Fragen zu meinem ETF Depot

  • Hallo,

    mein Depot ist etwas "wild" und ich würde sagen aus dem Ruder gelaufen. Ich habe zwei Depots und ich würde gerne wissen ob sich rebalancing lohnt oder man doch lieber buy&hold praktiziert und alles so belässt wie es ist. Und lieber zukünftig so investiert wie man es haben möchte.

    Es fing alles 2021 an als mir empfohlen wurde, dass ich doch in ETF´s investieren soll um für die Rente vorzusorgen. Ich hatte etwas Geld auf dem Tagesgeldkonto gespart und somit auf Empfehlung einmalig 22 Stück Nasdaq100 ETF´s gekauft. Sie kosteten damals 5038,72 €.Stand heute ~11.300,00 € wert.

    Ich begann danach mich mit dem Thema Altersvorsorge und ETF zu beschäftigen und legte dann Sparpläne an. Ein Teil meiner Sparsumme ging auf ein Tagesgeldkonto und das andere in mehrere ETF´s. Als ich merkte, dass Nasdaq100 sehr dominant wurde investierte ich nur noch in MSCI World. Und nun habe ich den großen Salat und muss gestehen dass über 50% meiner ETF´s Nasdaq100 sind und mir das schon etwas Sorgen macht. Ich habe also erkannt, dass ich rebalancen müsste. Meine Vorstellung ist:

    50 % MSCI World
    15% Emerging Markets
    10 %Euro Stoxx 600
    5% Nasdaq100

    Aber will ich wirklich verkaufen ? Oder wird das unterm Strich nicht einfach zu teuer ? Ich bin etwas überfragt und schwanke zwischen ich lass alles wie es ist und bespare zukünftig "schlauer" oder ich verkaufe Nasdaq Anteile und investiere das Geld in neue ETF´s. Allerdings überblicke ich da noch überhaupt nicht, was mich das kosten würde.

    Monatlich investiere ich 330 € in ETF´s und 110 € gehen auf das Tagesgeldkonto (75/25). Zuletzt habe ich die 330 € nur noch in den MSCI World investiert.

    Und so sehen meine Depot´s aus:

    Depot 1 zur einmaligen Anlage:
    Nasdaq100 WKN 801498: ~11.300 € (38%)

    Depot 2 Sparpläne:
    Nasdaq100 WKN 801498: ~2.600 € (8,6%)
    Nasdaq100 WKN A0F5UF: ~2.000 € (4,0%)
    Emerging Markets WKN A111X9: ~ 800 € (2,7%)
    MSCI World WKN A1XB5U: ~14.000 € (46,8%)

    Auf meinem Tagesgeld sind zur Zeit ca. 9300€

    Bitte seid gnädig mit mir. Jeder fängt mal an ;)

  • Bitte seid gnädig mit mir. Jeder fängt mal an

    Sicherlich, ist es jetzt im Forum so, dass man mit so einer Anfrage nicht gleich zusammengefaltet wird.

    Das ist doch eine schöne, typische Geschichte.

    Ich würde jetzt sehr strukturiert vorgehen:


    Der Nasdaq100-Anteil ist aktuell sehr hoch ! Das liegt an den hohen Buch-gewinnen. Sei froh, dass du hier so schön im Plus bist und scheue dich auch nicht, zu verkaufen und eben die Steuern jetzt zu bezahlen.

    Ich denke mir, du fährst in der Zukunft viel besser, wenn du überhaupt nicht mehr weißt, dass es seltsame Finanzprodukte auf den Nasdaq100 überhaupt gibt.

    Wenn du den Verkaufserlös in einen Welt-ETF oder deine bestehendenn ETF investierst, bekommt dein Depot Struktur und gleichzeitig wird das Risiko deutlich abgesenkt.

  • Aber will ich wirklich verkaufen ? Oder wird das unterm Strich nicht einfach zu teuer ?

    Was der Verkauf kostet, hängt von deinem Depotanbieter ab. Wie viel Steuern du bezahlen musst, hängt in erster Linie von der Höhe des Gewinns und deinem Steuerstatus ab. Das würde ich aber nicht als Kosten auffassen, immerhin hast du ordentlich Gewinn gemacht.

    Ich persönlich würde auf jeden Fall erst mal die Depots zusammenlegen, aber du wirst deine Gründe für die beiden Depots haben. Warum aber hast du in Depot 2 zwei verschiedene Ausschütter?

    Wie viele und welche NASDAQs du verkaufen willst, musst du selbst wissen. Ich würde wohl so vorgehen:

    1. Überlegen, wie viel NASDAQ am Ende übrig bleiben sollen
    2. Die NASDAQs aus Depot 2 verkaufen
    3. (optional) Die in 1. ermittelten Anteile nach Depot 2 umziehen (Nach FIFO-Regel ziehen die ältesten Anteile um)
    3. Den Rest aus Depot 1 verkaufen, Depot 1 schließen und Depot 2 in Depot 1 umbenennen

  • Aber will ich wirklich verkaufen ?

