Riester-Reform: Referentenentwurf

  • Hallo zusammen,

    der Referentenentwurf zur lange geplanten Reform der Riester-Rente ist mit Bearbeitungsstand 1.12.2025 hier einzusehen:

    https://cdn.table.media/assets/berlin/pav_entwurf.pdf

    Das Dokument ist recht umfangreich und über weite Strecken eher mühsam zu lesen, aber doch auch sehr aufschlussreich, wie ich finde. Viel Spaß bei der Lektüre.

    Quelle: Gefunden habe ich den Link in dieser Zusammenfassung:

    Nachfolge der Riester-Rente: Altersvorsorgedepot ohne Garantie geplant
    Sie können besser entscheiden, weil Sie besser informiert sind – das ist das Ziel von Table.Briefings. Mit dem Informationsvorsprung zum Wettbewerbsvorteil.
    table.media
  • Siehe dazu hier:

    Saarlaender
    5. Dezember 2025 um 22:43

    Vielleicht kann ein Moderator diese beiden Threads zusammenführen?

  • Gute Idee Saarlaender aber dies ist das am wenigsten moderienstestestestes Forum, dass ich kenne ;) andererseits werden Mitglieder ohne erkennbaren Grund eine Auszeit verpasst.

    Es ist fast wie im richtigen Leben, deswegen heißt das hier auch Erde und nicht Paradies.

  • Datum 17.12.2025

    Bundesfinanzministerium

    ....

    Im Einzelnen:

    • Ein Altersvorsorgedepot ohne Garantievorgaben wird als neue Produktkategorie eingeführt. Dies ermöglicht höhere Renditechancen. Daneben gibt es für Altersvorsorgende mit einem höheren Sicherheitsbedürfnis weiterhin Garantieprodukte, bei denen das garantierte Kapital 80 % oder 100 % der gezahlten Beiträge betragen darf.
    • Die starre Grundzulage von 175 Euro wird von einer zum Beitrag proportionalen Zulage bis zu 480 Euro abgelöst. Für jeden eingezahlten Euro bis 1 200 Euro wird es zukünftig einen staatlichen Zuschuss von 30 Cent als Grundzulage geben. Für weitere bis zu 600 Euro sind es 20 Cent pro Euro. Der maximale geförderte Eigenbeitrag beläuft sich somit auf 1 800 Euro pro Jahr. Zusätzlich setzt der Entwurf die Vereinbarung des Koalitionsausschusses vom 10. Dezember 2025 um, die Grundzulage für Eigenbeiträge bis 1 200 Euro ab 2029 jährlich auf 35 Cent pro angespartem Euro zu erhöhen.
    • Anbieter müssen ein eigenes Standardprodukt oder das Standardprodukt eines kooperierenden Anbieters anbieten. Dies ist ein besonders einfaches Altersvorsorgedepot mit Standardeinstellungen und begrenzten Kosten.
    • Die Kosten für die Bürgerinnen und Bürger werden reduziert. Die Abschluss- und Vertriebskosten werden auf die gesamte Vertragslaufzeit verteilt. Zudem erhöht sich der Wettbewerb durch neue Produkte, neue Anbieter und Vereinfachungen.
    • Es gibt eine flexiblere Auszahlungsphase und mehr Wettbewerb, indem alternativ zur lebenslangen Leibrente künftig langlaufende Auszahlungspläne (Laufzeit mindestens bis zur Vollendung des 85. Lebensjahres) ohne Restkapitalverrentung zulässig sind.
    • Die steuerliche Förderung über Zulagen mit hohen Förderquoten für Altersvorsorgende mit kleinen und mittleren Einkommen und Familien mit Kindern wird beibehalten. Zudem bleibt der Sonderausgabenabzug. Darüber hinaus wird das System grundlegend vereinfacht, unter anderem durch eine beitragsproportionale Ausgestaltung der Zulagen und den Wegfall der einkommensabhängigen Mindesteigenbeitragsberechnung.
    • Die Frühstart-Rente stärkt die Altersvorsorge der jüngeren Generation durch ein individuelles Altersvorsorgedepot für Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 18 Jahren mit garantiertem staatlichem Zuschuss von 10 Euro pro Monat. Die individuellen Depots werden an die neuen Angebote der privaten Altersvorsorge anknüpfen.
    • Für anspruchsberechtigte Kinder und Jugendliche, deren Eltern kein Altersvorsorgedepot eröffnen, wird es eine kollektive Anlagelösung geben. Ansprüche sind somit nicht abhängig von der elterlichen Entscheidung. Bei einer nachträglichen Depoteröffnung können die Mittel, die bisher in der Auffanglösung gelandet sind, auf den persönlichen Vertrag übertragen werden


