Portfolio mit Geldmarkt-ETF

  • Hallo zusammen,

    Ich bin gerade dabei mein Portfolio zu Ende zu bauen und mache mir Gedanken zum Sicherheitsbaustein. Der Großteil meiner Anlage ist aktuell ein Welt-ETF (MSCI ACWI IMI), dazu habe ich vor ein paar Monaten zum Ausprobieren einen Sparplan auf einen Geldmarkt-ETF (Amundi Overnight) begonnen und überlege diesen zum Sicherheitsbaustein auszubauen. Letztlich könnte ich mir ein 70/30-Portfolio (Aktien-ETF/ Anleihen-ETF) vorstellen (unbenommen davon bleibt ein großzügiger Notfallgroschen auf dem Tagesgeldkonto).

    Mir ist klar dass der Geldmarkt-ETF risikoreicher ist als Fest- oder Tagesgeld. Allerdings behalte ich den Zinsmarkt ohnehin im Blick und da genug Zeit zum Reagieren bleibt, sehe ich das Risiko als sehr gering an.

    Meine Gedanken dahinter:

    • Fest- und Tagesgeld bei meiner Bank sind gerade uninteressant. Auch bei anderen Banken sind die Lockangebote nicht wirklich gut und Bank-Hopping will ich ohnehin nicht. Ähnlich Rendite bekomme ich auch mit einem Geldmarkt-ETF.
    • Der Vorteil liegt auf der Hand: Ich komme flexibler an das Geld ran. Und dass vor allem bei einem Börsen-Crash: Dann kann ich evtl. sogar relativ schnell wieder die 70/30 herstellen.

    Was meint ihr dazu?

  • Spricht aus meiner Sicht nichts dagegen, wenn man keine Lust auf Tagesgeld-Hopping hat. Ich verwende genau dafür den Amundi Smart Overnight, ein Hauch risikoreicher, bringt dafür gegenüber dem normalem Amundi Overnight oder auch dem allseits geschätzten Xtracker Overnight ein halbes Prozent mehr im Jahr, was dem Inflationsausgleich vielleicht noch etwas näher kommt (im Jahresvergleich 2,5% vs. 2%, wir reden hier also von homöopathischen Beträgen).

  • Was meint ihr dazu?

    Muss es unbedingt ein Geldmarkt ETF sein?
    Wenn Dir die Sicherheit besonders wichtig ist, empfiehlt sich ein ETF auf kurzlaufende deutsche Staatsanleihen. Z.B. der DBX0T8 xTrackers German Gov. Bonds 0-1.
    Damit liegst Du mit der Rendite nahe bei einen Geldmarkt-ETF bei extrem hoher Sicherheit.

  • Mir ist klar dass der Geldmarkt-ETF risikoreicher ist als Fest- oder Tagesgeld.

    Das höhere Risiko ist im mikroskopischen Bereich.

    Zitat von Guruguru

    Auch bei anderen Banken sind die Lockangebote nicht wirklich gut und Bank-Hopping will ich ohnehin nicht. Ähnlich Rendite bekomme ich auch mit einem Geldmarkt-ETF.

    Das ist Ansichtssache. Bei 100k im risikoarmen Teil sind das immerhin ca. 1000 Euro mehr Zinsen im Jahr. Das sind dann doch ein paar Döner für 5 Minuten ,,Arbeit" im Jahr. Für dieses ,,mehr an Zinsen" verbiegen sich viele Anleger geradezu und gehen in Unternehmensanleihen oder längere Laufzeiten. Beides hat deutlich mehr Risiko. Der Privatanleger hat den Vorteil, dass der Staat bis 100k hilft, wenn die Bank schlapp macht. Das haben die Profis nicht. Die müssen in den Geldmarkt oder Staatsanleihen gehen.

    Anmerkung: Ich mache es nicht, aber ich kann Menschen mittlerweile verstehen, die es machen. es gibt sinnlosere Tätigkeiten.

  • Mag mir jemand erklären, warum hier der xTrackers German Gov. Bonds 0-1 mit ausschließlich Deutschen Staatsanleihen empfohlen wird?

    Haltet ihr es wirklich für wahrscheinlich (black swan.... ja habe ich auch schon gehört), dass der im Vergleich zu einem Euro Gov Bond 0-1 mit zusätzlich so schönen französischen, italienischen und spanischen Anleihen sicherer ist?

    Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die EZB eine europäische Anleihe platzen lässt, egal wie es gerade um das entsprechende Land bestellt ist - weil dann die Auswirkungen auf die gesamte europäische Finanzlandschaft wahrscheinlich einem Super-GAU nahe kommen.

    Bei Negativzinsen hatte man übrigens auch mit den rein deutschen Anleihen keinen Spaß. Hier mal der Vergleich von zwei iShares ETFs, die Xtracker haben leider keine so lange Historie.

    https://www.fondsweb.com/de/vergleichen…Z9,IE00B3FH7618

  • Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die EZB eine europäische Anleihe platzen lässt, egal wie es gerade um das entsprechende Land bestellt ist - weil dann die Auswirkungen auf die gesamte europäische Finanzlandschaft wahrscheinlich einem Super-GAU nahe kommen.

    https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/sch…nland-1.1488376


    Ich liebe diesen Satz:

    Zitat

    Im Zuge der Rettungsaktionen für Griechenland hatten europäische Politiker mit großen Banken einen freiwilligen Verzicht aller Gläubiger ausgehandelt.

  • Haltet ihr es wirklich für wahrscheinlich (black swan.... ja habe ich auch schon gehört), dass der im Vergleich zu einem Euro Gov Bond 0-1 mit zusätzlich so schönen französischen, italienischen und spanischen Anleihen sicherer ist?

    Dazu hat Irving ja bereits etwas geschrieben.
    Gibt einige Anleger, die mit griechischen Staatsanleihen heftige Verluste eingefahren haben, weil Sie sich darauf verlassen haben, dass es keinen Schuldenschnitt geben wird.

    Bei Negativzinsen hatte man übrigens auch mit den rein deutschen Anleihen keinen Spaß.

    Wenn es keine positiven Zinsen gibt hast Du mit keiner kurzlaufenden Anleihe dieser Welt Spaß.:rolleyes:
    Daher haben sich viele Anleger zur Nullzinszeit ja auch ETF mit langlaufenden Staatsanleihen ins Depot gepackt. Leider ohne die Risken zu verstehen. Und dann kam die Zinswende...

    PS: Man kann man das Geld immer noch auf ein Tagesgeldkonto packen zur Not auch zu Nullzins. Dann hat man nur noch das Inflationsrisiko.

  • Der große, offizielle Schuldenschnitt (PSI – Private Sector Involvement) in Griechenland fand im März 2012 statt. Private Gläubiger wie Banken und Versicherungen verzichteten auf ca. 53 % des Nominalwerts ihrer Anleihen, was die Schuldenlast um über 100 Mrd. € reduzierte. Weitere Erleichterungen folgten durch Zins- und Laufzeitanpassungen.

    Zumindest in diesem Chart sieht der Schuldenschnitt aber nicht sehr beunruhigend aus. Müsste man mal rausbekommen, ob die damals auch in Griechenland investiert waren. Factsheets aus der Zeit habe ich auf der Homepage leider nicht gefunden.

    https://www.justetf.com/de/etf-profile…7618#uebersicht

  • Die verbreitete Empfehlung für den sicheren Teil des Depots ist Anleihen mit mind AA, Heimatwährung und 1 bis max 3 Jahre Restlaufzeit.
    Wenn man mehr Rendite möchte, erhöht man den Aktienanteil.

    BBB Anleihen sind eine andere Kategorie. In Investment Grade ETFs ist nicht nur ein möglicher Default ein Problem für die Rendite, sondern auch wenn eine Investmengrade Anleihe nur noch ein BB Rating bekommt. (Griechenland ist glaube ich schon Anfang 2010 unter Investmentgrade eingestuft worden.) Dann muss der ETF zu schlechteren Kursen verkaufen.

    Ist kein Weltuntergang, aber man hat den risikoarmen Teil ja eigentlich, weil man sich da über solche Dinge keine Gedanken machen möchte…

  • Private Gläubiger wie Banken und Versicherungen verzichteten auf ca. 53 % des Nominalwerts ihrer Anleihen, was die Schuldenlast um über 100 Mrd. € reduzierte.

