Bitcoin

Das steckt hinter der Kryptowährung

Hendrik Buhrs
Finanztip-Experte für Bank und Börse
02. Mai 2022
Das Wichtigste in Kürze
  • Bitcoins sind digitale Werteinheiten, die als dezentrale Währung dienen sollen. Es gibt sie nur als Bits und Bytes auf Speichermedien. Im Alltag kannst Du nur höchst selten mit Bitcoins bezahlen.
  • Hinter Bitcoins steht kein Staat und keine Zentralbank, sondern eine weltweite Datenliste, die sogenannte Blockchain.
  • Der Handel mit Bitcoins ist hochspekulativ. Der Kurs hat sich innerhalb von Wochen schon mal verdoppelt, aber auch wieder halbiert.
  • Es gibt keine Garantie, dass Du Deine Bitcoins in Zukunft mit Gewinn verkaufen kannst. Sie können auch komplett wertlos werden.
So gehst Du vor
  • Nutze zum Bitcoin-Kauf eine seriöse Plattform. Wir empfehlen Bison, Nuri und Bitvavo.
  • Kaufe Bitcoins nur, wenn Du das Konzept verstanden hast und die Risiken kennst – und nur mit Geld, dessen Verlust Du verschmerzen kannst.
  • Achte vor dem Kauf auf die Gebühren und nutze möglichst eine Preisgrenze (Limit).
  • Sei vorsichtig: Auch Betrüger versuchen, am Hype zu verdienen.

2009 wurden die ersten Bitcoins der Geschichte erstellt – genauer gesagt errechnet, denn die maximal möglichen 21 Millionen Bitcoins existieren nur auf Computern, Handys und Speichermedien. Dass die Bitcoin-Menge nicht beliebig wachsen kann und es keine zentrale Kontrollmöglichkeit gibt, ist für Freunde der Kryptowährung ein enormer Vorteil. Skeptiker verweisen auf die heftigen Preisschwankungen.

Im Frühjahr 2022 kostet ein Bitcoin so viel wie ein Mittelklasseauto. Du solltest Dich vom Hype um Bitcoins nicht einfach mitreißen lassen, sondern auch die Risiken kennen. Ganz wichtig: Im Zentrum Deiner Geldanlage sollten Bitcoins nicht stehen. Wie Du sie als Ergänzung nutzt, liest Du in diesem Ratgeber.

Was sind Bitcoins?

Schon die Frage, wie ein Bitcoin aussieht, zeigt: Dieses System ist etwas völlig Neues. Während uns täglich Euromünzen oder Girocards begegnen und wir von anderen Finanzprodukten wie einer Aktie oder einem Goldbarren eine klare Vorstellung haben, ist das bei der digitalen Abfolge von Ziffern und Buchstaben anders. Doch auch wenn kaum ein Artikel über Bitcoins ohne eine phantasiereiche Illustration auskommt, sind das reine Symbolbilder.

Wörtlich übersetzt sind Bitcoins Münzen, die nur auf Computern – also nur digital – existieren. Gleichbedeutend zu den digitalen Münzen sprechen einige auch von der digitalen Währung oder Internetwährung. Die Idee des Bitcoin: Die Besitzer können – unabhängig von staatlichem Geld – bezahlen.

Darüber hinaus stehen Bitcoins aber auch für ein sicheres Tauschsystem. Die Idee: Mitglieder im Netzwerk können einander weltweit Geld übertragen und prüfen selbst sämtliche Transaktionen – keine Bank ist dafür nötig. Auch im Nachhinein soll niemand im Netzwerk Übertragungen von Bitcoins manipulieren können.

Herzstück der Technik ist die sogenannte Blockchain. Sie ist das digitale Verzeichnis, in dem alle Bitcoin-Transaktionen gespeichert sind. Alle Mitglieder im Netzwerk können Transaktionen überprüfen (Peer-to-Peer-Technologie), und leistungsstarke Computer betten diese in eine aufwändige Rechenaufgabe ein. Das erschwert Betrug.

Bitcoins werden auch als Kryptowährung bezeichnet. Kryptographie, also Verschlüsselungstechnik, spielt eine entscheidende Rolle beim Erstellen der Blockchain. Schließlich soll ja etwas vermieden werden, was bei rein digitalen Gütern normalerweise passiert: dass eine Kopie nicht vom Original zu unterscheiden ist und „Falschgeld“ den Markt flutet.

