Bitcoin wird "Status eines Gold-Ersatzes" erreichen

  • Ich finde es erstaunlich, dass kurzzeitige Kursentwicklungen als Pro oder Contra (in aller Regel Contra) Argumente aus dem Hut gezaubert werden. Getreu dem Motto "Bitcoin ist ein Scam. Bitcoinkurs fällt. Ha ich hab Recht. Ihr ahnungslosen Schafe."

    Interessant: Jahrelang galten (zwangsläufig) kurzfristige Kursbewegungen als Beweis für die Überlegenheit von Bitcoin. Jetzt, wo der Kurs nicht mehr passt, sollen genau diese Bewegungen plötzlich keine Aussagekraft mehr haben?:/

    Dieser Thread ist wirklich interessant. Besonders, wenn man ihn aus der anlegerpsychologischen Perspektive betrachtet. Bisher wurden alle meine Erwartungen erfüllt.

    Bitte weiter machen.:thumbup:

  • Mehr und mehr komme ich zu dem Schluss, es auf die dümmste Art zu machen mit Bitcoin … bin mit einem Vermögensanteil investiert, den ich bei einem Totalausfall gut verschmerzen kann, der andererseits aber bei gutem Verlauf mir und meinen Kindern und Kindeskindern und deren Kindern und Kindeskindern kein Leben im Schlaraffenland mit vollkommener finanziellen Freiheit ermöglicht. 8o

  • Interessant: Jahrelang galten (zwangsläufig) kurzfristige Kursbewegungen als Beweis für die Überlegenheit von Bitcoin. Jetzt, wo der Kurs nicht mehr passt, sollen genau diese Bewegungen plötzlich keine Aussagekraft mehr haben?:/

    Wer sagt, dass Bitcoin überlegen ist? Wer sagt, dass diese vermeintliche Überlegenheit mit kurzfristigen Kursbewegungen zusammenhinge? Ich halte das erste schon für fraglich, obwohl ich von Bitcoin überzeugt bin und "i put my money where my mouth is".

    Du kannst diese Behauptungen aber gerne belegen. Bis dahin halte ich es für ne Nebelkerze.

  • nteressant: Jahrelang galten (zwangsläufig) kurzfristige Kursbewegungen als Beweis für die Überlegenheit von Bitcoin.

    Genau das Gegenteil wurde immer gesagt. Bitcoin ist extrem volatil, es gilt den langfristigen Trend im Rahmen der zunehmenden Adoption zu beobachten. – Du tust so, als wenn die aktuelle Situation etwas Besonderes wäre. Es hat sich nichts geändert, die fundamentalen Eigenschaften von Bitcoin sind unverändert.


    Jetzt, wo der Kurs nicht mehr passt, sollen genau diese Bewegungen plötzlich keine Aussagekraft mehr haben? :/

    Wieso passt der Kurs nicht mehr? Er passt ziemlich genau in das Muster der letzten 17 Jahre.

    https://charts.bitbo.io/long-term-power-law/

    Das wertvollste Produkt, das man sich mit Geld kaufen kann, ist ein leerer Kalender.

  • Mehr und mehr komme ich zu dem Schluss, es auf die dümmste Art zu machen mit Bitcoin … bin mit einem Vermögensanteil investiert, den ich bei einem Totalausfall gut verschmerzen kann, der andererseits aber bei gutem Verlauf mir und meinen Kindern und Kindeskindern und deren Kindern und Kindeskindern kein Leben im Schlaraffenland mit vollkommener finanziellen Freiheit ermöglicht. 8o

    Am Ende muss man ohnehin selbst damit zufrieden sein und muss alle Konsequenzen, die damit einher gehen, selbst tragen. Wäre ziemlich wild, wenn man irgendwelchen Leuten im Internet die Entscheidungshoheit über die persönlichen Finanzen überträgt. Da gibt es per se auch kein richtig und kein falsch. Letztlich ist die Situation von jedem viel zu invidividuel, als dass es ne Musterlösung gibt.

