Rebalancing

Wann Du Deine Geldanlagen umschichten solltest

Sara Zinnecker
& Co-Autor
10. Juni 2016
Das Wichtigste in Kürze
  • Ein langfristig orientierter Anlagemix streut Risiken und bietet Dir Renditechancen.
  • Du solltest dennoch regelmäßig überprüfen, ob Deine gewählte Anlagestrategie noch Deinen Anlagezielen entspricht.
  • Du hast die Wahl, eine bestimmte Gewichtung von Anlageklassen regelmäßig wiederherzustellen.
  • Wer mehr als 20.000 Euro auf der hohen Kante hat, kann darüber nachdenken.
  • Wertpapiertransaktionen lohnen nicht, wenn sie mehr als 1 Prozent des Anlagebetrags kosten.
  • Solltest Du zur Wertsicherung Gold im Portfolio haben, lohnt sich Umschichten nicht.
  • Zum Ende der von Dir favorisierten Anlagedauer hin solltest Du Deine Aktienpositionen schrittweise reduzieren.

Der bekannte Börsenexperte André Kostolany gab Anlegern stets den Ratschlag, Aktien zu kaufen, sich anschließend Schlafmittel in der Apotheke zu besorgen und dann nach einigen Jahren als reicher Mann wieder aufzuwachen. In Fachkreisen wird diese Strategie auch „Buy-and-Hold“ genannt. Auch Finanztip ist der Meinung, dass Buy-and-Hold für Deine Geldanlage am besten geeignet ist. Wer kann schon genau vorhersagen, wann die Börsen auf Talfahrt gehen? Oder wer kann einschätzen, wann sich die Börsen nach einem Tief wieder erholen und auf Rekordjagd gehen? Warum eine langfristig orientierte, ausgewogene Geldanlage Schwankungen am ehesten ausgleichen kann, liest Du in unserem Ratgeber Geldanlage.

Dennoch solltest Du Deine Geldanlagen im Auge behalten und regelmäßig überprüfen, ob sie noch Deiner langfristigen Strategie entsprechen. Am besten setzt Du Dir einen festen Termin einmal im Jahr. Oder Du orientierst Dich am Zeitpunkt, zu dem eine Festgeldanlage ausläuft.

Diese Strategien zum Umschichten gibt es

Grundsätzlich gibt es viele Möglichkeiten, wie Du Dein Portfolio umschichten oder „rebalancen“ kannst, wie es im Anlage-Deutsch heißt. Zwei Strategien haben sich als besonders praktikabel erwiesen:

Nicht umschichten - Einfach nichts zu tun, ist eine gängige Vorgehensweise. Dahinter steckt folgende Idee: Steigen die Kurse an den Aktienmärkten, so erlangen diese Anlagen in Deinem Portfolio ein höheres Gewicht. Da sich auch Deine Vermögenssituation verbessert hat, ist eine höhere Aktienquote durchaus gerechtfertigt.

Auf Ausgangswerte umschichten (antizyklisch handeln) - Wenn Du Dich an eine feste Verteilung hältst, beispielsweise 30 Prozent Tagesgeld, 30 Prozent Festgeld und 40 Prozent Aktien, kannst Du Deine Anlagen entsprechend umschichten. Wenn die Kurse gestiegen sind, bedeutet das, dass Du rentable Papiere verkaufen und Dir damit Gewinne sicherst. Nach einem Tief am Aktienmarkt hast Du zwar Verluste eingefahren, kaufst aber zu deutlich günstigeren Kursen nach.

Welche Methode sich eher auszahlt, kann man nicht im Voraus abschätzen, sondern das wird von den künftigen Kursverläufen bestimmt. Die Tabelle zeigt, welche Strategie bei welchen Entwicklungen die besten Renditeerwartungen besitzt.

