Bitcoin

So spekulierst Du mit Bits und Bytes

Hendrik Buhrs
Finanztip-Experte für Bank und Börse
25. Februar 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Bitcoins sind digitale Werteinheiten, die als dezentrale Währung dienen sollen. Es gibt sie nur als Bits und Bytes auf Computern oder Speichermedien. Deine Steuern oder die Miete kannst Du mit Bitcoins nicht bezahlen.
  • Hinter Bitcoins stehen kein Staat und keine Zentralbank, sondern eine weltweite Datenliste, die sogenannte Blockchain.
  • Der Handel mit Bitcoins ist hochspekulativ. Der Kurs hat sich in der Vergangenheit innerhalb von Wochen schon mal verdoppelt, aber auch wieder halbiert.
  • Außerdem gibt es keine Garantie, dass Du Deine Bitcoins in Zukunft mit Gewinn verkaufen kannst. Sie können auch komplett wertlos werden.
So gehst Du vor
  • Kaufe Bitcoins nur, wenn Du das Konzept verstanden hast und die Risiken kennst – und nur mit Geld, dessen Verlust Du verschmerzen kannst.
  • Um Bitcoins zu kaufen, musst Du Dich bei einem digitalen Handelsplatz registrieren und eine digitale Brieftasche (Wallet) auf Deinem Rechner, Deinem Handy oder einem speziellen USB-Stick installieren.
  • Sei vorsichtig: Immer mehr Betrüger versuchen gerade, am Hype zu verdienen.

Anfang 2009 wurden die ersten Bitcoins der Geschichte erstellt – genauer gesagt errechnet, denn die maximal möglichen 21 Millionen Bitcoins existieren nur auf Computern, Handys und Speichermedien. Dass die Bitcoin-Menge nicht beliebig wachsen kann und es keine zentrale Kontrollmöglichkeit gibt, ist für Freunde der Kryptowährung ein enormer Vorteil. Skeptiker verweisen auf die heftigen Preisschwankungen.

Anfang 2021 kostet ein Bitcoin so viel wie ein Mittelklasseauto. Du solltest Dich vom Hype um Bitcoins nicht einfach mitreißen lassen, sondern auch die Risiken und Nebenwirkungen kennen. Ganz wichtig: Als Geldanlage eignen sich Bitcoins nicht.

Was sind Bitcoins?

Schon die Frage, wie ein Bitcoin aussieht, zeigt: Dieses System ist etwas völlig Neues. Während uns täglich Euromünzen oder Girocards begegnen und wir von anderen Finanzprodukten wie einer Aktie oder einem Goldbarren eine klare Vorstellung haben, ist das bei der digitalen Abfolge von Ziffern und Buchstaben anders. Doch auch wenn kaum ein Artikel über Bitcoins ohne eine phantasiereiche Illustration auskommt, sind das reine Symbolbilder.

Wörtlich übersetzt sind Bitcoins Münzen, die nur auf Computern – also nur digital – existieren. Gleichbedeutend zu den digitalen Münzen sprechen einige auch von der digitalen Währung oder Internetwährung. Hinter der Idee Bitcoins steckt also, dass die Besitzer damit einmal – alternativ zum staatlichen Geld – bezahlen können.

Darüber hinaus stehen Bitcoins aber auch für ein sicheres Tauschsystem. Die Idee: Mitglieder im Netzwerk können einander weltweit Geld übertragen und prüfen selbst sämtliche Transaktionen – keine Bank ist dafür nötig. Auch im Nachhinein soll niemand im Netzwerk Übertragungen von Bitcoins manipulieren können.

Herzstück der Technik ist die sogenannte Blockchain. Sie ist das digitale Verzeichnis, in dem alle Bitcoin-Transaktionen gespeichert sind. Alle Mitglieder im Netzwerk können Transaktionen überprüfen (Peer-to-Peer-Technologie), und leistungsstarke Computer betten diese in eine aufwändige Rechenaufgabe ein. Das erschwert Betrug.