    Wissen wir nicht!

    ...Oder wird das unterm Strich nicht einfach zu teuer ?

    Wissen wir auch nicht! Das müsste in den Geschäftsbedingungen Deines Brokers stehen.

    Falls Du die Steuern meinst...Das Geld gehört nicht Dir. Du musst irgendwann ohnehin Steuern zahlen.

    Grundsätze:

    1.) Stelle die gewünschte Allocation sofort her, und nicht: "Och, das ergibt sich irgendwann automatisch."

    2.) Mache Entscheidungen nicht von der Steuer abhängig.

  • Behalt die Nasdaq mal schön. Wird es einen Crash geben? Mit Sicherheit. Wird es Tech hart treffen? Mit Sicherheit. Wird Tech wieder verschwinden? Wird es nie mehr steigen? Ich glaube kaum. Du hast schon die richtigen Schlüsse gezogen. Ich weiß zwar nciht was dein Anlagehoriznt ist, aber irgendwann gleicht sich das schon aus. Und wenn nicht, hast du schöne Rendite.

    Statt MSCI World könntest du allerdings einen der allseits beleibten All World ETF besparen. Denn in MSCI World ist auch Tech drin.

  • Das war Weiss Gott nicht immer so.

    Wir möchten doch einen freundlichen, ruhigen und konstruktiven Ton pflegen.

    Ich würde hier bei diesem Gesamtanlagevolumen keine Details mit Weiss Gottnicht vielen Angaben wissen mögen sondern KISS in Reinkultur pflegen.

    Also ein bis drei Aktien-ETF und eine saubere Struktur.

    Im MSCI World und MSCI ACWI ist auch viel Tech drin.

  • Bei der Anzahl der ETFs und den darin liegenden Summen: Einfach mit dem World weitermachen, maximal stattdessen einen noch breiteren All World/ ACWI, aber den Rest einfach liegen und wachsen lassen. Bloß keine wissenschaftlichen Abhandlungen über Rebalancing oder Steuerm oder "Einfachheit" oder die sagenumwobenen Weisheiten der optimalstmöglichen Diversifikation versuchen umzusetzen oder selbst zu erfinden. Das schafft nur Unsicherheit und Gestaltungsdrang, was ein solches Depot zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht braucht.

  • Allerdings überblicke ich da noch überhaupt nicht, was mich das kosten würde.

    Das kannst Du ausrechnen.

    Wie hoch ist der Gewinn bei den NASDAQ-ETFs? Auf den werden 26,375% Kapitalertragsteuer und Soli fällig (etwas mehr, wenn Du auch noch in der Kirche bist). Allerdings werden nur 70% angerechnet, weil es eine Teilfreistellung von 30% für ETFs mit mindestens 50% Aktienanteil gibt (ich vermute, das trifft bei denen zu).

    Das heißt:

    Aktuell hast Du insgesamt 15.900 EUR in NASDAQ100-ETFs liegen.

    Nasdaq100 WKN 801498: ~11.300 € (38%)

    Nasdaq100 WKN 801498: ~2.600 € (8,6%)
    Nasdaq100 WKN A0F5UF: ~2.000 € (4,0%)


    Wenn darin (fiktives Beispiel, das musst Du mit Deinen eigenen Zahlen rechnen!) zum Beispiel 7.000 EUR Gewinn stecken (Du also 8.900 EUR eingezahlt hast), bedeutet das:

    70% des Gewinns müssen versteuert werden. Das sind 4.900 EUR.

    Darauf 26,375% Kapitalertragsteuer und Soli sind 1.292,38 EUR (unter der Prämisse, dass Dein Freibetrag von 1.000 EUR schon anderweitig verbraucht ist).

    Das bedeutet: Wenn Du sämtliche ETF-Anteile im Wert von 15.900 EUR verkaufst, landen nach Steuer 14.607,62 EUR auf Deinem Konto.

    Außerdem werden Dir die bei Deinem Broker geltenden Verkaufsgebühren belastet (das kann sehr unterschiedlich viel sein, bei manchen Brokern ist es ein einheitlicher Festbetrag, bei anderen ein Festbetrag + Anteil vom Verkaufswert, meistens irgendwo gedeckelt, das musst Du im Preis-Leistungs-Verzeichnis Deines Brokers nachschauen).

