Wie lange spart man in einen ETF-Sparplan?

  • Hallo Community!

    Hier eine Frage von einem, der wahrscheinlich viel zu spät mit dem ETF-sparen angefangen hat:

    Ich bin 59 Jahre alt und spare seit einem Jahr auf einen thesaurierenden ETF-Sparplan. Derzeit kann ich mir eine regelmäßige Sparrate von 200,- Euro gut leisten. Inzwischen habe ich gut 6000,- Euro im Topf.

    Es ist auch noch Geld im Sicherheitsbaustein (Festgeld, Geldmarkt-ETF, Tagesgeld) aber alles in Summen, die später für die Kompensation der Rentenlücke hinten und vorne nicht reichen werden. Trotzdem möchte ich natürlich jetzt noch alle Möglichkeiten nutzen, bis zur Rente etwas Kapital aufzubauen. Ich werde wahrscheinlich auch über das Rentenalter hinaus arbeiten, wenn ich auch nicht weiß, ob ich dann noch meine Sparrate werde halten können.

    Als Faustregel kann man ja häufig lesen, dass ein ETF-Portfolio mindestens 12, besser 15 Jahre "liegen" sollte, um Kursschwankungen ausgleichen zu können.

    Was mir derzeit noch nicht ganz klar ist:

    Sollte ich meinen ETF-Sparplan weiterhin laufen lassen, auch wenn ich davon ausgehe, dass ich mit 70, 71 das Geld brauchen werde? Oder ist es sinnvoll, das Geld, das ich jetzt übrig habe, in andere Töpfe zu legen?

  • Ich bin 59 Jahre alt und spare seit einem Jahr auf einen thesaurierenden ETF-Sparplan. Derzeit kann ich mir eine regelmäßige Sparrate von 200,- Euro gut leisten. Inzwischen habe ich gut 6000,- Euro im Topf.

    Das passt zahlenmäßig nicht zusammen.
    Du lässt uns im Unklaren, wie hoch die „Rentenlücke“ sein soll. Deine sicheren Rücklagen stufst du als viel zu gering ein.

    Ich würde dir empfehle zuerst jetzt ab Januar ein Haushaltsbuch zu führen und die Ausgabenseite zu optimieren:

    Mit 200 Euro Sparbetrag im Monat wirst du keine besonderen Summen zusammenbekommen. Ist eben Realität.
    Gehe mal in den nächsten Jahren davon aus, dass dein (unbekannter) ETF im Schnitt der Jahre 4 % im Wert steigt und kalkuliere deinen Ruhestand.

  • Ohne mehr Details zu wissen, rein aus dem Bauch raus würde ich vermuten, dass Deine aktuelle Sparrate zu niedrig sein wird, um später einen großen Teil zur Altersvorsorge beitragen zu können. Daher

    1) Haushaltsbuch - Möglichkeiten zu Einsparungen prüfen

    2) Sparrate nach Möglichkeit erhöhen

    3) Besser einen ausschüttenden ETF besparen

    4) Wenn Du ohnehin vor hast bis 70 zu arbeiten, würde ich allenfalls in den letzten drei Jahren die Sparraten sicherheitsbetont anlegen.

    5) Bei der Anlagedauer darfst Du nicht nur an die Zeit bis zur Rente denken, denn Du wirst das Geld dann hoffentlich nicht auf einen Schlag benötigen. Die Rentenbezugsdauer für Männer liegt bei über 18 Jahren. Das wäre ab heute gerechnet fast noch 30 Jahre.

    6) Versuche mal auszurechnen, was das Minimum ist, um das Du Deine Rente später aufstocken möchtest. Sofern noch nicht geschehen eine Klärung des Rentenkontos durchführen.

  • Vielen Dank für die Denkanstöße! Als Antwort auf meine Frage nehme ich mit, dass es durchaus sinnvoll ist, noch weitere Jahre in den ETF-Sparplan einzuzahlen und die Sparraten drei Jahre vor dem geplanten Ende der Einzahlungen eher in Geldmarkt-ETFs zu investieren. (Aussage von "90 Prozent Aktien")

    Dazu noch eine Frage: Woher kommt die Aussage "drei Jahre"? Ist das eine Faustregel?

  • Drei Jahre sind nicht in Stein gemeißelt. Vielmehr solltest Du Dir überlegen, wie groß dein risikoarmer Puffer sein soll. Dann kannst Du Dir ausrechnen wie viele Monatsraten Du zum Aufbau benötigst. Nachdem Du keine übertrieben hohen Rücklagen wirst aufbauen können, musst Du meiner Einschätzung nach tatsächlich mit eher kleinem Puffer auskommen der Rendite wegen.

