Das perfekte 1-ETF-60/40 oder 80/20 Portfolio

  • Ich stelle ja durchaus immer mal wieder meine Anlagestrategie infrage und stöbere daher auch auf der Suche nach einer möglichen Vereinfachung regelmäßig durch meine alten Musterdepots, die ich als Benchmark verwende. Unter anderem findet sich da seit Jahren der "berühmte" ARERO mit 60% Aktien, 25% Anleihen und 15% Rohstoffen, davon ca. 3% Edelmetallen. Auch Beck ist mit seinem Global Portfolio One schon länger am Start.

    In letzter Zeit kommen aber von diversen Fondsgesellschaften neue, auf den ersten Blick sehr interessante 1-ETF-Portfolio-ETFs auf den Markt, die Vanguard LifeStrategy 80/20, 60/40, 40/60 und 20/80 sind da sicherlich die bekanntesten. Xtracker hat jetzt kürzlich nachgezogen, JP Morgan auch.

    Bei näherer Betrachtung (Factsheets mühsam auseinandernehmen und die enthaltenen Einzel-ETFs nach Regionen sortieren) fällt nur auf, dass mit Ausnahme des ARERO - der nach BIP investiert - nahezu alle ETFs eine fast gleiche Aktienverteilung haben und sich das ehrlicherweise nur minimal von einem FTSE World und ACWI IMI unterscheidet. Finde ich schon einmal maximal enttäuschend, insbesondere deshalb, weil das echt ne Weile gedauert hat, die Daten zusammenzusuchen ;) Nagelt mich jetzt nicht auf das letzte Zehntelprozent fest, aber hier sind mal die Daten diverser 60/40 und 80/20 ETFs (in der Tabelle wird nur der Aktienanteil vom ETF betrachtet und auf 100% Aktien bezogen).

    VerteilungUSA+KanadaEuropaJapanSüdkoreaRest Asien/PacificChinaIndienRest Emerging
    Vanguard LifeStrategy 60% - IE00BMVB5P51 60/4065,114,95,91,84,03,31,83,8
    Vanguard LifeStrategy 80% - IE00BMVB5R75 80/2065,214,65,81,73,53,31,84,2
    JP Morgan Strategic Allocation Moderate (60/40) - IE000TWAN2K7 60/4063,815,26,52,41,73,71,95,6
    JP Morgan Strategic Allocation Growth (80/20) - IE000MVWFDH1 80/2064,215,16,12,41,63,71,95,5
    Xtracker Diversified Portfolio 60% - LU3116008692 60/4062,013,85,82,38,83,81,91,7
    Xtracker Diversified Portfolio 80% - LU3116008775 80/2060,613,55,72,38,73,82,01,9
    Global Portfolio One - AT0000A2B4T3 80/2062,915,98,31,53,22,51,23,9
    Arero 60/25/15 - LU0360863863 60/25/1531,523,44,96,42,29,85,016,8
    Vanguard FTSE All-World UCITS ETF 10064,815,05,91,92,63,41,84,7
    ACWI IMI 10065,914,725,671,842,62,791,784,7

    Der Sieger im mehrjährigen Vergleich wird aufgrund der Ausgewogenheit des ja nach der allgemeinen Lehrmeinung eigentlich für die Performance zuständigen Aktienanteils wahrscheinlich nur ausgewürfelt.

    Oder steckt das Geheimnis dieser Portfolios möglicherweise doch im Anleihen- bzw. Rohstoffanteil? Vanguard und JP Morgan haben nur Anleihen, Xtracker immerhin 5% Gold, GPO und ARERO jeweils ca. 3% Gold, der ARERO wie schon oben geschrieben noch 12% weitere Rostoffe, das geht neben Metallen und Öl wahrscheinlich vom O-Saft bis zu Rindviech.

    Und jetzt kommen wir allmählich zu meiner Frage:
    Was wissen die ETF Anbieter denn mehr als die altbekannten Spezialisten wie Prof. Walz und Co oder auch das geballte Wissen hier im Forum?
    Wenn insbesondere hier im Forum nach Anleihen zur Depotstabilisierung gefragt wird, kommt ja reflexartig die immer die gleiche Antwort: der Aktienanteil ist für die Performance zuständig, zur Stabilisierung soll man in beliebiger Höhe Anleihen beimischen, der Anteil ergibt sich aus der persönlichen Schmerzempfindlichkeit, wenn es im Aktienanteil mal scheppert. Und investiert 15 Euro in ein Buch, ihr kennt die Namen....