    Hättest Du eine Sparrate von 1.500 EUR im Monat hätte ich eher gesagt, lass' die NASDAQ-ETFs einfach liegen, mit der Zeit verschiebt sich die Gewichtung ohnehin recht bald, wenn Du künftig nur noch in einen Welt-ETF einzahlst (wobei ich keinen MSCI World, sondern einen FTSE All World oder MSCI ACWI IMI nehmen würde, weil breitere Marktabdeckung; der MSCI World hat nur Industrieländer). Mit nur 330 EUR im Monat würde es aber ziemlich lange dauern, bis sich die Gewichtung deutlich zugunsten eines Welt-ETF verschiebt.

    Da würde ich, ebenso wie es auch Tomarcy vorschlägt, mich über die bisherigen Buchgewinne freuen, die NASDAQ-ETFs komplett verkaufen, die Steuer die anfällt zahlen und den verbleibenden Erlös in einen Welt-ETF stecken und in den dann auch die künftigen monatlichen Sparraten laufen lassen.

  • Den Nasdaq behalten, Technik ist zukünftig nicht wegzudenken. Buchgewinn, vielleicht irgendwann Buchverlust - buy & hold. Oder halbieren?

    Wenn er noch weiter steigt, dann ein paar Anteile verkaufen, eine Möglichkeit.

    Der All World FTSE hat 9 % EM incl. und etwas weniger USA als der MSCI. Wäre eine Überlegung wert. Dazu ein Europa-ETF, zumindest für die nächsten Jahre.

    Es sieht sowieso danach aus, dass bei mehreren ETF im Depot spätestens alle zwei Jahre geschaut werden muss, ob das noch alles seine Richtigkeit hat.

    Ich habe auch zwei Depots. In einem die ETF für buy & hold. Und im anderen die ETF unter Beobachtung.

  • Bei der Anzahl der ETFs und den darin liegenden Summen: Einfach mit dem World weitermachen, maximal stattdessen einen noch breiteren All World/ ACWI, aber den Rest einfach liegen und wachsen lassen.

    Das dachte ich auch erst. Bei einer Sparrate von 330 EUR im Monat wird es aber sehr lange dauern, bis sich die Gewichtung spürbar verschiebt. Stand heute liegen MSCI World und Emerging Markets zusammen bei nichtmal 50% des Depots, ganz grob liegen je 15.000 EUR in MSCI World/EM und NASDAQ.

    Bei 330 EUR im Monat werden im Jahr knapp 4.000 EUR neu eingezahlt. Das heißt, nach 5 Jahren wäre die Verteilung erst grob bei 70/30, auch nach 10 Jahren läge der NASDAQ100-Anteil im Depot immer noch bei gut 20%.

    Das ist jetzt natürlich etwas vereinfacht dargestellt und lässt künftige Wertentwicklungen (die niemand kennt) außen vor. Stürzt der NASDAQ100 irgendwann demnächst deutlich ab, geht es ggf. schneller, dass sich die Gewichtung zugunsten des Welt-ETF verschiebt (wenn der nicht oder nicht so sehr abstürzt). Umgekehrt dauert es ggf. noch länger, wenn der NASDAQ100 mehr steigt als der Welt-ETF.

    Mir persönlich wäre der NASDAQ100 jedenfalls zu wenig diversifiziert und zu riskant. Und es wäre mir auch zu riskant, dieses Risiko noch die nächsten 5 oder 10 Jahre aufwärts in signifikantem Umfang weiter im Depot zu haben. Deshalb würde ich mit dem aktuellen Depot des Threadstarters und bei einer Sparrate von nur 330 EUR im Monat den NASDAQ100 verkaufen (und mich freuen, dass sich Stand heute die damit verbundenen Risiken nicht realisiert haben und ich mit ordentlich Buchgewinn aus der Nummer rauskomme).

  • Es sieht sowieso danach aus, dass bei mehreren ETF im Depot spätestens alle zwei Jahre geschaut werden muss, ob das noch alles seine Richtigkeit hat.

    Aber gemäß klassischem Rebalancing würde man doch jetzt die NASDAQ-Position verringen, oder nicht? Es sei denn, ein Tech-Anteil von 60 Prozent oder höher ist tatsächlich beabsichtigt. Ich sehe das eher wie 12345

  • Der Nasdaq wurde zu einem.guten Zeitpunkt gekauft und ist jetzt doppelt so viel wert. Ist mit einem Crash größer als 50% zu rechnen? Wenn ja, dann wäre nicht nur Technik betroffen, oder?

    Ganz würde ich ihn nicht verkaufen. Hab etwas Ähnliches mit einem kleineren Betrag mit Silber-ETC gehabt. Rechtzeitig verkauft, schon nett. Aber die Hälfte hätte es auch getan.

  • Den Nasdaq behalten, Technik ist zukünftig nicht wegzudenken.

    Und noch etwas "consumer staples" beimischen! Essen und trinken muss der Mensch immer. Außerdem empfiehlt sich noch eine Prise Health&Care, denn wir werden alle immer älter.