    Was als Totalverlust gut zu verschmerzen ist, ist z.b. auch bei jedem unterschiedlich. Ich halte die Wahrscheinlichkeit eines Totalverlustes ohnehin für sehr sehr sehr gering. Aber auch das kann jeder selbst einschätzen. Ich bin mit nem Einmalbetrag bzw. ner Tranche investiert und bespare derzeit nicht nennenswert (auch nichts anderes). Das hängt aber an meiner derzeitigen Situation. Ich werde aber in absehbarer Zeit mit mittleren 3 stelligen Beträgen monatlich investieren. Jeder Euro, den mir das bringt, ist für mich ein Bonus. Bin nicht darauf angewiesen, selbst wenn Bitcoin tatsächlich auf null fallen würde. Ich führe aber auch einen sehr einfachen Lebensstil. Ich habe kein überteuertes Haus, kein überteuertes Auto, fahre nicht für Unsummen in Urlaub. Ich bin mit meinem Leben insgesamt zufrieden. Für mich ist Geld ein Tool, mit dem ich mir Möglichkeiten und Freiheit erkaufen kann. Je nach Entwicklung nicht nur für mich, sondern auch für die nächste Generation meiner Familie.

  • Mal was anderes. Passend zum Thread, stellt sich mir gerade folgende Frage:

    Ist Gold der neue Bitcoin?

    Was lange als ultimativer „sicherer Hafen“ galt, beginnt sich zunehmend wie ein Spekulationsmarkt zu verhalten. Gold – und in verschärfter Form Silber – zeigen mittlerweile Kursausschläge, die man eher aus hochvolatilen Risk-Assets kennt: massive Tagesverluste, gefolgt von extremen Rallyes innerhalb kürzester Zeiträume.

    Ursache ist weniger das Metall selbst als die Marktstruktur darum herum. Papiergold, gehebelte Derivate und kurzfristige Momentum-Wetten dominieren zunehmend die Preisbildung. Viele Marktteilnehmer kaufen Gold nicht mehr aus Absicherungsgründen, sondern weil es steigt. Genau an diesem Punkt verliert ein Asset seine Rolle als stabiler Anker.

    Interessant ist die Ironie: Gold beginnt sich so zu verhalten, wie Kritiker Bitcoin seit Jahren beschreiben. Der Unterschied liegt im Erwartungsmanagement. Bei Bitcoin ist Volatilität bekannt, einkalkuliert und Teil der Story. Bei Gold hingegen widerspricht sie dem Selbstbild.

    Und genau hier wird es spannend: Sollte Gold durch Derivate-Exzesse und extreme Schwankungen Vertrauen einbüßen, könnte Kapital dorthin wandern, wo die Spielregeln transparenter sind. Bitcoin ist zwar volatil, aber nicht beliebig vermehrbar, nicht zentral steuerbar und nicht durch Papieransprüche verwässert. Jeder weiß, wie viel es gibt – und wie es entsteht.

    Vielleicht erleben wir gerade keinen Abgesang auf Gold, sondern eine Rollenverschiebung: Gold als spekulatives Makro-Asset – und Bitcoin zunehmend als das, was Gold einmal war: ein glaubwürdiger, knapper Wertspeicher außerhalb des Systems?! – Die fundamentalen Eigenschaften sprechen zumindest nicht gegen Bitcoin.

    Es bleibt spannend ;)

    Das wertvollste Produkt, das man sich mit Geld kaufen kann, ist ein leerer Kalender.

  • Ich hatte in einem anderen Thread schonmal angemerkt, dass Gold eine zunehmende Volatilität hat und teilweise in den letzten Jahren sogar volatiler war, als der MSCI World. Ich fürchte nur, dass die tatsächliche Entwicklung der Volatilität von Gold und die gefühlte Sicherheit von Gold noch lange anhält. Bleibt spannend die Entwicklung zu verfolgen.

  • Ist Gold der neue Bitcoin?

    Was lange als ultimativer „sicherer Hafen“ galt, beginnt sich zunehmend wie ein Spekulationsmarkt zu verhalten. Gold – und in verschärfter Form Silber – zeigen mittlerweile Kursausschläge, die man eher aus hochvolatilen Risk-Assets kennt: massive Tagesverluste, gefolgt von extremen Rallyes innerhalb kürzester Zeiträume.

