalgeschützten Gegend dürften darauf bauen, daß die Stadt sie mit Fernwärme versorgt und sie sich auf diese Weise eine vieltausend Euro teure Innendämmung sparen können.]

    Dafür ist es dann aber auch vorbei mit dem Billiggasanbieter aus dem Vergleichsportal. Bei Fernwärme gilt nach wie vor das Monopol des örtlichen Lieferanten.

    Letztlich ist das ein Rechenexempel.


    Fernwärme kostet hier etwa das Doppelte des Preises der Heizgasversorgung durch die lokalen Stadtwerke. Bei meiner Überschlagsrechnung kosten 15 MWh Heizgas im Moment etwa 1500 €; die gleiche Menge Fernwärme kostet 3000 €. 1500 € Differenz pro Jahr sind in (langen) 30 Jahren etwa 45 T€.


    Muß man im Einzelfall ausrechnen.

  • [Die Leute in der denkmalgeschützten Gegend dürften darauf bauen, daß die Stadt sie mit Fernwärme versorgt und sie sich auf diese Weise eine vieltausend Euro teure Innendämmung sparen können.]

    Letztlich ist das ein Rechenexempel.

    Mit vielen Unbekannten.

    So wird der politisch gewollte Zubau der Fernwärmeversorgung einiges an Tiefbaukosten erzeugen, denn Fernwärme geht nicht durch Gasleitungen. Bezahlen muß es der Kunde.

    Da der FW-Versorger das Liefermonopol hat, kann man auch nicht mehr auf Billiganbieter ausweichen.


    Sollte tatsächlich mal eine Wasserstoffversorgung kommen, müssten die Gasleitungen dafür ertüchtigt werden. Auch nicht für umsonst.

  • [Wer sich Fernwärme legen läßt, ist fürderhin die Diskussion los, ob sein Wärmeerzeuger nun eine hinreichend hohe Prozentzahl "regenerativ" ist oder nicht.


    Letztlich ist das ein Rechenexempel:

    höhere Kosten der Fernwärme pro kWh <-> Kosten für die Ertüchtigung der Immobilie

    Mit vielen Unbekannten.

    So wird der politisch gewollte Zubau der Fernwärmeversorgung einiges an Tiefbaukosten erzeugen, denn Fernwärme geht nicht durch Gasleitungen. Bezahlen muß es der Kunde.

    Da der FW-Versorger das Liefermonopol hat, kann man auch nicht mehr auf Billiganbieter ausweichen.

    Die "Billiganbieter" haben es Dir sichtlich angetan, die nennst Du jedes Mal. Auch Billiganbieter müssen den Brennstoff irgendwo einkaufen, sie sind schließlich nicht Erzeuger, sondern Händler. Und wenn sie sich mit einer niedrigeren Marge zufriedengeben als die lokalen Stadtwerke, die viel Gewinn machen müssen, um die defizitäre Stadtkasse quer zu subventionieren, dann finde ich das eher gut als schlecht.


    Ansonsten sind Prognosen immer schwierig, speziell dann, wenn sie sich auf die Zukunft beziehen.