ETF-Auszahlung für Rente, Steuern berechnen

  • Hallo zusammen,


    ich bin gerade dabei auszurechnen wieviel ich für meine geschätzte Rentenlücke an ETF-Vermögen aufbauen sollte. Dabei verstehe ich nicht ganz wie ich die anfallenden Steuern beim jährlichen Verkauf der Anteile nach Rentenbeginn berechnen soll.

    Könnte mir bitte jemand eine Tipp geben?

    3x10 ist mit ein Begriff, jedoch weiß ich nicht wie ich es konkret berechne.

    Mein Ziel ist es ein halbwegs realistisches Vermögen auf dem Depot abzuschätzen womit ich bis ins hohe Alter locker durchkomme.

  • Kater.Ka 16. Januar 2026 um 05:09

    Hat das Thema freigeschaltet.
  • Ich persönlich überschlage das einfach, indem ich 25% vom Verkaufserlös abziehe. Damit ziehe ich bewusst zu viel Steuer ab, aber ich rechne bei solchen Dingen immer eher konservativ.

    Und ganz exakt kann ich es sowieso nicht ausrechnen, da meine Entnahmephase noch 20 Jahre in der Zukunft liegt und sich die Steuergesetze bis dahin noch ändern können.

  • Dabei verstehe ich nicht ganz wie ich die anfallenden Steuern beim jährlichen Verkauf der Anteile nach Rentenbeginn berechnen soll.

    Du kannst diese zukünftigen Steuern nicht berechnen, nur einen Rahmen abschätzen. Das geht von Null Steuer bis unrealistische 14 % nach Teilfreistellung, wenn die Verkaufstranche fast nur aus Gewinnen bestehen würde.

    Ich persönlich überschlage das einfach, indem ich 25% vom Verkaufserlös abziehe. Damit ziehe ich bewusst zu viel Steuer ab, aber ich rechne bei solchen Dingen immer eher konservativ.

    Konservativ sollte nicht unrealistisch sein.
    Stelle dir vor, dass du Anteile an Welt-ETF verkaufst, die sich (wunderbarerweise) verzwanzigfacht haben.

    Aus 1000 Euro Sparrate wurden 20.000 Euro !

    Auf die 19.000 Euro Gewinn werden nach Teilfreistellung 3.325 Euro Steuern völlig. Den Soli vergessen wir mal, weil abgeschafft.

    Steuerquote also 16,625 %.


    Auch wenn sich dein ETF verHUNDERTfacht, zahlst du nur 17,325 % .

  • Auch wenn sich dein ETF verHUNDERTfacht, zahlst du nur 17,325 % .

    Grundsätzlich hast Du natürlich recht. Aber wer weiß schon wie die Steuergesetzgebung in 10, 20 oder gar 30 Jahre aussehen mag?
    Von 2000-2018 gab es IMHO 3 Steuerregime was die Besteuerung von Börsengewinnen betraf. Und wenn man die aktuelle Diskussion verfolgt werden Begehrlichkeiten geweckt. Dazu sind die Kassen leer.
    Wir wissen einfach nicht was Die Zukunft uns Steuerzahlern bringt.:/

    Und ganz exakt kann ich es sowieso nicht ausrechnen, da meine Entnahmephase noch 20 Jahre in der Zukunft liegt und sich die Steuergesetze bis dahin noch ändern können.

    Nicht nur die Steuergesetze...
    Ich kenne genau so wenig die Renditen der nächsten 20 Jahre. Einfach mal den eigenen Sparplan auf 20-30 Jahren mal mit 5, 6 und 7% p.a. durchrechnen. Dann erkennt man, dass Steuern eigentlich nur der kleinste Teil des Problems sind.

    Ich habe für mich mal meine Zielrendite ausgerechnet um in 9 Jahren meinen (minimal) gewünschten Depotwert zu erreichen. Angenommen habe ich, dass ich diese 9 Jahre die aktuelle monatliche Sparrate beibehalte (also auch keine Erhöhung, wie in den letzten Jahren!).
    Unter dieser Voraussetzung komme ich auf eine Rendite von 0,8% p.a. die ich über diese 9 Jahre benötige um meine Minimalzielgröße zu erreichen.
    Bei den 'berüchtigten' 6% p.a. die Finanztip so als Durchschnittsrendite ansetzt, muss ich mir also gar keine Sorgen machen, oder?
    Ich weiß aber auch, dass es schon mal 10 Jahre an der Börse gab, in denen eine -2% p.a. zu Buche stand.
    Um die späteren Steuern mache ich mir die geringsten Gedanken.

