Sequenzrisiko: wenn der Crash kurz vor der Rente kommt

  • Angenommen, man nutzt ETFs, um sich eine Altersrente aufzubauen. Kurz vor Renteneintritt gibt es einen Crash an der Börse und es dauert 8-10 Jahre, bis die Aktien wieder auf dem Stand vor dem Crash sind. In dieser Zeit sollte man möglichst kein Geld aus den ETFs entnehmen, muss es aber tun, da die Sicherheiten „Tagesgeld und Festgeld“ für einen so langen Zeitraum nicht ausreichen.

    Man hat weniger Vermögen durch Kursverluste – und zusätzliche Entnahmen aus einem geschrumpften Topf, das kann ein Depot irreversibel schädigen, selbst wenn sich der Markt später erholt.

    Wie kann man sich davor schützen, dadurch zu große Verluste zu machen und die ETFs viel zu früh aufgebraucht sind?

    Ein Weg ist sicher, in den Jahren vor der Rente, den Aktienanteil zu reduzieren, aber es bleibt das Risiko, dass Crashs oft sehr unvermittelt eintreten und man dann keine Zeit mehr hat zu reagieren.

    Wird dieses sog. Sequenzrisiko nicht häufig unterschätzt oder zu wenig darauf hingewiesen - von Akteuren, die die ETF-Rente empfehlen – wie eben auch Finanztip? Oft heißt es eher: auch im hohen Alter kann man noch weiter bis zu 50% in ETFs halten und von den Erträgen leben. ist das nicht viel zu optimistisch?

  • Wird dieses sog. Sequenzrisiko nicht häufig unterschätzt oder zu wenig darauf hingewiesen - von Akteuren, die die ETF-Rente empfehlen – wie eben auch Finanztip?

    Nein. Meiner Meinung nach wird bei vertrauenswürdigen unabhängigen Portalen sehr oft und deutlich auf dieses Risiko hingewiesen, meist jedoch unter dem Stichwort Renditereihenfolgerisiko.

    Oft heißt es eher: auch im hohen Alter kann man noch weiter bis zu 50% in ETFs halten und von den Erträgen leben. ist das nicht viel zu optimistisch?

    es kommt ja auf die gesamte finanzielle Situation an, Wohneigentum, GRV, andere Renten, etc. Und ja auch ein Stück weit, wie risikoavers jeder einzelne ist.

  • Wenn du dir die Videos von Finanztip dazu anschaust, dann wird sehr wohl immer sehr explizit auf das Risiko eingegangen, dass bei Rentenbeginn der Crash kommt.

    Viele Beispielrechnungen und Vergleiche von Finanztip rechnen insbesondere dieses worst case Szenario durch.

    Und das Resultat ist meist, dass wenn die Anlagensumme groß genug ist, auch dieses worst case Szenario gut überstanden werden kann.

    Gleichwohl wird aber auch darauf hingewiesen, dass es sinnvoll ist den Sicherheitsbaustein mit dem Alter zu erhöhen.

    Wie hoch dieser Baustein sein sollte, ist aber ja auch sehr individuell.

  • mmh, ich bezweifle, dass Finanztip eine so pauschale Empfehlung abgibt. Woher hast du die und wie war der Kontext?

    Nein, das sagt Finanztip nicht so wortwörtlich, das stimmt - andere tun das vielleicht konkreter - aber die Tendenz sehe ich schon - "höhere Summen sollte man nicht auf dem Tages- oder Festgeldkonto haben", so der Tenor. Die braucht man aber im Fall eines Crashs vor Renteneintritt

  • höhere Summen sollte man nicht auf dem Tages- oder Festgeldkonto haben", so der Tenor

    auch hier wieder die Frage, woher hast du das und in welchem Kontext?

    Ich kenne derartige pauschale Aussagen nicht von Finanztip. Hier wird doch eher meistens erstmal klar gefragt, in welcher Lebensphase ist man, wie ist die finanzielle Gesamtsituation und wann brauche ich welcher Summe. Erst bei Betrachtung aller relevanten und vor allem individuellen Faktoren und meinem eigenen Sicherheitsbedürfnis und meiner Risikoaversion kann man entscheiden wie hoch der Anteil in sicheren und unsicheren Anlage sein soll. So zumindest verstehe ich die Empfehlungen von Finanztip.

    ein, das sagt Finanztip nicht so wortwörtlich, das stimmt - andere tun das vielleicht konkreter

    dann wäre es vielleicht sachgerechter, diese "anderen" zu benennen und deren (konkrete) Aussagen zu kritisieren, als Finanztip pauschale Empfehlungen zu unterstellen, die Finanztip so in der Form gar nicht macht?