Bitcoins werden auch als Kryptowährung bezeichnet. Kryptographie, also Verschlüsselungstechnik, spielt eine entscheidende Rolle beim Erstellen der Blockchain. Schließlich soll ja etwas vermieden werden, was bei rein digitalen Gütern normalerweise passiert: dass eine Kopie nicht vom Original zu unterscheiden ist und „Falschgeld“ den Markt flutet.

Mittlerweile gibt es auch andere Kryptowährungen. Manche, wie Bitcoin Cash, sind aus dem Bitcoin abgeleitet, andere, wie Ether (Ethereum), wurden separat entwickelt. Der Bitcoin selbst ist mit rund 66 Prozent der Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen aber weiterhin die bekannteste und am meisten verbreitete (Stand: 13. Januar 2021). Mehr dazu, wie die Blockchain genau funktioniert und wie Bitcoins überhaupt entstehen, erfährst Du weiter unten.

Die übliche Abkürzung, also das Ticker-Symbol für den Bitcoin, lautet BTC. Als weiteres Kürzel wird manchmal XBT verwendet. Letzteres folgt dem internationalen ISO-Standard, nach dem der Beginn eines Währungskürzels immer einem Ländercode entsprechen muss (wie bei EUR oder USD) – bei Bitcoin kann aber kein Land definiert werden, deshalb das X.

Was kosten Bitcoins?

Der Preis der Bitcoins basiert auf Angebot und Nachfrage. Interesse und Nachfrage sind, auch durch die zunehmende Berichterstattung in den Medien, in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Gleichzeitig ist das Angebot begrenzt, weil das Bitcoin-Netzwerk erst nach und nach neue Münzen produzieren kann. Mehr dazu liest Du weiter unten.

Eine kurze Geschichte des Bitcoin

Als die digitale Währung im Jahr 2009 startete und sie kaum einer kannte, waren Angebot und Nachfrage gering – der Kurs lag damals bei weniger als 1 US-Dollar. Damals kauften vor allem die Überzeugungstäter, die sich eine Währung wünschten, die von Zentralbanken und Geschäftsbanken unabhängig war. Wer von den ersten Bitcoin-Besitzern noch dabei ist, hat nach heutigem Stand ein Vermögen in seinem digitalen Geldbeutel. Der Preis hat sich über die Jahre extrem vervielfacht.

Im Jahr 2017 investierten zunehmend auch Finanzanleger. Sie sahen in Bitcoins und der dahinterstehenden Computertechnologie das nächste „heiße Ding“ und trieben so den Kurs in die Höhe. Dabei ist der Kurs bei genauerer Betrachtung aber keineswegs nur auf dem Weg nach oben. Vom zwischenzeitlichen Rekordstand im Dezember 2017 (16.600 Euro) stürzte der Bitcoin ab und büßte dabei über 80 Prozent seines damaligen Wertes ein. Anfang Dezember 2020 überstieg der Bitcoin-Kurs wieder die Schwelle von 16.000 Euro und erreichte im Februar 2021 mit Überschreiten der 40.000-Euro-Marke ein neues Allzeithoch.

Seit Oktober 2020 können US-amerikanische Nutzer des Bezahldienstes Paypal über ihr Kundenkonto Bitcoins kaufen und verkaufen (Ausnahme: Hawaii). Eine Übertragung auf andere Konten ist derzeit aber nicht möglich. Zeitgleich erweiterte Paypal sein Angebot auch um die Kryptowährungen Ethereum, Litecoin und Bitcoin Cash. Anfang 2021 sollen Paypal-Nutzer aus den USA dann auch Einkäufe mit Bitcoins erledigen können. Paypal wird das digitale Guthaben bei einer Transaktion dann in herkömmliches Geld umtauschen, etwa in Dollar. Im Laufe des ersten Halbjahres 2021 will Paypal auch in anderen Ländern einen Bitcoin-Service anbieten. Ob Deutschland dazugehört, ist noch nicht bekannt.

Taugen Bitcoins als Geldanlage?

Die Idee der Bitcoins ist vielleicht auch für Dich faszinierend. Dennoch gibt es einige gute Gründe, warum Du die digitalen Münzen auf keinen Fall als Geldanlage oder als Basis für die private Altersvorsorge nutzen solltest.

