FTSE All-World ex US ETF - Interessant?

  • Genau das ist m.E. auch die Begründung für die Existenz eines Pacific Ex-Japan ETF.

    Osteuropa Ex-Russland erklärt sich von selbst, über einen Ex-China Emerging Markets wird man sich vielleicht auch in den kommenden Jahren freuen. Einen Ex-Taiwan habe ich leider noch nicht gefunden.

  • USA, Ex-USA, mich würde mal interessieren,

    1. wie viele Anleger selbst rebalancieren und sich ihre ETF selbst zusammenstellen

    2. wie viele Anleger eine 1-ETF-Lösung bevorzugen.

    3. welches Rebalancierungsmodell die beste Rendite erzielt

    4. Renditesieger aus 1 + 2

  • Man merkt schnell, wie unsinnig solche EX-USA-Indizes eigentlich sind, wenn man sich längere Datenreihen anschaut. Hätte es in den 1980ern schon Indexfonds gegeben, wäre ein MSCI World EX-Japan ETF der absolute Hit gewesen. Weg mit dem Japan-Klumpen!

    Heute hätte man damit aber einen MSCI World EX-Japan ETF mit noch stärkerem USA-Klumpen als beim klassischen MSCI World. Und man hätte mehrere hundert Prozent Buchgewinne eingefahren. Ohne steuerschädliches Rebalancing wäre der ,,neue Klumpen" kaum wieder loszuwerden. Und in 10 oder 20 Jahren hätte man die nächste Konzentration vor sich. Dann vielleicht in Osteuropa. Oder wieder in Asien?

    Wer wirklich nachhaltig Klumpenrisiken reduzieren will, kommt um einen Index, der nicht nur nach Marktkapitalisierung aufgebaut ist, nicht herum. Ich kenne so einen, aber der wäre wohl zu einfach für den „intelligenten“ Selbstentscheider.;)

  • Ich kann mir kaum vorstellen, dass die Mehrheit der Bastler am Ende ihres Investorenlebens nach Kosten und Steuern eine Mehrrendite gegenüber einer 1-ETF Lösung haben werden.
    Dafür gibt es viel zu viele neue Säue, die alle paar Jahre/Monate durchs Dorf getrieben werden, wie man sein Depot jetzt unbedingt aufstellen muss. Wenn man jetzt auf einmal im Fall der USA KGV gewichtet investieren möchte, lässt man sich vom nächsten Trend bestimmt auch begeistern.

    Aktienmärkte sind zudem viel zu stark untereinander korreliert, als dass sich Risiken innerhalb des Aktienmarktes nennenswert durch Über-/Untergewichtungen bestimmter Aktien reduzieren ließen.

    Nur 4-5% der Aktien sind langfristig für die Outperformance des Aktienmarktes verantwortlich. Wenn man von der Marktkapitalisierung abweicht, stehen die Chancen gut, dass man genau diese Aktien untergewichtet.
    US Aktien gelten seit 2017 als hoch/überbewertet. Wer damals aufgrund der Bewertungen statt eines S&P 500 lieber in einen Stoxx Europe 600 (mit deutlich "attraktiveren" Bewertungen) investiert hätte, dürfte sich heute zwar über ca. 100% Rendite freuen. Wäre er aber im S&P 500 geblieben, wären es 200% Rendite gewesen...
    Andreas Beck mag zwar recht haben, dass man mit einem breit gestreuten Aktien ETF nach Marktkapitalisierung in jede Blase voll reinläuft. Man nimmt aber auch die Performance voll mit.

    (Angenommen man hätte 2017 100.000€ investiert und jetzt würde die KI Blase platzen:
    Vielleicht würden die USA um 40% einbrechen und Europa um 30%.
    Dann hätte ich lieber 40% von 300.000€ als 30% von 200.000€).

