Sorgt Businesscoaching für nachhaltige Veränderungen im Unternehmen – Erfahrungen?

  • Hallo zusammen,

    ich hätte eine Frage, bei der mich echte Erfahrungen interessieren würden.

    Ich arbeite als IT-Security-Consultant und bekomme dadurch recht viel bei unterschiedlichen Unternehmen mit. Was mir in den letzten Jahren immer stärker auffällt: Technisch sind viele Firmen mittlerweile gar nicht schlecht aufgestellt, aber intern hapert es oft an ganz anderen Dingen. Prozesse ziehen sich, Teams arbeiten nebeneinander statt miteinander und manche Mitarbeiter wirken ehrlich gesagt schon ziemlich „innerlich gekündigt“. Gerade bei Fachkräften wird das dann schnell teuer.

    Bei einem Kunden kam deshalb letztens das Thema externes Businesscoaching auf, vor allem im Zusammenhang mit Mitarbeiterbindung und Zusammenarbeit innerhalb der Teams. Ich muss ehrlich sagen, ich bin bei sowas etwas zwiegespalten. Einerseits kann ich mir schon vorstellen, dass ein neutraler Außenstehender manches besser auflösen kann als die eigene Führungsebene. Andererseits frage ich mich halt auch, ob dadurch wirklich langfristig etwas verändert wird oder ob die Leute zwei Monate motivierter sind und danach alles wieder beim Alten ist.

    Hat jemand von euch im Unternehmen mit sowas Erfahrungen gemacht? Hat sich dadurch tatsächlich nachhaltig etwas verändert?

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  • Einerseits kann ich mir schon vorstellen, dass ein neutraler Außenstehender manches besser auflösen kann als die eigene Führungsebene.

    Das ist das Kernproblem der Führungskräfte die ich kenne, weil meist Führungsversagen erst zu einer Situation führt bei der ein Coach (Supervision) weiterhelfen könnte. Ich hatte das zweimal mitgemacht und hinterher ist es an der Führung gescheitert, weil nichts nachhaltig geändert wurde. Und bei Führungskräftecoachings ist bei meiner Führung auch nie das richtige hängen geblieben.

    Aber wenn man einmal (wirklich innerlich) akzeptiert hat, dass die eigene Führung so gar nichts auf dem Kasten hat .... ist man viel ausgeglichener.

    • Hilfreichste Antwort

    Hat jemand von euch im Unternehmen mit sowas Erfahrungen gemacht? Hat sich dadurch tatsächlich nachhaltig etwas verändert?

    Spannende Fragestellung. Ich kann dazu aus Erfahrung und auch persönlicher Kompetenz dazu gerne etwas beitragen.

    Folgende Eingangs- Hinweise und Präszisierungen

    a) grundsätzlich sollte zwischen Verhaltens- und Verhältnisprävention unterschieden werden.

    • Verhaltensprävention zielt auf die einzelne Person mit seiner Persönlichkeit (Stärken, Schwächen), fachlichen Kompetenz und Resilienz / Coping Strategien.
    • Die Verhältnisprävention zielt auf die Rahmenbedingungen, bspw. technische Ausstattung, Räume, aber eben auch die Teamstruktur, Agieren der Führungskräfte und Klarheit bzgl. Prozesse, die dann auch gelebt und eingehalten werden

    b) ein "Businesscoach" hat mMn immer einen Interessenskonflikt: Möchte was verdienen, möchte weiterempfohlen und wieder gebucht werden. Das mag dann nicht immer im Sinne/Einklang mit den Ansichten der Führungskraft und/oder der Teammitglieder sein.

    c) wenn so eine Massnahme geplant ist, findet nach einer Bestandsaufnahme und "Coaching" auch eine konkrete Umsetzung statt. Diese muss von der Führungskraft und dem Team durchgeführt werden.

    d) handelt es sich um ein ein- oder zweimaliges Team-/Tagescoaching oder einen begleiteten Prozess über einen Zeitraum von bspw. 3 oder 6 Monate ?

    e) ist in eine solche Massnahmen in Abstimmung und Zusammenarbeit mit der Personalabteilung?

    Grundsätzlich liegt es meiner Erfahrung nach häufig an ungünstig ausgesuchten Führungskräften, die vielleicht die fachliche Kompetenz mitbringen, aber Führungsskills fehlen. Und oftmals gibt es in den Teams auch die 1-2 "schwierigen" Mitarbeitenden, die entsprechend Paretoprinzip 80% Mehraufwand generieren, um 20% Mehrwert zu generieren.

