Ein KISS von Irving – Zielpfad: 5 auf 20 Mio €

  • Das stimmt. Z.B. der Vanguard FTSE ALL WORLD. Einen globalen Aktien ETF, der bis zu 100% Aktien hält, würde ich deshalb auch mit einem Globalen Aktien ETF vergleichen. Dann sieht es für das GPO auf 5 Jahre nicht mehr so gut aus.
    Aber bestimmt lassen sich auch einzelne Wochen finden, oder anderen beliebig kurze Zeiträume, in denen das GPO besser performt hat als der FTSE All World. ;)

    Das GPO ist ein Multi-Asset-Fonds mit 80 % Aktienquote und 20 % Sicherheitsreserve (überwiegend am kurzen Ende). Der FTSE All-World mit 100% Aktien wäre daher die falsche Benchmark.

    Der LifeStrategy 80% Equity ist ein geeigneter Vergleichsmaßstab, da auch dieser zu 80 % in Aktien und zu 20 % in Aggregate Bonds investiert (riskanter bei den Anleihen, aber ohne Antizyklik). Zudem existiert diese Strategie bereits in einem konkreten Produkt.

    Idealerweise würde man das GPO mit einer Kombination aus 80 % Aktien-ETF und 20 % Geldmarkt vergleichen. Dabei stellt sich jedoch das Problem, wann ein Rebalancing erfolgt und wie Steuern sowie Gebühren berücksichtigt werden sollen. Vergleiche von real existierenden Produkten, die man einfach halten kann, halte ich für besser.

    Ich behaupte hier nicht, dass das GPO besser ist als ein reiner Aktien-ETF, sondern dass es eine robuste All-in-One-Lösung mit geringerer Volatilität darstellt und zudem eine deutlich günstigere, alternative und ebenfalls gute All-in-One-Lösung mit 80 % Aktien bisher geschlagen hat (den LS80). Ob es das weiterhin tun wird, ist ungewiss, aber letztlich auch nicht entscheidend. Das Produkt funktioniert sehr gut und genau das ist relevant.

    Der Youtuber ,,Notgroschen" hat ja bereits festgestellt, dass es bessere Strategien wie das GPO gibt. Das Problem ist jedoch, dass man sich diese „bessere“ Strategie selbst zusammenstellen, verwalten und konsequent durchhalten muss. Wer dazu bereit ist: go for it.

    Für die meisten Privatanleger ist das jedoch nicht realistisch...und selbst für viele, die glauben, es zu können, vermutlich auch nicht.

  • Idealerweise würde man das GPO mit einer Kombination aus 80 % Aktien-ETF und 20 % Geldmarkt vergleichen.

    Das halte ich für eine Fehleinschätzung.
    Zum einen ist die Investitionsreserve des GPO wirklich weit vom Geldmarkt entfernt. Das sind überwiegen Anleihen, die 2034-2045 fällig werden. Darunter auch eine Johnson&Johnson, die 2055 fällig wird. I.d.R. in Fremdwährungen.
    Zum anderen ist das Ziel der Investitionsreserver nicht die geringere Volatilität. Sie begrenzt die Volatilität nur, wenn die Aktienmärkte steigen. Sobald sie fallen, wird die Aktienquote sogar noch erhöht.
    Dementsprechend hat der Vanguard FTSE ALL WORLD auch eine besser Sharp-Ration über 5 Jahre.

    Im Facsheet des GPO wird darauf hingewiesen, dass die Anleihenquote auch 49% betragen darf. Dann könnte man sich als Benchmark auch den Lifestrategy 60 auswählen und sich freuen, dass das GPO besser lief.

    Als Argument gegen den FTSE ALL WORLD als Benchmark würde ich eher gelten lassen, dass das GPO nicht nach Marktkapitalisierung investiert und eine doppelt so breite Aktienauswahl hält.

  • Zum anderen ist das Ziel der Investitionsreserver nicht die geringere Volatilität. Sie begrenzt die Volatilität nur, wenn die Aktienmärkte steigen. Sobald sie fallen, wird die Aktienquote sogar noch erhöht.

    Das ist so nicht richtig, was du schreibst. Die Sicherheitsreserve ist explizit so konzipiert, dass sie in Krisensituationen ohne Kursverluste veräußert werden kann. Per Definition wirkt sie daher als Volatilitätssenker. Das hat in allen bisherigen Krisen hervorragend funktioniert und lässt sich relativ einfach durch einen Vergleich mit einem Aktien-ETF nachvollziehen.

    Früher bestand diese Reserve hauptsächlich aus kurzlaufenden deutschen Staatsanleihen und US-Treasuries, den klassischen „sicheren Häfen“. Heute ist es überwiegend der Schweizer Franken.

    Eine 100%-Aktien-Benchmark ist aus meiner Sicht nicht rational. Sowohl im Fondsmanagement als auch bei entsprechenden Einstufungen wird das ähnlich beurteilt.