    Empfohlen wird anschließend üblicherweise ein kurzlaufender Anleihe-ETF mit deutschen Bundesanleihen (0-1y) bester Bonität oder ein Geldmarktfonds. Wenn man gaaaaaanz risikoreich unterwegs sein will, darf man sogar im 1-3y Bereich nicht nur in deutsche, sondern sogar in europäische Staatsanleihen investieren. Das führt aber bei dem ein oder anderen Mitforenten hier schon gelegentlich zu Schnappatmung, daher besser nur 0-1y, wenn es denn unbedingt europäische Staatsanleihen sein sollen.

    Und was machen jetzt die oben genannten ETF Anbieter im Anleihenteil?
    Die scheren sich einen Dreck um dieses Konzept. Staatsanleihen diverser Länder, gerne auch außerhalb des Euroraums, ggf. sogar Emerging Markets, mal gehedged, mal nicht gehedged mit merkwürdigsten Laufzeiten, Unternehmensanleihen sind natürlich auch in allen Varianten dabei. Hier mal paar Beispiele:

    Xtracker:
    ESG Glob­al Ag­greg­ate Bond UCITS ETF 5C EUR Hedged LU0942970798
    Glo­bal Go­vernment Bond UCITS ETF 1C EUR Hedged LU0378818131
    J.P. Mor­gan USD Emer­ging Mar­kets Bond UCITS ETF 1C EUR Hedged LU0321462953
    USD Cor­po­ra­te Bond UCITS ETF 2D EUR Hedged IE00BZ036J45
    USD High Yield Cor­por­ate Bond UCITS ETF 2C EUR Hedged IE00BG04LT92
    EUR Cor­po­ra­te Bond UCITS ETF 1C LU0478205379
    EUR High Yield Cor­por­ate Bond UCITS ETF 1C LU1109943388

    JP Morgan
    JPM GBL AGG BD A UCITS E /EUR/ IE000PQQLZM7
    JPM GLB IG CORP BD UCITS /EUR/ IE00048C5NZ0
    JPM USD HY BOND UCITS ET /EUR/ IE000CQMYME2
    JPM GLOBAL GOV BND UCITS /EUR/ IE0008P6LL15
    JPM USD EM SOV BD ETF EU /EUR/ IE00BDDRDY39

    Vanguard
    Global Aggregate Bond UCITS ETF EUR Hedged Accumulating
    USD Treasury Bond UCITS ETF EUR Hedged Accumulating
    EUR Eurozone Government Bond UCITS ETF (EUR) Accumulating
    U.K. Gilt UCITS ETF EUR Hedged Accumulating
    USD Corporate Bond UCITS ETF EUR Hedged Accumulating
    EUR Corporate Bond UCITS ETF (EUR) Accumulating

    Und nun noch mal zur Frage aus Sicht eines Anlegers aus dem Euro-Raum:

    Sind die 1-ETF-Portfolio-Anbieter einfach mutiger, ignoranter oder verrückter als der Standard-Privatinvestor oder was steckt hinter diesem Anlagekonzept? Oder kaufen das sowieso nur unbedarfte Anleger, die das sowieso nicht merken und froh sind, dass sie das kostengünstige Produkt nach 20 Jahren Investitionen in teure Sparkassenfonds endlich gefunden haben?

  • Vorab mal eines:

    da du ja bei deinen Berechnungen nur den Aktienanteil berücksichtigst, hättest du dir oben drei Zeilen sparen können.

    Der Aktienanteil ist doch immer gleich aufgebaut, egal, ob es die 60 % oder 80 % Variante ist.

    So und jetzt lese ich das gemütlich mal durch.

    Interessant finde ich bei diesen ETF zum Beispiel die jetzige Situation.
    Wir haben zurückgehende Aktienkurse. Aktuell ist doch klar warum..,,

    Aber gleichzeitig steigen auch noch die Zinsen. In den USA und in Europa.
    Damit wird der Anleiheanteil dieser ETF weniger wert. Nicht optimal.

