S&P 500 Klumpenrisiko

  • Ich habe da zuletzt mal die Umsätze und Arbeitsplätze einiger "100%-US-Unternehmen" herausgesucht: RE: MSCI World, USA lastig, Risiko?

    Das Klumpenrisiko ergibt sich nicht daraus, wie viel Umsatz die Unternehmen lokal oder global erwirtschaften, sondern aus dem länderspezifischen und rechtlichen Risiko.

    Ein Anleger, der beispielsweise 1989 vollständig in japanische Aktien investiert war, hatte in den folgenden drei Jahrzehnten auch wenig davon, dass die Unternehmen im Nikkei global aufgestellt waren und einen Großteil ihrer Umsätze außerhalb Japans erzielten. Das operative Risiko der Unternehmen mag global verteilt gewesen sein, das rechtliche und politische Risiko des Investments blieb trotzdem stark auf Japan konzentriert.

    Und die USA müssen dafür nicht einmal „untergehen“, damit sich ein solches Risiko für einen Nicht-US-Bürger materialisiert. Es reicht schon, wenn die US-Regierung beispielsweise Sonderregelungen (z.B. steuerlicher Natur) für in den USA gelistete Aktien erlässt, durch die im Ausland gelistete Fonds Nachteile haben.

    Mir fallen auf Anhieb mehrere Szenarien ein, wie die US-Regierung es einem europäischen Sparer deutlich schwerer machen könnte. Wenn dann 70-100 % des eigenen Vermögens faktisch in den USA liegen, ist das schlicht ein unnötiges Klumpenrisiko.

    Eine globale Streuung reduziert dieses Risiko dagegen relativ einfach. Man muss dafür nicht vorhersagen, welches Land sich in Zukunft besser entwickelt, man muss lediglich vermeiden, sein gesamtes oder große Teile seines Vermögens von den politischen und rechtlichen Entscheidungen eines einzigen Landes abhängig zu machen.

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  • Sollen wir das jetzt für Dich entscheiden? So, wie es Dein Freund damals für Dich entschieden hat? Bemerkst Du etwas?

    Du selbst kannst es nicht entscheiden?

    Keine eigenen Überzeugungen? Keine eigene Strategie? Du willst das machen, was völlig fremde Menschen aus dem Internet Dir raten, teilweise ohne es im geringsten zu begründen?

    So möchtest Du wirklich vorgehen?

  • Eine globale Streuung reduziert dieses Risiko dagegen relativ einfach. Man muss dafür nicht vorhersagen, welches Land sich in Zukunft besser entwickelt, man muss lediglich vermeiden, sein gesamtes oder große Teile seines Vermögens von den politischen und rechtlichen Entscheidungen eines einzigen Landes abhängig zu machen.

    Die Frage ist aber auch, ob und wie der sog. Normalbürger dieses 'Klumpenrisiko' überhaupt umgehen kann!?:/
    Ein Gutteil meiner zukünftigen Altersvorsorge hängt allein an meinen gesetzlichen Rentenansprüchen. Ein anderer Teil meiner Altersvorsorge hängt in privaten Versicherungen, die ich bei deutschen Versicherungen abgeschlossen habe. Ich arbeite hier in Deutschland, ich lebe hier.
    Für mich betrachtet ist das schon mal ein riesiges Klumpenrisiko rein auf mein Heimatland bezogen. Ich denke mal, dass es einem großen Teil der Normalbürger ähnlich gehen dürfte. Wohlmöglich haben Sie sogar noch eine oder gar mehrere Immobilien in Deutschland. Also nochmal mehr Klumpenrisiko.

    Insofern stellt sich mir die Frage, ob ich unter diesem Umständen überhaupt Geld in Aktien deutscher Unternehmen investieren sollte. :/
    Und selbst wenn ich nun 100% meines Aktienteils (was ich ausdrücklich nicht empfehlen würde!) in US-Aktien investiere, bin ich doch schon mal besser diversifiziert wie der typische Deutsche!?:/
    Was sind in den Zusammenhang 'große' Teiles seines Vermögens? Wenn ein typischer Deutscher mit seinen Rentenansprüchen und einem Eigenheim nun in einen FTSE All Word ETF mit aktuell ca. 60% US-Aktien investiert ist dass dann automatisch ein großer Teil des eigenen Vermögens?
    Fragen über Fragen.
    Und klar, mir wäre es auch lieber, wenn ich von mir behaupten könnte: 10Mio meines Vermögens sind in Europa investiert, 10 Mio. in Nordamerika, 10 Mio. in Asien und 10 Mio. in den Schwellenländern.
    Damit wäre ich dann fein raus und auch gut diversifiziert. Dürfte aber für mich als auch für die allermeisten Deutschen nur ein Wunschtraum bleiben.

    @St.Irving hat vorhin etwas zum Risiko geschrieben, zu sehr in ein Land zu investieren.

    Gibt es eigentlich auch ein Risiko weil ich in einem Land geboren wurde, dort lebe und arbeite? Soll ja hier in Deutschland auch schon mal dazu gekommen sein, dass eine bestimmte Bevölkerungsgruppe in Deutschland Ihren Besitz verloren hat und noch glücklich sein durfte, wenn Sie Ihr eigenen Leben retten konnten.:/

  • Sollen wir das jetzt für Dich entscheiden? So, wie es Dein Freund damals für Dich entschieden hat? Bemerkst Du etwas?

    Du selbst kannst es nicht entscheiden?

    Keine eigenen Überzeugungen? Keine eigene Strategie? Du willst das machen, was völlig fremde Menschen aus dem Internet Dir raten, teilweise ohne es im geringsten zu begründen?