    (…)

    Interessant ist die Ironie: Gold beginnt sich so zu verhalten, wie Kritiker Bitcoin seit Jahren beschreiben.

    Interessante These, die jedoch ein paar fundamentale Fakten übersieht.

    - Gold war immer schon ein hochspekulatives Asset, selbst zu Zeiten des Gold- oder Silberstandards, und erst recht danach.

    - Es gab immer Goldrausch- oder Silberrauschphasen und auch massive Einbrüche (zB in den 70/80er Jahren vs. danach).

    - Der Unterschied ist, dass Gold und Silber dennoch, unabhängig von ihrem aktuellen Preis, immer als werthaltig anerkannt waren.

    - Bitcoin ist zwar auch hochspekulativ, aber anders als Gold oder Silber nicht nur in Bezug auf aktuelle An- und Verkaufskurse, sondern v.a. im Hinblick darauf, ob Menschen sich in 30 Jahren überhaupt noch daran erinnern, sich dafür interessieren oder es gar als etwas Werthaltiges betrachten.

    - Bitcoin ist eine technologische Innovation, die jederzeit von einer neuen technologischen Innovation überholt, ersetzt oder irrelevant gemacht werden kann. Genauso wie Pferdedroschken oder Webstühle.

    - Gold war schon vor dem Leben auf der Erde und braucht keine Updates. Es konkurriert nicht mit Technologie, sondern hat diese stets überlebt.

    - Gold muss auch nicht gekühlt werden und benötigt auch keine Energie.

    - Bitcoin verursacht ständig laufende hohe Kosten (Energie, Netzwerk, Server-Infrastruktur). Diese Kosten muss irgendjemand nachhaltig erwirtschaften. Sobald diese Einnahmen einbrechen, stellt sich die Frage der Zukunftsfähigkeit.

    - Gold wird davon nicht berührt. Es braucht weder ein Netzwerk noch eine Infrastruktur oder Einnahmen.

    Das sind einige der fundamentalen Unterschiede.

    Die Kursausschläge sind eher für Daytrader relevant. Langfristig wirken aber diese fundamentalen Unterschiede (Edelmetall vs. technologische Innovation).

  • - Gold war immer schon ein hochspekulatives Asset, selbst zu Zeiten des Gold- oder Silberstandards, und erst recht danach.

    - Es gab immer Goldrausch- oder Silberrauschphasen und auch massive Einbrüche (zB in den 70/80er Jahren vs. danach).

    - Der Unterschied ist, dass Gold und Silber dennoch, unabhängig von ihrem aktuellen Preis, immer als werthaltig anerkannt waren.

    Golds Werthaltigkeit ist historisch unstrittig – sie ist aber letztlich kulturell gewachsen. Gold ist nicht objektiv wertvoll, sondern seit Jahrtausenden als wertvoll akzeptiert. Diese soziale Konvention ist extrem stabil, aber sie bleibt eine Konvention.


    - Bitcoin ist zwar auch hochspekulativ, aber anders als Gold oder Silber nicht nur in Bezug auf aktuelle An- und Verkaufskurse, sondern v.a. im Hinblick darauf, ob Menschen sich in 30 Jahren überhaupt noch daran erinnern, sich dafür interessieren oder es gar als etwas Werthaltiges betrachten.

    Bitcoin hat dieses Stadium (noch) nicht erreicht, das ist korrekt. Die Frage ist aber nicht, ob Bitcoin heute denselben Status hat wie Gold, sondern ob es sich in diese Richtung entwickeln kann. Erinnerung, Interesse und Akzeptanz entstehen nicht automatisch – sie entstehen durch Nutzung, Knappheit und Vertrauen. Genau dort setzt Bitcoin an.


    - Bitcoin ist eine technologische Innovation, die jederzeit von einer neuen technologischen Innovation überholt, ersetzt oder irrelevant gemacht werden kann. Genauso wie Pferdedroschken oder Webstühle.

