Ich gebe 70/30 auf. (M)eine Zwischenbilanz nach 5 Jahren.

  • Zum Verständnis: Für meinen Teil lehne ich anderen aufgedrängte Ratschläge oder auch nur Hinweise in Sachen "private Finanzen" (fast könnte man sagen apodiktisch) ab. Spricht mich aber jemand explizit an und/oder taucht ein konkretes Finanz-Thema im Gespräch auf, äußere ich mich eher bis in der Regel dazu. Im Rahmen meiner bescheidenen Kenntnisse - als Finanz-Laie, wenn auch an solchen Themen Interessierter - natürlich nur. Das gilt insbesondere dann, wenn mein Gegenüber kaum oder gar keine Affinität zu dem Thema "private Finanzen" hat oder zumindest zu haben scheint ...

    Die Daumenregel 80 % des Nettoeinkommens kann nie mehr als eine allgemeine Richtung vorgeben mangels besserer Daten.

    Problem in den besagtem Fall - jedenfalls aus meiner Sicht: Der besagte Protagonist hat irgendwann mal vor 25 Jahren noch dazu wohl in einem schon damals älteren Buch oder Artikel die besagten 70% aufgeschnappt ... und orientiert sich daran.

    Bei seinem etwas überdurchschnittlichen Einkommen (um die 85 Tsd. brutto - Durchschnitt in Deutschland meines Wissens um die 55 Tsd. brutto) und als Mitglied der GRV (eine Betriebsrente kann er nicht erwarten) scheint mir das als Zielmarke (deutlich) zu niedrig angesetzt. Auch scheint mir seine Aufstellung (u. a. Tagesgeld, Festgeld, Kapitallebensversicherung) eine zu risikoarme (eine defensive Aufstellung muß man sich leisten können) und seine Sparquote auch zu niedrig. Zumal er (51) noch einiges an "Nachbesserung" erreichen könnte in 16 Jahren (wenn es bis dahin nicht noch ein höheres reguläres Renteneintrittsalter gibt ...).

    Ich habe mich an den Möglichkeiten des Depots orientiert und dabei zu defensiv gerechnet.

    Er hat gar kein Depot und rechnet (so weit er überhaupt rechnet) meines Erachtens zu offensiv im Sinne von zu optimistisch.

  • monstermania , vielen Dank für die Antwort auf die in Nr. 238 gestellten Fragen.

    Für mich stellet sich die Situation so dar, dass ich glücklicherweise aktuell 1/3 meines Nettogehalts sparen/investieren kann.
    Sprich 2/3 meines Nettos reichen aus um davon gut Leben zu können.

    Das ist natürlich eine sehr stolze Sparquote (da denkt man eher an einen Selbständigen als an einen fest Angestellten - der Du aber wohl bist ... ?). Zudem sparst Du nicht nur und legst die Mittel nicht "nur" an - sondern "investierst" diese (zumindest teilweise oder überwiegend) in Aktien-ETFs.

    Beides sieht bei dem genannten Fall aber (leider) anders aus, also sowohl viel geringere Sparquote als auch noch ausnahmslos "risikoarme" Anlagen (siehe Nr. 241 vorletzter Abs.). Die Orientierung an der alten Zielmarke (70% - siehe Nr. 241 Abs. 2) kommt noch (erschwerend) dazu.

    Meines Erachtens wäre da eine Erhöhung der Sparquote angesagt (sollte gut möglich sein, zumal er (noch jedenfalls) sehr günstig wohnt als Mieter (älterer Bestandsmietvertrag)) und parallel auch eine etwas offensivere und damit renditeträchtigere Aufstellung. Ansonsten dürfte sein Wechsel vom Erwerbsleben in den Ruhestand in Sachen "gewohnter" Lebensstandard eher (sehr) unangenehm verlaufen.