Es ist unklar, wer die Idee zum Bitcoin hatte. Über dem Konzeptpapier, das die Funktionsweise der Kryptowährung beschreibt, steht der Name Satoshi Nakamoto. Das ist offensichtlich ein Pseudonym, und bisher haben sich der oder die Erfinder nicht mit ihrer echten Identität zu Wort gemeldet. Die Idee stieß jedenfalls schnell auf Interesse, zunächst vor allem bei Nutzern, die unabhängig von Staaten und Zentralbanken sein wollten.

Mittlerweile gibt es auch unzählige andere Kryptowährungen. Manche, wie Bitcoin Cash, sind aus dem Bitcoin abgeleitet, andere, wie Ether (Ethereum), wurden separat entwickelt. Der Bitcoin selbst ist mit rund 39 Prozent Marktanteil aller Kryptowährungen aber weiterhin die bekannteste und am meisten verbreitete (Stand: 10. April 2022). Mehr dazu, wie die Blockchain genau funktioniert und wie Bitcoins überhaupt entstehen, erfährst Du weiter unten.

Die übliche Abkürzung, also das Ticker-Symbol für den Bitcoin, lautet BTC. Als weiteres Kürzel wird manchmal XBT verwendet. Letzteres folgt dem internationalen ISO-Standard, nach dem der Beginn eines Währungskürzels immer einem Ländercode entsprechen muss (wie bei EUR oder USD) – bei Bitcoin kann aber kein Land definiert werden, deshalb das X.

Was kosten Bitcoins?

Der Preis der Bitcoins basiert auf Angebot und Nachfrage. Interesse und Nachfrage sind, auch durch die zunehmende Berichterstattung in den Medien, in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Gleichzeitig ist das Angebot begrenzt, weil das Bitcoin-Netzwerk erst nach und nach neue Münzen produzieren kann. Mehr dazu liest Du weiter unten.

Eine kurze Geschichte des Bitcoin

Als die digitale Währung im Jahr 2009 startete und sie kaum einer kannte, waren Angebot und Nachfrage gering – der Kurs lag damals bei weniger als 1 US-Dollar. Damals kauften vor allem die Überzeugungstäter, die sich eine Währung wünschten, die von Zentralbanken und Geschäftsbanken unabhängig war. Wer von den ersten Bitcoin-Besitzern noch dabei ist, hat nach heutigem Stand ein Vermögen in seinem digitalen Geldbeutel. Der Preis hat sich über die Jahre extrem vervielfacht.

Im Jahr 2017 investierten zunehmend auch Anleger. Sie sahen in Bitcoins und der dahinterstehenden Computertechnologie das nächste „heiße Ding“ und trieben so den Kurs in die Höhe. Dabei ist der Kurs bei genauerer Betrachtung aber keineswegs nur auf dem Weg nach oben. Vom zwischenzeitlichen Rekordstand im Dezember 2017 (16.600 Euro) stürzte der Bitcoin auf unter 3.000 Euro ab und büßte dabei über 80 Prozent seines damaligen Wertes ein. Ende 2020 überstieg der Bitcoin-Kurs wieder die Schwelle von 16.000 Euro und erreichte im Februar 2021 mit Überschreiten der 40.000-Euro-Marke ein neues Allzeithoch.

Bei diesen Größenordnungen ist es natürlich auch möglich, einzelne Teile eines ganzen Bitcoins zu handeln. Ein Tausendstel oder 0,001 Bitcoin war in den vergangenen Monaten zwischen rund 30 und 50 Euro wert. Die kleinste definierte Untereinheit nennt sich Satoshi und entspricht einem Hundertmillionstel Bitcoin.

Seit Oktober 2020 können US-amerikanische Nutzer des Bezahldienstes Paypal über ihr Kundenkonto Bitcoins kaufen und verkaufen (Ausnahme: Hawaii). Eine Übertragung auf andere Konten ist derzeit aber nicht möglich. Zeitgleich erweiterte Paypal sein Angebot auch um die Kryptowährungen Ethereum, Litecoin und Bitcoin Cash. Seit 2021 können Paypal-Nutzer aus den USA auch Einkäufe mit Bitcoins erledigen. Paypal tauscht das digitale Guthaben bei einer Transaktion dann in herkömmliches Geld um, etwa in Dollar ("Checkout with Crypto"). Paypal will auch in anderen Ländern einen Bitcoin-Service anbieten. In Großbritannien startete ein entsprechender Dienst im Sommer 2021. Wann Deutschland dazugehört, ist noch nicht bekannt.