    Ja, Bitcoin ist Technologie. Aber er ist keine austauschbare App. Das Bitcoin-Protokoll ist extrem konservativ, bewusst innovationsfeindlich und gerade deshalb langlebig. Pferdekutschen wurden ersetzt, weil sie ineffizient waren. Bitcoin konkurriert nicht um Bequemlichkeit, sondern um monetäre Eigenschaften: Knappheit, Zensurresistenz, Unabhängigkeit. Diese Eigenschaften sind zeitlos. Auch in 100 Jahren werden genau diese Eigenschaften gefragt sein, wie sich historisch auch aus Gold ableiten lässt. Daher ist eine technologische Überholung sehr unwahrscheinlich, weil es gar keinen Bedarf gibt, da diese Eigenschaften entweder vorhanden sind oder eben nicht.


    - Gold war schon vor dem Leben auf der Erde und braucht keine Updates. Es konkurriert nicht mit Technologie, sondern hat diese stets überlebt.

    Stimmt auch. Aber Gold braucht Verwahrung, Transport, Vertrauen in Lagerstellen, staatliche Zugriffstoleranz. Das sind ebenfalls Infrastrukturen, nur andere. Bitcoin ersetzt physische Abhängigkeiten durch digitale – mit eigenen Vor- und Nachteilen.


    - Gold muss auch nicht gekühlt werden und benötigt auch keine Energie.

    Bitcoin verbraucht Energie, Gold versteckt sie. Förderung, Raffination, Transport, Sicherung – all das kostet ebenfalls massiv Energie. Der Unterschied ist: Bei Bitcoin ist der Energieeinsatz transparent und direkt Teil der Sicherheitsarchitektur. Er ist kein Bug, sondern ein Feature. Das ist extrem wichtig, zu verstehen. Nur wenn Bitcoin diesen Mechanismus innehat, können die monetären Eigenschaften wie Zensurresistenz und Unabhängigkeit gewährleistet sein!


    - Bitcoin verursacht ständig laufende hohe Kosten (Energie, Netzwerk, Server-Infrastruktur). Diese Kosten muss irgendjemand nachhaltig erwirtschaften. Sobald diese Einnahmen einbrechen, stellt sich die Frage der Zukunftsfähigkeit.

    Richtig, Miner müssen wirtschaftlich arbeiten. Aber genau das sorgt dafür, dass das Netzwerk nur so groß bleibt, wie es tatsächlich genutzt wird. Sinkt die Nachfrage, sinken Difficulty und Kosten – das System passt sich an. Es ist kein starres Konstrukt.


    Insgesamt würde ich daher weniger von entweder/oder sprechen, sondern von unterschiedlichen Rollen. Gold bleibt vermutlich der archetypische Wertspeicher. Bitcoin könnte der erste digitale Wertspeicher mit ähnlichen Eigenschaften werden – nicht trotz, sondern wegen seiner Volatilität in der frühen Phase.

    Und genau deshalb ist die aktuelle Beobachtung interessant, wenn Gold sich zunehmend wie ein spekulatives Risk-Asset verhält, während Bitcoin langsam in Richtung Transparenz, Knappheit und Regelklarheit wahrgenommen wird, dann verschwimmen die traditionellen Rollenbilder. Nicht als Prognose – sondern als offene Frage an den Markt. Das Ganze wird aber nicht Montag entschieden, sondern über Jahre und Jahrzehnte.

    Das wertvollste Produkt, das man sich mit Geld kaufen kann, ist ein leerer Kalender.