    Insofern mein Fazit:

    • so eine Massnahme kann helfen. Aber auch nicht
    • Massnahme a la Giesskanne oder Pflaster machen wenig Sinn
    • im besten Fall ist dies betrieblich eingebettet und von allen Beteiligten gewollt und echt committet.
  • Hallo zusammen,

    ich hätte eine Frage, bei der mich echte Erfahrungen interessieren würden.

    Ich arbeite als IT-Security-Consultant und bekomme dadurch recht viel bei unterschiedlichen Unternehmen mit. Was mir in den letzten Jahren immer stärker auffällt: Technisch sind viele Firmen mittlerweile gar nicht schlecht aufgestellt, aber intern hapert es oft an ganz anderen Dingen. Prozesse ziehen sich, Teams arbeiten nebeneinander statt miteinander und manche Mitarbeiter wirken ehrlich gesagt schon ziemlich „innerlich gekündigt“. Gerade bei Fachkräften wird das dann schnell teuer.

    Bei einem Kunden kam deshalb letztens das Thema externes Businesscoaching auf, vor allem im Zusammenhang mit Mitarbeiterbindung und Zusammenarbeit innerhalb der Teams. Ich muss ehrlich sagen, ich bin bei sowas etwas zwiegespalten. Einerseits kann ich mir schon vorstellen, dass ein neutraler Außenstehender manches besser auflösen kann als die eigene Führungsebene. Andererseits frage ich mich halt auch, ob dadurch wirklich langfristig etwas verändert wird oder ob die Leute zwei Monate motivierter sind und danach alles wieder beim Alten ist.

    Hat jemand von euch im Unternehmen mit sowas Erfahrungen gemacht? Hat sich dadurch tatsächlich nachhaltig etwas verändert?

    Ich hab bis jetzt nur positive Erfahrungen mit Businesscoaching gemacht. Bei uns gabs damals auch so eine kleine Flaute, ich war davon auch betroffen und irgendwie wusste keiner genau wie wir weitermachen sollen oder was helfen könnte. Also hat die Chefin sich bei Win3 ein Businesscoaching vereinbart, wir waren da so 7 Mitarbeiter, die mitgemacht haben. Am Anfang war ich auch skeptisch ob mir das was bringen wird, aber ich hab dann einige Einzelsessions gemacht und vieles für mich selber dazugelernt, beim ersten Termin wars noch etwas holprig und ich konnte mich auch nicht so wirklich öffnen, aber dann gings immer besser voran, man hat sich auf einmal besser selber verstanden und ich wusste dann, in welche Richtung ich möchte. Meine Chefin hat dann auch immer wieder mit uns geredet, das ganze war natürlich sehr vertraulich und wir mussten auch überhaupt nichts erzählen, aber freiwillig konnten wir jederzeit zu ihr gehen und so hat sich das ganze dann nach und nach aufgelockert, sodass wir wieder alle als Team funktioniert haben.

  • GeldVerstand aus eigener Erfahrung - es steht und fällt mit dem Coach. Methode fast egal. Wenn sich eine Firma interessiert, dann am besten andere Firmen nach Empfehlungen fragen. Und unbedingt die Homepage anschauen. Aufmachung, Bilder und O-Ton sagen viel darüber aus, ob ein Coach sich als Mediator:in sieht oder ob den Wünschen der Oberen zugearbeitet werden soll. Letzteres ist kontraproduktiv, Mitarbeiter:innen sind nicht doof.

  • Ich hatte das zweimal mitgemacht und hinterher ist es an der Führung gescheitert, weil nichts nachhaltig geändert wurde. Und bei Führungskräftecoachings ist bei meiner Führung auch nie das richtige hängen geblieben.

    Aber wenn man einmal (wirklich innerlich) akzeptiert hat, dass die eigene Führung so gar nichts auf dem Kasten hat .... ist man viel ausgeglichener.

    Danke fürs Teilen deiner Erfahrung! Ja, genau das wäre auch meine Sorge dabei. Wenn sich auf Führungsebene oder bei den internen Abläufen nichts verändert, bringt Coaching für einzelne Mitarbeiter wahrscheinlich oft nur begrenzt etwas.

    Dass du das selbst zweimal erlebt hast und es trotzdem im Sand verlaufen ist, macht mich ehrlich gesagt eher noch skeptischer bei dem Thema. Von außen klingt sowas oft sinnvoll, in der Praxis scheitert es dann anscheinend doch häufig daran, dass nach ein paar Wochen wieder alles im alten Muster läuft.

    Und was du zum innerlichen Akzeptieren geschrieben hast, kann ich irgendwie nachvollziehen. Wahrscheinlich wird vieles im Arbeitsalltag tatsächlich leichter, wenn man aufhört zu erwarten, dass jede Führungskraft automatisch kompetent oder reflektiert ist. Und gefühlt ist es ja doch bei den meisten Unternehmen dasselbe, weshalb ein Wechsel auch oft nicht hilft.