    Mein angestrebtes Ziel ist es aus der Kombination GRV und Vermögensentnahme den Stand des letzten Nettoeinkommens zu erreichen. Dafür braucht es dann natürlich schon einen deutlich höheren Vermögensstand.

    Das wäre auch meine Empfehlung an den besagten Protagonisten. Zumal er im Gegensatz zu Dir

    und die Auszahlung meiner bAV finanziell gesichert sein.

    keine bAV hat.

    Den

    deutlich höheren Vermögensstand.

    vermag ich bei ihm auch eher nicht zu erkennen ... wie auch mit nur Tagesgeld und Festgeld und eher geringer Sparquote.


    Finde den Status Quo ziemlich unglücklich, weil das "Gleis in eine ungünstige Richtung" führt - und eigentlich Raum für eine höhere Sparquote da sein sollte, die dann auch überwiegend in risikoreichere aber renditeträchtigere Vehikel fließen sollte, da dafür der Anlagehorizont ausreichend ist.

    Eine weitere Chance auf eine Wendung sehe ich in der alten KLV, die wohl in vier Jahren zu seinem 55. zur Auszahlung kommt (da noch vor 2005 abgeschlossen (Altvertrag) wohl als steuerfreie Auszahlung). Auch da könnten (eher sollten) diese Mittel renditeträchtiger investiert werden.

    Vielen Dank für die Rückmeldungen ( monstermania + 90 Prozent Aktien). Das bestätigt mich vom Tenor her in meinem Vorhaben (ausnahmsweise) nochmals das Gespräch zu suchen - auch wenn man das fast als "Einmischung in die inneren Angelegenheiten" interpretieren kann (aber das kommt ja auch auf der geopolitischen Ebene (leider) zunehmend wieder in Mode ...).

  • Eine bessere Abschätzung bekommt man, wenn man die laufenden Ausgaben ohne berufsbezogene Ausgaben betrachtet.

    das halte ich tatsächlich auch für einen wesentlich sinnvolleren Ansatz, statt irgendeiner Prozentzahl auf mein Netto.

    Ich habe über die Jahre stets die Abbuchungen vom Giro in diverse Kategorien eingeteilt, so wusste ich recht genau

    • welcher Anteil meiner Ausgaben eher unverzichtbar ist (z.B. Verpflegung und Grundsteuer)
    • welche Ausgaben ich leicht beeinflussen kann (zB Konsum, Theater, Möbel)
    • welche Katergorien sogar ganz wegfallen (Studium der Kinder)

    Die Zusammenstellung der Kosten variert ja ganz erheblich mit der Lebensituation, und die ändert sich im Laufe der Jahre ja oft sehr wesentlich (das Nettogehalt übrigens auch 😉)

    Und auch die Vorstellungen, wie man seine Rentenzeit gestaltet, gehen weit auseinander (die 150k fürs WoMo gebe ich anderweitig aus), hier wäre ggf eine neue Kategorie "zukünftige wünschenswerte Ausgaben" einzuführen. 🤓

  • Ich würde die pauschal genannten 80% vom Netto so erklären, dass vorher etwa 20% des Netto gespart/investiert wurden. Dieser Teil fällt dann weg. Der Rest der Ausgaben bleibt etwa gleich. Ein paar arbeitsbezogene Kosten fallen weg, dafür wird mehr für Freizeit und Urlaub ausgegeben.

    Als grobe Näherung, um die erforderlichen, jahrzehntelangen Sparbemühungen abzuschätzen, reicht das wahrscheinlich. Je näher man der Rente kommt, desto besser kann man hoffentlich die tatsächlichen Ausgaben überblicken.

  • Ich würde die pauschal genannten 80% vom Netto so erklären, dass vorher etwa 20% des Netto gespart/investiert wurden. Dieser Teil fällt dann weg.

    Das hatte ich mir auch schon mal so gedacht bzw. überlegt. Entfaltet eine gewisse Sinnhaftigkeit.