Sind Bitcoins eine gute Geldanlage?

Die Idee der Bitcoins ist vielleicht auch für Dich faszinierend. Dennoch gibt es einige gute Gründe, warum Du die digitalen Münzen auf keinen Fall als Schwerpunkt Deiner Geldanlage oder als Basis für die private Altersvorsorge nutzen solltest, sondern höchstens als Beimischung.

Bitcoins funktionieren nicht als Zahlungsmittel - Weder das Kaufhaus noch das Finanzamt nehmen Bitcoins an, sehr wahrscheinlich auch nicht Dein Vermieter. Es sind aber manche Online-Händler und wenige Geschäfte dabei, so kannst Du etwa das Essen bei Lieferando per Bitcoin bezahlen. Die ukrainische Regierung nimmt Spenden in Bitcoin und anderen Kryptowährungen an, um die Armee und die Zivilbevölkerung im Krieg gegen Russland zu unterstützen. (Die Wikipedia-Mutter Wikimedia akzeptiert hingegen seit Frühling 2022 keine Spenden in Bitcoin mehr.) Von einer Akzeptanz auf breiter Front kann noch nicht die Rede sein. Das kann sich natürlich in Zukunft ändern.

Erwähnenswerte Ausnahmen sind El Salvador und die Zentralafrikanische Republik. Der mittelamerikanische Staat ist seit September 2021 das erste Land der Welt, das Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel eingeführt hat. Im April 2022 folgte Zentralafrika.

Bitcoins sind nicht abgesichert - Wer eine deutsche Staatsanleihe kauft und dem Bund so für einige Jahre Geld leiht, weiß, dass er ein sicheres Geschäft eingeht. Deutschland steht finanziell gut da und kann das Geld samt Zinsen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zurückzahlen. Auf Bankguthaben gibt es in der Regel eine gesetzliche Einlagensicherung, die im Pleitefall einspringt.

Bitcoins sind wesentlich unsicherer: Hinter den digitalen Münzen stehen kein Staat und keine Zentralbank. Niemand garantiert, dass Dein Bitcoin-Guthaben sichere Erträge erzielt und Du es nach einigen Jahren in Euro zurücktauschen kannst. Die deutsche Aufsichtsbehörde Bafin und die britische FCA haben vor dem Verlustrisiko bei Kryptowerten gewarnt.

Bitcoins haben keinen materiellen Wert - Hast Du eine Aktie im Depot, bist Du an einem Unternehmen mit all seinen Vermögenswerten beteiligt. Lagerst Du Gold im Tresor, kannst Du davon ausgehen, dass Du im Krisenfall damit bezahlen kannst – der materielle Wert und die jahrtausendelange Geschichte also anerkannt werden. Das ist bei Bitcoins anders. Dahinter steckt nur eine (sehr junge) Idee. Bitcoins haben nur so lange einen Wert, wie Menschen an den Erfolg der Kryptowährung glauben. Sobald sich viele Spekulanten vom Bitcoin abwenden, kann der Euro-Wert der Bitcoins schnell abrutschen. Du riskierst, alles zu verlieren.

Auf der anderen Seite gibt es natürlich Gründe, die für ein Bitcoin-Investment sprechen.

Der starke Wertzuwachs des Bitcoin - Man muss gar nicht bis in die Anfangsjahre zurückgehen, um beeindruckende Steigerungszahlen zu finden. Wer im Sommer 2020 bei einem Kurs von 10.000 Euro einstieg, konnte sich im Herbst 2021 über eine Verfünffachung seiner Bitcoins freuen. Das gelingt einem breit streuenden Aktien-ETF auf den MSCI World sicher nicht in etwas mehr als einem Jahr. Allerdings lassen solche Zahlen aus der Vergangenheit keinen Rückschluss auf die Zukunft zu. Kursrutsche gab es auch seitdem schon, und es kann sie zukünftig geben.

Bitcoins können Nachteile anderer Anlagearten ausgleichen - Jedem Anleger knabbert die Inflation am Portfolio herum. Während die Rendite sicherer Anlagen wie Tagesgeld und Festgeld in den meisten Jahren niedriger ist als die Teurerungsrate, bieten Aktien die Chance auf eine bessere Wertentwicklung. Wie sich Bitcoin hier langfristig verhält, ist schwer abzuschätzen. Die Obergrenze von 21 Millionen Einheiten ist ein mögliches Argument für Bitcoin als Inflationsschutz, weil der Bestand nicht beliebig vermehrt werden kann. Wie weiter oben beschrieben, muss aber auch die Nachfrage nach Bitcoin bestehen bleiben, damit die Strategie aufgeht. Ein knappes Gut ist nicht automatisch wertvoll.