Bitcoins funktionieren nicht als Zahlungsmittel - Weder das Kaufhaus noch das Finanzamt nehmen Bitcoins an, sehr wahrscheinlich auch nicht Dein Vermieter. Es sind aber manche Online-Händler und wenige Geschäfte dabei, man kann etwa das Essen bei Lieferando per Bitcoin bezahlen. Manche Organisationen wie die Wikipedia-Mutter Wikimedia akzeptieren Spenden in Bitcoin. Von einer Akzeptanz auf breiter Front kann aber nicht die Rede sein. Das kann sich natürlich ändern – Paypal dürfte zumindest der Bekanntheit von Bitcoins einen Schub verleihen.

Bitcoins sind nicht abgesichert - Wer eine deutsche Staatsanleihe kauft und dem Bund so für einige Jahre Geld leiht, weiß, dass er ein sicheres Geschäft eingeht. Deutschland steht finanziell gut da und kann das Geld samt Zinsen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zurückzahlen. Auf Bankguthaben gibt es in der Regel eine gesetzliche Einlagensicherung, die im Pleitefall einspringt.

Bitcoins sind wesentlich unsicherer: Hinter den digitalen Münzen stehen kein Staat und keine Zentralbank. Niemand garantiert, dass Dein Bitcoin-Guthaben sichere Erträge erzielt und Du es nach einigen Jahren in Euro zurücktauschen kannst. Die deutsche Aufsichtsbehörde Bafin und die britische FCA haben vor dem Verlustrisiko bei Kryptowerten gewarnt.

Bitcoins haben keinen materiellen Wert - Hast Du eine Aktie im Depot, bist Du an einem Unternehmen mit all seinen Vermögenswerten beteiligt. Lagerst Du Gold im Tresor, kannst Du  avon ausgehen, dass Du im Krisenfall damit bezahlen kannst – der materielle Wert also anerkannt wird. Das ist bei Bitcoins anders. Dahinter steckt nur eine (sehr junge) Idee. Bitcoins haben nur so lange einen Wert, wie Menschen an den Erfolg der Kryptowährung glauben. Sobald sich die Spekulanten vom Bitcoin abwenden, kann der Euro-Wert der Bitcoins schnell abrutschen. Du riskierst, alles zu verlieren.

Video: Was spricht gegen Bitcoin? Was spricht für Bitcoin?

Wo kannst Du Bitcoins kaufen?

Du kennst die Risiken von Bitcoins, findest die Idee der digitalen Währung aber trotzdem spannend und möchtest am Thema dranbleiben? Dann solltest Du höchstens einen geringen Geldbetrag in Bitcoins investieren, also kleinere Summen, die Du ansonsten vielleicht fürs Lottospielen oder auf der Kirmes ausgegeben hättest – und deren Verlust Dich nicht belastet.

Finanztip spricht keine Empfehlung aus, Bitcoins zu kaufen. Wenn Du es dennoch mit einem überschaubaren Betrag probieren möchtest, sind das die ersten Schritte:

1. Bitcoin-Handelsplatz aussuchen

Du kannst Bitcoins an verschiedenen Handelsplätzen im Internet kaufen und verkaufen. Bekannte Plattformen sind zum Beispiel Kraken oder Binance, aus Deutschland auch Nuri (ehemals Bitwala) oder Bison. Auf ihnen kannst Du Bitcoins gegen Euro tauschen.

Informiere Dich vor der Registrierung, welche Kauf- und Verkaufsgebühren der Anbieter für den Bitcoin-Handel verlangt. Diese können beispielsweise 1 Prozent des Bitcoin-Betrags ausmachen, bei manchen Anbietern sind sie aber auch höher. Gebühren könnten außerdem anfallen, wenn Du Euro einzahlen oder später wieder auszahlen möchtest, und auch beim Übertragen von Bitcoins auf ein gesondertes Wallet, um sie dort aufzubewahren.

