Empfehlung: Sparerfreibeitrag thesaurierende/ausschüttende ETF. MSCI vs. Solactive

  • Liebe Community,

    zunächst ein großes Lob an die Menschen hinter diesem Blog. Endlich hatte ich neben meiner Tätigkeit die Zeit, mich intensiver mit meinen Finanzen zu beschäftigen, und das Angebot von Finanztip zur finanziellen Bildung finde ich wirklich ausgezeichnet. Auch das Buch von Saidi kann ich uneingeschränkt empfehlen.

    Ich plane, ab Januar mit einem marktneutralen Portfolio an der Börse zu starten, bestehend aus 70 % Developed Markets und 30 % Emerging Markets. Im Laufe des Jahres – und mit etwas mehr Erfahrung – könnte ich mir vorstellen, etwa 10 % in Faktorstrategien oder andere Ansätze umzuschichten. Je nach Entwicklung wäre perspektivisch auch Faktor-Investing eine Option.

    Als Anfänger tue ich mich trotz längerer Recherche mit folgender Frage schwer:

    Lohnt es sich, initial einen ausschüttenden ETF bis ca. 20.000 € zu besparen und anschließend auf einen thesaurierenden ETF umzusteigen? Die Idee dahinter wäre, den Sparerpauschbetrag zumindest teilweise auszunutzen. Andererseits wird dieser bei rein thesaurierenden ETFs ja teilweise über die Vorabpauschale „verbraucht“, sodass ich mich frage, ob der Mehraufwand am Ende überhaupt einen relevanten Vorteil bringt.


    Kapital: Startkapital 15000 €, Sparplan 1200 €/Mo. Ggf. Mitte März 10000 € Investition aus einer ungünstigen Rentenversicherung.

    Konkret schwanke ich zwischen zwei Konzepten:

    Variante 1:

    • 10.000 € in einen thesaurierenden Welt-ETF
    • 5.000 € in einen ausschüttenden EM-ETF
    • anschließend Besparung des thesaurierenden Welt-ETFs bis ca. 20.000 €
    • ab diesem Punkt weitere Investitionen in einen ausschüttenden Welt-ETF auf denselben Index

    Variante 2:
    von Beginn an ausschließlich in einen thesaurierenden Welt-ETF investieren

    Meine zweite Frage betrifft die Indexwahl:

    Sind der Solactive GBS Developed Markets Large & Mid Cap Index bzw. der entsprechende Solactive-EM-Index qualitativ vergleichbar mit den MSCI-Pendants? Das TER des Amundi-ETFs (z. B. IE0009DRDY20) liegt deutlich unter der Konkurrenz, was ihn für mich sehr attraktiv macht – insbesondere für den thesaurierenden Teil. Die Performance scheint mindestens vergleichbar, teils sogar besser. Als Alternative käme für mich eine Xtrackers World/EM-Kombination infrage. Für einen möglichen ausschüttenden Anteil würde ich den ETF IE00B4X9L533 in Betracht ziehen.

    Vielen Dank für eure Einschchätzung und die Beantwortung meiner Fragen.

    Ich wünsche euch schöne Feiertage!

    Liebe Grüße

    Ivan

  • P.S. Korrektur zu Variante 1: 10000€ in einen ausschüttenden Welt-ETF und 5000€ in einen thesaurierenden EM-ETF.

    P.S. Ich weiß, dass man auch Anteile von einer thesaurierenden ETF verkaufen kann, um den Sparerfreibeitrag zu nutzen, kommt mir aber zu kompliziert und lästig vor. Außer das lässt sich doch irgendwie einfach berechnen/machen. Ein Tipp wäre ggf. hier nützlich.

  • Kater.Ka 30. Dezember 2025 um 11:15

    Hat das Thema freigeschaltet.
  • Variante 3: Einfach einen weltweiten. Fertig ist das Konzept. Und den eher ausschüttend, z.B. IE0009HF1MK9. Und sich von dem Gedanken lösen, dass sich die Vorabpauschalenthematik nur auf Thesaurierer beschränkt.