  • Bitcoin gibt es seit 15 Jahren, in der breiten Masse angekommen ist es erst seit 9 Jahren. Bitcoin-Befürworter schwärmen, dass sie nach ‚langfristigen‘ 15 Jahren schon eine Erfolgsgeschichte erkennen. Als hätten sie gerade eine ganze Generation von Finanzkrisen überlebt. Akademisch gesehen gilt: Unter 50 Jahren sagt man bestenfalls ‚vielleicht‘, nicht ‚es funktioniert‘. Richtig belastbar wird es erst nach 100 Jahren. Siehe Equity-Prämie. Aber hey, wer braucht schon Langzeitstudien, wenn man Twitter-Posts und Kurscharts hat?;)

  • Bitcoin konkurriert nicht um Bequemlichkeit, sondern um monetäre Eigenschaften: Knappheit, Zensurresistenz, Unabhängigkeit. Diese Eigenschaften sind zeitlos. Auch in 100 Jahren werden genau diese Eigenschaften gefragt sein, wie sich historisch auch aus Gold ableiten lässt.

    Ja, diese Eigenschaften müssen aber nicht zwangsläufig von Bitcoin geliefert werden. Woher nehmt ihr eigentlich die Gewissheit, dass eine technologische Revolution namens BTC nicht selbst wieder disruptiert werden kann? Irgendwie unlogisch. Gab es das schon mal in der Geschichte der Menschheit? :/

  • Irving Lieferst du noch einen Nachweis zu deiner Behauptung mit der These, dass behauptet wurde, dass Bitcoin anderen Assets ggüber wg kurzfristiger Kursschwankungen überlegen sei?

    Gerne. 15 Jahre (bzw. 9 Jahre bei der breiten Masse) sind in der akademischen Kapitalmarktforschung (zu) kurzfristig. Ihr behauptet (trotzdem) BTC sei überlegen.

    Um ein Beispiel zu nennen: Es gab bereits 15 Jahre, in denen die Equity-Prämie negativ war. Wären 15 Jahre ein relevanter Zeitraum, könnte man daraus schließen, dass es sie nicht gibt. Eine absurde Schlussfolgerung. Selbst 50 Jahre sind grenzwertig, da man das Rauschen kaum herausfiltern kann.

  • Ja, diese Eigenschaften müssen aber nicht zwangsläufig von Bitcoin geliefert werden. Woher nehmt ihr eigentlich die Gewissheit, dass eine technologische Revolution namens BTC nicht selbst wieder disruptiert werden kann? Irgendwie unlogisch. Gab es das schon mal in der Geschichte der Menschheit? :/

    Niemand behauptet, dass es Bitcoin in 100 Jahren noch gibt. Deine Argumentationskette folgt regelmäßig dem gleichen Muster. Aussagen werden ins extreme geändert oder die Kernaussage weiterinterpretiert und dann in Frage gestellt. Niemand weiss, was in 100 Jaheen ist. Vielleicht existiert die Menschheit bis dahin auch nicht mehr. Die Historie von Gold mag eine gewisse Wahrscheinlichkeit für die Zukunftserwartung liefern, aber belastbar auf 100 Jahre ist das auch nicht. Ehrlich gesagt ist es mir persönlich auch egal, ob es Bitcoin in 100 Jahren noch gibt. Einundzwanzig hat auch mit keiner Silbe behauptet, dass er wüsste, dass es Bitcoin in 100 Jahren noch gibt.

    Das gilt aber für sehr sehr viel in unserer Welt (inkl. der Welt selbst).

  • Niemand behauptet, dass es Bitcoin in 100 Jahren noch gibt. Deine Argumentationskette folgt regelmäßig dem gleichen Muster. Aussagen werden ins extreme geändert oder die Kernaussage weiterinterpretiert und dann in Frage gestellt. Niemand weiss, was in 100 Jaheen ist. Vielleicht existiert die Menschheit bis dahin auch nicht mehr. Die Historie von Gold mag eine gewisse Wahrscheinlichkeit für die Zukunftserwartung liefern, aber belastbar auf 100 Jahre ist das auch nicht. Ehrlich gesagt ist es mir persönlich auch egal, ob es Bitcoin in 100 Jahren noch gibt. Einundzwanzig hat auch mit keiner Silbe behauptet, dass er wüsste, dass es Bitcoin in 100 Jahren noch gibt.

    Das gilt aber für sehr sehr viel in unserer Welt (inkl. der Welt selbst).