Bitcoins machen unabhängig von Banken - Im Zentrum der Bitcoin-Idee steht der Wunsch, selbstbestimmt anzulegen, insbesondere ohne Banken. Dieser Wunsch ist auf den ersten Blick nachvollziehbar. Allerdings stellt sich dann die Frage, wie nachteilig das Geschäft mit Banken für Dich tatsächlich ist und wie gut die Alternative funktionieren würde. In einem entwickelten Finanzmarkt wie Deutschland gibt es viele Wahlmöglichkeiten für Kunden, um bei Bankprodukten sowohl gute Leistungen wie auch günstige Gebühren zu verbinden. (Finanztip hilft Dir, das mit dem Bankenvergleich hinzubekommen.) Sicherlich sieht das in manchen Ländern anders aus.

Was spricht gegen Bitcoin? Was spricht für Bitcoin?

In diesem Video geht Saidi Pro- und Contra-Argumente zum Thema Bitcoin durch. Klar ist: Auch wir bei Finanztip haben nicht die sprichwörtliche Glaskugel. Natürlich ist es möglich, dass der Bitcoin in Zukunft deutlich an Wert gewinnt.

Wo kannst Du Bitcoins kaufen?

Du kennst die Risiken von Bitcoins, findest die Idee der digitalen Währung aber trotzdem spannend und möchtest am Thema dranbleiben? In unserem Ratgeber Bitcoin kaufen zeigen wir Dir Schritt für Schritt, wie Du mit einem seriösen Konto Bitcoins ordern kannst. Dennoch solltest Du höchstens einen geringen Geldbetrag in Bitcoins investieren, also Summen, die Du ansonsten vielleicht fürs Lottospielen oder spekulative Investments ausgegeben hättest – und deren Verlust Dich nicht belastet.

Du kannst Bitcoins an verschiedenen Handelsplätzen im Internet kaufen und verkaufen. Bekannte internationale Plattformen sind zum Beispiel Kraken oder Binance, aus Deutschland auch Nuri (ehemals Bitwala) oder Bison. Auf ihnen kannst Du Bitcoins gegen Euro tauschen.

Informiere Dich vor der Registrierung, welche Kauf- und Verkaufsgebühren der Anbieter für den Bitcoin-Handel verlangt. Diese können beispielsweise 1 Prozent des Bitcoin-Betrags ausmachen, bei manchen Anbietern sind sie aber auch höher. Gebühren könnten außerdem anfallen, wenn Du Euro einzahlen oder später wieder auszahlen möchtest, und auch beim Übertragen von Bitcoins auf ein gesondertes Wallet - einer Art digitaler Brieftasche -,  um sie dort aufzubewahren.

Bitcoin kaufen und verkaufen

Nutze zum Bitcoin-Kauf eine seriöse Plattform. Finanztip empfiehlt Bison, Nuri und Bitvavo.

Kaufe Bitcoins nur, wenn Du das Konzept verstanden hast und die Risiken kennst – und nur mit Geld, dessen Verlust Du verschmerzen kannst.

Zum Ratgeber

Du solltest keinesfalls zu einem Handelsplatz gehen, über den es keine oder nur wenige unabhängige Berichte in den Medien gibt. In diesem vergleichsweise jungen Markt tummeln sich viele Betrüger. Auch Werbemails, die ein Investment in Bitcoins anpreisen, solltest Du ignorieren.

Je nach Handelsplatz würdest Du die Bitcoins von unterschiedlichen Verkäufern bekommen. Manchmal steht eine Bank im Hintergrund, die selbst einen Bitcoin-Bestand hat und daraus die Order der Nutzer bedient. Andere Anbieter wie bitcoin.de funktionieren eher wie eine Tauschplattform, vergleichbar mit Ebay-Kleinanzeigen. Anleger können sich registrieren und Kauf- oder Verkaufsangebote in Euro einstellen. Käufer und Verkäufer bestimmen selbst, welchen Preis sie für die Bitcoins haben möchten. Nutzer können die Angebote direkt vergleichen.

Einige Handelsplätze werden auch als Börsen oder Krypto-Börsen bezeichnet. Allerdings gibt es bisher keinen gesetzlichen Rahmen für den Handel mit Bitcoins oder anderen Kryptowährungen. Die Bitcoin-Handelsplätze sind also nicht mit den regulierten Wertpapierbörsen wie etwa der Börse in Frankfurt vergleichbar.