  • Ich kann mir gut vorstellen den FTSE AW ex US in Kombination mit einem S&P500 2xLev ETF im neuen AV Depot zu nutzen. Damit kann man sich eine All-World allokation bauen, die das Marktgeschehen zu mehr als 100% abbildet.

    Zugegeben, vielleicht etwas speziell, aber dennoch relevant.

  • dass man mit einem breit gestreuten Aktien ETF nach Marktkapitalisierung in jede Blase voll reinläuft. Man nimmt aber auch die Performance voll mit.

    Das ist genau der Punkt, natürlich geht´s nach untern wenn da Luft aus der Blase geht. Aber vorher ging es auch deutlich nach oben. Jeder Aktionismus versucht doch jetzt diese heiße Luft in einer anderen Gewichtung zu konservieren um damit schlauer zu sein als die Marktkapitalisierung.

    Kann klappen muss aber nicht. Sicher sind die Transaktionskosten und Steuerereignisse.

  • Angenommen man hätte 2017 100.000€ investiert und jetzt würde die KI Blase platzen:
    Vielleicht würden die USA um 40% einbrechen und Europa um 30%.
    Dann hätte ich lieber 40% von 300.000€ als 30% von 200.000€.

    Das ist allerdings ein relativ kurzer Zeitraum. Zoomt man heraus, erscheint das Bild bei den Zahlen anders. Eine Gewichtung nach Marktkapitalisierung hat nachweislich keine langfristigen Renditevorteile gegenüber anderen Gewichtungen. Die Vorteile liegen bei den Handelskosten. Zumindest war das bis vor wenigen Jahren so. Heute ist dieser Vorteil kaum noch vorhanden.

    Das Problem ist m.A.n. nicht die Rendite, sondern das Tail-Risk.

    Die Renditen bei einer BIP-Gewichtung zum Beispiel ähneln denen der Marktkapitalisierung relativ stark.

    Dieser Blog-Artikel erklärt die Problematik ziemlich gut.

    https://gerd-kommer.de/blog/marktkapitalisierung-vs-bip/

  • Nur der Vollständigkeit halber noch paar Zitate aus dem Artikel

    Würde man nur die letzten zehn Jahre bis Juni 2023 zeigen, würde sich ein deutlicher Vorsprung der MC-Methode zeigen, da die USA in diesem Zeitraum nahezu alle anderen nationalen Aktienmärkte der Welt outperformte und weil die USA aufgrund ihres großen Aktienmarktes bei der MC-Methode besonders hoch gewichtet werden.

    Die separate Betrachtung nur der Industrieländer exklusive USA und Kanada anhand des MSCI EAFE-Index (siehe Tabelle) liefert eine interessante Informationsnuance: Es ist der Einzelfall USA unter den 23 Developed Markets-Ländern (nach MSCI-Definition), der zum leichten Vorsprung der Market Cap-Methode im MSCI World in der zweiten Hälfte des Zeitraums führte. Unter den 21 EAFE-Ländern lag die BIP-Methode auch im zweiten Teilzeitraum vorne.

    Für Emerging Markets reichen die Daten des MSCI EM GDP Weighted Index nur bis Juni 2000 zurück. In den 23 Jahren von damals bis Juni 2023 produzierte der BIP-gewichtete Index eine um fast einen Prozentpunkt per annum höhere Durchschnittsrendite als der MC-Index.

    Und er schreibt in dem Artikel, dass es nur einen Aktien-ETF gibt, der nach BIP gewichtet ist. Das ist sachlich zum Zeitpunkt des Artikels 2023 bestimmt richtig gewesen, allerdings natürlich auch sehr geschickt formuliert. Er unterschlägt dabei, dass es mit dem ARERO schon seit Jahren einen BIP-gewichteten Fonds [nicht ETF] gibt, wenn auch nur mit 60% Aktienanteil. Und man kann sich natürlich die Frage stellen, wenn BIP langfristig sooooo überlegen ist, warum es dann nur so wenige BIP gewichtete Produkte gibt. Gefühlt sind das ja nur 0,00001% der ETFs/Fonds.

