Europäische Staatsanleihen

  • Was spricht momentan eigentlich dagegen, europäische Staatsanleihen zu kaufen?

    Für rumänische Staatsanleihen würde ich zum Beispiel ca. 6 % ,-7% Rendite bekommen. Kein Währungsrisiko. Und das Rumänien pleite geht, halte ich für relativ unwahrscheinlich.

    Übersehe ich da irgendetwas?

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  • Du übersiehst vor allem, dass kein Währungsrisiko nicht gleich kein zusätzliches Risiko bedeutet.

    Bei einer auf Euro lautenden rumänischen Staatsanleihe hast Du zwar kein Lei-Risiko, aber ein deutlich höheres Bonitäts-, Länder- und Kursrisiko als etwa bei deutschen Staatsanleihen. Die 6–7 % Rendite gibt es schließlich nicht ohne Grund.

    Entscheidend ist daher nicht: „Geht Rumänien pleite?“, sondern: Ist die zusätzliche Rendite die zusätzlichen Risiken wert?

  • Und das Rumänien pleite geht, halte ich für relativ unwahrscheinlich.

    So wie letztens Griechenland?

    Ich bezweifle, ob da nochmal jemand "Whatever it takes" raushaut. Da ist eine Auflösung der EU und des Euro schon wahrscheinlicher, wie sie vom rechten Rand schon jetzt lauthals skandiert werden.

  • Und das Rumänien pleite geht, halte ich für relativ unwahrscheinlich.
    Übersehe ich da irgendetwas?

    Es muss ja nicht in einer Staatspleite enden. Griechenland ist ja auch nicht Pleite gegangen. Aber es gibt nicht wenige Anleger, die sich seinerzeit mit griechischen Staatsanleihen blutige Nasen geholt haben.
    Google mal nach Haircut und Griechenland.

    Rendite ist immer eine Risikoprämie! Niemand würde freiwillig so hohe Zinsen zahlen, wenn es kein Risiko geben würde. Ob sich das Risiko dann manifestiert ist eine ganz andere Frage.

  • So wie letztens Griechenland?

    Auch wenn bei der sog. Griechenland-Rettung (inkl. Bail-out und Bail-in) die vertragliche Architektur des Euro - samt den Säulen auf denen diese beruhen sollte - eingerissen wurde ... war dies von den Volumina und dem Gewicht des Landes eher - pointiert formuliert - im Bereich "Kindergeburtstag" anzusiedeln (auch wenn selbst schon diese kleine Rettungs-Veranstaltung (bis dato dennoch die größte der Finanzgeschichte für ein einzelnes Land) bereits für jahrelangen Streit, Ärger, Stress, Verbitterung etc. pp. innerhalb der Eurogruppe geführt hatte ...)

    ... der viel interessantere Fall dürfte - mit fast an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit - Frankreich werden.

    Als ich letztens mal auf den diesbezüglichen Spread geblickt hatte im Vergleich zu deutschen Bundesanleihen betrug dieser rund 100 Basispunkte ... und die neuen Präsidentschaftswahlen in Frankreich stehen noch aus (April 2027) ...

    Die frühere und traditionelle Bipolarität (Gaullisten vs Sozialisten) existiert praktisch nicht mehr. Das Parlament ist schon lange fragmentiert mit rund einem Dutzend Parteien (im Assemblee nationale sitzen m. W. 11 Fraktionen ...). Die gemäßigteren Kräfte werden um ähnliche Wählergruppen kämpfen und dürften sich so gegenseitig Stimmen wegnehmen. Von dieser Zersplitterung könnten am Ende die radikalen Kräfte ganz "links außen"(Jean-Luc Melenchon) oder ganz "rechts außen" (Kandidat des Rassemblement National) profitieren. Die EU dürfte (wieder mal) die Luft anhalten ...

    Die französische Währung galt schon damals (70er) stets als "Schwund- oder Schrottwährung" (subtiler formuliert als ausgesprochene "Weichwährung"). Allein in der - für eine Währung sehr kurzen - Zeit vom Ende des Bretton-Woods-Systems (70er) bis zum Eintritt Frankreichs in die EWU (1999) hatte der Franc 53% gegenüber der DM abgewertet sprich verloren ...

    Ähnliches galt auch für die anderen Weichwährungsländer wie Italien (Abwertung der Lira im gleichen Zeitraum um die 82% gegenüber der DM) Griechenland (Abwertung der Drachme über 90% gegenüber der DM).

    Frankreich gilt längst als das idealtypisches Beispiel für ein reformunfähiges Land. Nach meinen Aufzeichnungen ist mir kein einziges Jahr seit Euroeinführung bekannt, in dem Frankreich den EU-Vertrag von Maastricht (Maastricht-Kriterien) eingehalten hätte ... Die Abweichungen (stets sprich ausnahmslos Überschreitungen) lagen und liegen teilweise beim Doppelten des gemäß dem EU-Vertrag Erlaubten (das jährliche Defizit betreffend und die Gesamtschuldenquote zum BIP betreffend).

    Ich bezweifle, ob da nochmal jemand "Whatever it takes" raushaut.