    Ich denke, dass du es bist, der versuchst mit Extremen zu argumentieren. Es geht darum, dass der Lindy-Effekt bei BTC greifen könnte, aber der Zeitraum ist zu kurz, um daraus eine belastbare Aussage zu machen. Man kann nicht einmal eine Wahrscheinlichkeit angeben, ob es BTC in fünf Jahren noch in derselben Form geben wird oder ob es abgelöst wird. Über die Weltwirtschaft hingegen kann ich das.

    Als Beweis für echte Resilienz wären viele Jahrzehnte nötig, inklusive zahlreicher Krisen und globaler Verwerfungen. BTC hat diese Erfahrung noch nicht. Ihr hofft und glaubt, was natürlich legitim ist, aber meines Erachtens ist das keine nachhaltige Strategie. Mein Punkt ist lediglich: Der Zeitraum ist schlicht zu kurz, um belastbare Aussagen treffen zu können. Trotzdem wird er immer wieder als Argument verwendet.

    Ich weiß, dass das unbefriedigend ist. Hat man den Zeitraum erreicht, ist es vielleicht schon zu spät, um überdurchschnittlich davon zu profitieren. Man sollte aber immer in Wahrscheinlichkeiten denken. In einer Welt, in der 99,99 % aller Ideen scheitern bzw. abgelöst werden, ist es meiner Meinung nach sehr unwahrscheinlich, dass man zu den wenigen 0,01 % gehört, die tatsächlich richtig liegen.

  • Niemand behauptet, dass es Bitcoin in 100 Jahren noch gibt.

    Danke!

    Damit eignet es sich offensichtlich nicht als langfristiger Wertspeicher, denn der langfristige Wert wäre dann = Null.

    Selbst Papiergeld würde bis dahin immerhin Zinsen und Zinseszinsen ansammeln und ggf. sogar in neues Papiergeld gewechselt werden (d.h. langfristiger Wert trotz Inflation > Null).

  • Irving An welcher Stelle mache ich das, was ich dir vorwerfe? Es ist erstaunlich, wie dein Diskussionsstil nach Hinweis auf deine konfrontative verdrehende Art sich derart in Richtung konstruktiv verschiebt.

    Niemand hat Gewissheiten. Die Historie von Gold ist lang. Aber ist das nun eine Sicherheit für die Zukunft oder nur ein bestätigende Rückschau? Vertrauen wird natürlich bei Gold nicht von heute auf morgen zerstört und wie Gold sich entwickelt, wissen wir alle nicht. Die Kursverläufe von Gold korrelieren zumibdest nicht mit dem Sicherheitsgefühl von Gold. Das dürfte überwiegend daran liegen, dass Gold in Krisen ein sicherer Hafen ist und in guten Phasen "nur existiert". Da ist es dann zu vernachlässigen(gefühlsmäßig), wenn Gold wieder an Wert verliert.

    Das rainbow Modell ist keine in die Zukunft blickende Sicherheit, sondern ein Versuch die Vergangenheit als Orientierung für die Zukunft zu nehmen. Dass Bitcoin dabei auf eine weniger belastbare Historie blickt, steht ja außer Frage. Wenn man sich die Entwicklung der Menschheit in den letzten 50 Jahren anschaut, war das mit Sicherheit eine viel schnellere Entwicklung, als in den 4950 Jahren zuvor.

    Die Bitcoinhistorie in Jahren anhand der Maßstäbe umzurechnen, wäre sicherlich belastbar, aber es nur auf die Jahreszahl zu verkürzen, halte ich für nicht schlüssig. Spätestens mit dem Internet entwickelt sich die Zeit rasend schnell. Jeder Blick in die Zukunft ist letztloch ein Blick in die Glaskugel. Wenn man Bitcoin kritisch sieht, wird man auch keine Gründe für eine weiter anhaltende positive Entwicklung sehen. Der Trend läuft jedenfalls weiter für Bitcoin. Den Rest wird die Zukunft zeigen.


