Asset Allokation/Sicherheitsbaustein bei gesundheitlicher Prognose und Teilzeitwunsch

  • Hallo zusammen,

    ich suche Unterstützung bei meiner langfristigen Finanzplanung. Aufgrund meiner gesundheitlichen Prognose stehe ich gerade vor Herausforderungen bei der sinnvollen Strukturierung meines Vermögens.


    Lebenssituation:

    - Ende 30, kinderlos, in langjähriger Partnerschaft

    - Wohnsituation in Immobilie des Partners (mietfrei, lfd. Kosten werden geteilt). Absicherung für den schlimmsten Fall besteht (Nießbrauch/Risiko-LV).

    - Angestellter, privat krankenversichert, Dienstwagen (kein eigenes Auto)


    Finanzielle Situation:

    - jährliche Sparleistung ca. 35.000 EUR, keine Schenkungen/Erbschaften zu erwarten

    - keine Schulden, liquides Vermögen 200.000 EUR

    Risikoreich:

    -> 75.000 EUR SPDR MSCI ACWI IMI

    -> 18.000 EUR Gold (physisch)

    Risikoarm:

    -> 100.000 EUR Bundesschatzanweisung 06/2026

    -> 7.000 EUR Tagesgeld

    Alles davon steht zur Disposition.


    Die Krux:

    - nicht heilbare genetische Erkrankung, die unvorhersehbar verläuft und die Arbeitsfähigkeit potentiell in den nächsten 10-20 Jahren einschränken oder ganz zerstören kann, mit höchster Wahrscheinlichkeit aber zumindest das Rentenalter maßgeblich bestimmen wird. 100 werde ich damit auch nicht gerade, nach jetzigem Stand.

    - daher Wunsch nach Teilzeit 50% ab ca. 45 Jahren, um das Leben noch etwas mehr auskosten zu können, bevor die Talfahrt kommt. Mit 50% TZ werde ich bei jetzigen Fixkosten kein Vermögen verzehren, aber signifikant weniger sparen (ca. noch 6.000 EUR p.a.).

    Glücklicherweise bestehen 12-15 Jahre alte BU-Versicherungen (ca. 3.200 EUR Rente), die lange vor der Diagnose abgeschlossen wurden. Auch die PKV stammt natürlich aus dieser Zeit vor der Diagnose.


    Ich tue mich insbesondere schwer mit der Risikotragfähigkeit/„Level 1 Allokation“. Ich schwanke zwischen dem Sicherheitsbedürfnis (wegen der Krankheit, PKV-Kosten und der Tatsache, dass meine niedrigen Fixkosten am weiteren Gelingen der Partnerschaft hängen) und dem Wunsch nach Rendite (samt der Frage: wie viel Rendite ist nötig?)

    Wie hoch sollte der risikoarme Anteil in meiner Situation sein? Ist ein Fixbetrag (z. B. 100.000 EUR, wie von einer KI vorgeschlagen, vermutlich auf Basis meiner aktuellen Allokation) sinnvoller oder ein prozentualer Anteil am Gesamtvermögen? Ich habe grundsätzlich keine Angst vor Volatilität und bin in Sachen Geldanlagen fachlich fit, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich mir diese Gelassenheit leisten kann und sollte.

    Wie gehe ich mit den künftigen Sparraten um?

    100.000 € in Geldmarkt/Anleihen wirken aktuell sehr hoch für mich, aber in ca. 7-8 Jahren rechne ich mit einem Gesamtvermögen von fast 500k € rein durch die Sparraten, das entspräche dann nur noch einer Sicherheits-Quote von 20%. Ist das zu konservativ, zu riskant oder angesichts der gesundheitlichen Unsicherheit und meiner Pläne angemessen?

    Danke für jeden Input.

  • Kater.Ka 17. Februar 2026 um 13:13

    Hat das Thema freigeschaltet.
  • Moin Old Ideas ,

    Freies Geld erstmal weiter in den IMI investieren und wenn die Bundesschätze auslaufen noch mal überlegen.

