WELT - die Illusion vom durchhalten?

  • Ich paraphrasiere mal, was in dem Artikel steht.

    Es wird zunächst die Grundlage dargelegt, warum "buy and hold" sinnvoll ist (Verlustrisiko sinkt mit der Zeit) und zwar egal, bei welchem Kurs man einsteigt ("time in the market beats timing the market").

    Der Welt-Artikel sagt aber, dass das "den Anlegern" aber nicht reicht, weil sie ja eine möglichst hohe Rendite wollen und es daher eben doch einen Unterschied macht, wann man einsteigt. Sie sehen aber ein, dass niemand diesen optimalen Einstiegszeitpunkt vorhersagen kann.

    Dann werden Daten des DAI (Deutsches Aktieninstitut, Lobbyverband …) interpretiert und als Beispiel u.a. vorgerechnet, was bei einer Anlage von 10000 Euro über 20 Jahre so alles an Rendite herausspringen kann. Bei der historischen Maximalrendite als Grundlage kommen rund 170000 € heraus, bei der Durchschnittsrendite rund 50000 € und bei der Minimalrendite rund 19000 €. Hier sieht Welt ein Problem, weil die Unterschiede so groß sind. Außerdem fehlen bei den DAI-Daten Inflationsdaten. Das will Welt dann in ihrer eigenen Berechnung mit einfließen lassen.

    Was sie hier unterschlagen ist der Unterschied, ob man in den DAX investiert oder weltweit gestreut. Bzw. es wird durcheinandergeworfen.

    Ihre eigene Berechnung will ich jetzt nicht paraphrasieren. Sie haben aber eben den DAX vor seine Existenz zurückgerechnet betrachtet und eben sehr schwache Phasen ausgemacht, wo man z.B. inflationsbereinigt 25 Jahre warten musste, um wieder ins Plus zu kommen. Eben dann, wenn man richtig Pech hatte mit dem Zeitpunkt des Kaufs einer Einmalanlage.

    Einschub von mir: Sie argumentieren also, dass es sehr sinnvoll ist, sehr breit zu streuen ;) Natürlich wird das mit keinem Wort erwähnt…

    Danach argumentieren sie für mehr Sicherheit durch andere Anlageformen bzw. der Mischung von Anlagen. Dabei wird herausgearbeitet, dass ein höherer Anleihe-Anteil von Vorteil sei, um in schlechten Phasen besser dazustehen. Aber es wird auch gesagt, dass man in guten Phasen deutlich im Nachteil ist.


    Ich würde sagen: Clickbait


    Wer weitere Fragen hat, fragt gerne.

  • Fuzi All World oder den Spider finde ich für einen Welt ETF gut für Anfänger. Bei mir stand heute auch -23 G/V und gestern waren es -31 G/V keine Ahnung was das heisst. Ob das pro Tag Verlust ist oder in der Zeit wo ich begonnen habe am 25.3.26. Ich glaube auf den Kontowert kann man noch fast besser gehen. Ich warte noch bis die Kurse steigen bevor ich einen grösseren Betrag einzahle ansonsten einmal monatlich kleinere Beträge von 800.--

  • Vielleicht kann man statt "Clickbait" auch etwas positiver sagen: Geschrieben für den typischen deutschen Anleger, der jetzt von ETFs hört, aber Angst davor hat, damit Geld zu verlieren. Der Artikel zeigt auf, wie man diese Gefahr minimieren kann, aber leider recht manipulativ, weil hier der DAX, der S&P 500 und irgendwie sehr indirekt auch weltweite Indizes wild durcheinandergeworfen werden.

    Ok, kann ihn leider doch nur negativ bewerten, sogar negativer als mit "Clickbait", nämlich mit: manipulativ

  • Weil es gerade so interessant war, so einen Artikel mal zusammenzufassen, habe ich einen Chatbot bemüht, um zu sehen, was der so sagt. Der hat zunächst nicht erkannt, dass in dem Artikel auf manipulative Weise die verschiedenen Indizes vermischt wurden. Ich habe ihn darauf hingewiesen, worauf er dieses schöne Fazit formuliert hat:

    Zitat

    Fazit zu Ihrer Kritik:

    Sie haben recht: Der Artikel vermischt die Indizes, um eine allgemeine Botschaft zu senden.

    • Die Warnung vor dem „Durchhalten" gilt besonders stark für den DAX (oder jeden einzelnen nationalen Index), da hier das Länderrisiko und die spezifischen historischen Krisen (wie die deutsche Inflation) den Worst-Case verschlimmern.
    • Die Lösung (Aktien + Anleihen) wird am Beispiel des S&P 500 demonstriert, was für den deutschen Leser eine Übertragungsfrage aufwirft.
    • Die eigentliche „Welt-Lösung" (globale Diversifikation statt Anleihen) wird nur angedeutet, aber nicht als primäre Alternative zum „DAX-Durchhalten" herausgearbeitet.

    Für einen deutschen Anleger wäre die präzisere Schlussfolgerung vielleicht gewesen: „Time in the market" ist beim DAX allein riskant, aber beim globalen Markt (MSCI World) deutlich sicherer. Der Artikel verpasst es leider, diesen wichtigen Unterschied zwischen nationaler und globaler Diversifikation klar zu trennen, bevor er zur Anleihen-Lösung übergeht.

    *mic drop*

  • In ihrem Vermischen der verschiedenen Indizes bezeichnen sie indirekt ein Investment in den DAX als "breit gestreut". Alter, der Artikel wird immer schlechter, je öfter ich drauf schaue. Ich weiß schon, warum ich so etwas eigentlich nie lese… Aber das Gefühl, ihn komplett durchschauen zu können, ist toll! :)

    So, es ist alles gesagt.

  • Bis gestern ist der S&P 500 im ersten Quartal 2026 um circa 7 % zurückgegangen. Die Hälfte dieses Rückgangs produzierten drei Titel Microsoft. Apple und NVIDIA.
    Zusammen haben diese einen Anteil von 19-20 % am Index.

    Heute zum Monatsschluss geht’s mal kräftig rauf.

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