Deutschland -> Land der armen Schlucker "keine 2000 Euro als Notgroschen"

  • Versteh ich das richtig, wenn der Staat investiert z.B. aufrüstet (Putin und so) dann steigt die Staatsquote und das ist dann Sozialismus und böse? ^^ was sagen denn unsere Starökonomen, welche Staatsquote ist denn die beste und für wen?

    Ja und nein. – Dass Sozialismus „böse“ ist, da sind wir uns wahrscheinlich alle einig. Ansonsten gerne noch mal eine Bildungseinrichtung besuchen. Dass „wenn der Staat investiert“, dadurch die Staatsquote steigt, hast du falsch verstanden.

    Das wertvollste Produkt, das man sich mit Geld kaufen kann, ist ein leerer Kalender.

  • ...

    Zum Teil des verfallene nochmal:

    Hatte die Situation bei einem Schulfreund. Sein Vater ist mit 58 arbeitslos geworden da die Firma geschlossen wurde. Chef hatte keinen Nachfolger gefunden. Er selbst war Schlosser und mit Gicht nicht mehr vermittelbar. Bis zur Rente hat er locker flockig seine kompletten Ersparnisse aufbrauchen dürfen und da ihm knapp 10 Jahre Erwerbsleben fehlten war seine Rente nicht mehr sehr üppig. Anscheinend ist das für dich absolut fair, da er sich ja was neues hätte suchen können.

    Was soll daran nicht fair sein? Dafür haben wir doch einen Sozialstaat, damit solche Leute aufgefangen werden.

    Wie wäre es denn Deiner Meinung nach fair?

  • Dass „wenn der Staat investiert“, dadurch die Staatsquote steigt, hast du falsch verstanden.

    Sicher? Liest sich für mich so als würde sich die Staatsquote so bilden:

    Mit den Staatsausgaben wird die Staatsquote gemessen, die das Verhältnis zwischen den Staatsausgaben und dem Bruttoinlandsprodukt wiedergibt.


    Die Staatsausgaben ergeben sich aus staatlichen Aufgaben, die der Staat wahrnimmt. In der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung zählen zum Sektor Staat die Gebietskörperschaften (in Deutschland: Bund, Länder und Gemeinden) und die Sozialversicherung, die alle insbesondere durch Investitionen in Infrastruktur (wie Bundesautobahnen oder Bundesstraßen, Bildung, Forschung und Entwicklung, Landesverteidigung) oder durch die Zahlung von Transferleistungen (etwa Sozialleistungen) zur nationalen Wertschöpfung beitragen.[1] Damit ist der Staat Produzent öffentlicher Güter und finanziert über Transferleistungen den Privatkonsum.

    Ein Teilaggregat der Staatsausgaben bildet der Staatsverbrauch, der sich in den konsumtiven Staatsausgaben verbirgt. Bei seiner Binnenhandelspolitik muss der Staat je nach Konjunkturlage eine angemessene Balance zwischen konsumtiv und investiv wirkenden Staatsausgaben finden.

  • Sicher? Liest sich für mich so als würde sich die Staatsquote so bilden:

    Mit den Staatsausgaben wird die Staatsquote gemessen, die das Verhältnis zwischen den Staatsausgaben und dem Bruttoinlandsprodukt wiedergibt.


    Die Staatsausgaben ergeben sich aus staatlichen Aufgaben, die der Staat wahrnimmt. In der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung zählen zum Sektor Staat die Gebietskörperschaften (in Deutschland: Bund, Länder und Gemeinden) und die Sozialversicherung, die alle insbesondere durch Investitionen in Infrastruktur (wie Bundesautobahnen oder Bundesstraßen, Bildung, Forschung und Entwicklung, Landesverteidigung) oder durch die Zahlung von Transferleistungen (etwa Sozialleistungen) zur nationalen Wertschöpfung beitragen.[1] Damit ist der Staat Produzent öffentlicher Güter und finanziert über Transferleistungen den Privatkonsum.

    Ein Teilaggregat der Staatsausgaben bildet der Staatsverbrauch, der sich in den konsumtiven Staatsausgaben verbirgt. Bei seiner Binnenhandelspolitik muss der Staat je nach Konjunkturlage eine angemessene Balance zwischen konsumtiv und investiv wirkenden Staatsausgaben finden.

    Du hast mit der Definition absolut recht. Der Punkt hinter der Aussage von Helmut Kohl war aber eher ein grundsätzlicher: Wenn dauerhaft ein sehr großer Teil der Wirtschaftsleistung über den Staat läuft, verschiebt sich das Gleichgewicht zunehmend weg von der Marktwirtschaft hin zu politischer Steuerung und Umverteilung. Es geht also weniger um einzelne Ausgaben, etwa für Aufrüstung, sondern um die Frage, wie groß der staatliche Anteil insgesamt wird und welche Rolle der Staat langfristig in der Wirtschaft spielt. Dazu zählt natürlich auch die kontinuierliche steigende Anzahl von Staatsdienern ...