    Ein Vergleich zwischen dem LS80 und dem GPO zeigt sehr gut, wie ähnlich sich beide entwickeln. 80/20 ist deshalb die passendere Benchmark.


    Ich halte es nicht für zweckmäßig, die Benchmark zu wechseln, nur weil einem das Ergebnis nicht gefällt. Ich bin mir auch nicht sicher, was du mit einem Vergleich zu einer 100%-Aktien-Benchmark bezwecken willst. Dass sich das GPO in Krisen robuster verhält, ist für jeden nachprüfbar. Dass die Gesamtrendite unterhalb eines reinen Aktienportfolios liegt, ebenfalls. Beides ist keine große Überraschung bei einem Portfolio, das 20% der Assets in einer Sicherheitsreserve (oder anderen schwankungsärmeren Anlagen, Bsp. LS80) hält. Wie erwähnt, ist das alles irrelevant. Es geht mir darum, dass dieses Produkt eine sehr gute All-in-One-Lösung für Anleger darstellt, die sich um nichts kümmern wollen und für die 100% Aktien zu aggressiv sind. Und das funktioniert.

  • Ein Vergleich zwischen dem LS80 und dem GPO zeigt sehr gut, wie ähnlich sich beide entwickeln.

    Und das trotz der höheren Aktienquote des GPO in einem Zeitraum, in dem Aktien outperformt haben...

    Früher bestand diese Reserve hauptsächlich aus kurzlaufenden deutschen Staatsanleihen und US-Treasuries, den klassischen „sicheren Häfen“. Heute ist es überwiegend der Schweizer Franken.

    Beck ist ja wirklich sehr transparent, was die Zusammensetzung seiner Fonds angeht. Da kann man sich selbst einen Überblick verschaffen. Zu behaupten, dass es sich bei dem Anleihenteil um eine kurzlaufende Sicherheitsreserve handelt, stimmt einfach nicht.

    Der Anleihenteil des GPO ist explizit keine Sicherheitsreserve, sondern eine Investitionsreserve. Sie spiegelt mit den hohen Laufzeiten die Zinsmeinung Becks (die er schon länger Vertritt) wieder, dass die EZB eigentlich gar nicht anders kann als die Zinsen zu senken. Werden die Zinsen gesenkt, weil Aktienkurse fallen, tritt der gewünschte Performance-Effekt ein. Hier geht es nicht um Stabilisierung!
    Dass seit letztem Jahr die Renditen ständig steigen, ist halt das Risiko, das mit solchen Prognosen einhergeht. Das ist auch nicht die Schuld von Beck. Wer in Krisen den Aktienteil erhöhen wollte, ist aufgrund des Laufzeithebels oft gut mit längeren Laufzeiten gefahren.

    Eine 100%-Aktien-Benchmark ist aus meiner Sicht nicht rational. Sowohl im Fondsmanagement als auch bei entsprechenden Einstufungen wird das ähnlich beurteilt.

    Als das GPO aufgelegt wurde, war das erklärte Ziel, den MSCI World mit seinem Blasenrisiko zu schlagen. Das sei realistisch, weil die Häufigkeit von Krisen zunehmen würde.

    Ich möchte hier das GPO nicht schlechtreden. Beck ist ein guter Kommunikator und tut viel dafür, Privatanleger durch Information und konkrete Anleitung zu befähigen – auch explizit jenseits seiner Produkte! Das ist wirklich etwas besonderes!

  • Beck ist ja wirklich sehr transparent, was die Zusammensetzung seiner Fonds angeht. Da kann man sich selbst einen Überblick verschaffen. Zu behaupten, dass es sich bei dem Anleihenteil um eine kurzlaufende Sicherheitsreserve handelt, stimmt einfach nicht.

    Die Liquiditätsreserve ist so konzipiert, dass sie gerade in Krisenphasen stabil bleibt und flexibel eingesetzt werden kann. Die Instrumente dafür wechseln im Laufe der Zeit. Das führt zu einer deutlichen Senkung der Volatilität. Exemplarisch zeigt sich das am Crash nach Trumps Zoll-Ankündigungen: Sowohl der Drawdown als auch die ‚Time-Under-Water‘ fallen geringer aus. Diesen Schutz erkauft man sich langfristig jedoch m.E. mit einer geringeren Rendite im Vergleich zu einem reinen Aktienportfolio.


    Zitat von Ariel

    Als das GPO aufgelegt wurde, war das erklärte Ziel, den MSCI World mit seinem Blasenrisiko zu schlagen. Das sei realistisch, weil die Häufigkeit von Krisen zunehmen würde.