Du solltest keinesfalls zu einem Handelsplatz gehen, über den es keine oder nur wenige unabhängige Berichten in den Medien gibt. In diesem vergleichsweise jungen Markt tummeln sich viele Betrüger. Auch Werbemails, die ein Investment in Bitcoins anpreisen, solltest Du ignorieren.

Je nach Handelsplatz würdest Du die Bitcoins von unterschiedlichen Verkäufern bekommen. Manchmal steht eine Bank im Hintergrund, die selbst einen Bitcoin-Bestand hat und daraus die Order der Nutzer bedient. Andere Anbieter wie bitcoin.de funktionieren eher wie eine Tauschplattform, vergleichbar mit Ebay-Kleinanzeigen. Anleger können sich registrieren und Kauf- oder Verkaufsangebote in Euro einstellen. Käufer und Verkäufer bestimmen selbst, welchen Preis sie für die Bitcoins haben möchten. Nutzer können die Angebote direkt vergleichen.

Einige Handelsplätze werden auch als Börsen oder Krypto-Börsen bezeichnet. Allerdings gibt es bisher keinen gesetzlichen Rahmen für den Handel mit Bitcoins oder anderen Kryptowährungen. Die Bitcoin-Handelsplätze sind also nicht mit den regulierten Wertpapierbörsen wie etwa der Börse in Frankfurt vergleichbar.

2. Konto anlegen und verifizieren

Wer Bitcoins handeln möchte, muss ein Bankkonto hinterlegen und dieses zunächst verifizieren. Die Anbieter sind verpflichtet, die Identität der Käufer und Verkäufer zu überprüfen und zu speichern. Das soll unter anderem Geldwäsche verhindern.

Bei Nuri und Bison musst Du Dich per Videoident legitimieren. Kraken verlangt ein Foto von Deinem Ausweis oder Deinem Führerschein, das Du hochlädst. Bitcoin.de verifiziert Dein verknüpftes Girokonto mit einer Testüberweisung. Allerdings ist der Handel dann nur für kleine Beträge möglich (maximal 2.500 Euro pro Jahr, Stand: 7. Januar 2021). Auch kann es sein, dass Teilnehmer am Marktplatz mit Dir keine Geschäfte machen wollen, so lange Du Dich nicht vollständig identifiziert hast. Wer uneingeschränkt handeln will, muss sich also voll legitimieren.

3. Vor dem Kauf oder Verkauf die Kostenübersicht checken

Wie bei jeder Banküberweisung oder Wertpapierorder solltest Du auch hier genau darauf achten, dass Du den gewünschten Betrag richtig eingetippt hast. Es werden nicht nur ganze Bitcoins gehandelt – das wäre bei den aktuellen Kursen eine sehr teure Angelegenheit –, sondern auch Teile von Bitcoins. Daher musst Du Nachkommastellen zählen. 0,001 Bitcoins entsprachen Mitte Januar 2021 ungefähr 30 Euro. Die kleinste theoretisch handelbare Einheit ist ein Hundertmillionstel Bitcoin (nach dem Pseudonym des Bitcoin-Erfinders „1 Satoshi“ genannt – ein Bitcoin entspricht also 100 Millionen Satoshi). Je nach Handelsplatz kann es aber Mindestbeträge geben. Achte unbedingt auf die Kostenübersicht, damit Du nicht böse überrascht wirst.

Achte außerdem darauf, tatsächlich Bitcoins und keine Variante zu kaufen. Es gibt auch Hebelprodukte auf Bitcoins, sogenannte CFDs, oder andere Bitcoin-Derivate, die um einiges riskanter sind als der an sich schon riskante Bitcoin. Manche tippen bei ihrem Wertpapier-Broker auch „Bitcoin“ ein und finden dann Aktien von Unternehmen, die Bitcoin im Namen haben. Diese sind nicht unbedingt unseriös, sie sind nur ebenfalls nicht gleichbedeutend mit der Kryptowährung Bitcoin. Einen ETF auf Bitcoins gibt es in der EU nicht, weil solche börsengehandelten Fonds nie nur ein einziges Anlageprodukt enthalten dürfen.

