Langfristiges Investment in ETFs = "Wette" auf Stabilität unseres Finanz- und Wirtschaftssystems?

  • Auch wenn ich nicht schmallippenhans bin ...

    Und ich frage dich noch mal: was ist die Alternative?

    Das Tina-Motto ("There is no alternative" - anymore ...) würde ich - vor dem Hintergrund des derzeitigen Fiat-Money-Systems (sozusagen ungedecktes staatliches und beliebig aus dem Nichts heraus vermehrbares Papiergeld), dem Experiment einer europäischen Einheitswährung und dem Umgang der staatlichen Zentralbanken samt EZB mit beidem - auch in gewissem Umfang gelten lassen.

    Im Sinne einer möglichst robusten finanziellen persönlichen Finanz-Aufstellung bieten sich da aber mehrere (ebenfalls risikoreiche aber entsprechend auch renditeträchtige) Anlageklassen und auch diverse andere Vehikel an.

    Alternativen innerhalb des Kapitalmarktes aber auch außerhalb davon bestehen also auf jeden Fall.

    Dazu kommt noch: An die "One size fits all"-Lösung glaube ich ohnehin nicht. Auch wenn weltweite Aktien-ETFs "ein" sehr gutes und inzwischen probates Mittel sind, wenn auch mit extrem kurzer Historie (erst ab dem Jahr 2000 etwa in Deutschland erwerbbar ... ?) - jedenfalls im Vergleich zu Vehikeln wie Grund und Boden (Real Estate), Gold, Anleihen und Aktien (in der Direktanlage) mit ungleich längerer Historie. Dazu ("One size fits all) sind sowohl die objektiven Rahmenbedingungen (samt objektiver Risikotragfähigkeit) als auch die persönlichen-emotionalen Gegebenheiten (subjektive Risikobereitschaft (sprich Risikotoleranz)) nicht selten bis oftmals so divers - wie auch die Menschen selbst unterschiedlich sind. Hinzu kommen oftmals noch unterschiedliche Finanz-Ziele auf dem Weg sprich "unterwegs" - (Wohneigentum beispielsweise) oder über den Vermögensaufbau oder die Altersvorsorge hinausgehende Ziele (finanzielle Unabhängigkeit beispielsweise - deutlich vor der Regelaltersgrenze). Um nur zwei Beispiele zu nennen.

  • Ich sage es für mich immer so:

    Geld ist Teil des kapitalistischen Systems. Wenn man also mit Geld maximal gut umgehen will, muss man sich innerhalb dieses Systems bewegen und es sich zunutze machen.

    Ist natürlich grob vereinfacht, aber für mich wird es so greifbar.

    Wenn man in ETFs investiert, dann macht man sich zunutze, dass Leute an der Börse zocken. Schön, sollen sie tun, mir soll es recht sein, ich sahne aber die Pralinen ein mit meinem breit gestreuten Investment und mittels buy&hold.

    Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, wie dieses System mal anders aussehen könnte, also grundsätzlich gesehen. Auch wenn ich mir wünschen würde, dass der Kapitalismus weniger zerstörerisch wäre und stattdessen seine wirklich positiven Möglichkeiten mehr zum Vorschein kommen würden. Aber das liegt nicht am Kapitalismus als System, sondern an den Menschen, die dieses System ausgestaltet haben und am Laufen halten.

  • ...Vehikeln wie Grund und Boden (Real Estate), Gold...

    Wenn eine grundlegende Änderung des weltweiten Wirtschafts- und Finanzsystem vorausgesetzt und damit quasi der Kapitalismus an sich schon in Frage gestellt wird, wären diese Lösungen aber auch schnell hinfällig.

    Es sei denn natürlich, man wäre dann der Anführer von dem ganz großen neuen Bums, dann darf man sicher auch irgendwo im (dann recht übersichtlichen) Grundbuch stehen. Sowas haben sich ja praktisch alle, die solche antikapitalistischen Ideen versucht haben, selber noch offengehalten. Aber dann wurde aus Honeckers Jagdsitz plötzlich doch wieder was kapitalistisches. Weshalb die Frage nach der Alternative dann doch irgendwie alternativlos scheint.