    Der Amundi „ETF150“ ist auf jeden Fall eine gute Wahl bei den ausschüttenden ETF. Er schüttet nur einmal im Jahr aus (Februar) was die Wiederanlage der Ausschüttung einfach macht.

  • vulka_10

    m.E. machst du es ein wenig zu kompliziert. Es schadet natürlich überhaupt nicht sich vorher Gedanken zu machen. Trotzdem versuchst du gerade Dinge (bis ins Detail) zu planen, die nur bedingt planbar sind.

    1. Solactive ist ein deutscher Index-Anbieter, der in Konkurrenz zu MSCI und FSTE/Russel steht. In der Regel haben sie etwas geringere Lizenz-Kosten, weshalb ETF-Anbieter ihre Produkt ggfs. etwa "billiger" anbieten können. Trotzdem solltest du dich nicht von einer günstigeren TER blenden lassen. 0,(0)x % Differenz werden nicht dafür sorgen, dass am Ende des Jahres ein Ferrari oder doch nur ein Porsche vor der Tür steht. Letztlich zählt die Gesamtperformance (und da steckt die TER schon mit drin).

    Der "Solactive GBS Developed Markets Large & Mid Cap Index" ist von der Zusammensetzung mit dem MSCI World oder FTSE Dev. World vergleichbar. Rd. 85 % Marktkapitalisierung.

    Amundi ist hier bei vielen Usern (zurecht) eher unbeliebt. Einfach mal die Such-Funktion nutzen.

    Lohnt es sich, initial einen ausschüttenden ETF bis ca. 20.000 € zu besparen und anschließend auf einen thesaurierenden ETF umzusteigen? Die Idee dahinter wäre, den Sparerpauschbetrag zumindest teilweise auszunutzen. Andererseits wird dieser bei rein thesaurierenden ETFs ja teilweise über die Vorabpauschale „verbraucht“, sodass ich mich frage, ob der Mehraufwand am Ende überhaupt einen relevanten Vorteil bringt.

    ...

    Das ist leider etwas pauschal. Wie Pfennigbaron schon geschrieben hat, lass dich nicht von der VAP kirre machen.

    Die (ausgezahlte) Rendite von z.B einem "HSBC MSCI World UCITS ETF (Dist)" liegt bei ~ 1,5 %. Bei einem "Vanguard FTSE Developed World UCITS ETF (Dist)" sind es etwa 3 %.

    20.000 x 0,03 = 600

    Damit hättest du beim FTSE noch Luft bis zum Sparerfreibetrag. Beim MSCI hättest du noch viel mehr Luft. :)


    Vanguard FTSE Developed World UCITS ETF (Dist) | IE00BKX55T58 | A12CX1
    Alle wichtigen Informationen und Vergleiche zum Vanguard FTSE Developed World UCITS ETF (Dist) (IE00BKX55T58 | A12CX1) – extraETF – Das ETF Portal
    extraetf.com
    HSBC MSCI World UCITS ETF (Dist) | IE00B4X9L533 | A1C9KK
    Alle wichtigen Informationen und Vergleiche zum HSBC MSCI World UCITS ETF (Dist) (IE00B4X9L533 | A1C9KK) – extraETF – Das ETF Portal
    extraetf.com
  • Ich plane, ab Januar mit einem marktneutralen Portfolio an der Börse zu starten, bestehend aus 70 % Developed Markets und 30 % Emerging Markets. Im Laufe des Jahres – und mit etwas mehr Erfahrung – könnte ich mir vorstellen, etwa 10 % in Faktorstrategien oder andere Ansätze umzuschichten. Je nach Entwicklung wäre perspektivisch auch Faktor-Investing eine Option.

    Als Anfänger ...

    ... solltest Du Dich still in eine Ecke setzen und warten, daß der Anfall von Gestaltungsdrang an Dir vorbeigeht.