Um abzuschätzen, ob Du einen guten Kurs bekommst, lohnt es sich, Seiten wie blockchaincenter.net zur Hilfe zu nehmen. Sie bieten eine Übersicht über den aktuellen Preis für einen Bitcoin an unterschiedlichen Börsen und Tauschplattformen.

Beispiel für einen kleinen Bitcoin-Kauf

4. Nach der Transaktion prüfen, ob die Bitcoins korrekt verbucht wurden

Du solltest genau checken, ob alles geklappt hat. Beim Bitcoin-Kauf über bitcoin.de über Dein eigenes Girokonto gibt es die Besonderheit, dass Du nach der angestoßenen Überweisung noch in Deinem bitcoin.de-Account bestätigen musst, dass das Geld unterwegs ist. Vergisst Du das, wird die Transaktion nach 60 Minuten automatisch gestoppt. Du musst Dich dann an den Kundendienst wenden.

Falls Du ein separates Wallet für die Bitcoins hast, wozu wir Dir raten, solltest Du die gekauften Coins dorthin übertragen.

5. Vor einem Verkauf an Steuern und Gebühren denken

Wenn Du Bitcoins innerhalb eines Jahres nach ihrer Anschaffung mit Gewinn verkaufst, ist dieser als privates Veräußerungsgeschäft steuerpflichtig. Es gibt eine Freigrenze von 600 Euro im Jahr. Auch Gewinne aus dem Verkauf von Kunstgegenständen oder Edelmetallen wie Gold werden für diese Freigrenze zusammengerechnet. Behältst Du die Bitcoins länger als zwölf Monate, ist ein Gewinn beim Verkauf steuerfrei.

Je nach Handelsplatz kann die Auszahlung von Euro-Guthaben auf Dein eigenes Konto Gebühren kosten. Darüber solltest Du Dich vorab informieren.

Derzeit kommt man kaum um das Thema Bitcoin herum. Krypto ist voll im Trend. Vielleicht klettert der Kurs bald auf das Doppelte. Vielleicht stürzt er aber auch ab. Niemand weiß das. Wir bei Finanztip sehen für eine langfristige Geldanlage Aktien-ETFs vorn, dazu abgesichertes Festgeld als Risikoausgleich.

Hendrik Buhrs
Unser Finanztip-Experte für Bank und Börse

Was ist ein Wallet und wozu ist es nötig?

Viele Anleger kaufen Bitcoins auf der Handelsplattform und lassen die digitalen Münzen dann auf ihrem dortigen Konto liegen. In dem Fall könnten Nutzer ihre Anteile zwar im Zweifel schnell weiterverkaufen – wirklich sicher verwahrt ist das Digitalgeld dort jedoch nicht.

Denn die Internetseiten der Anbieter sind nicht unbedingt sicher. In der Vergangenheit haben Hacker bereits die Seiten von Börsen lahmgelegt, die Accounts der Nutzer gehackt und die Bitcoins abgezogen. Die Münzen waren dann weg, und Ersatz bekommen Anleger in der Regel nicht.

Damit so etwas nicht passiert, solltest Du Deine Bitcoins – statt sie auf dem Konto der Handelsplattform zu lassen – immer auf ein sogenanntes Wallet übertragen. Ein Wallet ist ein digitaler Geldbeutel mit einem persönlichen Schlüssel-Code. Um es mit den Worten des Bitcoin-Autors Andreas Antonopoulos auszudrücken: „Not your keys, not your Bitcoin“ – ohne Keycode ist der Bitcoin nicht wirklich Deiner.

Die beiden Prinzipien der Bitcoin-Verwahrung werden auch mit den Begriffen Custodial-Wallet und Non-Custodial-Wallet unterschieden, vom englischen Wort für Obhut, Treuhand. Das Bitcoin-Konto vieler Krypto-Handelsplätze ist ein Custodial-Wallet, weil Du als Nutzer auf deren Sicherheitsvorkehrungen vertrauen musst.

Im Folgenden erklären wir verschiedene Arten von Non-Custodial-Wallets.

Welcher Geldbeutel ist der richtige?