  • Und man kann sich natürlich die Frage stellen, wenn BIP langfristig sooooo überlegen ist, warum es dann nur so wenige BIP gewichtete Produkte gibt. Gefühlt sind das ja nur 0,00001% der ETFs/Fonds.

    Vielleicht weil es so herrlich bequem für die ganzen ETF-Anbieter ist, die Indices von MSCI (natürlich gehen Lizenzgebühren um die 0,05 %) zu nutzen ?

    Weil das einfach auch vom Personal her unheimlich günstig ist? Man braucht eigentlich kaum noch Menschen dafür.

  • Und er schreibt in dem Artikel, dass es nur einen Aktien-ETF gibt, der nach BIP gewichtet ist. Das ist sachlich zum Zeitpunkt des Artikels 2023 bestimmt richtig gewesen, allerdings natürlich auch sehr geschickt formuliert. Er unterschlägt dabei, dass es mit dem ARERO schon seit Jahren einen BIP-gewichteten Fonds [nicht ETF] gibt, wenn auch nur mit 60% Aktienanteil. Und man kann sich natürlich die Frage stellen, wenn BIP langfristig sooooo überlegen ist, warum es dann nur so wenige BIP gewichtete Produkte gibt. Gefühlt sind das ja nur 0,00001% der ETFs/Fonds.

    Ich denke, deine Kritik ist hier etwas unangebracht. Der Blogbeitrag ist sehr differenziert. Es wird ausdrücklich erwähnt, dass eine Aufteilung nach BIP nicht „überlegen“ ist, sondern sowohl bei der Rendite als auch beim Drawdown-Risiko sehr ähnlich zur Marktkapitalisierungsgewichtung liegt.

    Vielmehr zeigen die Zahlen, dass eine MC-Gewichtung keine Vorteile bei der Rendite bietet. Etwas, das manchmal im Forum impliziert wird, weil man nur auf die letzten 15-20 Jahre blickt. Inwieweit man das Tail-Risiko als real einschätzt, muss jeder für sich selbst beurteilen. Da es in den letzten 50–60 Jahren kaum relevant aufgetreten ist, könnte das Bild allerdings verzerrt sein.

    Ich kann mir auch gut vorstellen, dass es schwieriger ist, gleichwertige Ansätze zu verkaufen. Insbesondere in Phasen steigender Konzentrationen und entsprechend hoher Renditen bei MC-ETFs. Ein gutes Beispiel dafür ist der FTSE RAFI All-World, der auch heute noch ein Schatten seiner selbst ist. Gerd Kommer selbst hat von einigen namhaften Fondsanbietern Absagen für seine Fonds-Idee erhalten. Aus heutiger Sicht war das ein großer Fehler. Schon ziemlich peinlich für xtrackers, dass eine Gesellschaft aus England einspringen musste (aber vielleicht waren sie auch mit Prof. Weber und Dr. Beck vorerst bedient).

  • Versteh mich nicht falsch, ich mag trotz aller Kritik den Kommer und sein ETF ist weiterhin meine größte Einzelposition im Portfolio - und wird es die nächsten Jahre auch bleiben, auch wenn ich allmählich [aus Altersgründen und Feigheit] den Anleihenprozentsatz allmählich hochfahre. Mich persönlich überzeugt das Anlagekonzept vom Kommer - ich finde aber auch den ARERO wirklich gut - gerade weil er das erste zumindest mir bekannte BIP-Produkt war.

    Und ja, Xtrackers hat da wirklich eine Chance verpasst. Der viel zu teure Beck Portfolio ETF dümpelt bei 680 Mio, der ARERO bei der DWS ist dagegen bei 2,5 Mrd. Da hätte der Kommer doch ganz gut dazwischen gepasst.