    PS: Bei 6% p.a. läge ich in 5 Jahren schon über meinem Minimalziel. Würde ich natürlich so bevorzugen. :D

  • zur eigentlichen Frage:
    Angenommen es sind Aktien-ETF, dann hast du erstmal 30% Teilfreistellung
    Also Gewinn x 0,7 = zu versteuernder Betrag
    Und dann zahlst Du 25% KaSt und darauf 5,5% Soli in Summe 26,38%
    Also Gewinn x 0,7 x 0,2638 = Gewinn x 0,1847 = Steuern

    Kirchensteuer habe ich mal ignoriert.

    Als Daumenregel, um auf die schnelle abzuschätzen was von meinem Depot zu Geld gemacht werden kann, rechne ich einfach mit 90% Auszahlung. Das spiegelt die Tatsache wieder, das ein Teil des Depots nicht aus Gewinnen besteht, sondern aus eingezahltem Geld.

  • Das ist falsch. Der Soli wurde nie abgeschafft.

    Nee…Ich formulierte eine zukünftige Zeitform….ich ging vereinfachend bei der Berechnung davon aus, dass dann kein Soli mehr da wäre.

    Allerdings könnte man auch etwas anderes einführen. Z.B. einen „Deutschland-Sozialsystem-Solidarisierungssolidaritätszuschlag auf die Abgeltungssteuer“.


    Merke: wer heute noch auf thesaurierende ETF setzt, wettet….

  • Ich bin gerade dabei auszurechnen, wieviel ich für meine geschätzte Rentenlücke an ETF-Vermögen aufbauen sollte.

    Das kommt vermutlich darauf an!

    Dabei verstehe ich nicht ganz wie ich die anfallenden Steuern beim jährlichen Verkauf der Anteile nach Rentenbeginn berechnen soll.

    Könnte mir bitte jemand einen Tipp geben?

    Eine Faustformel gibt es für diesen Fall nicht.

    Ich halte den Ansatz, möglicherweise auf Jahrzehnte hinaus eine Rentenlücke berechnen und dazu dann den Betrag ermitteln zu wollen, der diese Lücke zuspart, für vergebliche Liebesmüh. Prognosen sind unsicher, wenn sie sich auf die Zukunft beziehen, und der Grad der Unsicherheit steigt mit der Zeit.

    Es hat auf Deine jetzigen Sparbemühungen keinerlei Auswirkungen, wenn Du weißt, wieviel Steuern in Deinem Ruhestand anfallen. Du würdest nicht mehr und nicht weniger sparen.

    Mein Tip also: Bemühe Dich um einen ordentlichen Vermögensaufbau, spare soviel, daß es sich noch gut anfühlt und Du nebenher noch ein ordentliches Leben führen kannst. Denn Du hast nur dieses eine.

    Mein Ziel ist es ein halbwegs realistisches Vermögen auf dem Depot abzuschätzen womit ich bis ins hohe Alter locker durchkomme.

    Das ist ein verständliches Ziel, für das es dennoch keine Lösung gibt. Wie sehr Du Dich auch bemühst, wirst Du heute doch nicht herausbekommen können, was in 20 Jahren ist.

  • Es hat auf Deine jetzigen Sparbemühungen keinerlei Auswirkungen, wenn Du weißt, wieviel Steuern in Deinem Ruhestand anfallen. Du würdest nicht mehr und nicht weniger sparen.

    Das ist so nicht zutreffend. Ich habe mir die Mühe gemacht und so eine Prognose berechnet. Hintergrund ist die Frage, ob ich 4 Jahre eher in Rente gehen kann oder nicht.

    Bedeutet 4 Jahre weniger Einkommen, keine Ansparung sondern Entnahme und dauerhaft geringere Rente. Ob man das aus dem Bauch heraus entscheiden sollte?

    Die größte Schwierigkeit bei der Prognose war tatsächlich die Frage der Lebensdauer. Kalkuliere ich auf 80, 90 oder doch 100? Kalkuliere ich die immensen Kosten für die Senioren-Residenz am Meer mit ein? Da bin ich dann tatsächlich voll ins Risiko gegangen.