Strategien zur Umschichtung im Vergleich

 Nicht umschichten (1)

Auf Ausgangswerte umschichten (2)

Renditeerwartung    

Höhere Rendite als (2) bei lange steigenden oder fallenden Aktienkursen

Höhere Rendite als (1) bei eher stagnierenden, aber schwankenden Aktienkursen

Quelle: Finanztip (Stand: 10. Juni 2016)

Kosten von Umschichtung für Anlagebetrag von 20.000 Euro

 AktienfondsTagesgeld
 BetragAnteilBetrag

Anteil

Beginn

16.000 €80 %4.000 €

20 %

Vor Umschichtung

(Aktien +25 %, Tagesgeld +1,5 %)

20.000 €83 %4.060 €

17 %

Nach Umschichtung

19.248 €80 %4.812 €

20 %

Umgeschichteter Betrag

752 €   

Kosten für Umschichtung

etwa 10 €   

relative Kosten für Umschichtung

1,3 %   

Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand 19. Januar 2015)

Die Faustregel besagt, dass Wertpapiertransaktionen unwirtschaftlich sind, wenn sie mehr als 1 Prozent des Anlagebetrags kosten. 

Überprüf Deinre Anlagestrategie regelmäßig

Wir empfehlen Dir aber unabhängig vom geplanten Umschichten, regelmäßig an Deinem festgelegten Termin Deine gesamte Anlagestrategie zu kontrollieren. Beantworte dazu dieselben Fragen wie am Beginn Deiner Anlage:

  • Wie lange kannst Du auf das Geld verzichten?
  • Wie viele Verluste kannst Du zwischenzeitlich ertragen?
  • Über wie viel Geld möchtest Du am Ende des Anlagezeitraums verfügen?

Falls sich Deine Antworten geändert haben, solltest Du Deine Strategie überdenken und möglicherweise die einzelnen Anlageklassen anders gewichten. Wenn sich beispielsweise Deine Vermögensverhältnisse durch eine Erbschaft oder deutliche Gehaltserhöhung verbessert haben, kannst Du meist eine höhere Aktienquote wählen. Irgendwann musst Du aber so oder so damit anfangen, Dein Portfolio umzuschichten – nämlich dann, wenn Du Dich Deinem Anlageziel näherst. Lies hierzu mehr im Ratgeber Geldanlage.

Umschichten des Gold-Anteils lohnt nicht

Im Ratgeber Gold zeigen wir, dass ein 10-prozentiger Anteil Gold am Aktienportfolio in der langen Frist keine Mehrrendite bringt, sondern lediglich die Schwankung Deiner Anlage ein klein wenig reduziert.

Dies ändert sich auch nicht, wenn Anleger regelmäßig umschichten und den Goldanteil wieder auf 10 Prozent der Anlagesumme bringen. In der langen Frist haben die Transaktionskosten die Renditevorteile selbst bei werthaltigen Portfolios von 50.000 Euro und mehr aufgefressen. 

Das Vorgehen hat weitere Nachteile: In der Regel haben Anleger, die regelmäßig umschichten, Indexfonds auf Gold (Exchange Traded Commodities auf Gold, ETCs), im Depot. Sie verzichten also auf Goldmünzen oder Barren im Tresor. Das widerspricht der Anlageidee beim Gold, das Edelmetall als Sicherheit für Währungskrisen auf die Seite zu legen. Denn im Fall der Fälle müsstest Du erst an das Gold herankommen.

Zweitens müsste das Umschichten manuell passieren. Anleger müssten sich also die Mühe machen, den Aktienmarkt zu beobachten und dann bestimmte Kriterien ausmachen, nach denen sie umschichten – zum Beispiel ein Wertgewinn des Aktienindex von mehr als 35 Prozent. All das ist für den sicherheitsorientierten Sparer wohl zu aufwändig.

Autor
Sara Zinnecker
& Co-Autor
Dr. Manuel Kayl

10. Juni 2016


* Was der Stern bedeutet:

Wir wollen mit unseren Empfehlungen möglichst vielen Menschen helfen, ihre Finanzen selber zu machen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos im Netz verfügbar. Wir finanzieren unsere aufwändige Arbeit mit sogenannten Affiliate Links. Diese Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*).

Bei Finanztip handhaben wir Affiliate Links aber anders als andere Websites. Wir verlinken ausschließlich auf Produkte, die vorher von unserer unabhängigen Experten-Redaktion empfohlen wurden. Nur dann kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Geld bekommen wir, wenn Du auf einen solchen Link klickst oder beim Anbieter einen Vertrag abschließt.

Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Verbraucher ist.

Mehr Informationen über unsere Arbeitsweise findest Du auf unserer Über-uns-Seite.