Akten Etf vs. Sichteinlagen mit 60

  • Hallo zusammen,

    Bin erst seit ca. 6Jahren mit Depot unterwegs. Vorher keine Erfahrungen am Aktienmarkt.

    Aktuell ca. 1/3 etf und 2/3 sichteinlagen (tagesgeld, Festgeld etc.auf verschiedenen Banken)

    Summe ist ein im mittlere Bereich befindlicher 6 stelliger Betrag.

    Rente (so hoffe ich) mit 63 .

    Rentenlücke aus jetzigen Sicht, spricht Ausgaben stand heute ca 400 Euro.

    Da in Rente mehr Zeit und Wünsche, Reisen, Hobbys etc "wunschlücke " 1500 Euro.

    Ist das mit der Aufteilung realistisch und wie würdet ihr euch aufstellen?

    Liebe Grüße

  • Ist bei mir ähnlich....ich hab 50.000€ bei der gefa als auszahlplan für 10 Jahre, das sind schon mal 416€ monatlich fest....dann ca. 30.000 auf Tagesgeld zu 2,1% für alles unvorgesehes kurzfristiges.... Ein etf Depot nur mit Ausschüttungern in Höhe von aktuell ca. 120.000€ ...das bleibt mit Wiederanlage der Ausschüttungen erstmal die nächsten Jahre unangetastet liegen.....

    Rente von mir und meiner Frau langt dicke für alle laufenden Ausgaben und für Urlaub... allerdings miet und schuldenfrei.....

  • Danke für eure Antwort.

    Meine Risikotragfähigkeit (glaube das heißt so) ist jetzt nicht sehr hoch.

    Konkret habe ich 200k in etf acc 450k in sichteinlagen.

    Die 400euro Rentenlücke kommen aus den fiktiven Kosten eines PKW den ich dann brauche. Zur Zeit Dienstwagen seit 25 Jahren und keine Ahnung von den laufenden Kosten.

    Der Rest ist runtergebrochen auf den Monat fürs jährliche reisen und sonstiger "Luxus " im alter.

  • Entscheidend bei jeder Geldanlage ist, du und nur du musst dich damit wohlfühlen. Ebenso wichtig ist, wann benötigst du wieviel, danach kann sollte man es ausrichten. TG, FG usw gleichen mit leichten Schwankungen in beide Richtungen die Inflation aus, weltweite ETFs sind für den Vermögensaufbau, bringen im Durchschnitt etwa 6% vor Steuern. Diese sind allerdings langfristig zu beachten, daher empfiehlt FT etwa 15 Jahre. Da du noch ansparst, kann man noch in den ETF investieren, du bist ja bisher recht konservativ unterwegs. Mein Sparplan lief bis etwa 2 Jahre vor Rentenbeginn um dann in einen Geldmarkt ETF weiter zu investieren. Dort liegt jetzt mein Bedarf für die nächsten 5 Jahre plus Sicherheitsbaustein, alles andere ist weiterhin im ETF und soll Rendite bringen. Bei für mich gutem Stand schichte ich wieder in die sichere Anlage um. Ob 5 Jahre Puffer für dich okay sind musst du natürlich entscheiden.

  • Danke für deine Antwort

    Das mit den 15 Jahren habe ich schon oft gelesen und gehört.

    Ist aber so eine Sache mit 60+

    Bis zur Rente mit 63 bespare ich weiter den Welt etf FSTE all world und den ex USA je zur Hälfte.

    Der Sicherheitsbaustein ist denke ich ausreichend für min 10 Jahre.

    Hoffe das sich das Depot dann entsprechend entwickelt und Zeit ist um Schwankungen auszusetzen

  • Machen wir es doch einmal konkret: wenn Du Deinem Vermögen jeden Monat 1.500 EUR entnehmen möchtest, dann sind das pro Jahr 18.000 EUR.

    Mit 63 geht man ja relativ jung in den Ruhestand. Wenn man dann plant, sagen wir mal noch 35 Jahre zu leben, dann wären das in Summe 630.000 EUR. Das Geld hast Du ja jetzt bereits, insofern könntest Du alles, was Du hast, irgendwo sicher und konservativ anlegen und dann den Plan so durchziehen.