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Vor einem Verkauf an Steuern und Gebühren denken

Wenn Du Bitcoins innerhalb eines Jahres nach ihrer Anschaffung mit Gewinn verkaufst, ist dieser als privates Veräußerungsgeschäft steuerpflichtig. Es gibt eine Freigrenze von 600 Euro im Jahr. Auch Gewinne aus dem Verkauf von Kunstgegenständen oder Edelmetallen wie Gold werden für diese Freigrenze zusammengerechnet. Behältst Du die Bitcoins länger als zwölf Monate, ist ein Gewinn beim Verkauf steuerfrei.

Je nach Handelsplatz kann die Auszahlung von Euro-Guthaben auf Dein eigenes Konto Gebühren kosten. Darüber solltest Du Dich vorab informieren.

„FOMO – also ‚fear of missing out‘, die Angst, den Trend Bitcoin zu verpassen? Die ist in unseren Augen unbegründet. Krypto ist faszinierend, aber kein Muss. Informier Dich über Vor- und Nachteile von Bitcoin. Und wenn Du dann ein paar Satoshis kaufen willst, geh zu einer seriösen Plattform.“

Hendrik Buhrs
Unser Finanztip-Experte für Bank und Börse

Was ist ein Wallet und wozu ist es nötig?

Um Bitcoins aufzubewahren, brauchst Du ein Wallet, zu deutsch Geldbörse oder Portemonnaie. Im Wallet befinden sich die individuellen Schlüsselcodes zu diesen Bitcoins.

Es gibt verschiedene Arten von Wallets: einerseits solche, die direkt zur Handelsplattform gehören, auf der Du Bitcoins gekauft hast. Und im Gegensatz dazu Wallets, die individuell von Dir eingerichtet werden.

Die beiden Prinzipien der Bitcoin-Verwahrung werden auch mit den Begriffen Custodial-Wallet und Non-Custodial-Wallet unterschieden, vom englischen Wort für Obhut oder Treuhand. Das Bitcoin-Konto vieler Krypto-Handelsplätze ist ein Custodial-Wallet, weil Du als Nutzer auf deren Sicherheitskonzept vertrauen musst.

Diese sogenannten Custodial Wallets verwahren die Bitcoins so lange, bis Du sie entweder wieder verkaufst oder auf ein anderes Wallet überträgst. Seriöse Handelsplattformen wie die Finanztip-Empfehlungen Bison, Nuri und Bitvavo haben für die Bitcoin-Verwahrung Sicherheitsvorkehrungen getroffen, um die Coins vor Diebstahl zu schützen. Der Großteil der Bitcoins ist dort offline verwahrt, also ohne Verbindung zum Internet. Eine Einlagensicherung wie bei Bankkonten gibt es für Bitcoin und andere Kryptowährungen allerdings nicht.

In der Vergangenheit haben Hacker bereits die Seiten von Börsen lahmgelegt, die Accounts der Nutzer geknackt und die Bitcoins abgezogen. Die Münzen waren dann weg, und Ersatz bekommen Anleger in der Regel nicht.

Eigenes Bitcoin-Wallet oder nicht?

Damit so etwas nicht passiert, solltest Du Deine Bitcoins ab einem bestimmten Guthaben – statt sie auf dem Konto der Handelsplattform zu lassen – auf ein separates Wallet übertragen, also ein Non-Custodial Wallet, über das Du die alleinige Kontrolle hast. Um es mit den Worten des Bitcoin-Autors Andreas Antonopoulos auszudrücken: „Not your keys, not your Bitcoin“ – ohne Keycode ist der Bitcoin nicht wirklich Deiner.

Gerade für Anfänger ist aber auch ein anderer Aspekt wichtig. Die Bitcoin-Handelsplattform hat einen Kundendienst und kann Dir helfen, wenn Du Deine Zugangsdaten verbummelt hast. In so einer Situation ist es nämlich ein Vorteil, wenn die Schlüsselcodes nicht bei Dir, sondern beim Anbieter liegen. Je nachdem, welche alternative Wallet Du selbst wählst, hast Du diese Notfallhilfe nicht mehr. Du musst also eine Abwägung treffen. Flapsig gesagt: Vertraust Du die Bitcoins lieber Dir selbst oder der Bitcoin-Plattform an? Je besser Du Dich mit Kryptowährungen auskennst und je mehr Geld Du investiert hast, umso eher solltest Du zumindest für einen Teil Deines Guthabens über ein separates Bitcoin-Wallet nachdenken.