  • Walz empfiehlt in einem aktuellen und hier an anderer Stelle verlinkten Video, rechtzeitig den Aufstockungsbedarf für 5-8 Jahre aus dem ETF zu entnehmen.

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    Ab ca. Min. 45:50

  • Danke für den Tipp - es stimmt, die Reihe ist hilfreich, denn die meisten Finanztip-Videos richten sich tendenziell an jüngere Anleger. Allerdings geht es mir bei meiner Frage garnicht zentral um Finanztip - sondern um die Frage: wie mit dem REndite-REihenfolge-Risiko sinnvoll umgehen?

  • Angenommen, man nutzt ETFs, um sich eine Altersrente aufzubauen. Kurz vor Renteneintritt gibt es einen Crash an der Börse und es dauert 8-10 Jahre, bis die Aktien wieder auf dem Stand vor dem Crash sind. In dieser Zeit sollte man möglichst kein Geld aus den ETFs entnehmen, muss es aber tun, da die Sicherheiten „Tagesgeld und Festgeld“ für einen so langen Zeitraum nicht ausreichen.

    Man hat weniger Vermögen durch Kursverluste – und zusätzliche Entnahmen aus einem geschrumpften Topf, das kann ein Depot irreversibel schädigen, selbst wenn sich der Markt später erholt.

    Wie kann man sich davor schützen, dadurch zu große Verluste zu machen und die ETFs viel zu früh aufgebraucht sind?

    Ein Weg ist sicher, in den Jahren vor der Rente, den Aktienanteil zu reduzieren, aber es bleibt das Risiko, dass Crashs oft sehr unvermittelt eintreten und man dann keine Zeit mehr hat zu reagieren.

    Wird dieses sog. Sequenzrisiko nicht häufig unterschätzt oder zu wenig darauf hingewiesen - von Akteuren, die die ETF-Rente empfehlen – wie eben auch Finanztip? Oft heißt es eher: auch im hohen Alter kann man noch weiter bis zu 50% in ETFs halten und von den Erträgen leben. ist das nicht viel zu optimistisch?

    Unter Sicherheitsaspekten empfiehlt sich falls gewünscht die rechtzeitige Umschichtung in risikoarme Investments wie Geldmarktfonds etc (siehe auch Pantoffelportfolio).

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    Ab ca. Min. 45:50

    vielen Dank für die Mühe - das heißt also man sollte Geld für bis zu 8 Jahren aus den ETFs rausnehmen - bei mancheinem bleibt dann nicht mehr so viel übrig - aber so ist es nunmal. Muss man sich halt auch bewusst machen - bei aller Sympathie für ETFs

  • mmh, das hängt meiner Meinung nach in erster Linie davon ab, welcher Risikotyp du bist. Aber auch davon, wie hoch dein Gesamtvermögen ist und wie hoch deine erwarteten Ausgaben ab Rentenbeginn sind. Wenn du 2 Mio. Vermögen hast und ca. 50 T€ pro Jahr brauchst, um deine Ausgaben zu decken, wäre ein sicherer Anteil von ca. 500 T€ (also 25%) nach meinem persönlichen Empfinden okay. Bedeutet, ich kann 75% in ETFs angelegt lassen.

    Wenn mein Gesamtvermögen dagegen bei 500 T€ liegt, sollte der sichere Anteil prozentual natürlich um einiges höher sein.

  • vielen Dank für die Mühe - das heißt also man sollte Geld für bis zu 8 Jahren aus den ETFs rausnehmen - bei mancheinem bleibt dann nicht mehr so viel übrig - aber so ist es nunmal. Muss man sich halt auch bewusst machen - bei aller Sympathie für ETFs

    Wenn dann kaum noch etwas übrig ist, war die Basis zu klein. Dann wurde tatsächlich zu wenig angespart.