    Jetzt gibt es aber auch die Inflation und es gibt das Leben, das die eigenen Pläne durcheinanderwerfen kann (besser: wird). Dadurch könnte es knapp werden, die 1.500 bis zum Ende entnehmen zu können. Aber vielleicht braucht man in hohem Alter nicht mehr so viel Geld, außerdem hat es in 35 Jahren aufgrund der Inflation ja sowieso nur noch die Hälfte der heutigen Kaufkraft. Durch sichere Geldanlage kann man den Inflations-Schwund ja auch spürbar abmildern.

    Wenn Du Dich im hohen Alter sicher nicht einschränken willst oder etwas vererben möchtest, würde ich einen gewissen Prozentsatz in weltweite ETF anlegen.

    Aus heutiger Sicht könntest Du also den gewünschten sicheren Betrag für einige Jahre ermitteln und konservativ anlegen, z.B. 18.000 x 10 Jahre = 180.000 oder wenn man sehr besorgt ist 270k für 15 Jahre. Den Rest würde ich in den ETF stecken.

    Deine 450.000 in sicheren Anlagen finde ich persönlich zu hoch, sie würden nach dieser Rechnung 25 Jahre lang reichen, ohne dass Du ein einziges Mal etwas aus dem Depot entnehmen musst. In 25 Jahren sollte sich Dein Depot in etwa vervierfachen, dann auf 800k, eine Garantie gibt es dafür nicht.

    Wenn Du Dir vor Augen hälst, welchen Puffer Du in Jahren für sichere Entnahmen aus dem TG/FG hast, ist es vielleicht möglich, eine 50:50-Aufteilung zu machen. Eine geringere ETF-Quote wird eigentlich nirgends empfohlen.

  • Ja der Sicherheits teil ist hoch und mit 63 ist noch etwas zeit.

    Und genau das möchte ich nutzen ohne Risiko um zu leben.

    Habe es bei meinen Eltern gesehen.

    Bis ca 78 alles top. Dann plötzlich krank und vorbei mit reisen und co.

    Und da ging es ihnen noch gut.

    Beide schlagen sich noch wacker mit fast 90

  • Die Menschen sind unterschiedlich, manche wollen die Rendite maximieren und nehmen die möglichen Schwankungen in kauf, andere schlafen schlecht, wenn die Börse schwächelt.

    Die Entscheidung, welches Risiko du für Dich akzeptabel findest, kann Dir niemand abnehmen. Mit Deinem Depot bist Du den meisten Menschen in Deutschland sowieso schon voraus in Bezug auf die Altersvorsorge.

    Ich persönlich habe mal 50:50 angepeilt, irgendwann aber realisiert, dass der Sicherheitsteil zu groß wird und ich viel Rendite liegen lasse. Aktuell bin ich bei 60:40 und darunter lasse ich es nicht mehr fallen. Bin ich bei Renteneintritt bei 70:30 ist es auch ok, denn ich habe für mich genau die Rechnung gemacht, die ich Dir vorgeschlagen habe.

  • Bei hohem Sicherheitsbedürfnis kann man auch mit einer niedrigen Aktienquote von vielleicht 30-40 % arbeiten. Es muss Dir aber bewusst sein, dass Du dann im wesentlichen nicht viel mehr als einen Inflationsausgleich hinbekommen wirst für Dein Vermögen. Gleichzeitig entnimmst Du jedes Jahr 18.000 Euro + Inflation.

    Ich gehe davon aus, dass ihr am Ende nichts vererben wollt, es darf das Kapital also aufgebraucht werden. Eure Rente fängt vermutlich frühestens mit 64 an, sofern ihr nicht schon vor Erhalt der Rente in den Ruhestand gehen wollt.