    Ich denke nicht, dass er das schaffen wird. Dafür wären extrem viele Krisen nötig und ich sehe keinen Grund warum dies der Fall sein sollte. Vielleicht eine From von Chronozentrismus. :/

    Trotzdem ist das GPO sehr gut konzipiert. Nicht für jeden steht die maximale Rendite im Vordergrund. Insbesondere in der Entnahmephase und bei größeren Vermögen kann es sinnvoll sein, die Volatilität zu reduzieren und bestimmte Risiken zu begrenzen. Dafür ist das GPO sehr gut geeignet. Der ARERO übrigens auch. Mir gefällt vor allem, dass man beide über die KAG kaufen und verkaufen kann. Kein Spread. Keine Handelskosten. Egal wie viel man handelt. Nur ein Kurs am Tag. KISS eben.:thumbup:

  • Der Anleihe-Chefstratege des US-Fondshauses T. Rowe Price, Arif Husain, erklärt im Handelsblatt-Interview, warum er einen deutlichen Anstieg der Renditen erwartet und wie er damit umgeht. Er hält 6 Prozent für 10jahrige US Bonds für möglich. Das würde ich auch sä(e)xy finden. Oder wie seht ihr das?

  • Er hält 6 Prozent für 10jahrige US Bonds für möglich. Das würde ich auch sä(e)xy finden. Oder wie seht ihr das?

    Bei 6 % Zinsen dürfte sich der eine oder andere fragen, warum er oder sie überhaupt noch in Aktien investiert ist. „Für möglich halten“ lässt sich allerdings vieles. Was tatsächlich eintritt, steht auf einem anderen Blatt. Zumal man gegen hohe Zinsen auch gegensteuern kann, vielleicht sogar muss, da sie Wirtschaft, Altersvorsorge der Amerikaner und den Immobilienmarkt belasten würden. Also letztlich fast alle Wähler beträfe.:/

  • Bei 6 % Zinsen dürfte sich der eine oder andere fragen, warum er oder sie überhaupt noch in Aktien investiert ist. „Für möglich halten“ lässt sich allerdings vieles. Was tatsächlich eintritt, steht auf einem anderen Blatt. Zumal man gegen hohe Zinsen auch gegensteuern kann, vielleicht sogar muss, da sie Wirtschaft, Altersvorsorge der Amerikaner und den Immobilienmarkt belasten würden. Also letztlich fast alle Wähler beträfe.:/

    Ja, das ist ein wichtiger Aspekt. Allerdings Frage ich mich, wie eine US Regierung noch gegensteuern will. Da gehen ja langsam die Mittel aus. Grönland zu annektieren und auszubeuten scheint eine der wenigen letzten Optionen zu sein ;)

  • Bei 6 % Zinsen dürfte sich der eine oder andere fragen, warum er oder sie überhaupt noch in Aktien investiert ist. „Für möglich halten“ lässt sich allerdings vieles. Was tatsächlich eintritt, steht auf einem anderen Blatt. Zumal man gegen hohe Zinsen auch gegensteuern kann, vielleicht sogar muss, da sie Wirtschaft, Altersvorsorge der Amerikaner und den Immobilienmarkt belasten würden. Also letztlich fast alle Wähler beträfe.:/

    D.h. das Kapital ist da und will irgendwo angelegt werden? Und wenn Aktien unattraktiver werden, dann fehlt der Industrie das Kapital, weil die Anleger stattdessen in Staatsanleihen investieren? Aber wenn die Staatsanleihen vornehmlich verwendet werden, um alte Schulden gegen neue Schulden einzutauschen, dabei aber wegen steigender Zinsen teurer werden, dann steigt nur die Verschuldung, ohne dass das Kapital irgendeinen Zweck - im Sinne von Investitionen - erfüllt. Oder? Müsste der Staat dann - trotz bzw. unabhängig von der Höhe der Verschuldung - antizyklisch investieren? Und parallel dafür sorgen, dass die Wirtschaft wieder in Schwung kommt?

  • Wenn man mal die seltenen Fälle von neuen Börsengängen ausnimmt: Wo sonst bekommt denn „die Industrie“ „das Kapital“ durch Börsenhandel?

    Du meinst der Industrie kann es egal sein, wenn die Investoren mal eine Zeit lang eher in Staatsanleihen investieren? Weil wenig neu emittiert wird und "nur" die Kurse der Aktien fallen, was nur Wiederverkäufer betrifft? Oder meinst Du dass auch Corporste Bonds weniger Abnehmer finden, wenn Staatsanleihen wegen hoher Verzinsung zu attraktiv werden? Oder dass die Zinskosten für Corporste Bond sich für sie Firmen dann im Wettbewerb am Markt genauso verteuern, wie Staatsanleihen für die Staaten?

    ?

  • Die Grafiken zeigen also:

    KISS - mit dem MSCI World

    Günstig und einfach.

    Genau. Und da du einen völlig anderen Ansatz zu verfolgen scheinst, wäre es spannend und für alle hilfreich, wenn du deine Strategie einmal etwas ausführlicher darstellst. Du bringst dich . . sagen wir mal.... sehr aktiv ein in diesem Forum. Umso interessanter wäre es, deinen konkreten Ansatz besser zu verstehen. Mach doch mal einen Thread auf ,,Kein KISS von Tomarcy - funktioniert aber trotzdem".;)

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