  • Schon mal herzlichen Dank für die Komplimente. Aber der Aktienanteil ist tatsächlich bei den 60% bzw. 80% ETFs der gleichen Anbieter gerade eben nicht immer gleich. Daher wollte ich es mal genauer wissen :thumbup:

    Exemplarisch mal der reine USA/Nordamerika Anteil bei Vanguard, erfolgt beim

    Vanguard LifeStrategy 60% nur durch einen ETF

    FTSE North America UCITS ETF (USD) Accumulating12,84

    Vanguard LifeStrategy 80% durch zwei ETFs

    FTSE North America UCITS ETF (USD) Accumulating19,23
    S&P 500 UCITS ETF (USD) Accumulating6,7

    Weitere USA Anteile kommen dann noch durch die in beiden ETFs enthaltenen FTSE All-World und FTSE Developed World dazu. Die Exceltabelle ist echt überraschend groß geworden...

  • Lass dich bitte davon überhaupt nicht irritieren. Das hat nach EU Recht einfach rechtliche Gründe. Da müssen Sie das zwangsweise mit vielen ETFs zusammen basteln.

    in der 60 % Variante brauchen Sie dazu eben zwei und in der 80 % Variante nur einen.

    Der Bastel-Wastel von Vanguard macht eben seine Arbeit.

    Diese ETF haben einen sehr großen Vorteil für nicht disziplinierte Anleger:innen.

    Stell dir mal vor, du hast 100.000 € angelegt.
    60.000 € in einem Vanguard FTSE All-World und 40.000 € in einem Geldmarkt ETF.
    Jetzt bricht der Markt wegen der nächsten Bankenkrise zusammen und plötzlich sind nur noch 35.000 Euro im Aktien da. Dann wird es Leute geben, die aus dem Geldmarkt-ETF Geld entnehmen und auf der Aktienseite anlegen.

    Das ist aber komplett falsch.

    Das wird verhindert, wenn es nur ein Produkt gibt.

  • Auf Portfolioebene kann man sowohl mit AAA-Kurzläufern als auch mit Aggregate Bonds zusammen mit einem Aktienanteil ein gewünschtes Rendite-Risiko-Profil ziemlich genau einstellen. Die Anteile sind jeweils anders. Das langfristige Endergebnis ist gleich.

    Bei Multi-Asset-Produkten ergeben Aggregate Bonds aus meiner Sicht mehr Sinn, weil sie breiter diversifiziert sind. Einen wirklichen Vorteil durch Kurzläufer sehe ich in solchen Produkten nicht, weil man ohnehin nur alles oder nichts handeln kann.

    Für Do-it-yourself-Anleger mit mehreren Töpfen halte ich Kurzläufer dagegen für sinnvoller, weil sie praktisch in allen Krisen stabil bleiben und somit gezielt in solchen Phasen ohne Verluste verkauft werden können. Das ist bei Langläufern und Unternehmensanleihen nicht immer der Fall. Gerade aus emotionaler Sicht und in der Entnahmephase kann das hilfreich sein.

    Langfristig und auf Portfolioebene macht es aber keinen großen Unterschied. Dafür sind die Märkte viel zu effizient.

  • Ok, magst du dem Herrn Beck mit seinem GPO erklären, dass er das falsch macht? Das ist nämlich genau sein Anlagekonzept. 80% in Aktien ist bei ihm Normalzustand, in Krisen investiert er antizyklisch aus dem Anleiheanteil auf bis zu 100% Aktien.....

  • Ok, magst du dem Herrn Beck mit seinem GPO erklären, dass er das falsch macht? Das ist nämlich genau sein Anlagekonzept. 80% in Aktien ist bei ihm Normalzustand, in Krisen investiert er antizyklisch aus dem Anleiheanteil auf bis zu 100% Aktien.....

    Falsch macht er nichts. Ich finde das GPO von Herrn Beck super. Vor allem aus emotionaler Sicht ist es gut gemacht. Bei nüchterner Betrachtung sind die „Erfolge“ im Bereich „Outperformance durch Antizyklik“ bisher jedoch eher überschaubar. Trotz vieler Krisen läuft es letztlich weitgehend mit dem Markt mit. Die Outperformance in den letzten Monaten dürfte eher durch den schwächeren US-Markt begründet sein (das GPO gewichtet nach Unternehmensgewinnen und nicht nach Marktkapitalisierung).