    Buchgewinn, vielleicht irgendwann Buchverlust - buy & hold ist Trumpf.

    Buy&hold aber nur, wenn der ETF auch in dem Depot für buy&hold liegt. Liegt er im Beobachtungsdepot musst Du...Na?... Was wohl?

    Jedenfalls gibt es entweder Gewinn oder Verlust. Soviel kann man jedenfalls sagen.

    Wenn er noch weiter steigt, dann ein paar Anteile verkaufen, eine Möglichkeit.

    Eine weitere Möglichkeit wäre, ein paar mehr Anteile zu verkaufen. Nur als Anregung!

    Der All World FTSE hat 9 % EM incl. und etwas weniger USA als der MSCI. Wäre eine Überlegung wert.

    Haben FTSE und MSCI eine deutlich unterschiedliche US-Gewichtung?

    Hm...vielleicht ist das auch keine Überlegung wert.

    ...Dazu ein Europa-ETF, zumindest für die nächsten Jahre.

    Unbedingt! Europa kommt jetzt nämlich ganz steil aus dem Gebüsch. So etwas sollte man wissen.

    ...

    Es sieht sowieso danach aus, dass bei mehreren ETF im Depot spätestens alle zwei Jahre geschaut werden muss, ob das noch alles seine Richtigkeit hat.

    Mir reichen zwei Minuten, um zu entscheiden, ob Deine Tipps ihre Richtigkeit haben. Und dann muss ich nie wieder schauen.

    ...Ich habe auch zwei Depots. In einem die ETF für buy & hold. Und im anderen die ETF unter Beobachtung.

    Kann man so machen! Vielleicht nimmt man aber besser gleich fünf Depots?!

    - eines für buy & hold

    - eines für sell & never see again

    - eines unter Observation

    - ein weiteres für die Gestaltung eines Wettrennens zwischen ETFs

    - eines in Reserve - man kann ja nie wissen


    Manmanmanman, schreibst Du einen Blech, das ist nicht zu fassen.

  • Der All World FTSE hat 9 % EM incl. und etwas weniger USA als der MSCI. Wäre eine Überlegung wert. Dazu ein Europa-ETF, zumindest für die nächsten Jahre.

    Es sieht sowieso danach aus, dass bei mehreren ETF im Depot spätestens alle zwei Jahre geschaut werden muss, ob das noch alles seine Richtigkeit hat.

    Konsequent durchdacht heißt das aber, Buy&Hold ist eigentlich nicht möglich/empfehlenswert? Auch wenn man über einen Zeitraum von 2 (+ X) Jahren redet. Aus "Sparplan und fertig" wird ein regelmäßiger Gestaltungsdrang, m.E. unnötig. Jetzt ist EU mehr zu gewichten, dafür US weniger, dann kommen die Asiaten vielleicht daher, dann die SmallCaps, dann am Ende doch wieder USA und Tech...

    Das ist für Leute, die Geldanlage mit Hobby verknüpfen. Wer sogar die Einfachheit möglichst einfach will, geht auf einen breiten Sparplan, und lässt die Jugendsünden nebenher liegen (und damit auch weiterlaufen). Der Nasdaq 100 ist ja nun auch keine Zusammenstellung der 8 besten mongolischen Buttermilchfabriken. Ob sich da jetzt die Kennzahlen fragwürdiger Länderverteilungen über Jahre verschieben, oder von heute auf morgen, wird unterm Strich keinen großen Unterschied machen. Jedenfalls keinen für jemanden, der sein Depot einfach haben will.

  • Ein All World ETF ist die 1-ETF-Lösung - ausser es meint jemand, es muss der Kommer sein.....

    Wer sich jetzt Asien, Gold, Silber, EM, Europa, Small Caps etc zugelegt hat, wird nicht drumherum kommen, ab und zu nachzuschauen, was Sache ist. Die seh ich (ausser vielleicht Gold) nicht als Dauereinrichtung.

  • Glückwunsch zu den Buchgewinnen!

    Du könntest dir auch erstmal ganz in Ruhe die Regionalverteilung veranschaulichen. Zum Beispiel, indem du deine ETFs in den kostenlosen Portfolio-Tracker von Extra-ETF eingibst (oder ein ähnliches Tool).

    Da siehst du dann, wie viel Prozent USA in deinem Portfolio sind. Egal, aus wie vielen Depots das besteht. Wenn dich das dann immer noch stört, könntest du zum Beispiel per Sparplan solange Anteile von einem Ex-USA-ETF kaufen, bis dir die Aufteilung besser gefällt.

    Nur dein Gemütszustand entscheidet darüber, ob du jetzt vorzeitig Steuern zahlst. Notwendig ist das nicht.