    Wobei die durchschnittliche Sparquote in Deutschland "nur" um die 10% oder 10,5% herum liegen soll ... und auch viele am Thema eher Interessierte (als Angestellte) eine Sparquote von 15% haben - für Selbständige gelten andere Quoten als empfehlenswert (mindestens 25 oder 30% meiner Erinnerung nach).

    Der Rest der Ausgaben bleibt etwa gleich.

    In vielen Fällen dürfte das so sein.

    Es gibt eben aber auch andere Fälle (von den dynamischen (Un)Ruheständlern und so manche Dingen Nachholenden (jedenfalls die ersten 5, 10 oder 15 Jahre im Ruhestand) bis hin zu den Pflegefällen im Alter.

    Ein paar arbeitsbezogene Kosten fallen weg, dafür wird mehr für Freizeit und Urlaub ausgegeben.

    Entspricht im Regelfall auch meinen Erfahrungen - und hebt sich nicht selten kompensatorisch auf. Aber halt auch nicht immer.

    Je näher man der Rente kommt, desto besser kann man hoffentlich die tatsächlichen Ausgaben überblicken.

    Sehe ich ebenso.

    Einen groben Finanzplan halte ich für wichtig. Nichtsdestotrotz entlocken mir manchmal menschliche "Rechenmaschinen" ein Lächeln, die mit 30 oder 35 Jahren via Exceltabellen ihren Vermögensaufbau, ihre Altersvorsorge samt Ruhestand und inkl. Entnahmerate nach dem Komma planen ...

    Als gäbe es über so viele Jahrzehnte hinweg weder objektive noch subjektive Unwägbarkeiten.

  • Wie siehst Du das mit der Zielmarke 80% des letzten Nettoeinkommens

    Ich hatte nie eine derartige Zielmarke. Ich würde mich auch eher an den festen bzw. gewünschten Ausgaben orientieren. Die festen Ausgaben kann ich (dank Excelbuchungen) gut abschätzen. Die wünschenswerten Ausgaben (z.B. Reisen) kann man notfalls an das mögliche Budget anpassen.

    Ich halte es unglücklich, nur auf den einen Tag des Rentenbeginns zu schauen. Bei mir ist das ein gleitender Übergang mit mehreren Zwischenstufen.

    Der Rest der Ausgaben bleibt etwa gleich.

    Bei mir nicht, im Gegenteil. Aber auch die Ausgabenseite ist planbar. Bei mir fallen absehbar zwei auswärts studierende Kinder von der Payroll. Das wird meine Kostenseite massiv verändern.

  • Erhellender Austausch - danke dafür. :thumbup:

    Was die Diskussion zur Planung der Ausgaben betrifft, lese ich eher wenig zum Thema Gesundheit. Gerade hier sehe ich künftig ein enormes Kostenrisiko. Je nach Versicherung kann z.B. eine wertige Zahnsanierung (Implantate etwa) gut einige Urlaube aufrechnen. Aus meiner Sicht eine Rubrik außerhalb des berühmten "Notgroschens". Die Anstiege in den Gebührensätzen sind bereits jetzt rasant...

    Das aber nur am Rande. Wichtig ist ja zweifellos, dass die Gesamtstrategie stimmt. :)

  • Ich hatte nie eine derartige Zielmarke. Ich würde mich auch eher an den festen bzw. gewünschten Ausgaben orientieren.

    Verstehe. Entfaltet ja auch Sinn.

    Würde sich doch nur der Protagonist aus meinem Fall (Nr. 238) daran orientieren ... :rolleyes:

    Ich halte es unglücklich, nur auf den einen Tag des Rentenbeginns zu schauen. Bei mir ist das ein gleitender Übergang mit mehreren Zwischenstufen.

    Noch unglücklicher dürfte aber die Kombination aus der alten Zielmarke "70% des letzten Nettoeinkommens", niedriger Sparquote und ausnahmslos risikoarmen aber dementsprechend renditeschwachen Anlagen - bei überdurchschnittlichem Einkommen und Mitglied in der GRV - sein (Nr. 238).