  • Jetzt bricht der Markt wegen der nächsten Bankenkrise zusammen und plötzlich sind nur noch 35.000 Euro im Aktien da. Dann wird es Leute geben, die aus dem Geldmarkt-ETF Geld entnehmen und auf der Aktienseite anlegen.

    Das ist aber komplett falsch.

    Ja 🤔🤔? Jetzt stellst du alles was ich über Rebalancing gelernt habe auf den Kopf 🙃.

  • Ja sehe ich auch so, in der Theorie klingt der GPO echt großartig, in der Praxis sieht man den Erfolg aber nicht wirklich.

    Trotzdem kreist bei mir immer mal im Hinterkopf der Gedanke, ob man nicht einfach 50% des Anlagevermögens in den ARERO und 50% in den Vanguard 60 stecken sollte, die Sparpläne entsprechend anpasst und sich dann sofort hier im Forum abmeldet. Dann hätte man schon fast den Kommer mit 50% BIP und 50% Marktkapitalisierung kopiert, pfeift auf die Faktoren und hat dafür echte Profis bei der Verteilung der Anleihen am Werk. Daher auch die heutige etwas intensivere Beschäftigung mit dem Thema.

  • Ok, magst du dem Herrn Beck mit seinem GPO erklären, dass er das falsch macht? Das ist nämlich genau sein Anlagekonzept. 80% in Aktien ist bei ihm Normalzustand, in Krisen investiert er antizyklisch aus dem Anleiheanteil auf bis zu 100% Aktien..

    Also: der disziplinierte private 60:40- Mensch macht das jährliche Rebalancing tiefenentspannt EINMAL im Jahr.

    Für Fans empfehle ich den bekannten Nikolaus Braun. Es gibt ja jetzt wieder ein neues Buch.

    Welcher Tag das ist, ist völlig egal. Hauptsache, er wird sklavisch eingehalten.
    das kann vor Weihnachten sein, das kann auch am Geburtstag sein oder am Namenstag.

    Das ist der große Unterschied.

    Andreas Becks GPO-Strategie ist im Kern ein antizyklisches Rebalancing eines Weltportfolios: In normalen Phasen etwa 80 % Aktien und 20 % Reserve, bei starken Markteinbrüchen wird die Reserve schrittweise bis auf 100 % Aktien investiert. Aus Sicht der modernen Portfolio-Theorie ist das grundsätzlich plausibel, weil Krisen höhere erwartete Aktien-Risikoprämien bedeuten können und antizyklisches Verhalten langfristig sinnvoll ist. Allerdings enthält die Strategie auch Elemente von Market Timing, für die es empirisch keinen stabilen Überrendite-Nachweis gibt. Ein klassisches Portfolio (z. B. 60 % Aktien-ETF / 40 % Geldmarkt oder Anleihen) mit regelmäßigem Rebalancing würde bei einem Börsenrückgang ebenfalls automatisch Aktien nachkaufen…… nur weniger aggressiv. Der theoretische Mehrwert der GPO-Strategie gegenüber einem einfachen, kostengünstigen ETF-Portfolio ist daher nicht eindeutig belegt, während die Fondskosten deutlich höher sind.

    Persönliches Fazit: nicht in die rutschenden Märkte hineinkaufen.

  • Ja 🤔🤔? Jetzt stellst du alles was ich über Rebalancing gelernt habe auf den Kopf 🙃.

    Nein, es ging nur um den Zeitpunkt wann man das macht. Siehe Erläuterung gerade eben.

    Ich stehe gerade bei 77:23 und werde erst wieder etwas tun, wenn der Routine Tag kommt.

  • Nein, es ging nur um den Zeitpunkt wann man das macht. Siehe Erläuterung gerade eben.

    Ich stehe gerade bei 77:23 und werde erst wieder etwas tun, wenn der Routine Tag kommt.

    Über dein Konzept habe ich tatsächlich noch nie nachgedacht. Bei mir laufen Sparpläne, und immer wenn mal zusätzliches Geld vorhanden ist und keine Steuervorauszahlung ansteht, ziehe ich das Verhältnis (70/30) so einigermaßen glatt. Ich dachte, häufigeres und unregelmäßiges Rebalancieren kann jetzt nicht schaden....