  • Die Frage, die sich schmallippenhans vielleicht stellen sollte: Was sonst? ;)

    Und ich frage dich noch mal: was ist die Alternative?

    Wenn Du keine zur Diskussion stellst kann man nicht darüber diskutieren.

    Wer Interesse an alternativen Wirtschaftsformen hat, kann sich ja mal eingehender mit der Gemeinwohlökonomie (Christian Felber) und der Postwachstumsökonomie (Niko Paech) beschäftigen.

  • Extrem spannendes Thema.

    Das Problem ist mMn, das es die einzige Wette ist die wir haben. Auf eine Systemänderung zu wetten, würde wie aussehen? Bei aktien kann man gegen regionen oder sektoren wetten, aber weltweit gegen das einzige halbwegs funktionierende System wetten. Wie soll das aussehen?

    Hab genau dazu heute auch einen Text gelesen. Konsens darin war das auf einem endlichen Planeten kein unendliches Wachstum möglich ist. Darauf beruht jedoch der Kapitalismus und in seiner jetzigen Form kann er demnach nicht bestehen bleiben. Irgendwann muss sich da was ändern und damit darf man nicht meinen das der Kapitalismus nur schlecht ist. Er hat unvergleichlichen Wohlstand geschaffen, der in dieser Form bisher nicht existierte.

    Bin gespannt auf weiter Anregungen und Meinungen. Ist sehr vielschichtig.

  • Wer Interesse an alternativen Wirtschaftsformen hat, kann sich ja mal eingehender mit der Gemeinwohlökonomie (Christian Felber) und der Postwachstumsökonomie (Niko Paech) beschäftigen.

    Der Maßstab war allerdings dann doch das "weltweite Wirtschafts- und Finanzsystem". Da wäre eine reale Umsetzung dieser Wirtschaftsformen wohl doch ein bisschen arg utopisch.

  • Wer Interesse an alternativen Wirtschaftsformen hat, kann sich ja mal eingehender mit der Gemeinwohlökonomie (Christian Felber) und der Postwachstumsökonomie (Niko Paech) beschäftigen.

    Meine Frage galt dem Threadersteller.

    Weil er selbst gar nichts zur inhaltlichen Auseinandersetzung beiträgt als - dies allerdings sehr insistierend - eine sehr wenig durchdachte Frage zu stellen.

    Das finde ich dann doch etwas billig dafür, dass er sich hier gut durchdachte Antworten erwartet.

  • ein bisschen arg utopisch

    das waren große Reformen bzw. Systemwechsel eigentlich fast immer (Ablösung der Feudalherrschaft, etc.)

    Ich sehe diese beiden Wirtschaftsformen auch eher als Ansätze eines alternativen Wirtschaftens, um die weitere Zerstörung unseres Planeten aufzuhalten und ein Zusammenleben vieleicht sogar etwas friedvoller zu gestalten. Eine Weiterentwicklung wäre unabdingbar...

    Vermutlich wird es aber eher so laufen, dass erst, wesentlich bedingt durch den menschengemachten Klimawandel, Katastrophen (Dürren, Überschwemmungen,etc.) und in Folge Massenmigration, weitere Kriege um Ressourcen über uns hereinbrechen werden, und uns zu neuen Lösungen zwingen werden. Die besser oder schlechter sein können. Dabei hat sich der Kapitalismus in der Vergangenheit ja als sehr resilient erwiesen (z.B. Finanzkrise, Corona).

  • Die Anzahl der Assetklassen ist überschaubar. Wer sich mit der renditestärksten Anlageklasse Aktien unwohl fühlt kann seine Anlagen auch noch auf andere Assets verteilen. Z.b. Gold bzw. Rohstoffe, Immobilien, Kryptos

    Generell ist langfristiges Anlegen eine Wette auf ein langes Leben.

    Zuversicht und Vertrauen hilft beim investieren, während Angst und pessimistisches Denken als Bremse fungieren.

  • Vielen Dank! Vielleicht zur Einordung, weil ich den Eindruck habe, dass ich missverstanden werde: mir geht es nicht darum, zu diskutieren, ob der Kapitalismus nun ein "schlechtes", "gutes" oder "sogar das beste" System ist.