  • Spannende Fragestellung. Ich kann dazu aus Erfahrung und auch persönlicher Kompetenz dazu gerne etwas beitragen.

    Danke für die ausführliche Antwort, da sind einige Punkte dabei, über die ich ehrlich gesagt noch gar nicht so konkret nachgedacht hatte. Vor allem die Unterscheidung zwischen den einzelnen Personen und den Rahmenbedingungen im Unternehmen finde ich spannend. Wahrscheinlich bringt es tatsächlich wenig, nur an einzelnen Mitarbeitern „herumzudoktern“, wenn Prozesse, Kommunikation oder Führungsverhalten dieselben bleiben.

    Den Interessenskonflikt bei externen Coaches kann ich allerdings auch nachvollziehen. Gerade weil der Markt inzwischen gefühlt ziemlich groß geworden ist, frage ich mich oft, woran man überhaupt erkennt, ob jemand wirklich nachhaltig arbeitet oder einfach nur möglichst lange gebucht werden möchte. Woran würdest du persönlich konkret festmachen, dass so ein Coaching tatsächlich sinnvoll läuft und nicht nur aus guten Gesprächen und theoretischen Konzepten besteht?

    Und dein letzter Punkt mit fachlich starken, aber menschlich überforderten Führungskräften trifft meiner Erfahrung nach leider auch ziemlich oft zu. Gerade in technisch orientierten Bereichen werden Leute häufig wegen ihrer Fachkompetenz Führungskraft, obwohl sie auf Mitarbeiterführung eigentlich nie vorbereitet wurden.

  • Ich hab bis jetzt nur positive Erfahrungen mit Businesscoaching gemacht. Bei uns gabs damals auch so eine kleine Flaute, ich war davon auch betroffen und irgendwie wusste keiner genau wie wir weitermachen sollen oder was helfen könnte. Also hat die Chefin sich bei Win3 ein Businesscoaching vereinbart

    Danke für den Einblick! Sogar mit konkretem Beispiel. Klingt sehr interessant, dass du so ein Coaching gemacht und tatsächlich positiv erlebt hast!

    Wie ist das bei euch konkret abgelaufen? Also wart ihr da zuerst gemeinsam in Gruppengesprächen oder hatte jeder eher einzelne Sessions? Und wurde das Ganze eher locker angeboten oder war die Teilnahme von der Firma stark verpflichtend?

    Und weil Finanzschlumpf vorher schon so gute Kriterien genannt hat: War es Verhaltens- oder Verhältnisprävention? Also wurde eher an einzelnen Personen gearbeitet oder an den Rahmenbedingungen und der Zusammenarbeit im Unternehmen? Und wie lange hat das Coaching gedauert?

    Und eine Sache lese ich hier auch heraus (vor allem, wenn man die anderen Kommentare bedenkt): Deine Chefin war hier sehr "open minded", oder? Das scheint ja für die Nachhaltigkeit eines Coachings extrem wichtig zu sein.

  • Letzteres ist kontraproduktiv, Mitarbeiter:innen sind nicht doof.

    Das mit dem „Mitarbeiter:innen sind nicht doof“ finde ich ehrlich gesagt einen ziemlich wichtigen Punkt. Ich glaube nämlich auch, dass viele sehr schnell merken, ob so ein Coaching wirklich als Unterstützung gedacht ist oder ob am Ende nur versucht wird, Probleme „schönzureden“ oder unangenehme Themen von oben zu moderieren.

    Gerade deshalb könnte ich mir vorstellen, dass Vertrauen bei sowas wahrscheinlich fast wichtiger ist als die konkrete Methode selbst. Wenn Mitarbeiter das Gefühl haben, dass ohnehin schon feststeht, was am Ende rauskommen soll, wird sich vermutlich kaum jemand wirklich öffnen.

    Das mit den Empfehlungen von anderen Firmen finde ich aber auch interessant. Hast du selbst schon erlebt, dass ein Coaching wirklich nachhaltig positiv gewirkt hat oder eher nur die weniger guten Beispiele?

  • Das beste Coaching war von einer Tanztherapeutin. Sie hat wirklich alle mitgenommen und alles ohne Problematisierungen. Es war eine Empfehlung von einer Beratungsstelle. Die kannten sich aus. Wir haben das Coaching eine lange Zeit immer wieder mal erinnert.

  • Danke für den Einblick! Sogar mit konkretem Beispiel. Klingt sehr interessant, dass du so ein Coaching gemacht und tatsächlich positiv erlebt hast!

