Das perfekte 1-ETF-60/40 oder 80/20 Portfolio

  • Stell dir mal vor, du hast 100.000 € angelegt.
    60.000 € in einem Vanguard FTSE All-World und 40.000 € in einem Geldmarkt ETF.
    Jetzt bricht der Markt wegen der nächsten Bankenkrise zusammen und plötzlich sind nur noch 35.000 Euro im Aktien da. Dann wird es Leute geben, die aus dem Geldmarkt-ETF Geld entnehmen und auf der Aktienseite anlegen.

    Das ist aber komplett falsch.

    m.E. ist das genau richtig.
    Aber das wurde ja schon thematisiert wie ich sehe.
    Muss nicht weiter drauf eingegangen werden.

  • Die Vorteile von All-in-one-Lösungen sollte man deshalb nicht unterschätzen. Ich bin überzeugt, dass der LS60 für die allermeisten Privatanleger als einziges Produkt im Depot eine sehr robuste Lösung ist.

    Ja. Das größte Problem sehe ich aber darin, dass es keine vernünftige Möglichkeit gibt, die Aktienquote über die Jahre zu variieren. Die implizite Annahme beim LS ist, dass man sein ganzes Leben mit der gleichen Aktienquote investiert und die halte ich für höchstens zufällig zutreffend.

  • In der Praxis musst du mit zwei ETFs regelmäßig steuerschädlich rebalancieren.

    Die Frage ist, ob man das als Privatanleger tatsächlich muss. (Wenn das Ziel ist, ein Lifestrategy Produkt nachzubilden, natürlich schon).

    Ich bin etwas skeptisch, was die Strategien mit prozentualen Verteilungen angeht.
    Für lange Anlagehorizonte soll der Nutzen davon ja sein, dass Rendite gegen weniger Volatilität eintauscht, in der Hoffnung im Crash nicht panisch zu verkaufen.
    Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob dieses Ziel durch Anleihen mit höherer Duration erreicht werden kann.

    Wenn im Crash Panik ausbricht, liegt das u.a. doch daran, dass man sich von der apokalyptischen Nachrichtenlage verunsichern lässt und auch noch ständig ins Depot schauen muss.
    Wenn man dann rote Zahlen sieht, kann das Risiko eines Verkaufs steigen.
    Würde einen ein Global Aggregate Anteil (der ebenfalls mit runter geht) wirklich vor der Panik in den Medien schützen?

    Was aber, wenn man trotz des 40% Crashs immer noch grüne Zahlen sieht, weil man schon ein paar Jahre investiert ist? Wäre das nicht der wirksamere Schutz gegen Panik, wenn man sieht: obwohl die Welt untergeht, bin ich trotzdem noch in der Gewinnzone.

    Die Wahrscheinlichkeit, in ein Depot mit grünen Zahlen zu schauen ist höher, wenn man auf Global Aggregate Anleihen verzichtet und schon eine Weile dabei ist.

    M.E. ergibt es für Privatanleger mehr Sinn, das Depot nach Liquiditätsbedarf aufzustellen.
    Wenn der kurz- und mittelfristige Finanzbedarf nicht im Feuer steht, ist das Panik Potential vielleicht auch geringer.

  • Ja. Das größte Problem sehe ich aber darin, dass es keine vernünftige Möglichkeit gibt, die Aktienquote über die Jahre zu variieren. Die implizite Annahme beim LS ist, dass man sein ganzes Leben mit der gleichen Aktienquote investiert und die halte ich für höchstens zufällig zutreffend.

    Das mag für dich und einige hier in dieser eher speziellen Anleger-Blase zutreffen. Für viele Privatanleger gilt das allerdings nicht unbedingt. Sie brauchen vor allem ein stimmiges und kostengünstiges Produkt, das langfristig zuverlässig eine real positive Rendite ermöglicht. Aus meiner Sicht erfüllt der LS60 diese Rolle recht gut. Unabhängig vom Alter.

    Strategien, bei denen man versucht, die jeweils „richtige“ Aktienquote zum „richtigen“ Zeitpunkt zu wählen, wirken auf dem Papier oft überzeugend. In der Praxis und über sehr lange Zeiträume zeigt sich jedoch häufig kein klarer Mehrwert.

  • Stell dir mal vor, du hast 100.000 € angelegt.
    60.000 € in einem Vanguard FTSE All-World und 40.000 € in einem Geldmarkt ETF.
    Jetzt bricht der Markt wegen der nächsten Bankenkrise zusammen und plötzlich sind nur noch 35.000 Euro im Aktien da. Dann wird es Leute geben, die aus dem Geldmarkt-ETF Geld entnehmen und auf der Aktienseite anlegen.

    Das ist aber komplett falsch.

    Kannst du das genauer ausführen? Das entspricht doch 1:1 dem Rebalancing nach Abweichung in der Allokation. Warum komplett falsch?

  • Kannst du das genauer ausführen? Das entspricht doch 1:1 dem Rebalancing nach Abweichung in der Allokation. Warum komplett falsch?