  • Das ist so nicht zutreffend. Ich habe mir die Mühe gemacht und so eine Prognose berechnet. Hintergrund ist die Frage, ob ich 4 Jahre eher in Rente gehen kann oder nicht.

    Ich darf Deine Aufmerksamkeit auf meinen folgenden Satz lenken:

    Prognosen sind unsicher, wenn sie sich auf die Zukunft beziehen, und der Grad der Unsicherheit steigt mit der Zeit.

    Ich täte mich leichter mit einer Antwort in der Sache, wenn der TE signalisiert hätte, wie lang es bei ihm bis zu seiner Rente ist.

    Auf Sicht von lediglich 4 Jahren dürfte eine Prognose einfach sein. Auf Sicht von 20 Jahren ist sie so gut wie unmöglich.

    Warten wir also getrost ab, ob der TE diese wesentliche Information noch nachliefert oder nicht.

  • Die größte Schwierigkeit bei der Prognose war tatsächlich die Frage der Lebensdauer. Kalkuliere ich auf 80, 90 oder doch 100? Kalkuliere ich die immensen Kosten für die Senioren-Residenz am Meer mit ein? Da bin ich dann tatsächlich voll ins Risiko gegangen.

    Das Problem könnte an ganz anderer Stelle sitzen, als Du das vermutest. Du glaubst jetzt, das Pflegeheim sei lediglich eine finanzielle Frage. Könnte sein, daß in 20 Jahren das keine finanzielle Frage ist, sondern eine Frage der Personalverfügbarkeit. Wenn Du genau hinschaust, siehst Du schon heute, daß Restaurants und Läden ihre Öffnungszeiten reduzieren, weil sie die alten Öffnungszeiten nicht mehr abdecken können. Arztpraxen suchen händeringend Personal und finden keins, müssen sich somit entsprechend umstellen. Schon jetzt ist es nicht einfach einen Platz im Pflegeheim zu bekommen. Das wird in 20 Jahren voraussichtlich nicht besser sein. Ich wage mir nicht auszumalen, was ein langjähriger AfD-Anhänger im Pflegeheim wohl veranstalten wird, wenn das Pflegepersonal seiner Station sämtlich farbig ist.

  • Könnte sein, daß in 20 Jahren das keine finanzielle Frage ist, sondern eine Frage der Personalverfügbarkeit.

    Dessen bin ich mir voll bewusst. Daher lege ich dafür auch kein Geld zurück. Für sehr viel Geld wird man immer eine gute Pflege bekommen. Ich habe aber nicht vor in den letzten guten JAhren zu darben, damit ich mir später eine vorgewärmte, vergoldete Bettpfanne leisten kann.

  • Ich würde mit Bruttoentnahme in % planen. Nach jetzigem Stand wird die Steuer automatisch abgeführt. Wenn sich das ändert, muss man umplanen. Ich würde eine dynamisierte 3% Entnahme des aktuellen Depotwerts anstreben. Wenn man eine Nettoentnahme plant, muss man auf Anbieter setzen, die die Steuer vorab anzeigen oder mit Portfoliotracking arbeiten. Ich gehe davon aus, dass sich das Angebot an Entnahmeservice deutlich verbessern wird in Zukunft.

    Je nach zukünftiger Renditeerwartung können die 3% auch zuviel sein.

  • Du willst jedes Jahr 7% entnehmen? Wieviel Cashanteil willst du halten und wo kommt der her? Iniitiale Zusatzentnahme bei Rentenbeginn? Paralleler Aufbau zur Sparrate in den ETF? Hast du dich mit der Thematik schonmal ernsthaft befasst? Und mit ernsthaft meine ich: Nicht nur selbst darüber nachgedacht, sondern auch Informationen von Leuten eingeholt, die sich damit auskennen?

  • Du willst jedes Jahr 7% entnehmen?

    Cashpuffer von gut/rund 20% des Portfolios, dann wären 3 Jahre "sichere Entnahme".
    Aber nur wenn sich der Markt nicht mit 7% entwickelt, zusätzliche Entnahme aus dem Puffer.
    Puffer wird im Laufe der Jahre verbraucht und NICHT wieder aufgefüllt.
    Und danach dynamische Entnahmeraten: jedes Jahr 7% des zur verfügung stehenden Portfolios.
    Also jedes Jahr neu rechnen.
    Wäre auch eine Grundeinstellung. Warum nicht?8)