    Ganz streng genommen ist deine Aussage:

    wenn der Staat investiert z.B. aufrüstet (Putin und so) dann steigt die Staatsquote und das ist dann Sozialismus und böse

    also gar nicht so falsch, wie sie zunächst klingt ;) – Womit ich ausdrücklich nicht die aktuelle Aufrüstung kritisieren will, da gibt es (siehe oben), andere Bereiche, die es zu verschlanken gilt, um die Staatsquote wieder abzubauen.

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  • Ok mir scheint die Staatsquote wird einfach falsch oder fehl und überinterpretiert. Weil es ja einen riesigen Unterschied macht ob der Staat Geld ausgibt für Konsum, Verteidigung (nicht schön aber ja unvermeidbar) oder Infrastruktur. Stellen wir uns ein reiches Industrieland vor mit hohem Exportüberschuss. Super Renditen, jahrzehnte lang Fokus auf Export aber hat seine Infrastruktur verkommen lassen. Das wäre ja vllt ein guter Zeitpunkt um die Staatsquote zu erhöhen für Infrastrukturinvestments?

  • Weil es ja einen riesigen Unterschied macht ob der Staat Geld ausgibt für Konsum, Verteidigung (nicht schön aber ja unvermeidbar) oder Infrastruktur.

    Das stimmt.

    Ein Staat besteht allerdings aus mehr Bereichen, die du aufgezählt hast. Von daher lässt sich deine Fangfrage so pauschal nicht beantworten.

    Ich glaube, da sind wir uns wahrscheinlich einig, dass es zahlreiche Sektoren in unserem Land gibt, die eine zu hohe Staatsquote und damit deutlich zu hohe Kosten und damit deutlich zu viel Behäbigkeit an den Tag legen. Darauf wollte ich, und damals vermutlich auch Helmut, hinaus.

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  • Du meinst also sowas wie 1240 in Deutschland ? Oder 1750 oder 1860 ?
    Fällt dir was auf ?

    Warum so polemisch? – Ich bin eben der Meinung, dass in vielen Bereichen der freie Markt viel effizienter funktioniert und den Wohlstand für alle Menschen in einem Land erhöht. Wir verschwenden aktuell einfach zu viel Geld für Bürokratie und staatliche Ineffizienz.

    Die kommenden 21 % MwSt. und steigenden Kapitalertragssteuern sind nur ein Symptom, keine Ursache.

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  • 0% für Bildung und Forschung?

    Unbedingt. Da würde ich als Erstes ansetzen. Wir haben mittlerweile eines der schlechtesten und unflexibelsten Bildungssysteme der Welt*. Ist leider so. Wir brauchen hier auch Wettbewerb zwischen Bildungseinrichtungen. Gerne in Kooperation mit der (regionalen) Wirtschaft. Aktuell gibt es quasi keinen Anreiz für Zuständige in dem Bereich, außer Idealismus, etwas grundlegend zu verändern.

    Der Bereich Forschung wird auch heute schon maßgeblich von der Privatwirtschaft getragen.

    *In Bereich der Industrieländer natürlich.

    Das wertvollste Produkt, das man sich mit Geld kaufen kann, ist ein leerer Kalender.

  • Dann hat ja die aktuelle Politik alles richtig gemacht indem sie die Sozialempfänger weiter sanktioniert. Der berechnete wirtschaftliche Gewinn ist seltsamerweise für die nächsten 3 Jahre nahezu 0.

    Schwarzarbeit ist ein völlig anderes Thema. Wenn die Behörden so ausgestattet wären um diese zu bekämpfen wäre das sicherlich zu begrüßen. Ich würde da auch mitgehen wenn man den Schaden, der durch die Schwarzarbeit entstanden ist, bei den Leistungen abziehen würde.

    Es geht mir nicht darum asozial Verhalten zu rechtfertigen. Es geht mir darum das man Sozialhilfe-, Bürgergeld-, Unterstützungsempfänger nicht unter Generalverdacht stellt. Außerdem wird das Einsparpotenzial massiv überschätzt.