    Ich möchte gerne wissen, ob, und wenn ja warum, ihr glaubt, dass unser Wirtschafts- und Finanzsystem in seiner aktuellen Form langfristig Bestand haben wird und somit langfristig in ETFs zu investieren die rationale Entscheidung ist, um langfristig Vermögen aufzubauen.

    Eben weil es gut ist. Deshalb glauben wir das.

    Aber darüber möchtest Du ja nicht diskutieren.

    Sollte der Kapitalismus abgeschafft werden, wäre das eine Katastrophe. Dann kann uns das ETF-Depot auch egal sein.

  • Nun frage ich mich, was angesichts der grundlegenden Herausforderungen, vor denen die menschliche Zivilisationen steht,

    Mit welchem guten Grund sollte man darauf wetten, dass das passiert?

    Mit welchem guten Grund sollte man auf das Gegenteil wetten? Krisen hin oder her: Ich bin fest davon überzeugt, dass dieses Mal nicht anders ist, hätte aber nichts dagegen, wenn meine Investition in Low Carbon sich endlich wieder rentiert :S

  • Wenn eine grundlegende Änderung des weltweiten Wirtschafts- und Finanzsystem vorausgesetzt und damit quasi der Kapitalismus an sich schon in Frage gestellt wird, wären diese Lösungen aber auch schnell hinfällig.

    (nachträglich gefettet von mir)

    Sicherlich. In einem solchen Fall (eher Szenario) dürfte beispielsweise nicht nur Grund und Boden sondern dürften die meisten bis nahezu alle Anlageklassen betroffen sein - und auch die meisten alternativen oder besonderen "Vehikel" (Tangible Assets ggf. auch).

    Der Fall bzw. ein solches Szenario kann aber auch schon eintreten, wenn sich im eigenen Land - sprich nur auf nationaler Ebene (oder auch auf supranationaler EU-Ebene, da inzwischen von da die meisten nationalen Rahmenbedingungen gesetzt werden) - die regelbasierte Ordnung auflöst oder zumindest stark erodiert (inklusive Rechtsstaatlichkeit, Rechtssicherheit, Privatautonomie, Eigentumsgarantie usw.).

    Stammt von einem der lebensklügsten und erfolgreichsten Menschen, die mir in meinem Leben begegnet sind:

    Oder wie es mal ein russischer Jude und sehr erfolgreicher Geschäftsmann formulierte:

    "In einem Land wie Deutschland gehört Dir nur das, auf das der Staat keinen Zugriff hat bzw. nur Du den Zugriff hast, von dem der Staat nichts weiß oder was zumindest außerhalb des Zugriffs dieses Staates gelagert ist".

    Das spiegelt eben seine Erfahrungen und die seiner Familie samt Familiengeschichte wider.

    Der Blick in unsere/meine lange und bewegte Familiengeschichte bestätigt dies in weiten Teilen (Hyperinflation, Vertreibung und Flucht, Währungsreform, Untergang des eigenen Landes (für die in der DDR lebenden Mitglieder der Familie), allein über die letzten rund 100 Jahre hinweg zig verschiedene Währungen, die aktuelle Währung mußte in ihrer Existenz gerettet werden usw.

    Es wird - neben dem eigenen Erfahrungsschatz und dem der Familie sprich der Familiengeschichte (siehe oben) - im Auge des jeweiligen Betrachters liegen, für wie wahrscheinlich solche Entwicklungen eingeschätzt werden und ob man dies daher in seine Überlegungen einbauen will oder kann.


    Auch in dem Kontext gilt meines Erachtens:

    "Paragraph Eins - jeder macht Seins"


    Allerdings

    ich bin 18

    hatte ich schon in sehr jungen Jahren zwar einen durchaus kritischen Blick auf das Ganze (hatte als Schüler begonnen mich u. a. mit der Geld-, Währungs- und Finanzgeschichte zu beschäftigen) - war aber deutlich unbedarfte und auch optimistischer als heute ("Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste" sozusagen - und ihr Vater ist die Umsicht).