    Private Altersvorsorge für alle Einkommen und alle Generationen - Bundesfinanzministerium - Presse
    Bundesregierung beschließt Reform der privaten Altersvorsorge und Eckpunkte für die Einführung einer Frühstart-Rente
    www.bundesfinanzministerium.de
  • Datum 17.12.2025

    Bundesfinanzministerium

    Man schafft es nicht, die Bürokratie so dicht zu weben, daß keine Lücken bleiben. :)

    • Ein Altersvorsorgedepot ohne Garantievorgaben wird als neue Produktkategorie eingeführt. Dies ermöglicht höhere Renditechancen. Daneben gibt es für Altersvorsorgende mit einem höheren Sicherheitsbedürfnis weiterhin Garantieprodukte, bei denen das garantierte Kapital 80 % oder 100 % der gezahlten Beiträge betragen darf.

    Ja, ja.

    • Die starre Grundzulage von 175 Euro wird von einer zum Beitrag proportionalen Zulage bis zu 480 Euro abgelöst. Für jeden eingezahlten Euro bis 1 200 Euro wird es zukünftig einen staatlichen Zuschuss von 30 Cent als Grundzulage geben. Für weitere bis zu 600 Euro sind es 20 Cent pro Euro. Der maximale geförderte Eigenbeitrag beläuft sich somit auf 1 800 Euro pro Jahr. Zusätzlich setzt der Entwurf die Vereinbarung des Koalitionsausschusses vom 10. Dezember 2025 um, die Grundzulage für Eigenbeiträge bis 1 200 Euro ab 2029 jährlich auf 35 Cent pro angespartem Euro zu erhöhen.

    Die beste Altersvorsorge überhaupt ist bekanntlich die gesetzliche Rentenversicherung, und zwar deswegen, weil es für die Beiträge Steuervorteile ohne Ende gibt. Ich bin etwas verwundert darüber, daß sich verschiedene Gruppen der Gesellschaft gegen eine Erhöhung der Beiträge wehren, denn würden die Beiträge steigen, würden sich ja auch die Steuervorteile erhöhen. Und das Steuern sparen ist ja der Deutschen Leidenschaft.

    Schon für Unterdurchschnittsverdiener ist ein Riestervertrag schlichtweg ein Sparvertrag mit nachgelagerter Versteuerung. Er kann die Beiträge von der Steuer absetzen, er muß die Auszahlung versteuern. Das ist die nackte, nicht besonders attraktive Wahrheit.

    Das kann man werblich viel besser darstellen. Das hat man auch getan, und die viel attraktivere Schwindelei hat sich in den Köpfen der Leute festgesetzt, und sie lautet: Für Riester bekommt man eine Zulage (also etwas vom Staat geschenkt!) und zusätzlich Steuervorteile. Das ist für Durchschnittsdeutsche so unwiderstehlich wie eine Bratwurst für meinen Hund.

    Ich kann tausend Mal erzählen: Schau an: Das wäre die Steuerermäßigung für einen Beitrag mit nachgelagerter Besteuerung, Du bekommst sie aber nicht, denn die Zulage, die man Dir angeblich geschenkt hat, wird davon 1:1 abgezogen, so daß es prinzipiell egal ist, ob Du überhaupt eine Zulage bekommst.