    Du musst dich damit wohlfühlen und wenn du den Renditeteil ausbauen möchtest dann nur zu.

    Ansonsten ist das ja eine schön einfaches Portfolio. Gefällt mir.

    Verheiratet? Vollmachten und Patientenverfügung auch bedacht?

    Dann sieh zu das du/ihr von deinem Geld etwas hast und du Dir/euch schöne Zeit und Erlebnisse davon gönnst.

    Munter bleiben und Gute Finanzentscheidungen.

  • Danke für die Rückmeldung! Wir sind nicht verheiratet, vertraglich bzw. hinsichtlich der Vorsorge ist aber alles nötige geregelt.

    Mir ist hauptsächlich nicht klar, wie ich auf eine dauerhaft sinnvolle Aufteilung risikoreich/risikoarm kommen soll. Natürlich kann meine Risikotoleranz kein anderer als ich kennen, aber ich scheitere am Festlegen der Risikotragfähigkeit, die ja nach meinem Verständnis objektiver sein sollte. Ich will nicht zu konservativ unterwegs sein, weil eine gewisse Rendite einfach nötig ist, um die verkürzte Erwerbsbiografie aufzufangen. Gleichzeitig will ich mich nicht in einem ernsthaften Crash-Szenario auf 15 Jahre finanziell kaltstellen. Vielleicht verkopfe ich das Thema auch zu sehr oder gehe es zu dogmatisch an.

  • eine dauerhaft sinnvolle Aufteilung risikoreich/risikoarm kommen soll

    Das wäre in meinen Augen die Aufteilung mit der du genügend flüssiges Vermögen hättest um eine 3-5 Jährige „Durststrecke“ zu überstehen. Musst du dir ausrechnen wieviel das sein könnte. Dann vielleicht noch etwas Puffer, das könnte ja auch dein Gold sein.
    Der Rest darf dann ruhig Renditestärker an der Börse angelegt werden.

    Wichtig ist das du dich mit dieser Aufteilung wohlfühlst, die letzten paar tausend Euro Rendite werden dich auch nicht Zufriedener machen.

    Pass auf dich/euch auf und gönne dir auch etwas von deinem Vermögen.
    Man darf auch ruhig mal Geld für Quatsch ausgeben wenn es einem Freude bereitet.

    Die Rendite der sofortigen Freude kannst du mit mehr Geld in der Zukunft nicht erhöhen.

  • Grundsätzlich würde ich immer schauen, mich so aufzustellen, dass es in der gegenwärtigen Situation und gegenwärtig geplanten Zukunft bestmöglich funktioniert, es aber eine Flexibilität bei unvorhergesehenen Veränderungen gibt - die bei Dir aufgrund Deiner Erkrankung leider wahrscheinlicher sein dürften als im Durchschnitt.

    Die nüchterne Analyse lautet, dass es im Grunde drei Lebensphasen zu gestalten gibt:

    1. bis zum Beginn der Teilzeit
    2. Teilzeit-Phase
    3. reguläre Renten-Phase

    Wenn ich es richtig verstehe, wirst Du noch in 2 keine Entnahmen vornehmen müssen. Das spricht dafür, dass eine hohe Risikotragfähigkeit vorliegt und die laufenden Investments mindestens in 1 gut vollständig in den renditestarken Aktienmarkt gehen können.

    Du müsstest schauen, wieviel würdest Du im WorstCase-Szenario (mit Trennung und fortschreitender Erkrankung) benötigen? Einen für drei bis fünf Jahre dafür ausreichenden Betrag würde ich in verhältnismäßig kurz (0 bis 5 Jahre) laufende Staats- und Unternehmensanleihen-ETFs geben - weil man damit flexibler aufgestellt ist als mit Festgeld o. Ä.