    Such Dir einen (1) breiten Welt-ETF und steck Dein Geld erstmal in diesen, durchaus erst als Einmalanlage und dazu dann als Sparplan. Wichtig ist, das Du erstmal anfängst, denn auch die weiteste Reise beginnt mit dem ersten Schritt.

    Und das Gestalten schieb bitte auf, bis Du richtig viel Geld hast.

    :)

    PS: Ausschüttende ETFs sind in diesen Zeiten günstiger als thesaurierende, wenngleich der Unterschied nicht besonders groß ist. Ja, ich weiß, daß das überall anders steht.

  • Die (ausgezahlte) Rendite von z.B einem "HSBC MSCI World UCITS ETF (Dist)" liegt bei ~ 1,5 %. Bei einem "Vanguard FTSE Developed World UCITS ETF (Dist)" sind es etwa 3 %.

    20.000 x 0,03 = 600

    Damit hättest du beim FTSE noch Luft bis zum Sparerfreibetrag. Beim MSCI hättest du noch viel mehr Luft. :)

    Nö.
    Der Vanguard FTSE Developed World in der ausschüttenden Variante kommt auf auch nur auf rund 1.5%.
    Wäre sonst auch ziemlich merkwürdig, weil der Index sich nicht stark vom MSCI World unterscheidet.

    Vanguard FTSE Developed World UCITS ETF Distributing | A12CX1 | IE00BKX55T58
    Alle wichtigen Informationen und Vergleiche zum Vanguard FTSE Developed World UCITS ETF Distributing (A12CX1 | IE00BKX55T58) ➤ justETF – Das ETF Portal
    www.justetf.com


    Wieviel Abstand man zur maximalen Höhe des Pauschbetrags haben möchte, hängt natürlich außer vom Leitzins und der zukünftigen Kursentwicklung auch noch von anderen eigenen Anlagen ab, deren Erträge man darin unterbringen möchte.

  • Guten Abend zusammen,

    zunächst einmal vielen Dank für die zahlreichen konstruktiven Antworten! Das Engagement und die Hilfsbereitschaft haben mich wirklich überrascht.

    Ich versuche nun, konsequent auf die gestellten Fragen sowie auf die Aspekte einzugehen, bei denen für mich noch Klärungsbedarf besteht.

    Ich habe mich bei L1AA für eine 70/30-Aufteilung entschieden – bezogen sowohl auf das Startkapital als auch auf die monatlichen Sparraten. Ein komfortables Notdepot ist bereits vorhanden und wurde aus den Berechnungen ausgeschlossen. Die 70/30-Aufteilung basiert im Wesentlichen auf zwei Überlegungen:

    Erstens besteht die Möglichkeit, dass ich Ende des Jahres Kapital für einen Umzug benötige, was durch die dadurch höheren liquiden Mittel abgedeckt wäre. Zudem steht in 2–3 Jahren mit dem Abschluss meiner Weiterbildung eine Gehaltserhöhung an. Auch zu diesem Zeitpunkt könnten Mittel benötigt werden, die mit dieser Aufteilung mit hoher Wahrscheinlichkeit verfügbar sein werden. Die L1AA Gewichtung soll dann – abhängig von der Lebenssituation – neu angepasst werden.

    Zweitens wäre ich grundsätzlich bereit, auch eine 80/20-Strategie zu verfolgen. Ich schalte jedoch bewusst einen Gang herunter, da ich zunächst Erfahrungen sammeln und meine persönliche Risikotoleranz – insbesondere in einem Crash-Szenario – realistisch einschätzen möchte.

    Nun zu meinen konkreten Fragen, die die Diskussion ausgelöste:

    Soweit ich es verstehe, lohnt es sich, mit einem ausschüttenden ETF zu beginnen, um den Sparerfreibetrag optimal zu nutzen, was theoretisch das Endkapital erhöhen kann. Mir war allerdings nicht klar, ob die Vorabpauschale den Freibetrag bereits ausreichend ausschöpft und sich eine initiale Anlage in einen Ausschütter daher eventuell nicht lohnt – zumal ich diese Variante übersichtlicher finde. Nach meinem jetzigen Verständnis gilt die allgemeine Empfehlung zur steuerlichen Optimierung über einen Ausschütter jedoch weiterhin.