    Zur Steuerhinterziehung, gebe ich dir Recht. Steuerhinterziehung ist in Deutschland weniger das Problem. Es sind die Gesetzeslücken die legale Steuervermeidung ermöglichen. Ich vermeide über die Steuererklärung auch jegliche Gelder die ich nach dem Gesetz zu viel gezahlt habe. Das ist auch legitim das so zu machen. Warum sollte man mehr Zahlen als gesetzlich vorgeschrieben. Das ist natürlich noch viel Interessanter wenn die Gesamtsumme der Steuern nicht 4 oder 5 stellig ist sondern 6,7 oder gar 8 Stellen aufweist. Ich kritisiere daran, daß es legal ist und nicht die Handlung an sich.

    Dazu kommt noch, dass Vermögende auch noch das Kapital haben sich Steuerberater und allgemein Berater leisten zu können die ihnen dabei helfen jegliche Lücken im System ausfindig zu machen um möglichst wenig zu bezahlen und möglichst viel zu bekommen. Oder gibt es ernsthaft Institutionen die den ärmsten unserer Gesellschaft sämtliche Möglichkeiten aufzeigen wo man was an Hilfen beantragen und einfordern kann? (Und auch noch so einfordern kann ohne dass man wie ein Bettler vor dem Herrn da steht?) Wenn man einen engagierten Sozialberater hat, vielleicht ja. Aber der macht das aus eigenem Antrieb heraus. Viele haben nicht solche Menschen im Rücken und dürfen sich in ihrer Notsituation alleine und ohne Hilfe durchs Leben schlagen

  • Wäre mir neu das die Universitäre Forschung maßgeblich von der Privatwirtschaft getragen wird, wieder etwas gelernt oder Quatsch gelesen.

    Jetzt sprichst du von universitärer Forschung, deine ursprüngliche Aussage war eine andere ... Grundlagenforschung wird primär vom Staat gefördert, stimmt. Ist aber auch nicht in Stein gemeißelt. Man muss eben Anreize schaffen, der freie Markt regelt das dann ganz alleine.

    Ansonsten kommt sowas dabei raus:

    https://www.studenten-pkv.de/blog/artikel/2…nge-deutschland

    ^^

    Das wertvollste Produkt, das man sich mit Geld kaufen kann, ist ein leerer Kalender.

  • Man muss eben Anreize schaffen, der freie Markt regelt das dann ganz alleine

    Naja..

    Hää, also regel der freie Markt es nun von alleine oder nur durch Anreize (Geld)

    Die Annahme, dass der freie Markt durch geeignete Anreize automatisch zu optimalen Ergebnissen führt, setzt sehr starke theoretische Voraussetzungen voraus. In der ökonomischen Theorie gilt dies nur unter idealisierten Bedingungen wie vollständiger Information, perfektem Wettbewerb und dem Fehlen externer Effekte. In der Realität gibt’s das aber quasi nie. Es treten regelmäßig Marktversagen, Informationsasymmetrien und Koordinationsprobleme auf. Daher sind Anreize zwar ein wichtiges Instrument, ersetzen aber nicht die Notwendigkeit institutioneller Regeln und geeigneter Regulierung.


    Lies mal Stiglitz und Akerlof (Nobelpreis 2001).

  • Hää, also regel der freie Markt es nun von alleine oder nur durch Anreize (Geld)

    Der freie Markt schafft Anreize und die bestehen nicht immer nur aus Geld.

    Nimm zum Beispiel Bildung: Wenn eine Schule ein geiles Konzept hat, engagierte angestellte Lehrerinnen und Lehrer, moderne Unterrichtsformen und eine enge Zusammenarbeit mit der regionalen Wirtschaft, dann spricht sich das herum. Schülerinnen und Schüler wollen dorthin, Eltern melden ihre Kinder lieber dort an. Die Schule bekommt also mehr „Kunden“.

    Mit mehr Nachfrage kommen dann auch mehr Möglichkeiten: Die Schule kann bessere Gehälter zahlen, neue gute Lehrkräfte gewinnen, in Ausstattung investieren oder neue Projekte starten. Gute Arbeit zieht also weitere gute Leute und Ressourcen an.

    Der Anreiz für die Beteiligten besteht dabei nicht nur im Geld, sondern auch in Dingen wie Arbeitszufriedenheit, Reputation, Gestaltungsmöglichkeiten oder besseren Perspektiven für die Schülerinnen und Schüler. Das alles spielt heutzutage kaum eine Rolle, deswegen ist unser Bildungssystem eben auch nicht „State of the Art“, weil es dafür kaum Anreize für Schulen gibt.

    Der Markt „regelt“ also von allein. Er funktioniert über Anreize und Rückkopplung: Gute Angebote ziehen Nachfrage an, schlechte verlieren sie. So entsteht Druck, sich zu verbessern.

    Das wertvollste Produkt, das man sich mit Geld kaufen kann, ist ein leerer Kalender.

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