    Ich bezweifle nicht, daß man dann alles Menschenmögliche versuchen wird. Inklusive von Seiten auch der "Zauberlehrlinge" der EZB ... Es ginge dann aber um Volumina im Billionenbereich. Unabhängig von der Durchführbarkeit und Machbarkeit: Das Hauen und Stechen dürfte ein entsprechendes sein.

    Abgesehen von den bis heute nicht behobenen Konstruktionsmängeln der Einheitswährung: Es ist der EU und der EU-Kommission, die sich selbst als "Hüterin der EU-Verträge" bezeichnet, bis zum heutigen Tage ebenfalls nicht gelungen, die Grande Nation (Frankreich) zu Einhaltung der eigenen (!) EU-Verträge zu bringen. Die Fragilität des Konstrukts (Einheitswährung) wird deutlich, wenn man einmal gedanklich durchspielt, daß Deutschland - als nur eines von 21 Euro-Mitgliedsländern - an einem Sonntag seinen Austritt aus dem Währungsexperiment der Einheitswährung erklärt: Der Euro wäre vermutlich schon am nächsten Börsentag - sprich dem folgenden Montag - bereits Geschichte ...

    Da ist eine Auflösung der EU und des Euro schon wahrscheinlicher, wie sie vom rechten Rand schon jetzt lauthals skandiert werden.

    Nur am Rande aber in dem Kontext: Lange Jahre war übrigens der oben erwähnte Jean-Luc Melenchon (Partei "La France insoumise") einer der erbittertsten Kritiker und Gegner des Euro und hatte sogar den "Frexit" thematisiert ...

    Vermute eher, daß die eigentliche Gefahr von der Konstruktion (EU, Euro, Kommission, EuGH) selbst ausgeht (Bürokratie, Regulatorik, fragiles Währungsexperiment, immer mehr Zentralisierung bei aber paralleler Leistungsschwäche usw.). Ein "Implodieren" - oder sukzessiver Ver- und schließlich Zerfall - scheint mir daher wahrscheinlicher als ein "Explodieren".

    Die neue geopolitische Lage - statt regelbasierter Ordnung tendenziell konfrontative Großmächte, die auch Druck, Drohung, Gewalt bis hin zu Krieg als Mittel ihrer Politik definieren - könnte diesen Erosionsprozess der EU noch zusätzlich befördern, weil damit die "Hard Power" (wirtschaftliche Stärke und militärische Potenz) noch mehr in den Vordergrund rückt und noch deutlich wichtiger wird (internationale Wettbewerbsfähigkeit und insbesondere autarke glaubwürdige Abschreckung und Verteidigungsfähigkeit). Ein sukzessives Zerreiben der EU - die von Putin über Trump bis Xi Jinping ohnehin eher als "störend" oder "lästig" empfunden wird - gehört daher zu den realistischen Szenarien.

    Scheint mir jedenfalls als Szenario realistischer als eine immer noch größere und immer noch engere EU ("Ever closer Union")

    Erinnert mich an eine legendäre Runde in Brüssel (müßte um 2013 gewesen sein) mit einem legendären Einwurf eines Briten. Thema war (mal wieder) den Euro weiterhin irgendwie zu retten. In dem Kontext fiel die Aussage eines Franzosen:

    "This EU and the Euro are not working, which is why we need more EU and more Countries in the Euro". Die britische Stimme aus dem Hintergrund:

    "So even more of the same failing ?"


    Im Kontext u. a. auch mit den privaten Finanzen: Vor dem Hintergrund dieser Rahmenbedingungen kommen - meines Erachtens - entsprechenden "Kautelen" (sprich Vorkehrungen) erhebliche Bedeutung zu.

  • Ich sehe in Rumänien aktuell drei Möglichkeiten, bin selbst investiert. Ich schaue mir die Länder sehr genau an, lese quer und informiere mich. Dazu unten ein paar Beispiele.

    a) Langläufer kaufen (44/45 Serie), anständige Rendite für den geduldigen Anleger dann auch Kursgewinne möglich mit der Zeit. (Hier dann die Reg.S kaufen für den europäischen Markt wie A3L3WA, die 144A Series ist kleiner und normalerweise nur im US Markt erhältlich.

    b) Spekulation auf den netten Kursgewinn, entweder über die Langläufer, interessant sind aber auch die 2029/2030er.

    c) entspannte Kurzläufer, das ist dann mein Ding; aktuell ist es bei ne 28er.


    Zur Einordnung ist Rumänien ein solider Schuldner, BBB- muss man mögen in einem gut diversifizierten Depot. 6% und mehr sind kein Geschenk des Marktes, zu den Risiken zählen Bonitätsrisiko, eine Herabstufung des Ratings ist möglich, Kursrisiko und Länderrisiko. Rumänien muss seine Haushaltslage in den nächsten Jahren deutlich verbessern. Haushaltsdefizit 2026 etwa 6,2% des BIP, in 2027 rund 5,8% des BIP, für ein EU Land schon ein großes Defizit. Ich sehe hier keinen Hochrisiko-Schuldner.

    Hier noch ein paar Schlagzeilen:

    Romania Insider

    Ratingdruck vor der S&P-Überprüfung

    Rumänien verliert 770 Millionen Euro an EU-Geldern

    Desinformation, Misstrauen und Dauer-Krise haben Rumänien fest im Griff


    Allseits stabiles Depot wünsche ich.

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