  • Ja sehe ich auch so, in der Theorie klingt der GPO echt großartig, in der Praxis sieht man den Erfolg aber nicht wirklich.

    Bei der Performance nicht. Beim Verhalten der Anleger, die in dem Fonds investiert sind, sieht man die Erfolge deutlich. Das GPO hat keine Mittelabflüsse in Krisen. Fast alle anderen Fonds schon.

    Zitat von carbarazzi

    Trotzdem kreist bei mir immer mal im Hinterkopf der Gedanke, ob man nicht einfach 50% des Anlagevermögens in den ARERO und 50% in den Vanguard 60 stecken sollte, die Sparpläne entsprechend anpasst und sich dann sofort hier im Forum abmeldet.

    Du brauchst die Sparpläne nicht mal anpassen. Beide Produkte eignen sich sehr gut. Übrigens würde auch nur eins genügen. Die Unterschiede werden langfristig kaum messbar sein.

    Und ,,im Forum abmelden" bzw. ,,keine News mehr konsumieren" ist grundsätzlich auch keine schlechte Idee. Einen Vorteil für deine Performance im Portfolio hat es nicht.

    Zitat von carbarazzi

    Dann hätte man schon fast den Kommer mit 50% BIP und 50% Marktkapitalisierung kopiert, pfeift auf die Faktoren und hat dafür echte Profis bei der Verteilung der Anleihen am Werk.

    Oder man nimmt gleich den Kommer und hält paar Euro auf dem Tagesgeld für schlechte Zeiten. Ich würde mich da nicht verausgaben.

    Und das mit den ,,Profis am Werk"... Beim ARERO, LS60 und dem GPO? :/ Beim ARERO wird der Anleiheanteil mit dem Solacticve EuroZONE Government Bond Index abgebildet. Ein passiver Index. Beim Vanguard ist der Index auch passiv. Also nix mit ,,Profi". Und der Beck kauft halt deutsche Staatsanleihen, Schweizer Franken und Gold. Ob das besser als ein Tagesgeldkonto für Privatanleger mit deutlich mehr Zinsen ist, bezweifle ich.

  • Ok, dann bleibt als letztes Pro-Argument vielleicht noch die Teilfreistellung von 30% bei den 60/40 und 80/20 Portfolios (mit Ausnahme des Xtrackers 60/40, sofern ich mich richtig erinnere, auch wenn ich vergessen habe, warum das da nicht klappt). Die Teilfreistellung hätte man ja beim eigenen Mixen von Aktien und Anleihen/Geldmarkt nur auf den Aktienanteil. Aber ob das den Kohl jetzt fett macht…. 🤷‍♂️

  • Angenommen beim 60/40 machen die Aktien 7% Rendite p.a. und Anleihen 3%p.a.
    Das wäre dann eine durchschnittliche Rendite beider Anlageklassen von 5,4%.
    Bei 30% Teilfreistellung wären das 18,466% Steuern auf 5,4% bleiben ca. 4,4% Rendite nach Steuern über.
    Ohne Freistellung auf den Anleiheertrag sind das 18,446% auf 4,2% Rendite bleiben ca. 3,4% von Aktienrendite übrig von der Anleiherendite noch 1,2x 26,38% KeSt = 0,88% vom Anleiheteil. Sind zusammen ca.4,28% Gesamtrendite ohne Teilfreistellung auf Anleiheteil.

    Also ein gutes Zehntel Prozent Renditeunterschied wenn ich mich nicht verrechnet habe und die Anleihen wirklich 3% machen.

    Nicht die Welt aber auch nicht nichts.

  • Die Teilfreistellung hätte man ja beim eigenen Mixen von Aktien und Anleihen/Geldmarkt nur auf den Aktienanteil. Aber ob das den Kohl jetzt fett macht…. 🤷‍♂️

    Ich kann dich da beruhigen: der Unterschied ist fast bedeutungslos.

    Der Vanguard LifeStrategy 60% schüttet etwa 2,5 % aus und profitiert komplett von der 30 % Teilfreistellung, da der Aktienanteil über 51 % liegt.

    Nach Steuern (26,375 %) bleiben netto etwa 2 %.