Es gibt verschiedene Anbieter solch digitaler, separater Geldbeutel und verschiedene Orte, an denen Nutzer sie aufbewahren können: der persönliche Rechner, das Smartphone oder ein externes Speichermedium, das aussieht wie ein USB-Stick („hardware wallet“). Die Idee: Weil nur Du als Nutzer Zugriff auf die Geräte hast, sind die Bitcoins darauf sicher.

Du kannst aber auch einen speziellen Account im Internet eröffnen – und diesen als Wallet nutzen. Mit einer Internetverbindung kannst Du ortsunabhängig darauf zugreifen. Allerdings besteht dann ähnlich wie bei der Krypto-Börse das Risiko, dass jemand das Online-Konto knackt und Deine Bitcoins abräumt. Diese praktisch erscheinende Variante ist also weniger sicher.

Wie eröffnest Du ein Wallet?

Um ein Wallet zu eröffnen, musst Du Dir zunächst einen Anbieter suchen und ein Programm auf das gewählte Gerät herunterladen. Bei der Wahl des Anbieters helfen Übersichtsseiten im Internet. Beim Handy findest Du mögliche Wallet-Apps im Play-Store beziehungsweise App-Store. Es gibt Bitcoin-Handelsplätze wie Nuri (ehemals Bitwala), die Dir die Auswahl lassen und sowohl ein Custodial- wie auch ein Non-Custodial-Wallet anbieten.

Wenn Du ein gesondertes Wallet einrichtest, musst Du, anders als beim Bitcoin-Handelsplatz, keine personenbezogenen Daten hinterlegen. Du legst nur einen persönlichen Zugangs-PIN fest und notierst eine Kombination zufällig aneinander gereihter Wörter (Offline-Schlüssel). Die Benutzeroberfläche ist danach sofort nutzbar.

Ohne Sicherungskopie können Bitcoins weg sein

Den Offline-Schlüssel solltest Du (bestenfalls handschriftlich) notieren und an einem sicheren Ort verwahren. Denn er ist gleichzeitig die Sicherungskopie für das Wallet. Sollte also einmal die Festplatte oder das Handy kaputt oder der spezielle USB-Stick verloren gehen, kommst Du über den Wörter-Code wieder an Deine Bitcoins – so wie übrigens jeder andere auch, der den Code kennt.

Es geht auch offline (hoffentlich)

Du kannst auch die privaten Schlüssel auf Papier notieren („paper wallet“) und ganz bewusst alle elektronischen Bestandteile der Wallet löschen. Dann ist der Wörter-Code der einzige Zugang zu Deinen Bitcoins und kann logischerweise garantiert nicht gehackt werden. Er kann aber trotzdem verloren gehen – und ist dann nicht mehr rekonstruierbar.

Verlorene Bitcoin-Schlüssel sind immer ein großes Ärgernis. Im Januar 2021 machte ein deutscher Programmierer Schlagzeilen, weil dieser sich nicht mehr an das Passwort zu einem millionenschweren Bitcoin-Guthaben erinnern konnte.

Wie funktioniert eine Bitcoins-Transaktion?

Das besondere an Übertragungen von Bitcoins ist: Sie gelten als besonders sicher. So soll nur der Besitzer des Bitcoin-Wallets die darin befindlichen Bitcoins tatsächlich verwenden können.

Welche Rolle der geheime Bitcoin-Schlüssel spielt

Jeder Besitzer eines digitalen Geldbeutels, bekommt mehrere Bitcoin-Adressen, also ein Set von Kontonummern zugeteilt. Sie bestehen jeweils aus einer Reihe zufällig generierter Zahlen und Buchstaben, zum Beispiel 97noVc7klmr4kGGuqjPL6XWTPmmjuW9A. Wallet-Besitzer können sich dann von einer Adresse zur anderen Geldbeträge in Bitcoins schicken.

Um die Übertragung abzusichern, braucht es zusätzlich einen sogenannten privaten Schlüssel. Er wird beim Anlegen des Wallets erzeugt. Der private Schlüssel wird entweder von Dir privat gespeichert oder ist direkt in der Hardware verbaut – und er ist geheim. Niemand kann ihn so ohne Weiteres offenlegen. Eine Übertragung wird am Ende nur freigegeben, wenn der private Schlüssel genau zum Wallet passt.