    Freue mich auf den Rückblick, wenn ich alt bin. Auch wenn Bitcoin sich anders entwickeln sollte, als ich es erwarte (wobei mein Erwartungshorizont da nicht sehr eng gefasst ist: weniger volatil, sinkende jährliche Rendite (aber über der Rendite des Aktienmarktes), zunehmende weltweite Adaption, Zunahme von Vertrauen und langfristig ein Standard Asset im Depot).

  • Bitcoin gibt es seit 15 Jahren, in der breiten Masse angekommen ist es erst seit 9 Jahren. Bitcoin-Befürworter schwärmen, dass sie nach ‚langfristigen‘ 15 Jahren schon eine Erfolgsgeschichte erkennen. Als hätten sie gerade eine ganze Generation von Finanzkrisen überlebt. Akademisch gesehen gilt: Unter 50 Jahren sagt man bestenfalls ‚vielleicht‘, nicht ‚es funktioniert‘. Richtig belastbar wird es erst nach 100 Jahren. Siehe Equity-Prämie. Aber hey, wer braucht schon Langzeitstudien, wenn man Twitter-Posts und Kurscharts hat? ;)

    Das Ganze wird aber nicht Montag entschieden, sondern über Jahre und Jahrzehnte.

    Genau das wird von vielen Bitcoinern ja auch anerkannt. Niemand behauptet ernsthaft, dass 15 Jahre bereits „akademisch belastbar“ im Sinne von Jahrhunderten Finanzgeschichte wären. Der entscheidende Punkt ist vielmehr, dass sich Bitcoin noch in einer frühen Phase befindet. Daraus ergeben sich zwangsläufig Unsicherheit und starke Schwankungen.

    Gleichzeitig wird Bitcoinern vorgeworfen, frühe Teilnehmer würden auf Kosten späterer profitieren – Stichwort Greater-Fool-Theorie. In der Praxis sieht man jedoch immer wieder Phasen, in denen viele Marktteilnehmer aussteigen, wie aktuell. Das betrifft oft Menschen, die sehr kurzfristig agieren und starke Kursbewegungen schnell als Scheitern des gesamten Konzepts interpretieren. Kurz: Die Komplexität nicht durchdringen.

    Andere bleiben in solchen Phasen investiert oder passen ihre Positionen an – nicht aus Gewissheit oder Überlegenheit, sondern weil sie versuchen, technologische, gesellschaftliche und monetäre Entwicklungen in einen größeren Zusammenhang einzuordnen. Daraus entstehen Thesen über mögliche Zukunftsszenarien, keine Gewissheiten. Dass diese Haltung von außen häufig als „Glaube“ wahrgenommen wird, gehört wohl zur Natur früher Marktphasen.

    Was auffällt: Es ist seit Jahren ein wiederkehrendes Muster. Steigt Bitcoin stark, heißt es: „Jetzt ist es zu spät“ oder „die frühen Teilnehmer werden von den Späteinsteigern ausgezahlt“. Korrigiert Bitcoin dann um 40 Prozent, lautet der Tenor plötzlich: „Bitcoin ist tot“ oder „wie konnte man da investieren“. Unabhängig von der Kursrichtung scheint das Narrativ immer zu kippen.

    Letztlich ist diese frühe Phase immer von Unsicherheit, Volatilität und Skepsis geprägt. Genau das ist der Preis, den man zahlt, wenn man sich früh mit einem neuen System auseinandersetzt. Ob daraus langfristig ein Ertrag entsteht oder nicht, weiß niemand. Für alle Beteiligten ist es eine Wette auf die Zukunft – und welche Einschätzung sich als die bessere erweist, wird sich erst mit der Zeit zeigen. Je mehr ich mich persönlich allerdings mit Bitcoin befasse, desto geringer erscheint mir die Wahrscheinlichkeit, dass Bitcoin scheitern könnte. Aber das muss jeder für sich selber entscheiden. Wenn es dann aber so eintreten sollte, dass sich Bitcoin langfristig etabliert, sollten Späteinsteiger dies zumindest nicht zu Anlass nehmen, die early Adopter, die die Zeichen der Zeit erkannt haben, zu diskreditieren.

    Das wertvollste Produkt, das man sich mit Geld kaufen kann, ist ein leerer Kalender.

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