  • Ich habe mal meine Entnahmestrategie hier dargestellt:

    Planschkuh
    25. Januar 2026 um 09:05

    Verkürzt gesagt möchte ich folgende "Sicherheitsmechanismen" nutzen:

    • Cash Puffer
    • Gold
    • Guardrails

    In meiner historischen Simulation komme ich damit dann über 40 Jahre über die Runden...

    Ganz interessant könnte in diesem Zusammenhang auch dieser Rechner sein:

    Home

  • ...Allerdings geht es mir bei meiner Frage garnicht zentral um Finanztip - sondern um die Frage: wie mit dem REndite-REihenfolge-Risiko sinnvoll umgehen?

    Man muss genug Geld haben, um sich den Ruhestand leisten zu können.

    Es gibt ja einschlägige Untersuchungen, die besagen, dass man in der Vergangenheit über 30 Jahre bis 4% entnehmen konnte und mit 98%iger Wahrscheinlichkeit nicht Pleite gegangen ist.

    Man kann eben nicht unbegrenzt entnehmen.

  • Lies dir z.b. auch die Artikel von Georg von https://www.finanzen-erklaert.de/category/entnahmestrategien/

    durch. Stichwort glide path, Cash-Zelt.

    Das Thema Entnahmestrategien ist ein großes Feld. Viel komplexer als die (technisch) "einfache" Ansparphase.

    Oder du schaustal hier rein...

    schwabbelbacke
    1. Januar 2026 um 17:35
  • mmh, das hängt meiner Meinung nach in erster Linie davon ab, welcher Risikotyp du bist. Aber auch davon, wie hoch dein Gesamtvermögen ist und wie hoch deine erwarteten Ausgaben ab Rentenbeginn sind. Wenn du 2 Mio. Vermögen hast und ca. 50 T€ pro Jahr brauchst, um deine Ausgaben zu decken, wäre ein sicherer Anteil von ca. 500 T€ (also 25%) nach meinem persönlichen Empfinden okay. Bedeutet, ich kann 75% in ETFs angelegt lassen.

    Wenn mein Gesamtvermögen dagegen bei 500 T€ liegt, sollte der sichere Anteil prozentual natürlich um einiges höher sein.

    Danke - das ist ein guter Punkt!

  • Wird dieses sog. Sequenzrisiko nicht häufig unterschätzt oder zu wenig darauf hingewiesen - von Akteuren, die die ETF-Rente empfehlen – wie eben auch Finanztip? Oft heißt es eher: auch im hohen Alter kann man noch weiter bis zu 50% in ETFs halten und von den Erträgen leben. ist das nicht viel zu optimistisch?

    Eigentlich nicht.
    Dazu muss man sich natürlich mit Entnahmestrategien (z.B. 4%-Regel) und deren individuellen Risiken/Grenzen beschäftigen.
    Der Blog von Georg Wieninger wurde ja bereits genannt.
    Ich verweise mal auf folgenden Beitrag von Georgs Blog:
    Sequence of Return Risk – die ersten 5 Jahre sind entscheidend – Finanzen? Erklärt!

    Daraus ergibt sich dann eine sichere Entnahmerate von Anfangs 2,6% p.a.
    Gab es in den ersten 5 Jahren der Entnahme keinen Crash, kann die Entnahmerate auf 4% p.a. gesteigert werden. Das kann man dann ja auch über 2-3 Jahre strecken um noch einen Sicherheitspuffer einzubauen.

    Wenn Du einen Cash-Puffer für mind. die ersten 5 Jahre der Entnahme vorhältst bist Du schon ziemlich auf der sicheren Seite un kannst auch direkt mit der 4% Entnahme starten.
    Natürlich lässt sich auch Beides kombinieren. Also z.B. mit 3,5% Entnahme starten und 6-7 Jahre Cashpuffer vorhalten.

    Das einzige Risiko ist dann, dass Du wohlmöglich jahrelang unter Deinen Möglichkeiten entnimmst. Blöd, wenn man davon ausgeht, dass man gerade zu Beginn der Entnahmephase noch gesundheitlich am Besten aufgestellt ist. Mit 65 macht man die Weltreise dann noch. Mit 72 möglicherweise nicht mehr weil es zu anstrengend wird. Bei einer Partnerschaft verdoppelt sich das Risiko dann, dass es einem der Partner nicht mehr so gut geht.