    Bei mir fallen absehbar zwei auswärts studierende Kinder von der Payroll. Das wird meine Kostenseite massiv verändern.

    Apropos "Kostenseite massiv verändert":

    Ein gute Bekannter (Selbständiger mit eher überschaubarem Einkommen und sehr kleiner gesetzlicher Rente aus seiner Zeit (9,5 Jahre) als Angestellter), hatte vor einiger Zeit bei Eintritt in seinen Ruhestand erwähnt, daß allein die Melange aus seiner nunmehr wegfallenden zuletzt aktuellen Sparquote (siehe auch hier),

    Ich würde die pauschal genannten 80% vom Netto so erklären, dass vorher etwa 20% des Netto gespart/investiert wurden. Dieser Teil fällt dann weg.

    dem die Krankenversicherung betreffenden Wechsel vom freiwillig gesetzlich Krankenversicherten zum erreichten Status KVdR und der Wegfall seines Wohnungskredits (natürlich kein kostenfreies (Stichwort: Hausgeld) aber immerhin mietfreies Wohnen) in der Summe fast 3.000 € monatlich ausmacht.

    Die "massive Veränderung auf Kostenseite" kann also auch einen oder sogar "den" wesentlichen Beitrag zum auskömmlichen Ruhestand beitragen - ohne gleich Millionär oder Multimillionär sein zu müssen oder "Sparbrötchen" zu sein oder gar zum Frugalist zu mutieren.

  • Was die Diskussion zur Planung der Ausgaben betrifft, lese ich eher wenig zum Thema Gesundheit. Gerade hier sehe ich künftig ein enormes Kostenrisiko. Je nach Versicherung kann z.B. eine wertige Zahnsanierung (Implantate etwa) gut einige Urlaube aufrechnen. Aus meiner Sicht eine Rubrik außerhalb des berühmten "Notgroschens". Die Anstiege in den Gebührensätzen sind bereits jetzt rasant ...

    Die Gebührensätze gemäß der Gebührenordnung für Zahnärzte GOZ sind seit 1988 unverändert. :)

  • Dann ist mir jetzt völlig klar, warum meine Zahnärzt:innen Porsche aus den 1980 -Jahren fahren….

    Der auf der Hand liegende Grund könnte sein:

    Porsche - insbesondere 911er - aus den 60er, 70er, 80er und 90er Jahren (sprich noch luftgekühlte bis zum Ende Baureihe 993; Produktionszeitraum 1993 bis 1998) tendieren dazu im Preis zu steigen.

    Im Kontext medizinische Heli- und Pflegeberufe und deren Fahrzeuge:

    Eine andere Frage wäre, ob neben

    Zahnärzt:innen

    sich beispielsweise auch Krankenschwerster:innen diese Fahrzeuge leisten können ...

  • Aber man muss ja nicht den 1-fachen Satz abrechnen. Eine Begründung für 3,5 findet sich immer ;)

    Der einfache Satz wird von Laien oftmals als eine Art Standardhonorar genannt. Der einfache Faktor ist so unrealistisch wie 100% bei Grund- oder Gewerbesteuer. Das ist einfach ein Hebesatz.

    GKV-Patienten werden nach einer anderen Gebührenordnung abgerechnet, die im Unterschied zur Gebührenordnung für Privatpatienten aber etwa inflationsindexiert ist. Mittlerweile haben etliche Positionen der GKV-Gebührenordnung BEMA die GOZ erreicht und sogar übertroffen.

    Ich kann das nachvollziehen, daß Zahnärzte bei den beliebten Implantationsleistungen die teuren Positionen auf 3,5fach schreiben.

    Dieser Thread ist schon lang und wie alle langen Threads längst vom Thema abgewichen. Wir sollten dieses Subthema dennoch nicht vertiefen, ist ja keine Anlegerfrage.