Im Folgenden erklären wir verschiedene Arten von Non-Custodial-Wallets.

Welcher Bitcoin-Geldbeutel ist der richtige?

Es gibt verschiedene Anbieter solch digitaler, separater Geldbeutel und verschiedene Orte, an denen Nutzer sie aufbewahren können: der persönliche Rechner, das Smartphone oder ein externes Speichermedium, das aussieht wie ein USB-Stick („hardware wallet“). Die Idee: Weil nur Du als Nutzer Zugriff auf die Geräte hast, sind die Bitcoins darauf sicher.

Du kannst aber auch einen speziellen Account im Internet eröffnen – und diesen als Wallet nutzen. Mit einer Internetverbindung kannst Du ortsunabhängig darauf zugreifen. Allerdings besteht dann ähnlich wie bei der Krypto-Börse das Risiko, dass jemand das Online-Konto knackt und Deine Bitcoins abräumt. Diese praktisch erscheinende Variante ist also weniger sicher.

Wie eröffnest Du ein Wallet?

Um ein Wallet zu eröffnen, musst Du Dir zunächst einen Anbieter suchen und ein Programm auf das gewählte Gerät herunterladen. Bei der Wahl des Anbieters helfen Übersichtsseiten im Internet. Beim Handy findest Du mögliche Wallet-Apps im Play-Store beziehungsweise App-Store. Es gibt Bitcoin-Handelsplätze wie Nuri (ehemals Bitwala), die Dir die Auswahl lassen und sowohl ein Custodial- wie auch ein Non-Custodial-Wallet anbieten.

Wenn Du ein gesondertes Wallet einrichtest, musst Du, anders als beim Bitcoin-Handelsplatz, keine personenbezogenen Daten hinterlegen. Du legst nur einen persönlichen Zugangs-PIN fest und notierst eine Kombination zufällig aneinander gereihter Wörter (Offline-Schlüssel). Die Benutzeroberfläche ist danach sofort nutzbar.

Ohne Sicherungskopie können Bitcoins weg sein

Den Offline-Schlüssel solltest Du (bestenfalls handschriftlich) notieren und an einem sicheren Ort verwahren. Denn er ist gleichzeitig die Sicherungskopie für das Wallet. Sollte also einmal die Festplatte oder das Handy kaputt oder der spezielle USB-Stick verloren gehen, kommst Du über den Wörter-Code wieder an Deine Bitcoins – so wie übrigens jeder andere auch, der den Code kennt.

Es geht auch offline (hoffentlich)

Du kannst auch die privaten Schlüssel auf Papier notieren („paper wallet“) und ganz bewusst alle elektronischen Bestandteile der Wallet löschen. Dann ist der Wörter-Code der einzige Zugang zu Deinen Bitcoins und kann logischerweise garantiert nicht gehackt werden. Er kann aber trotzdem verloren gehen – und ist dann nicht mehr rekonstruierbar.

Verlorene Bitcoin-Schlüssel sind immer ein großes Ärgernis. Im Januar 2021 machte ein deutscher Programmierer Schlagzeilen, weil dieser sich nicht mehr an das Passwort zu einem millionenschweren Bitcoin-Guthaben erinnern konnte.

Wie funktioniert eine Bitcoins-Transaktion?

Das besondere an Übertragungen von Bitcoins ist: Sie gelten als besonders sicher. So soll nur der Besitzer des Bitcoin-Wallets die darin befindlichen Bitcoins tatsächlich verwenden können.

Welche Rolle der geheime Bitcoin-Schlüssel spielt

Jeder Besitzer eines digitalen Geldbeutels, bekommt mehrere Bitcoin-Adressen, also ein Set von Kontonummern zugeteilt. Sie bestehen jeweils aus einer Reihe zufällig generierter Zahlen und Buchstaben, zum Beispiel 97noVc7klmr4kGGuqjPL6XWTPmmjuW9A. Wallet-Besitzer können sich dann von einer Adresse zur anderen Geldbeträge in Bitcoins schicken.

Um die Übertragung abzusichern, braucht es zusätzlich einen sogenannten privaten Schlüssel. Er wird beim Anlegen des Wallets erzeugt. Der private Schlüssel wird entweder von Dir privat gespeichert oder ist direkt in der Hardware verbaut – und er ist geheim. Niemand kann ihn so ohne Weiteres offenlegen. Eine Übertragung wird am Ende nur freigegeben, wenn der private Schlüssel genau zum Wallet passt.