  • Wenn gefragt wird "Wie lange spart man in einen ETF-Sparplan?", dann schon.

    Ok, mir war schon klar, dass der Titel etwas "catchy" ist. Aber ich denke, aus meinem Text geht die eigentliche Frage doch hervor...

    Ich kann es auch nochmal anders formulieren:

    "Wie groß sollte der Zeitraum zwischen regelmäßigen Einzahlungen und ersten Entnahmen sein?"

  • Hier eine Frage von einem, der wahrscheinlich viel zu spät mit dem ETF-sparen angefangen hat:

    Ich bin 59 Jahre alt und spare seit einem Jahr auf einen thesaurierenden ETF-Sparplan. Derzeit kann ich mir eine regelmäßige Sparrate von 200,- Euro gut leisten. Inzwischen habe ich gut 6000,- Euro im Topf.

    Viele hier im Forum sind etwa in deinem Alter und sind - manche weniger, manche wie ich sehr hoch - in Aktien ETF investiert. Nun ist es nie zu spät damit zu beginnen. Ich frage mich bei solchen Beiträgen von „Neulingen“ im Forum und in der Aktienanlage jedoch immer, ob diese Anfragen auch kommen würden, wenn es die letzten Jahre an der Börse zufällig bergab gegangen wäre ;)

    Ich rate dir daher, nochmals in dich zu gehen, ob du nicht versuchst eine zu geringe Sparrate der Vergangenheit mit einer zu hohen Risikobereitschaft und Erwartungshaltung an die Renditen des Aktienmarktes auszugleichen. Und wenn es dann mal eine Weile seitwärts oder bergab geht, stellt sich Enttäuschung oder gar Panik ein. Wie bereits von den anderen Forumsmitgliedern geschrieben, sehe ich den wichtigeren Teil darin, den Fokus auf die Ausgabenseite und, daraus resultierend, die Erhöhung der Sparrate zu legen. Und wenn du dann tatsächlich mit der korrekten Erwartungshaltung an eine Anlage in Aktien-ETFs herangehst, spricht nichts gegen diese auch im höheren Alter. Im Gegenteil, dann kann diese sogar sehr sinnvoll sein.

  • Als Faustregel kann man ja häufig lesen, dass ein ETF-Portfolio mindestens 12, besser 15 Jahre "liegen" sollte, um Kursschwankungen ausgleichen zu können.

    Hier mal zum nachlesen: https://guidingdata.com/risiko-etf-sparplaene/

    Im schlimmsten Fall hat es sogar 16,5 Jahre gedauert, bis Du Dein Geld per Sparplan nominal wieder bekommen hättest. Unter Berücksichtigung der Inflation hat es sogar > 20 Jahre gebraucht.
    Klar, man sollte nicht vom schlimmsten möglichen Fall ausgehen, sich aber durchaus bewusst sein, dass es auch so kommen kann.

    Vielen Dank für die Denkanstöße! Als Antwort auf meine Frage nehme ich mit, dass es durchaus sinnvoll ist, noch weitere Jahre in den ETF-Sparplan einzuzahlen und die Sparraten drei Jahre vor dem geplanten Ende der Einzahlungen eher in Geldmarkt-ETFs zu investieren. (Aussage von "90 Prozent Aktien")

    Dazu noch eine Frage: Woher kommt die Aussage "drei Jahre"? Ist das eine Faustregel?

    Es geht weniger darum, ob Du nun 3 Jahre vor der geplanten Entnahme den Sparplan aussetzt und das Geld aus dem Sparplan in 'sichere' Anlagen investierst, als viel mehr darum, dass Du in der Entnahmephase jederzeit für einen Zeitraum von 3-5 Jahren auch mal auf jegliche Entnahmen aus dem ETF verzichten kannst. In einem Zeitraum von 3 Jahren waren die schlimmsten Einbrüche in der Vergangenheit stets wieder ausgeglichen.
    Meine Planung sieht so aus, dass ich zum Beginn der Entnahmephase mindesten meinen Entnahmebedarf von 5 Jahren in 'sicheren' Anlageformen verfügbar haben möchte.
    Durch eine alte Kapitallebensversicherung und eine bAV ist bereits heute ein Großteil dieser Geldsumme mit hoher Sicherheit zum Entnahmestart vorhanden.

    Gerade wenn der Börsenkurs stark einbricht, wäre es sogar sinnvoll weiter in den ETF zu sparen. Die aus heutiger Sicht besten Renditen meiner Sparraten entfielen auf die Corona-Zeit 2020 und den Beginn des Ukraine-Kriegs 2022.
    Und auch die Sparrate im April 2025 fiel genau auf den Trumpschen-Zoll-Einbruch an den Aktienmärkten.