    Gerne: er/sie soll es ihm nicht spontan und gefühlt gesteuert tun, sondern ausschließlich einmal im Jahr. Das bringt schon mal genügend Spinnerei raus.

  • M.E. ergibt es für Privatanleger mehr Sinn, das Depot nach Liquiditätsbedarf aufzustellen.
    Wenn der kurz- und mittelfristige Finanzbedarf nicht im Feuer steht, ist das Panik Potential vielleicht auch geringer.

    Dann kann der "langfristige Vermögensteil" auch lustig runter und langfristig rauf schwanken.

    Stehe ich selber auf festem Boden können die Schiffe ruhig hin und her schwanken und ich werde nicht Seekrank, weil ich ja gar nicht mitfahren muss. Wird das Wetter zu ruppig gehe ich rein, meine Aktienschiffe kann ich dann bei sonnigem und ruhigen Bedingungen ganz behutsam verkaufen. Dann lassen sich auch bessere Preise erzielen.

  • M.E. ergibt es für Privatanleger mehr Sinn, das Depot nach Liquiditätsbedarf aufzustellen.
    Wenn der kurz- und mittelfristige Finanzbedarf nicht im Feuer steht, ist das Panik Potential vielleicht auch geringer.

    Kann sein, muss aber nicht. Grundsätzlich ist es Jacke wie Hose, da man das Gesamtportfolio betrachten muss und das verliert in beiden Konstellationen an Wert. Für nervöse Selbstentscheider, die ihr Depot wöchentlich oder gar täglich prüfen, kann es durchaus vorteilhaft sein, einen schwankungsarmen Topf zu haben, aus dem sie entnehmen können. Rein mathematisch spielt es jedoch keine Rolle.

    Wer nur einen LS60 im Portfolio hält, immer dann einzahlt, wenn Geld vorhanden ist und immer dann auszahlt, wenn es gebraucht wird ohne sich um die aktuelle Marktlage zu kümmern, hat eine sehr vernünftige Struktur, die bis zum Lebensende ausreichen wird. Er muss lediglich große Ausgaben entweder gut planen (separat ansparen/finanzieren/leasen....) oder gezielt in Haussephasen tätigen. Ansonsten sind zusätzliche Töpfe unnötig. Eine 60/40-Aufteilung reduziert das Time-Under-Water erheblich und glättet das Portfolio deutlich. Wer ,,normal" anspart und ,,normal" seine Rentenlücke damit schließt, hat mit diesem Produkt m.E. eine gute und einfache Lösung.

    Quelle Grafik: Vanguard


    Meine Meinung: Wir haben seit über 16 Jahren einen Bullenmarkt mit überdurchschnittlich hohen Renditen im Aktienmarkt. Die relativ kleinen Krisen in dieser Zeit waren immer nur von kurzer Dauer (Bsp. Corona). Deshalb haben viele Anleger ein verzerrtes Bild davon, wie die richtige Asset-Allokation aussehen sollte und neigen dazu, zu stark auf Aktien zu setzen. Ich glaube nicht, dass viele von ihnen eine echte Krise wirklich durchstehen werden. Für größere Summen und für Anleger, die weniger Erfahrung haben, kann deshalb ein Misch-ETF mit rund 40 % Anleihen eine sinnvolle Lösung sein.

    Idealerweise investieren diese Anleger ihre „große Summe“ in den Ausschütter des LS60, lassen die Erträge aufs Girokonto laufen und werfen 20-30 Jahre lang keinen Blick aufs Depot. Natürlich ist das kaum realistisch, aber wer es tatsächlich durchhält, ist praktisch auf Erfolgskurs. Über die gesamte Zeit wird er 2–3 % Ausschüttungen erhalten, die langfristig mit der Inflation steigen. Und am Ende hat er im Depot mehr als zuvor. Selbst nach Berücksichtigung der Inflation. Ich kenne viele schlechtere Alternativen.

  • Tja, am Ende bleibt es wahrscheinlich Geschmacksache, ob man in ein 1-ETF-Portfolio investiert (und darin auch investiert bleibt!!!!!) oder ob man das aus 2 oder mehreren ETFs selbst zusammenbastelt und dann halt nicht die Nerven verliert, wenn es mal paar Monate bergab geht. Ich glaube, die wenigsten hier können sich überhaupt noch an eine längere Durstrecke erinnern. Oder auch eine echte Panik.....

    Ich selbst kann mich da tatsächlich auch nicht so richtig einschätzen, obwohl ich schon den ein oder anderen kleinen Crash miterlebt habe (wem sagt noch "Neuer Markt" etwas?). Ob man nicht doch irgendwann versucht, seine wegschwimmenden Felle zu retten? Ist halt so einfach, wenn man nur in der Handyapp schnell auf "VERKAUFEN" drücken muss.

    Hier noch eine interessante Aufstellung aus dem gleichen Vanguard-Artikel, aus dem Irving oben die Grafik hat ;) Geht leider nur bis 2023.