    Es gibt einige Entnahmerechner im Netz, mit denen Du spielen kannst. Die beiden nur exemplarisch. Da muss man sich ein wenig einarbeiten!
    https://predict-fi.com/
    https://ficalc.app/

    Wie alt ist eigentlich Deine Partnerin? Bei Paaren muss man die Entnahmedauer etwas großzügiger planen. Sollte sie jünger sein als Du gilt das noch verstärkt. Grundsätzlich halte ich eine Entnahme von 1500 Euro pro Monat für machbar, sofern ihr bereit seid, die Entnahmehöhe an die Rahmenbedingungen anzupassen. Stichwort (teil-)dynamische Entnahme. Ich denke allerdings auch, dass Du zu Beginn nicht unter 50 % Aktien runter gehen solltest, wenn Du vermutlich eine Entnahmedauer von mehr als 30 Jahren abdecken musst. Wenn Ihr keine 50 % Aktien aushaltet, solltet ihr die Entnahmehöhe etwas reduzieren. Wenn ihr nur 1000-1200 Euro entnehmt, könnt ihr auch defensiver starten.

    Für die ersten Rentenjahre eine höhere Entnahme einzuplanen, klingt vernünftig. Beispielsweise in den ersten zehn Jahren 1500 Euro pro Monat und danach allmählich abnehmend bis auf 1000 Euro. Im hohen Alter können dann nochmals höhere Ausgaben kommen, wenn man Hilfe benötigt.

  • Ich bin Single.

    Ja, ich wollte mit 63 in Rente gehen, mit Abschlägen.

    Meine normalen Lebenshaltungskosten, Miete, essen, usw. Also der bisherige Alltag. Deckt die GRV. Vererben ist nicht geplant. Wenn es passiert, dann ist es so.

    Meine Kinder sind gut aufgestellt und nicht drauf angewiesen.

    Wie würdet ihr den jetzigen ist-Zustand, wie oben beschrieben 200k etf und 450k sichteinlagen unter den aktuellen Marktgegebenheiten anpassen?

  • Na ja, zuerst solltest Du für Dich das Verhältnis festlegen.

    Wenn Du 50:50 möchtest, dann müsstest Du für 125k ETF-Anteile kaufen. Hast Du das flüssig, dann würde ich das zeitnah machen. Es ist bei so viel Geld oftmals leichter, wenn man die Käufe über eine gewisse Zeit streckt, z.B auf ein Jahr verteilt und jeden Monat einen Teilbetrag investiert. Die Wissenschaft allerdings empfiehlt, alles sofort zu investieren, weil das statistisch aussichtsreicher ist. Es kann allerdings passieren, dass der sich der Kaufzeitpunkt ungünstig herausstellt, das wäre dann Pech.

    Um damit umgehen zu können, würde ich nicht die beiden ETF aufstocken, die Du hast. Ich würde einen völlig neuen ETF vorschlagen. Und zwar aus drei Grunden:

    • In Deinen ETF-Positionen bist Du sicherlich ordentlich im Gewinn und Du würdest Dir durchs Nachkaufen die psychologisch wichtigen Durchschnittskurse versauen. Statt z.B. 60% stünden dann vielleicht nur noch 40% Gewinn. Das fühlt sich nicht so gut an und du könntest Dein Gehirn mit einem neuen ETF überlisten und dich besser mit der Entscheidung fühlen.
    • Sollte die Börse runtergehen, bist Du mit den "alten" ETF-Positionen länger im Gewinn. Damit lässt sich ein Crash psychologisch besser aushalten, als wenn alles rot wird.
    • Solltest Du etwas aus dem Depot entnehmen wollen, verkaufst Du den neu angeschaften ETF zuerst. Dadurch reduzierst Du die Steuerlast, weil die Anteile ja weniger Gewinn gemacht haben als Dein FTSE All world. Wenn es an der Börse blöd läuft, dann verkaufst Du ggf. sogar mit Verlust, aber diesen kannst Du (Deine Bank macht das automatisch) für spätere Verkäufe mit Gewinn (z.B. des FTSE) steuermindernd nutzen.


    Als neuen ETF würde ich Dir den auch von FT empfohlenen MSCI ACWI IMI (ISIN IE00B3YLTY66) vorschlagen. Der ist sehr ähnlich wie Dein FTSE all world, aber noch einen Tick stärker diversifiziert.