    Voraussichtlich werde ich etwa 350 Euro des Sparerfreibetrags bereits durch meine risikoarmen Anlagen ausschöpfen. Das würde bedeuten, dass bei einer Anlage z. B. in den IE00B4X9L533 sogar ein Wertzuwachs von über 50.000 Euro möglich wäre, ohne den Freibetrag zu überschreiten

    (50.000 × 0,015 = 750 × 0,7 = 525 Euro).

    Ich tendiere außerdem dazu, Emerging Markets über einen zweiten ETF abzudecken. Meines Erachtens bietet das einerseits mehr Kontrolle über die Gewichtung im Portfolio und andererseits eine Lernkurve, etwa in Bezug auf Rebalancing. Eine leichte Übergewichtung der EM könnte langfristig eventuell eine etwas höhere Rendite bringen (auch wenn es sich meines Wissens nach nicht um einen echten Faktor handelt).

    Sollte es jedoch überzeugende Argumente dagegen geben und es sinnvoller sein, direkt mit einem MSCI ACWI oder FTSE All-World zu starten, bin ich dafür absolut offen. Mir ist bewusst, dass mir hier noch Wissen fehlt und diese Unsicherheit auch daher rührt. Ich orientiere mich aktuell an meinen theoretischen Kenntnissen und hoffe auf Unterstützung von Menschen mit praktischer Erfahrung.

    Nach euren Einschätzungen halte ich es für sinnvoll, klein anzufangen und – wie oben beschrieben – zunächst mit dem IE00B4X9L533 zu starten. Verzögern möchte ich den Einstieg keinesfalls; spätestens im Januar werde ich investieren.

    Sowohl beruflich als auch privat bin ich stark zukunftsorientiert und möchte daher typische Anfängerfehler zu Beginn vermeiden. Mich interessiert deshalb, wie sich das Vorgehen nach dem Besparen des MSCI World grundsätzlich weiterentwickeln sollte – sofern man nicht doch direkt einen ACWI wählt.

    Nach allem, was ich hier und in den letzten Wochen gelesen habe, erscheint mir der nächste logische Schritt eine stärkere Diversifikation, also die Aufnahme eines EM-ETFs ins Portfolio. Nach ausreichendem Besparen des ausschüttenden DM-ETFs wäre dann die Ergänzung durch einen thesaurierenden DM-ETF der nächste Schritt, um langfristig eine 70/30-Struktur im risikobehafteten Teil zu erreichen. Was danach sinnvoll ist, wird sicherlich stark von der persönlichen Erfahrung abhängen – und mir ist klar, dass sich das nicht pauschal beantworten lässt.

    Ich hoffe, ich bin auf alle eure Punkte eingegangen. Nochmals vielen Dank – und bitte sagt mir gerne, falls ich etwas missverstehe oder allzu dickköpfig wie ein typischer Anfänger wirke 🙂

    Ich möchte einfach anfangen und zwar richtig starten, wenn mir noch die Erfahrung fehlt.

    Liebe Grüße

    Ivan

  • Du hast dich aber schon gut informiert. „L1AA“ sagen hier nicht mal die Finanzgenies ;)

    Meine Frau hat sich den ganzen langen Beitrag durchgelesen und meinte, ob da jemand einen Sud aus Fliegenpilzen gekocht hat…..

    Keine Ahnung, aber sie ist beruflich als Professorin für Wirtschaftswissenschaften didaktisch wohl näher dran.
    Ein „L1AA“ mit 70:30 ? Wozu ?

    Der Ansatz ist grundsätzlich reflektiert aber in mehreren Punkten unnötig kompliziert. Die hohe L1AA-Quote führt zu deutlichem Renditeverzicht und vermischt Notgroschen, kurzfristige Mittel und Investitionskapital. Was in 2–5 Jahren sicher gebraucht wird, gehört nicht in Aktien-ETFs.