  • ich finde aber auch den ARERO wirklich gut - gerade weil er das erste zumindest mir bekannte BIP-Produkt war.

    Ich finde den ARERO auch sehr gelungen. Weber hatte nur etwas Pech, dass ziemlich genau seit Fondsauflegung BIP und Rohstoffe nicht mehr so gut funktioniert haben.

    Damals gab es sogar die Erwartung, damit ein reines Aktienportfolio zu outperformen. Ich erinnere mich noch gut, wie die entsprechenden Zahlen vorgestellt wurden. Der Backtest hat das durchaus hergegeben. Rohstoffe galten als Anlageklasse mit aktienähnlichen Renditen und geringer Korrelation. Eine Anleihen-Beimischung war nicht nur ein „Volatilitätssenker“, sondern ein zentrales Instrument zur Risikoreduktion. Ohne nennenswerte Renditeeinbußen.

    Heute wissen wir, dass es so nicht funktioniert. Trotzdem bleibt der ARERO eine sinnvolle Lösung. Wer heute sein gesamtes Vermögen darin hält und regelmäßig entnimmt, was er braucht, dürfte damit nicht schlecht fahren. Beim richtigen Broker ist das Ganze sogar ohne Handelskosten und Spread umsetzbar.

  • Ist ja auch - wie so häufig - eine Frage des Betrachtungszeitraums. Zumindest seit Anfang des Jahres liegt der ARERO in Führung :)


  • Ist ja auch - wie so häufig - eine Frage des Betrachtungszeitraums. Zumindest seit Anfang des Jahres liegt der ARERO in Führung :)

    Na ja, in dem Zeitraum hat ein Tagesgeldkonto auch einen S&P500 ETF geschlagen. ;)

    Interessant finde ich zwei Vergleiche:

    • Der deutlich teurere und aktive xtrackers Portfolio ETF von Dr. Andreas Beck hat den ARERO seit Auflage geschlagen. Immerhin 17 Jahre.
    • Der doppelt so teurere ARERO outperformed den LS60 von Vanguard seit Auflage.
  • Beim Portfolio ETF weiß man ja nicht so genau, mit welcher Aktienquote er wann unterwegs war, der darf ja zwischen 30 und 70%.

    Dafür hat der ARERO gegenüber dem LS60 einfach mehr EM drin, die sind halt im letzten Jahr super gelaufen. Und natürlich im Rohstoffteil auch paar Prozentpunkte glänzendes Gold, darf man auch nicht vergessen. Am Ende kochen alle nur mit Wasser oder haben einfach auch mal Glück.

  • Am Ende kochen alle nur mit Wasser oder haben einfach auch mal Glück.

    Das mag stimmen. Trotzdem laufen alle mehr oder weniger die gleiche Benchmark ab und entwickeln sich nicht besser, weil die TER niedriger ist, sondern weil die Strategie eine andere ist. Im Forum drehen manche wegen 0,2 Prozentpunkten mehr TER völlig durch, als hätten Kommer und Beck zu einem MMA-Fight geladen. Dabei ist das vollkommen irrelevant. Die Hebel liegen woanders.

  • Offen gestanden habe ich gerade bei wirklich vielen langjährigen Charts das Gefühl, dass das Glück oder Bauchgefühl des jeweiligen Fondsmanager oder auch nur die zufällig gerade bestehende regionale Verteilung des Fondsportfolios irgendwann zu einer beeindruckenden ein- oder zweimaligen Outperformance des jeweiligen Fonds führt und dass die Konkurrenz das im Langfristchart nie wieder aufholen kann. Kurzfristig natürlich schon....

    In welches Produkt man dann eher investieren sollte, ist doch die eigentlich spannende Frage. Gerade hier im Beispiel gut zu sehen: nehme ich den Langzeitgewinner seit 2008 oder den Kurzzeitgewinner (immerhin auch 5 Jahre)?

    16 Jahre


    5 Jahre

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