Prof. Walz: MSCI World-ETF ist eine schlechte Wahl

  • Richtig. Deswegen empfiehlt Hartmut Walz für den Anfang auf jeden Fall so ein Produkt.
    Wenn es dann später um eine größere Summe geht, kann man den EM-Anteil erhöhen. Gleiches meint er zu Europa-ETF.

    Aber was hat das denn mit "für den Anfang" und "später" zu tun?

    Entweder ich bin der Meinung, der Markt weiß was er tut, dann ist die Gewichtung im ACWI IMI richtig und es gibt keinen Grund, den EM- oder Europa-Anteil zu erhöhen (weder jetzt noch später, wo auch immer dieser Anteil dann später liegt).

    Oder ich bin der Meinung, der Markt liegt falsch und EM und Europa müssen höher gewichtet werden, aber warum soll ich dann 20 oder 30 Jahre damit warten? Und wie entscheide ich, wann meine "Strategie" dazu geführt hat, dass vielleicht irgendwann in 10 oder 20 oder 30 Jahren EM und Europa übergewichtet sind?

    Und wer sagt, dass es erst später "um eine größere Summe geht"? Ich bin mit einer größeren Einmalanlage eingestiegen und habe dann einen monatlichen Sparplan gestartet. Ich glaube nicht, dass das so ungewöhnlich ist.

  • Und wer sagt, dass es erst später "um eine größere Summe geht"? Ich bin mit einer größeren Einmalanlage eingestiegen und habe dann einen monatlichen Sparplan gestartet. Ich glaube nicht, dass das so ungewöhnlich ist.

    Du kannst ihn gerne anschreiben, wenn du da Anregungen Fragen hast. Er ist eigentlich sehr kommunikativ.

    Gemeint hat er logischerweise zum Beginn, wenn ein Mensch im Berufsleben anfängt oder als studierender Mensch ein bisschen Geld in ein Sparplan anlegen will.

    Aber vielleicht wird er ja noch eine Klarstellung oder Erläuterung dazu verfassen in seinem Blog.

  • Aber was hat das denn mit "für den Anfang" und "später" zu tun?

    Sagt er doch!
    Seinen Studenten, die mit 25€ im Monat anfangen, gibt er mit, dass der ACWI IMI ok ist.
    (Viel besser als das Sparbuch oder Giro, aber noch nicht das Maximum.)
    Wenn das Depot dann große/größere Werte zeigt die Core-Satelite Strategie anwenden.
    (Um aus dem Guten noch mehr zu machen, also näher ans Maximum zu kommen)

  • Sagt er doch!
    Seinen Studenten, die mit 25€ im Monat anfangen, gibt er mit, dass der ACWI IMI ok ist.
    (Viel besser als das Sparbuch oder Giro, aber noch nicht das Maximum.)
    Wenn das Depot dann große/größere Werte zeigt die Core-Satelite Strategie anwenden.
    (Um aus dem Guten noch mehr zu machen, also näher ans Maximum zu kommen)

    Das ist doch - sorry - Quatsch. Selbst wenn man der Meinung ist es besser zu wissen als der Markt und Europa / EM Stand heute für untergewichtet hält - wer sagt denn, dass es irgendwann in 10 Jahren, wenn das Depot gewachsen ist, auch noch so ist?

    Wenn es eine Strategie gäbe, mit der man "näher ans Maximum kommt", warum soll man die dann nicht von Anfang an anwenden?

    Ich finde es schwierig und gefährlich, den Eindruck zu erwecken, (nur) mit mehr Komplexität könne man "noch mehr rausholen" und "das Maximum erreichen".

  • Seinen Blogbeitrag zur Entklumpung hat er gestern aktualisiert:

    Klumpt nicht: MSCI World ex USA - Prof. Dr. Hartmut Walz
    Der MSCI World-Index ist kein echter Welt-Index. Es besteht ein Klumpenrisiko. Das können Sie vermeiden mit Fonds auf den MSCI World ex USA.
    hartmutwalz.de


    In den Kommentaren hat er seine Vorschläge zur Umsetzung genauer erläutert.