    Ein selbst gebautes Portfolio mit

    60 % Vanguard FTSE All-World (1,5 % Ausschüttung, 30 % Teilfreistellung) und

    40 % Anleihe-ETF (4 % Zinsen, keine Teilfreistellung)

    kommt nach Steuern auf etwa 1,9 % netto.

    ABER: die Einzellösung kostet 0,25 % Gebühr, während bei den zwei ETFs etwa 0,14 % (0,19 % und 0,07 % natürlich grwichtet) anfallen.

    Solltest du auf die ketzerische Idee kommen, den Invesco FTSE All-World mit einer TER von nur 0,15 % zu nehmen, bist du noch etwas günstiger 0,12 % sind doch ein Wort.

    Ergebnis…., ?

  • Ich stelle ja durchaus immer mal wieder meine Anlagestrategie infrage

    Das wird auch nicht aufhören, wenn Du jetzt auf eine 1-ETF-Lösung umsteigst.
    Gestaltungsdrang und Optimierungen sind einer der vielen Renditekiller für Privatanleger.

    Wenn Du aktuell nicht nur in Einzelaktien oder Reddit-Hype-ETFs investiert bist, dann bleibe auf Kurs und halte fear and greed im Zaum.

    Global Aggregate ETFs kann man dem risikoreichen Teil des Portfolios beimischen, wenn man seine Rendite reduzieren möchte. Es ist aber leider nicht diese andere Anlageklasse mit niedriger Korrelation zum Aktienmarkt aber trotzdem ordentlichen realen Renditen, für die sie manchmal gehalten wird.
    Für meinen Geschmack viel zu häufig gehen diese ETFs zusammen mit den Aktien in den Keller. In der Vergangenheit sah die Performance u.a. deshalb gar nicht schlecht aus, weil wir von sehr hohen Zinsniveaus auf unter 0 gegangen sind, mit entsprechenden Kursgewinnen. Aktuell sind die Zinsniveaus im historischen Vergleich immer noch niedrig. Sollten wir mal wieder in Richtung 8% gehen, wäre ich aktuell lieber nicht in einen Anleihen ETF mit einer Duration von 6-8 investiert...

  • Aktuell sind die Zinsniveaus im historischen Vergleich immer noch niedrig

    Bringt es denn etwas das Zinsniveau im historischen Vergleich zu betrachten?
    Gut möglich das wir so hohe Zinsen nie wieder sehen werden.

    Ich weiß es einfach nicht und alles kann passieren, sogar das Gegenteil.

    Die sichere reale Rendite über der Inflation durch Anleihen sehe ich allerdings nicht mehr als gegeben an. Aber das darf ja jeder für sich selber entscheiden.

    Aber eins bleibt ganz sicher langfristig bestehen: ohne Risiko- keine Rendite.

  • ABER: die Einzellösung kostet 0,25 % Gebühr, während bei den zwei ETFs etwa 0,14 % (0,19 % und 0,07 % natürlich grwichtet) anfallen.

    Solltest du auf die ketzerische Idee kommen, den Invesco FTSE All-World mit einer TER von nur 0,15 % zu nehmen, bist du noch etwas günstiger 0,12 % sind doch ein Wort.

    Das sind letztlich sehr theoretische Überlegungen. In der Praxis musst du mit zwei ETFs regelmäßig steuerschädlich rebalancieren. Damit verpufft ein möglicher Vorteil sofort. Gleichzeitig steigt das operative Risiko. Es reicht ein einziger Fehler und der angebliche „Vorteil“ von 60 Jahren ist dahin.

    Außerdem wissen wir aus vielen Untersuchungen, dass Privatanleger erstaunlich schlecht darin sind, ein Portfolio konsequent auf Kurs zu halten. Gerade in Krisen, also genau dann, wenn Disziplin entscheidend wäre, wird plötzlich Market Timing versucht. Das gilt selbst für viele erfahrene Anleger (siehe Finanztip Forum).

    Die Vorteile von All-in-one-Lösungen sollte man deshalb nicht unterschätzen. Ich bin überzeugt, dass der LS60 für die allermeisten Privatanleger als einziges Produkt im Depot eine sehr robuste Lösung ist. Besonders in der Entnahmephase. Allein die Tatsache, dass man damit praktisch jedes Family Office und jeden Private Banker bzw. Vermögensverwalter usw. nach Kosten schlägt, spricht Bände.