    Irgendwie ein Hang zur Überoptimierung. Tip : Klarer trennen zwischen kurz- und langfristigem Kapital, weniger Komplexität, Fokus auf eine stabile Asset-Allokation – z. B. ACWI oder FTSE All-World.

    Bin mal gespannt, was Altvaddern @Achim Weiss zum „L1AA“ sagt. Der denkt da wahrscheinlich eher an einen Ausflug nach Friedrichshafen..

  • Ich gebe 5 Euro ins Phrasenschwein und sage „Better done than perfect“. Überlass das Rebalancing dem Markt und spekuliere nicht auf eine Überrendite zulasten der Diversifizierung.

    Starte mit einem MSCI ACWI (IMI) oder All-World, ob ausschüttend oder thesaurierend ist m.E. nachrangig. Bis du die freien 650€ Pauschbetrag mit deinen ETFs abdecken kannst, wird es eh noch ein wenig dauern, so lange müsstest du sowieso Anteile verkaufen.

  • Soweit ich es verstehe, lohnt es sich, mit einem ausschüttenden ETF zu beginnen, um den Sparerfreibetrag optimal zu nutzen, was theoretisch das Endkapital erhöhen kann.

    Darum geht es nicht.

    Solange es die Vorabpauschale nicht gab, zahlte man auf einen Ausschütter Steuer auf die Ausschüttungen, auf den Thesaurierer aber nichts, solange man nichts entnahm.

    Früher: Vorteil Thesaurierer in der Ansparphase.

    Nun hat man die Vorabpauschale eingeführt. Sie ist ein fiktiver Gewinn, der zu versteuern ist. Vorteil des Ausschütters: Die Ausschüttungen (die immer schon versteuert wurden) werden von der Vorabpauschale abgezogen, Du versteuerst nur den ggf. übrigbleibenden Rest.

    Damit sind Thesaurierer und Ausschütter in der Ansparphase steuerlich praktisch gleichgestellt.

    Heute: Thesaurierer und Ausschütter in der Ansparphase praktisch gleichgestellt.

    In der Entsparphase war früher der Thesaurierer besser gestellt als der Ausschütter. Entnahmst Du über Teilverkäufe gleich viel, wie der Ausschütter ausschüttete, dann mußtest Du die Ausschüttungen wieder voll versteuern, die Teilverkäufe aber nur zum Teil, weil diese nur zum Teil aus steuerbarem Gewinn bestanden, zum anderen Teil aber aus nicht steuerbarer Kapitalrückzahlung.

    Früher: Vorteil Thesaurierer in der Entnahmephase.

    Heute zahlst Du beim Thesaurierer diese Teilsteuer und zusätzlich die Steuer auf die Vorabpauschale. Das zusammen ist mehr Steuer als bei gleicher Entnahme (=Ausschüttung) eines Ausschütters.

    Heute: Vorteil Ausschütter in der Entnahmephase.

    Wenn Du einen Freistellungsauftrag bei der Bank eingereicht hast, wo die ETFs liegen, deckt dieser die Vorabpauschale ab, er deckt aber auch die Ausschüttungen ab.

    Etwas unglücklich ist es, wenn kein Freistellungsauftrag vorhanden ist: Dann mußt Du für den Thesaurierer ausdrücklich Geld auf dem Verrechnungskonto vorhalten, wohingegen die fällige Steuer beim Ausschütter aus den Ausschüttungen bezahlt wird.

  • @Achim Weiss

    Ich finde das durchaus interessant und habe wenige Verständnisfragen:

    Ansparphase:

    Die Gleichwertigkeit der Wertentwicklung von Thesaurierer und Ausschütter setzt voraus, dass man die Ausschüttungen unverzüglich wiederanlegt - sei es durch Sparplananpassung oder (kostenpflichtige) Einzelorders - richtig?

    Zudem lebt der Vorteil des Thesauriers bei extrem niedrigen Zinsen und damit nicht anfallener Vorabpauschale wieder auf (freilich ein unwahrscheinlicheres Ereignis).