    Ich denke, man sollte entweder eine 1-ETF-Lösung (bevorzugt) nehmen oder gleich richtig mit 3-5 ETFs selbst bauen.
    Erst ACWI (IMI) nehmen und dann noch später EM und EU zusätzlich ist Quatsch. Vor allem kann es ja in einigen Jahren völlig anders aussehen mit der Länderverteilung im ACWI.

  • Ich denke ein FTSE All World ETF auch ausreichend wäre.


    Was meinst Du?

  • - wer sagt denn, dass es irgendwann in 10 Jahren, wenn das Depot gewachsen ist, auch noch so ist?

    Niemand.
    Aber ein Trump kann mehr kaputt machen als ein Orban. (um Beispiel)

    Wenn du mit 25€ anfängst, dann kannst du ja in 10 Jahren überlegen wie du weiter machen willst. Und bis dahin nur den ACWI IMI besparen,...

  • Was er auch sagt: Für Menschen ab Mitte 50 empfiehlt sich, langsam die AktienETF-Quote herabzusetzen und den evtl. Zuschussbedarf zur Rente ca. für 5 Jahre in Tages- oder Festgeld vorzuhalten, für Ängstliche können dies auch 8 Jahre sein, damit evtl. ein Börsencrash nicht unmittelbar die Altersfinanzierung zerstört.

    Bei solchen Diskussionen sollte man immer auf dem Schirm haben, das die Beteiligten doch meist aus unterschiedlichen Zeitdekaden kommen. Ich, mit meinen 66 Jahren, in Rente, habe ein anderes Setting als der genannte Studienanfänger aber auch andere Möglichkeiten. :P

  • Ich denke, man sollte entweder eine 1-ETF-Lösung (bevorzugt) nehmen oder gleich richtig mit 3-5 ETFs selbst bauen.

    "richtig mit 3-5 ETFs selbst bauen" klingt, als wäre eine 1-ETF-Lösung nur eine Behelfslösung für Leute, die es nicht besser wissen oder können. Und das ist doch einfach nicht so.

  • "richtig mit 3-5 ETFs selbst bauen" klingt, als wäre eine 1-ETF-Lösung nur eine Behelfslösung für Leute, die es nicht besser wissen oder können. Und das ist doch einfach nicht so.

    Einen Welt-ETF zu nehmen und dann EM, Ex-USA, Europa,…draufzuklatschen hat was von Flickschusterei.


    Eine 1-ETF-Lösung auf den ACWI IMI, All-World oder GK-Index halte ich für eine gute Lösung. Gerade damit man später nicht rumfrickelt. Eine sehr gute Lösung bekommt man ex ante eh nicht hin.

  • "richtig mit 3-5 ETFs selbst bauen" klingt, als wäre eine 1-ETF-Lösung nur eine Behelfslösung für Leute, die es nicht besser wissen oder können. Und das ist doch einfach nicht so.

    Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es deutlich mehr Überzeugung und Fokus erfordert, das eigene Vermögen möglichst einfach in einem ETF zu bündeln, als sich über zahlreiche Assets oder Fonds etwas vorzumachen. Sich selbst einzugestehen, dass mehr Komplexität das Ergebnis nicht verbessert und man nicht schlauer ist als der Rest, fällt Anlegern, die sich lange mit dem Thema Kapitalanlage auseinandergesetzt haben, besonders schwer.

  • Einen Welt-ETF zu nehmen und dann EM, Ex-USA, Europa,…draufzuklatschen hat was von Flickschusterei.