  • so verkehrt klingt das jetzt alles nicht ... wenn Du den Gedanken hast mit Ende 30 in ca 6-7 Jahren (mit 45) in Teilzeit zu gehen. Tendenziell würde ich das Tagesgeld noch aufstocken, da es als Notgroschen (Tagesgeld) nicht so wirklich zum Verdienst/Sparrate passt, oder?

    Bei auslaufen der Bundesschatzanweisungen, würde ich da tendenziell den sicheren Baustein etwas zu reduzieren/verschieben, vielleicht insgesamt den Notgroschen dann auch 20.000 € anwachsen lassen? Ob Du dann mehr in den Risikoteil schieben solltest ... aufgrund der Erkrankung hätte ich da auch etwas Bauchschmerzen. So grob hätte ich vermutlich an deiner Stelle auch 50/50 risikoreich/risikoarm gemacht.

  • Ich finde, prozentuale Aufteilungen in der Assetallocation eignen sich dann, wenn man das Schwankungsrisiko eine Aktienportfolios dämpfen möchte. Dann kann man X% schwankungsärmere Assets hinzufügen und so die Volatilität dämpfen.

    Für die Risikotragfähigkeit wäre die Frage wichtig, auf welche Beträge Du in den nächsten 10-15 Jahren aus Deinem Portfolio angewiesen bist.
    Angenommen das Gehalt wäre sehr sicher und die BU würde den normalen Lebensunterhalt gut abdecken, wäre die Tragfähigkeit sehr hoch.
    Wenn ich Dich richtig verstehe, würde auch die Teilzeit keine Entnahme aus dem Portfolio erforderlich machen.
    Die Fixkosten wären bei Dir ja selbst mit Teilzeit und einem (hoffentlich nicht eintretenden) Scheitern der Beziehung kein Problem. Dann sänke die Sparrate auf 0 und Du würdest bspw. 60% statt 50% arbeiten.

    Von daher wäre zu ermitteln, wofür genau das Portfolio benötigt wird. Daraus könntest Du auch ermitteln, welche Rendite Du brauchst.

  • Danke euch für die gedanklichen Anstöße, das hat durchaus geholfen zu sortieren.

    Ich denke, solange ich noch so arbeite wie bisher, ist ein größerer Notgroschen auf dem Tagesgeld eher optional, da ich eigentlich alles was so spontan an Ungemach hereinbrechen kann aus der laufenden Sparrate kurzfristig auffangen könnte und eine Bundesanleihe ist ja im Handumdrehen zu Geld gemacht.

    Den sicheren Depotanteil an meinen (notwendigen) Ausgaben mit Faktor 3-5 Jahre auszurichten scheint mir am sinnvollsten zu sein und würde dabei auch noch "automatisch" die persönliche Inflation berücksichtigen. Dafür mache ich mich mal auf die Suche nach einem Instrument wie hier angeregt:

    Einen für drei bis fünf Jahre dafür ausreichenden Betrag würde ich in verhältnismäßig kurz (0 bis 5 Jahre) laufende Staats- und Unternehmensanleihen-ETFs geben - weil man damit flexibler aufgestellt ist als mit Festgeld o. Ä.

    Gibt es Empfehlungen dazu? Was ist etwa davon zu halten: IE00BVZ6SP04 (PIMCO Euro Short Maturity UCITS ETF Acc)? Die aktive Verwaltung scheint zumindest hinsichtlich der Kosten keinen großen Schaden anzurichten.

    Alle Überschüsse darüber hinaus fließen künftig in Aktien-ETF, hier beschränke ich mich auf ACWI IMI/FTSE All-World.

    Und ja, die Ratschläge das Leben nicht zu kurz kommen zu lassen, sind sehr gut platziert. Wir leben schon recht gut, ein derzeit noch hohes Einkommen ermöglicht zum Glück beides, aber das gute Leben hat ein deutlich kürzeres Verfallsdatum bekommen, als das Vermögen.

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