    So möchtest Du wirklich vorgehen?

    Hi,

    was ist das für ein sinnloser Kommentar?

    Ich versuche ja genau das Gegenteil hiermit zu erreichen und möglichst viel bzw. Meinungen und Infos zu bekommen.
    Das ich eigene Ideen / gedenken habe ist ja in der ursprünglichen Frage schon ersichtlich.
    Sonst würde da stehen „habe x aber gefällt mir nicht also sagt mir was ich tun soll“

    Bitte einfach nur konstruktive Antworten.
    Danke

  • [...] Insofern stellt sich mir die Frage, ob ich unter diesem Umständen überhaupt Geld in Aktien deutscher Unternehmen investieren sollte. :/ [...]

    Und wie definiert man deutsche Aktien?

    z.B.
    Deutsche Telekom:
    65% des Umsatzes in den USA, 25% in Europa, 5% Asien, 5% Rest der Welt
    Linde:
    Irische ISIN, Hauptbörse USA und damit im S&P 500 und überall im USA-Anteil

  • Und wie definiert man deutsche Aktien?

    Das Thema hatten wir ein paar Antworten zuvor ja bereits. Ist ein US-Unternehmen, dass 50% des Umsatzes außerhalb der USA erzielt ein US-Klumpenrisiko?
    Ja, wenn man St. Irving glauben darf. Schließlich könnten die USA entsprechende Repressionen gehen die ausländischen Aktionäre erlassen.
    Und könnte eine zukünftige Deutsche Regierung Aktienbesitz für deutsche Bürger verbieten oder den Börsenhandel aussetzten?

    Wir alle haben mehr oder minder große Klumpenrisiken in unserem Vermögen. Der Normalbürger hat ein extremes Deutschland-Klumpenrisiko. Viele schauen aber nur auf Ihre 100K€ in ETF und sagen: UiUiUi, 70% USA, dass ist aber zu viel. Das Sie gleichzeitig Rentenansprüche von einigen 100K€ gegenüber dem deutschen Staat haben und dazu noch ein 500K€ Haus in Deutschland will man dann nicht sehen. :/

  • Ein Gutteil meiner zukünftigen Altersvorsorge hängt allein an meinen gesetzlichen Rentenansprüchen. Ein anderer Teil meiner Altersvorsorge hängt in privaten Versicherungen, die ich bei deutschen Versicherungen abgeschlossen habe. Ich arbeite hier in Deutschland, ich lebe hier.
    Für mich betrachtet ist das schon mal ein riesiges Klumpenrisiko rein auf mein Heimatland bezogen.

    Das ist letztlich die ewige Diskussion darüber, wie man welches Risiko bewertet. Sind Welt-ETF wirklich „nicht-deutsch“, nur weil die Aktien in ihm in einem anderen Land gelistet sind, wenn sie gleichzeitig in einem deutschen Depot innerhalb eines europäischen Fonds-Mantels gehalten werden? Darüber gehen die Meinungen auseinander.

    Die eine Sichtweise ist: Ein normaler deutscher Sparer hat durch Humankapital und Rentenansprüche ohnehin einen sehr hohen Deutschland-Anteil im Gesamtvermögen. Selbst wenn 100 % des Depots im S&P 500 investiert sind, liegt der US-Anteil am Gesamtvermögen vermutlich nie über 20-30%. Zusätzliche Diversifikation im liquiden Vermögen ist aus dieser Perspektive irrational.

    Die andere Sichtweise ist: Gerade wenn GRV und Humankapital aufgrund politischer oder wirtschaftlicher Verwerfungen im eigenen Land irgendwann nicht mehr sicher sind, könnte das liquide Depot das Erste sein, auf das der Staat zugreift (unabhängig davon, wo die darin enthaltenen Aktien gelistet sind).

    Schwierig. Historisch betrachtet sind Vermögenswerte im Ausland bei größeren geopolitischen Verwerfungen allerdings häufig besonders exponiert. Rechtlich und politischen Einfluss hat man letztlich nur auf das eigene Land und die im eigenen Land gehaltenen Assets. Dazu gibt es auch gute Studien. Auch wenn es sich seltsam anhört: Ein Home-Bias war z.B. bei größeren geopolitischen Verwerfungen oft im Vorteil. Es sei denn man hatte anonym Gold im Ausland gebunkert.

    Am Ende ist das deshalb vermutlich auch eine Frage der persönlichen Risikowahrnehmung.

    Meine Meinung: Als Europäer den Europa-Anteil im Depot allein deshalb bewusst zu erhöhen, halte ich für wenig überzeugend. Umgekehrt halte ich es aber auch nicht für sinnvoll, große Teile des liquiden Vermögens in den USA zu halten, nur weil dort, aus einem letztlich historischen und kulturellen Zufall, ein großer börsennotierter Kapitalmarkt entstanden ist.

    Warum sollte man sich also auf Deutschland, Europa oder die USA beschränken? Es gibt schließlich noch zahlreiche andere Regionen und Märkte, die zur Diversifikation beitragen können.:/

  • Und könnte eine zukünftige Deutsche Regierung Aktienbesitz für deutsche Bürger verbieten oder den Börsenhandel aussetzten?

    Klar. Aber das würde ja dann auch einen S&P500 ETF treffen. Also doch ein Depot im Ausland? Auf das der deutsche Staat über die Steuergesetzgebung ja auch Zugriff hat. Das ist nämlich viel wahrscheinlicher als eine Aussetzung des Börsenhandels. Für eine Enteignung braucht es heute kein Verbot und keine Männer mit Masken und Waffen mehr. Nur einen höheren Steuersatz.

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