Einmal freigegeben, werden Übertragungen in der Blockchain festgehalten und können nicht mehr verändert oder rückgängig gemacht werden.

Bitcoin-Transaktionen sind nicht anonym

Grundsätzlich können alle Mitglieder im Netzwerk Transaktionen nachverfolgen. Sie sehen die Bitcoin-Adresse, aus der sie zwar in aller Regel nicht auf die Identität des Nutzers schließen können. Es gibt jedoch zwei Hintertürchen:

Übertragungen vom Handelsplatz zum Wallet - Überträgt ein Nutzer Bitcoins vom Konto beim Krypto-Handelsplatz zu einem Wallet, kann die Bitcoin-Community zwar sehen, dass eine Transaktion stattgefunden hat. Aber die Senderadresse ist nicht öffentlich mit dem echten Nutzernamen verknüpft, sondern auf der Plattform verschlüsselt hinterlegt. Hier müsste sich ein Unbefugter also erst in die Plattform hacken. Überträgt ein Nutzer Bitcoins vom Börsenkonto zu einem Wallet, kann die Bitcoin-Community in der Regel die Senderadresse mit dem echten Nutzernamen verknüpfen. Die Daten sind auf der Börsenplattform hinterlegt.

Übertragung von Wallet zu Wallet - Nutzer müssen ihr Wallet für eine Transaktion kurz ans Internet anschließen. Ist der Server des Nutzers nicht anonymisiert, ist es möglich, die IP-Adressen der beteiligten Rechner ausfindig zu machen.

Experten sprechen daher oft davon, dass das Bitcoin-System mit Pseudonymen (Bitcoin-Adressen) arbeitet, aber keine völlige Anonymität zusichern kann.

Werden Bitcoins innerhalb eines Jahres nach ihrer Anschaffung mit Gewinn verkauft, ist dieser als privates Veräußerungsgeschäft steuerpflichtig. Dabei gilt eine Freigrenze von 600 Euro im Jahr.

So lange dauert das Übertragen und das kostet es

Bis eine Transaktion im Bitcoin-Netzwerk verbucht ist, dauert es bestenfalls etwa zehn Minuten. Wenn viele Transaktionen zur gleichen Zeit laufen, kann die Verbuchungszeit jedoch erheblich ansteigen und teilweise mehrere Tagen dauern. Der Grund: Die Überweisungen sind in einen mehrstufigen Rechenprozess eingebunden. Mehr dazu liest Du auch im folgenden Kapitel zur Blockchain.

Bei jeder Überweisung fällt eine sogenannte Netzwerkgebühr an. Diese variiert in der Höhe und hängt davon ab, wie schnell der User seine Transaktion ausgeführt haben möchte. Wer von einer Börse zu einem Wallet überweist, zahlt in der Regel mehr – die Übertragung soll möglichst in zehn Minuten erfolgt sein. Die Börse legt dabei die Gebühr fest. Wer dagegen von Wallet zu Wallet überweist, kann die Gebühr selbst bestimmen. Nutzer, die wenig bezahlen wollen, warten dann einfach länger auf die Transaktion.

Was ist die Blockchain und wie funktioniert sie?

Die Blockchain ist ein digitales Register, in dem jede einzelne Bitcoin-Übertragung gespeichert ist. Dahinter steht ein Konzept (Blockchain-Technologie), das Betrug deutlich erschwert. Vereinfacht gesprochen funktioniert das so:

Check 1: Übertragung gedeckt?

Das digitale Register Blockchain besteht aus einzelnen Registerkarten, die wie in einem Ordner der Reihe nach digital „abgeheftet“ werden. Auf jeder Registerkarte werden verschiedene Übertragungen gespeichert. Ist die Karte voll, überprüft die Bitcoin-Community, ob der angewiesene Bitcoin-Betrag tatsächlich im Wallet vorhanden ist und ob der Nutzer seine Bitcoins auch wirklich nur einmal angewiesen hat. Nur wenn alles passt, geht es weiter.

Der Registerkarte wird nun eine knifflige Rechenaufgabe zugewiesen. Um sie zu lösen, rechnen viele Computer im Netzwerk um die Wette. Am Ende findet einer den eindeutigen Lösungsweg. Dieser Lösungsweg dient dann als eine Art Siegel für die Registerkarte. In der Bitcoin-Welt nennt man die versiegelte Karte Block. Viele versiegelte Karten nacheinander „abgeheftet“ bilden die Kette, englisch: chain.