Einmal freigegeben, werden Übertragungen in der Blockchain festgehalten und können nicht mehr verändert oder rückgängig gemacht werden.

Bitcoin-Transaktionen sind nicht anonym

Grundsätzlich können alle Mitglieder im Netzwerk Transaktionen nachverfolgen. Sie sehen die Bitcoin-Adresse, aus der sie zwar in aller Regel nicht auf die Identität des Nutzers schließen können. Es gibt jedoch zwei Hintertürchen:

Übertragungen vom Handelsplatz zum Wallet - Überträgt ein Nutzer Bitcoins vom Konto beim Krypto-Handelsplatz zu einem Wallet, kann die Bitcoin-Community zwar sehen, dass eine Transaktion stattgefunden hat. Aber die Senderadresse ist nicht öffentlich mit dem echten Nutzernamen verknüpft, sondern auf der Plattform verschlüsselt hinterlegt. Hier müsste sich ein Unbefugter also erst in die Plattform hacken. Überträgt ein Nutzer Bitcoins vom Börsenkonto zu einem Wallet, kann die Bitcoin-Community in der Regel die Senderadresse mit dem echten Nutzernamen verknüpfen. Die Daten sind auf der Börsenplattform hinterlegt.

Übertragung von Wallet zu Wallet - Nutzer müssen ihr Wallet für eine Transaktion kurz ans Internet anschließen. Ist der Server des Nutzers nicht anonymisiert, ist es möglich, die IP-Adressen der beteiligten Rechner ausfindig zu machen.

Experten sprechen daher oft davon, dass das Bitcoin-System mit Pseudonymen (Bitcoin-Adressen) arbeitet, aber keine völlige Anonymität zusichern kann.

Werden Bitcoins innerhalb eines Jahres nach ihrer Anschaffung mit Gewinn verkauft, ist dieser als privates Veräußerungsgeschäft steuerpflichtig. Dabei gilt eine Freigrenze von 600 Euro im Jahr.

So lange dauert das Übertragen und das kostet es

Bis eine Transaktion im Bitcoin-Netzwerk verbucht ist, dauert es bestenfalls etwa zehn Minuten. Wenn viele Transaktionen zur gleichen Zeit laufen, kann die Verbuchungszeit jedoch erheblich ansteigen und teilweise mehrere Tagen dauern. Grund dafür ist, dass die Überweisungen in einen mehrstufigen Rechenprozess eingebunden sind. Mehr dazu liest Du auch im folgenden Kapitel zur Blockchain.

Bei jeder Überweisung fällt eine sogenannte Netzwerkgebühr an. Diese variiert in der Höhe und hängt davon ab, wie schnell der User seine Transaktion ausgeführt haben möchte. Wer von einer Börse zu einem Wallet überweist, zahlt in der Regel mehr – die Übertragung soll möglichst in zehn Minuten erfolgt sein. Die Börse legt dabei die Gebühr fest. Wer dagegen von Wallet zu Wallet überweist, kann die Gebühr selbst bestimmen. Nutzer, die wenig bezahlen wollen, warten dann einfach länger auf die Transaktion.

Was ist die Blockchain und wie funktioniert sie?

Die Blockchain ist ein digitales Register, in dem jede einzelne Bitcoin-Übertragung gespeichert ist. Dahinter steht ein Konzept (Blockchain-Technologie), das Betrug deutlich erschwert. Vereinfacht gesprochen funktioniert das so:

Check 1: Übertragung gedeckt?

Das digitale Register Blockchain besteht aus einzelnen Registerkarten, die wie in einem Ordner der Reihe nach digital „abgeheftet“ werden. Auf jeder Registerkarte werden verschiedene Übertragungen gespeichert. Ist die Karte voll, überprüft die Bitcoin-Community, ob der angewiesene Bitcoin-Betrag tatsächlich im Wallet vorhanden ist und ob der Nutzer seine Bitcoins auch wirklich nur einmal angewiesen hat. Nur wenn alles passt, geht es weiter.