    Wie ist das bei euch konkret abgelaufen? Also wart ihr da zuerst gemeinsam in Gruppengesprächen oder hatte jeder eher einzelne Sessions? Und wurde das Ganze eher locker angeboten oder war die Teilnahme von der Firma stark verpflichtend?

    Und weil Finanzschlumpf vorher schon so gute Kriterien genannt hat: War es Verhaltens- oder Verhältnisprävention? Also wurde eher an einzelnen Personen gearbeitet oder an den Rahmenbedingungen und der Zusammenarbeit im Unternehmen? Und wie lange hat das Coaching gedauert?

    Und eine Sache lese ich hier auch heraus (vor allem, wenn man die anderen Kommentare bedenkt): Deine Chefin war hier sehr "open minded", oder? Das scheint ja für die Nachhaltigkeit eines Coachings extrem wichtig zu sein.

    Ja also im Endeffekt haben wir so gestartet, dass wir ein Kennenlernen mit dem Coach hatten, also er hat uns dann erklärt wie der Prozess so abläuft, danach waren es aber nur mehr Einzelsessions, natürlich haben wir uns untereinadner von selbst bisschen ausgetauscht aber es war auf jeden Fall alles sehr vertraulich und man musste nichts erzählen wenn man nicht wollte, die Chefin hat einfach immer nur allgemein gefragt, wie es einem so geht damit und dann konnte man mehr dazu sagen oder eben nur oberflächlich bleiben. Es war sehr locker und nicht verpflichtend, also wir haben uns alle selbst dazu entschieden am Coaching teilzunehmen, es war keine Pflicht. Es ging darum, generell den einzelnen Personen weiterzuhelfen aber das beeinflusst ja auch indirekt dann die Zusammenarbeit im Unternehmen also irgendwie eine Kombination aus beidem. Das Coaching hat für jeden 6 Sessions beinhaltet. Die Chefin war da wirklich sehr offen dafür und es ist ja auch wichtig, dass die Führungskraft sich so etwas zutraut. Denn da kann einiges an Wünschen und Feedback der Mitarbeiter kommen, mit dem die Geschäftsführung dann zurechtkommen muss/ schauen muss, dass sie diese irgendwie umsetzt.

  • Ein etwas anderes Beispiel aus meinem Berufsleben zu dem Thema: Unser Chef war jeden Sommer ca. 2 Monate in Urlaub. Jedes Mal hat sich in diesem Zeitraum ein gewisser Schlendrian eingebürgert. Also hat der Chef nach seiner Rückkehr kräftig auf den Tisch gehauen und teilweise mit wirklich neuen grundlegenden Ideen (Teams bekommen neue Namen, das Firmenlogo muß überarbeitet werden etc.) wieder frischen Wind ins Unternehmen gebracht. Und wirklich jedes Mal gingen die Umsatzzahlen wieder nach oben. Auch der innere Schlendrian war weg, jeder hat plötzlich wieder aktiver gearbeitet und sich jeden Schritt wieder genau überlegt bzw. hinterfragt, statt einfach nur die Tagesroutine abzuarbeiten.

  • Gut ist, wenn z.B. während eines Team-Coachings Aufgaben erarbeitet werden, die alle im (Berufs-)Alltag umsetzen werden/wollen. Das muss anfangs nichts Großes sein.

    Das mit den kleinen konkreten Aufgaben im Arbeitsalltag klingt für mich ehrlich gesagt deutlich realistischer als diese riesigen „ab morgen wird alles anders“-Ansätze. Gerade in Unternehmen scheitert Veränderung meiner Erfahrung nach oft daran, dass zwar lange analysiert und geredet wird, aber niemand weiß, wie das Ganze im normalen Tagesgeschäft überhaupt gelebt werden soll.

    Das beste Coaching war von einer Tanztherapeutin. Sie hat wirklich alle mitgenommen und alles ohne Problematisierungen. Es war eine Empfehlung von einer Beratungsstelle. Die kannten sich aus. Wir haben das Coaching eine lange Zeit immer wieder mal erinnert.

    Das mit der Tanztherapeutin finde ich spannend. Sowas habe ich im Unternehmenskontext bisher noch nie gehört. Bei welcher Art von Betrieb wurde sowas eingesetzt? Und war das wirklich direkt als „Tanztherapie“ aufgebaut oder eher als eine Art Team-/Körperarbeit zur Kommunikation und Zusammenarbeit?

    Der Punkt mit dem „alle mitnehmen ohne alles zu problematisieren“ klingt nämlich schon nachvollziehbar. Gerade bei Coachings machen viele wahrscheinlich sofort dicht, sobald sie das Gefühl haben, analysiert oder bewertet zu werden.

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