Check 2: Richtiger Lösungsweg?

Würde jemand eine Übertragung auf der Registerkarte nachträglich manipulieren, würde sich die Rechenaufgabe verändern – und dementsprechend auch der Lösungsweg. Im digitalen Register stünde plötzlich ein falscher Lösungsweg. Weil jedes vollwertige Mitglied im Netzwerk den Blockchain-Datensatz zuhause auf dem Rechner hat und überprüfen kann, würde diese Veränderung sofort auffallen.

Dieser Prüfvorgang kann mit dem jahrhundertealten Prinzip des Kerbholzes verglichen werden, bei dem zwei Geschäftspartner jeweils eine Hälfte eines Brettchens besaßen. Für eine neue Markierung musste man beide Hälften genau nebeneinanderlegen und eine Kerbe einritzen. Keiner der beiden Partner konnte die Notiz einseitig verändern, nur gemeinsam mit dem anderen. Die Blockchain hat sozusagen viele Tausend Kerbholz-Teile, was Manipulationen sehr unwahrscheinlich macht.

Hinweis: Vollwertige Mitglieder im Netzwerk haben die Blockchain auf ihrem Rechner abgespeichert. Sie sind damit Knotenpunkte (englisch: nodes) und nutzen in der Regel Wallets, die direkt auf dem Computer laufen. Wer Bitcoins auf dem Handy oder online verwahrt, nutzt zwar die Bitcoin-Technologie, hat die Blockchain aber in der Regel nicht vollständig heruntergeladen und kann daher nicht aktiv in Prozesse eingreifen. Er kann auch keine neuen Bitcoins herstellen. Eine Kopie der Bitcoin-Blockchain umfasste im Frühjahr 2022 rund 400 Gigabyte Speicherplatz.

Es gibt nicht nur die eine Bitcoin-Blockchain, sondern zahlreiche andere. Die Technologie wird auch für digitale Echtheits-Zertifikate eingesetzt. Mehr dazu liest Du im Ratgeber „Was ist ein NFT?

Wie entstehen neue Bitcoins?

Neue Bitcoins gibt es als Belohnung für das Netzwerk-Mitglied, dessen Computer es als erster geschafft hat, den eindeutigen Lösungsweg für die Rechenaufgabe zu finden und damit die Registerkarte zu versiegeln (also einen Block herzustellen). Eine Belohnung ist deshalb angebracht, weil es enorme Rechenzeit und Energie (Strom) braucht, den Lösungsweg zu bestimmen.

Die Frage, wie umweltschädlich der Bitcoin ist, wird heiß diskutiert. Das Bitcoin-Netzwerk verbraucht so viel Strom wie ein mittelgroßes Land, beispielsweise Schweden. Für die Erstellung neuer Coins und die Fortschreibung der Blockchain sind enorme Rechenzentren erforderlich, die einen hohen CO2-Ausstoß verursachen.

Geschürft – und nicht gerührt

Die Bitcoin-Sprache vergleicht die aufwändige Berechnung des eindeutigen Lösungswegs mit der Arbeit eines Minenarbeiters (Miner). Der Besitzer des Rechners, der die Aufgabe als erster löst, fährt den Lohn seiner Arbeit ein: Er hat neue Bitcoins „geschürft“ (englisch: mined).

Das Bitcoin-Netzwerk hat sich selbst die Grenze von 21 Millionen Bitcoins gesetzt, die jedoch erst im Jahr 2140 erreicht werden soll. Die Obergrenze ist ein zentrales Element des Bitcoin-Zahlungssystems, das nicht an Inflation glaubt. Im März 2022 waren knapp 19 Millionen Bitcoins im Umlauf. Da der Anreiz für das Schürfen in regelmäßigen Abständen gesenkt wird (alle 210.000 Blöcke beziehungsweise etwa alle vier Jahre), verlangsamt sich der Schürfprozess.

Willst Du mehr zum Thema wissen, kannst Du einen Blick auf einen Blog-Beitrag des indischen Entwicklers Mohit Mamoria werfen. Einfach formuliert und mit vielen Beispielen stellt er die Blockchain in einem Beginner’s Guide auf Englisch vor. Die Hochschule Luzern erklärt die Blockchain anschaulich mit Hühnern und Spiegeleiern.

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