Der Registerkarte wird nun eine knifflige Rechenaufgabe zugewiesen. Um sie zu lösen, rechnen viele Computer im Netzwerk um die Wette. Am Ende findet einer den eindeutigen Lösungsweg. Dieser Lösungsweg dient dann als eine Art Siegel für die Registerkarte. In der Bitcoin-Welt nennt man die versiegelte Karte Block. Viele versiegelte Karten nacheinander „abgeheftet“ bilden die Kette, englisch: chain.

Check 2: Richtiger Lösungsweg?

Würde jemand eine Übertragung auf der Registerkarte nachträglich manipulieren, würde sich die Rechenaufgabe verändern – und dementsprechend auch der Lösungsweg. Im digitalen Register stünde plötzlich ein falscher Lösungsweg. Weil jedes vollwertige Mitglied im Netzwerk den Blockchain-Datensatz zuhause auf dem Rechner hat und überprüfen kann, würde diese Veränderung sofort auffallen.

Dieser Prüfvorgang kann mit dem jahrhundertealten Prinzip des Kerbholzes verglichen werden, bei dem zwei Geschäftspartner jeweils eine Hälfte eines Brettchens besaßen. Für eine neue Markierung musste man beide Hälften genau nebeneinanderlegen und eine Kerbe einritzen. Keiner der beiden Partner konnte die Notiz einseitig verändern, nur gemeinsam mit dem anderen. Die Blockchain hat sozusagen viele Tausend Kerbholz-Teile, was Manipulationen sehr unwahrscheinlich macht.

Hinweis: Vollwertige Mitglieder im Netzwerk haben die Blockchain auf ihrem Rechner abgespeichert. Sie sind damit Knotenpunkte (englisch: nodes) und nutzen in der Regel Wallets, die direkt auf dem Computer laufen. Wer Bitcoins auf dem Handy oder online verwahrt, nutzt zwar die Bitcoin-Technologie, hat die Blockchain aber in der Regel nicht vollständig heruntergeladen und kann daher nicht aktiv in Prozesse eingreifen. Er kann auch keine neuen Bitcoins herstellen. Eine Kopie der Bitcoin-Blockchain umfasste Anfang 2021 rund 320 Gigabyte Speicherplatz.

Wie entstehen neue Bitcoins?

Neue Bitcoins gibt es als Belohnung für das Netzwerk-Mitglied, dessen Computer es als erster geschafft hat, den eindeutigen Lösungsweg für die Rechenaufgabe zu finden und damit die Registerkarte zu versiegeln (also einen Block herzustellen). Eine Belohnung ist deshalb angebracht, weil es enorme Rechenzeit und Energie (Strom) braucht, den Lösungsweg zu bestimmen.

Geschürft – und nicht gerührt

Die Bitcoin-Sprache vergleicht die aufwändige Berechnung des eindeutigen Lösungswegs mit der Arbeit eines Minenarbeiters (Miner). Der Besitzer des Rechners, der die Aufgabe als erster löst, fährt den Lohn seiner Arbeit ein: Er hat neue Bitcoins „geschürft“ (englisch: mined).

Das Bitcoin-Netzwerk hat sich selbst die Grenze von 21 Millionen Bitcoins gesetzt, die jedoch erst im Jahr 2140 erreicht werden soll. Die Obergrenze ist ein zentrales Element des Bitcoin-Zahlungssystems, das nicht an Inflation glaubt. Im November 2020 waren 18,5 Millionen Bitcoins im Umlauf. Da der Anreiz für das Schürfen in regelmäßigen Abständen gesenkt wird (alle 210.000 Blöcke beziehungsweise etwa alle vier Jahre), verlangsamt sich der Schürfprozess.

Willst Du mehr zum Thema wissen, kannst Du einen Blick auf einen Blog-Beitrag des indischen Entwicklers Mohit Mamoria werfen. Einfach formuliert und mit vielen Beispielen stellt er die Blockchain in einem Beginner’s Guide auf Englisch vor. Die Hochschule Luzern erklärt die Blockchain anschaulich mit Hühnern und Spiegeleiern.

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