    Oder halt Tilt. Teure ETFs deutscher Ökonomen, die nach Jahrzehnten in der sehr unprofitablen Forschung nun mit ihrem Namen Geld machen wollen, werben ja auch damit und suchen sich ihre Alleinstellungsmerkmale fürs Marketing ("USA wächst und ist zu groß! Gefährlich! Risiko! Jetzt handeln! [...] USA sank zuletzt! Renditebremse! Jetzt handeln!") statt einfach zu akzeptieren, dass man breit und günstig den Markt laufen lassen kann.

    Und als pensionierte Professoren müssen sie sich auch keine Sorgen machen. In anderen Ländern ist es schon üblich, einen gewissen "home bias" zu haben, ob durch Anleihen oder Aktien, wobei sich das primär auf den Währungsraum bezieht. Im abgesicherten Elfenbeinturm wird man dann sagen "aber das gleicht sich doch langfristig aus, Apple macht in China Geld, Euro mal stärker und schwächer, blublub". Was auch stimmt, aber bei einer Halbwertszeit von drei bis fünf Jahren (laut IWF) kann es auch nicht jeder aussitzen, sodass es zwar kein langfristiges Währungsrisiko gibt, aber durchaus ein kurz- bis mittelfristiges Währungssequenz- bzw. -reihenfolgerisiko gibt, welches zur Volatilität von Aktien hinzukommt, aber keine Prämie abwirft.

    Wer keine GRV, bAV oder ähnliches als Reserve hat, kann dann mal einen US-lastigen ETF bei einem starken US-Dollar dort in der Entnahmephase auf "verkaufen" drücken, während einer Abwertung dieser Währung dann eher zum Schielen in anderer Richtung einlädt, ob nun kanadische Dollar, Schweizer Franken, Euro oder Yen. Je nach Region kann es auch steuerlich vorteilhaft sein, verstärkt in der eigenen Region investiert zu sein, aber wen es interessiert, der wird über Ben Felix und co. schon nähere Infos finden. Oder halt ignorieren. Oder halt erst einige Jahre vor dem Ruhestand eine Position (ob nun Anleihen oder Aktien) aufbauen, um für den Fall der Fälle in der Entnahme eben einen zusätzlichen Pott zu haben. Mit Anfang 20 muss das tatsächlich noch nicht sein und kann Rendite kosten, wie es halt mit Absicherungen oft so ist.

  • "richtig mit 3-5 ETFs selbst bauen" klingt, als wäre eine 1-ETF-Lösung nur eine Behelfslösung für Leute, die es nicht besser wissen oder können. Und das ist doch einfach nicht so.

    Dann mischen wir etwas BIP-Gewichtung dazu, ein paar gegensätzliche Faktoren, noch ein Feature wie eine 1%-Kappung von Unternehmen, ein paar zusätzliche Grenzen für Branchen und Regionen, ... voila, das komplexe Produkt ist fertig und kostet nur x-fach mehr, aber ist dann eine 1-ETF-Lösung. Und notfalls macht man es wie Beck und erzeugt neue Produkte, um danach zu überlegen, für welche Szenarien sie geeignet wären und wie man sie an den Mann bzw. die Frau kriegt. :|

  • Irving

    Das sieht man ja auch sehr deutlich, nicht nur hier im Forum sondern auch bei diversen Ratgeber-Seiten.

    Bis vor einiger Zeit war die einhellige Meinung und Empfehlung (auch hier im Forum), man nimmt einfach EINEN marktbreiten Welt-ETF und bespart den, komme was da wolle, einfach stur jeden Monat den Sparplan ausführen, weil man es nicht besser weiß als der Markt. Kein Markttiming, keine Bastelei mit zig ETFs, keine aktiven Eingriffe, der Welt-ETF rebalanced sich von alleine, wenn sich die Marktverhältnisse in der Welt verändern, man betreibt kein Umschichten des Depots abhängig davon, was gerade so in der Welt passiert.