    Die Grundzulage wird jetzt erhöht. Alle diejenigen, die einen Grenzsteuersatz von weniger als 480/2280 = 21% haben - das sind Wenigverdiener! - profitieren von der Erhöhung der Grundzulage. Bei allen, die drüber liegen, verpufft die Zulage wie bisher.

    • Anbieter müssen ein eigenes Standardprodukt oder das Standardprodukt eines kooperierenden Anbieters anbieten. Dies ist ein besonders einfaches Altersvorsorgedepot mit Standardeinstellungen und begrenzten Kosten.

    Warten wir es ab! :)

    • Die Kosten für die Bürger werden reduziert. Die Abschluss- und Vertriebskosten werden auf die gesamte Vertragslaufzeit verteilt. Zudem erhöht sich der Wettbewerb durch neue Produkte, neue Anbieter und Vereinfachungen.

    Die Kosten werden nicht reduziert, sondern anders verteilt, nämlich statt hauptsächlich auf 5 Jahre nun auf die gesamte Laufzeit. Das ist finanzmathematisch eine Reduktion, aber nur eine marginale.

    Ob sich der Wettbewerb erhöht, werden wir ja sehen.

    • Es gibt eine flexiblere Auszahlungsphase und mehr Wettbewerb, indem alternativ zur lebenslangen Leibrente künftig langlaufende Auszahlungspläne (Laufzeit mindestens bis zur Vollendung des 85. Lebensjahres) ohne Restkapitalverrentung zulässig sind.

    ... und dann stehen die Armen mit 85 da und haben kein Geld mehr! :(

    • Die steuerliche Förderung über Zulagen mit hohen Förderquoten für Altersvorsorgende mit kleinen und mittleren Einkommen und Familien mit Kindern wird beibehalten. Zudem bleibt der Sonderausgabenabzug. Darüber hinaus wird das System grundlegend vereinfacht, unter anderem durch eine beitragsproportionale Ausgestaltung der Zulagen und den Wegfall der einkommensabhängigen Mindesteigenbeitragsberechnung.

    Den Satz mußte ich ein paarmal lesen, bevor ich ihn verstehen konnte. Da tut freilich Vereinfachung not!

    • Die Frühstart-Rente ...

    ... wird vermutlich ein ähnlicher Rohrkrepierer werden, wie die Riesterrente einer ist.

    So richtig viel Freiheit will man dem Untertanen offensichtlich nicht einräumen. Der maximal geförderte Betrag explodiert geradezu von bisher 2100 €/a auf 2280 €/a. Da hat in den letzten 20 Jahren selbst die Inflation mehr geschafft.

    Die Bürokraten in Berlin können es halt einfach nicht (und gegen die Finanzbranche kommen sie ohnehin nicht an, schleichen ja auch einfach viel zu viele Lobbyisten herum in Berlin).

    :(

  • Also ich bin jetzt mal etwas eigennützig. Mich interessiert gerade nur dieser eine Satz aus den FAQs. Und der rettet meinen bestehenden Riester-Vertrag vor der fachgerechten Entsorgung namens "förderschädliche Kündigung" 8)

    Zitat

    Kann ich auch zu Beginn der Auszahlungsphase noch meinen Anbieter wechseln?

    Altersvorsorgeverträge beinhalten stets Regelungen zur Auszahlungsphase. Altersvorsorgende können aber zum Beginn der Auszahlungsphase ihren Anbieter wechseln, zum Beispiel zu einem Anbieter, der ein reines Auszahlungsprodukt anbietet. So erhalten Altersvorsorgende mit einem Altersvorsorgedepot-Vertrag ohne Verrentungsoption beispielsweise die Möglichkeit, ihr Altersvorsorgevermögen in eine Leibrente bei einem Versicherungsunternehmen umzuwandeln. Altersvorsorgende mit einem Garantieprodukt und Verrentungsoption haben wiederum die Möglichkeit, sich zu Beginn der Auszahlungsphase noch für einen Auszahlungsplan bei einem anderen Anbieter zu entscheiden.

  • …..Bei einem anderen Anbieter.