    Ich kenne einige dieser „privaten Gläubiger“, und von denen hat nicht einer freiwillig verzichtet. Sie wurden faktisch enteignet. Punkt.

    „Politiker und Banken haben entschieden, dass alle Gläubiger freiwillig verzichten“. Das ist ungefähr so, als würden dein direkter Vorgesetzter und der CEO entscheiden, dass du ab jetzt freiwillig Arbeitslosengeld I beziehst. Genau wie das „Sondervermögen“ ist das verbaler Unsinn. Die „privaten Gläubiger“ haben damals getobt. Kein Einziger wollte freiwillig auf sein Geld verzichten. Warum auch?

    Ein solches Risiko ist bei AAA-Anleihen am kurzen Ende praktisch nicht vorhanden. Denn bevor Deutschland auf ein entsprechendes Niveau fällt, kann man problemlos aussteigen.Es ist natürlich trotzdem nicht null, aber sicherer geht es momentan kaum. Wegen 0,2 Prozentpunkten mehr Rendite würde ich keine anderen EU-Länder beimischen, auch wenn das Risiko dort ebenfalls sehr gering ist.

  • Ich weiß nicht wie viel ihr in den sichereren Teil packt, wenn ich den Sparer zur Altersvorsorge nehme, der noch ein paar Jahre bis zur Auszahlung hat, dürfte dieser Anteil im unteren fünfstelligen Bereich liegen. Was bei 10k je 0,1% immerhin 10 € im Jahr ausmacht. Also für einen großen Teil der Sparer nicht so wichtig, wenn natürlich große Beträge, zB für eine Immobilie, zurück gehalten werden sollen, sieht die Welt natürlich anders aus. Für mich ist der Prozentsatz daher Zweitrangig, entscheidender ist der ETF, ich habe einen thesaurierenden Geldmarkt ETF und gut ist, der hat im letzten Jahr 2,1% Zinsen gebracht, also die Inflation in etwa ausgeglichen, mehr erwarte ich da auch nicht.

  • Geldmarkt ETF: Immer den akuellen risikofreien Zins.

    TG: Nur für wenige Monate sehr gute Zinsen, danach grds. miserabel.

    FG: mittel- bis langfristige Wette, dass der Zins nicht steigt, und währenddessen kommst du nicht ans Geld.


    Vom Kontrahenten- bzw. Ausfallrisiko her sehe ich perönlich das vergleichbar mit kleinem Vorteil beim ETF durch Streuung!

  • Für mich immer wieder erstaunlich (um nicht zu sagen ein Faszinosum), was so alles in Vergessenheit gerät und/oder schlicht unbekannt ist ...

    Ok, vielen Dank für die Erinnerung, die Griechenlandgeschichte hatte ich echt verdrängt

    Beispielsweise just heute am 6. März vor 26 Jahren begann nach meiner Erinnerung die kräftigste Baisse des DAX, in deren Verlauf der Index nahezu drei Viertel seines Wertes einbüßte. Die "Story" für die Euphorie bildete damals das Thema "Internet" und - neben dem sog. "Neuen Markt "- insbesondere vier Werte (Mannesmann, Siemens, SAP und Deutsche Telekom - Letztere Aktie notierte damals um die 105 € herum ...).

    Neben dem damals mehr oder weniger (eher deutlich mehr) kräftigen "erzwungenen" Schuldenschnitt für "private" Gläubiger" (besser waren die Gläubiger aufgestellt, die griechische Staatsanleihen begeben nach internationalem Recht (foreign law)gekauft hatten, als jene, die solche begeben nach griechischem Recht erworben hatten ...) gab es - neben den ganzen Rettungspaketen - übrigens auch einen Schuldenschnitt für die "öffentlich-rechtlichen" Gläubiger Griechenlands sprich die europäischen Steuerzahler und damit auch die deutschen Steuerzahler.

    Es war ein Stück aus der "Schwurbel-Feinkostabteilung" wie damals beispielsweise ein schwergewichtiger (von Amts wegen aber auch betreffs der kg an Körpergewicht) Peter Altmaier (CDU) verbal um dieses Tatsache herum schwurbelte. In persönlichen Gesprächen aber auch bei Medienauftritten im Print- und TV-Bereich. Sein Mantra: "Hat den deutschen Steuerzahler keinen Cent gekostet".