    Und plötzlich fing es dann an, dass alle "nachwürzen", "umschichten", "den US-Klumpen beseitigen", "EM und Europa beimischen" wollten. Warum? Weil man plötzlich doch das Gefühl hatte, man muss irgendwie reagieren und angesichts dessen, was gerade in der Welt passiert, aktiv eingreifen.

    Das wurde dann nachträglich gerechtfertigt mit dem angeblichen "US-Klumpen", dass Marktkapitalisierung doch der falsche Ansatz sein müsse, dass EM / Europa "untergewichtet" seien, dass man gewappnet sein müsse für das "Platzen der US-Blase" usw...

    Ich halte das nach wie vor für falsch. Das hat mit passivem Investieren nichts zu tun. Es ist schlicht eine Spekulation auf eine bestimmte Entwicklung der Märkte. Ich weiß heute genauso wenig, was die Zukunft bringt, wie vor einem oder zwei oder fünf Jahren. Ich weiß es heute genauso wenig besser als der Markt wie vor einem oder zwei oder fünf Jahren. Warum glaube ich dann, dass eine von mir (oder einem Hartmut Walz) nach Bauchgefühl zusammengestellte Gewichtung der Stein der Weisen ist, der einen passiven Ansatz outperformen wird?

    Also ja, einfach bei der ursprünglich gewählten passiven Ein-ETF-Strategie zu bleiben ist anscheinend doch schwieriger, als viele hier zugeben wollen. :)

  • Warum glaube ich dann, dass eine von mir (oder einem Hartmut Walz) nach Bauchgefühl zusammengestellte Gewichtung der Stein der Weisen ist, der einen passiven Ansatz outperformen wird?

    Es geht doch überhaupt nicht um Outperformance, sondern darum das Blasenrisiko oder Rechtsraumrisiko zu reduzieren. Gerd Kommer hat das schön in seinem Blog zur BIP Gewichtung erläutert.

  • Ich halte das nach wie vor für falsch. Das hat mit passivem Investieren nichts zu tun. Es ist schlicht eine Spekulation auf eine bestimmte Entwicklung der Märkte. Ich weiß heute genauso wenig, was die Zukunft bringt, wie vor einem oder zwei oder fünf Jahren. Ich weiß es heute genauso wenig besser als der Markt wie vor einem oder zwei oder fünf Jahren. Warum glaube ich dann, dass eine von mir (oder einem Hartmut Walz) nach Bauchgefühl zusammengestellte Gewichtung der Stein der Weisen ist, der einen passiven Ansatz outperformen wird?

    Ist halt immer die Frage wie man ,,passiv" definiert. Ist der MSCI World passiv?

    Ich denke das (operative) Risiko einer Mehr-ETF-Strategie ist höher als die vermeintlichen Vorteile, die es bringt oder bringen könnte. Deshalb würde ich lieber einen Welt-ETF nehmen, als Rumzubasteln. Aber rational betrachtet ist anscheinend ein rein marktkapitalisierender Ansatz nicht unbedingte das Beste.

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  • Es geht doch überhaupt nicht um Outperformance, sondern darum das Blasenrisiko oder Rechtsraumrisiko zu reduzieren. Gerd Kommer hat das schön in seinem Blog zur BIP Gewichtung erläutert.

    Also: "Blasenrisiko" ist Quatsch!

    Man mag ja den US-Klumpen reduzieren wollen. Dann muss man aber folgendes bedenken:

    - Die Anleger dieser Welt akzeptieren dieses Risiko offenbar.

    - Man holt sich in entsprechender Höhe andere Risiken ins Haus. Offenbar herrscht die Meinung vor, dass nur in den USA etwas negatives passieren kann. Das ist nicht so.

    - Einen hohen US-Klumpen gibt es schon sehr lange. Deshalb besteht der Verdacht, dass es gar nicht um den Klumpen geht, sondern um das Verhalten des aktuellen US-Präsidenten. Man macht dann also seine Geldanlage von den politischen Verhältnissen abhängig, die man zu antizipieren versucht.