    Wer ist denn dieser Anbieter? Die Finanzindustrie wird sich ganz bestimmt nicht die Finger daran verbrennen. Da arbeiten Menschen die rechnen können. Aber die rechnen ja auch mit dem Unwissen der Kunden.
    Mal abwarten…. Ich erwarte nix gutes, dann bin ich nicht enttäuscht wenn es so kommt. Kommt es aber anders kann ich mich freuen und es isst bewiesen das ich wirklich keine Ahnung habe und die Finanzlobby Nix kann.

  • Das blöde an dem ganzen Riester Desaster ist ja das die wirklich schuldigen ja gar nicht benannt werden.

    Ein kluger kostengünstiger Riester-Vertrag von 2001 könnte durchaus eine Netto- Zusatzrente von 300€ monatlich bringen und damit wäre schon vielen geholfen.

    Die meisten Riesterrenten liegen aber deutlich unter hundert Euro und das muss man der Finanzindustrie ankreiden da diese durch den Lobbyismus ein gegensteuern der Politik aktiv behindert hat.

  • Das blöde an dem ganzen Riester Desaster ist ja, dass die wirklich Schuldigen ja gar nicht benannt werden.

    Ein kluger kostengünstiger Riester-Vertrag von 2001 könnte durchaus eine Netto-Zusatzrente von 300€ monatlich bringen und damit wäre schon vielen geholfen.

    Wir können die Zeit natürlich nicht zurückdrehen, und in der Rückschau ist das Investieren ja schon immer einfach gewesen.

    Mich würde trotzdem mal interessieren, was dieser kluge kostengünstige Riester-Vertrag im Jahre 2001 gewesen wäre (am besten mit einer passenden Kalkulation dazu).

  • Ein erneutes Riester-Desaster kann sich die Regierung in der ganzen Rentendebatte nicht leisten.

    ???

    Könnte man meinen. Halte ich aber dennoch für eine naive oder forsche bis gewagte These.

    Die ganze Thematik - "Rente" (GRV) aber auch den Bereich "private Altersvorsorge" (inkl. Riester, Rürup sowie die (auch steuerlichen) Rahmenbedingungen samt allgemeiner "Rentendebatte") - verfolge ich nun seit rund vier Jahrzehnten interessehalber. In dem Zeitraum haben sich die Politik im Allgemeinen und jeweilige Regierungen im Speziellen schon enorm viel "geleistet" (nur, um Deine Formulierung aufzugreifen) - auch beispielsweise an "Hüh und Hott-Wendungen". Davon bildet die aktuelle Koalition keine Ausnahme (Durchboxen des Rentenpakets, kein Konsens bezüglicher einer grundlegenden Reform der Rente, Problem ausgelagert sprich verschoben in eine Rentenkommission usw.).

    Bei Realitätsbezug: Der sachlich-nüchterne Blick in die Vergangenheit diesen Themenbereich betreffend, berechtigt nicht unbedingt und automatisch zu großen Hoffnungen. Gerne werden sich aber die Menschen - inklusive meiner Wenigkeit - natürlich vom Gegenteil überzeugen lassen ...

  • ... und dann stehen die Armen mit 85 da und haben kein Geld mehr! :(

    Wobei. Erreichen denn "die Armen" überhaupt das Durchschnittsrentenalter?. Gerade von den Bürgern mit knochenharten Jobs bei teilweiser ungesunder Lebensführung wird ja selber oft moniert, dass sie die Rente gar nicht mehr erleben werden, geschweige denn die Amortisation ihrer Sparbeiträge jenseits der 80 Lebensjahre.

    Wäre eher ein neutral zu bewertender Punkt in meinen Augen.

  • Achim ist hier der absolute Schwarzseher. Gebt im Jahr 2026 der Finanzindustrie und dem Staat doch erstmal die Chance, Produkte zu entwickeln. Finanztip wird das kritisch begleiten.

    Pure Auszahlpläne wird es auch geben.
    Der Wegfall der Verrentungspflicht ist doch das A und O.