    Entnahmephase:

    Muss man hier nicht berücksichtigen, dass die bereits versteuerten Vorabpauschalen über die Jahre bei der anfallenden Kapitalertragsteuer auf den Gewinn des Thesauriers berücksichtigt bzw. in Abzug gebracht wird?

  • Die Gleichwertigkeit der Wertentwicklung von Thesaurierer und Ausschütter setzt voraus, dass man die Ausschüttungen unverzüglich wiederanlegt - sei es durch Sparplananpassung oder (kostenpflichtige) Einzelorders - richtig?

    Das ist so. Ich hätte ja gedacht, ein Sparplan sei mit wenigen Klicks geändert, somit nicht der Rede wert. Aber nein, mir wird immer wieder versichert, die Anpassung eines Sparplans sei höchst aufwendig und schwierig. Na denn!

    Zudem lebt der Vorteil des Thesaurierers bei extrem niedrigen Zinsen und damit nicht anfallender Vorabpauschale wieder auf (freilich ein unwahrscheinlicheres Ereignis).

    Auch das.

    Muss man hier nicht berücksichtigen, dass die bereits versteuerten Vorabpauschalen über die Jahre bei der anfallenden Kapitalertragsteuer auf den Gewinn des Thesaurierers berücksichtigt bzw. in Abzug gebracht wird?

    Das muß man berücksichtigen, wenn man den ETF ganz am Ende verkauft.

    Man wird in letzter Konsequenz für den gleichen Gewinn die gleiche Steuer zahlen. Man darf aber Zahlen über sehr lange Zeiträume nicht einfach addieren, sondern muß mit Barwerten rechnen, also inflationsangepaßten Beträgen. Es ist teurer, einen Gewinn laufend zu versteuern, als ihn erst beim Verkauf des Papieres in 20 Jahren zu versteuern.

    Letztlich ist das der Steuerstundungseffekt, der in den Medien immer sehr in den Vordergrund gestellt wurde und vermutlich die neidischen Ministerialbürokraten zum Handeln veranlaßt hat.

    Mache ich aktuell 1000 € Gewinn, müßte ich darauf rund 250 € Steuer zahlen, mir blieben also nur noch 750 €. Zahle ich diese Steuer aber jetzt nicht, sondern in gleicher nominaler Höhe erst dann, wenn ich das Papier in 20 Jahren verkaufe, dann vermehren sich diese 250 € implizite Steuer bis dahin in meinem Depot. Wenn ich die nominal gleichen 250 € dann dereinst ans Finanzamt zahle, bleibt mir der Ertrag, den die 250 € über die Jahre erwirtschaftet haben.

    Der gleiche Effekt ergibt sich durch die förderschädliche Kündigung eines Riestervertrags unmittelbar vor der Auszahlung (um der nachteiligen Verrentung zu entgehen). Man muß dann zwar die Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen, behält aber den Ertrag, den Zulagen und Steuervorteile über die Jahre erwirtschaftet haben (sofern das angesichts der oft mageren Wertentwicklung des Riesterguthabens überhaupt eine Rolle spielt).

    So richtig groß ist der Steuerstundungseffekt nicht, aber die Medien haben trotzdem unablässig getrommelt, schließlich brauchen sie was zum Schreiben. Die Staatsbürokratie hat mit einem Bürokratiemonstrum zurückgeschlagen und mit einem Maximum an Aufwand einen Teil des Steuerstundungseffekts unwirksam gemacht. Das ist ohne Frage nachteilig für die Motivation der Bevölkerung, etwas für ihre Alterssicherung zu tun. Die Vorabpauschale gehört aus dieser Sicht schleunigst wieder abgeschafft.

    Wenn man durch Abschaffen von Bürokratie ein staatlicherseits wünschenswertes Verhalten der Bevölkerung fördert, ist das bei weitem die bessere Option, als daß man mit feinstziselierter neuer Bürokratie das gleiche Ziel zu erreichen sucht.