Was spricht dagegen sein komplettes Depot zu verkaufen?

  • Du sparst seit gut einem Jahr und hattest davor offensichtlich wenig Erfahrung mit der Börse. Es ist völlig normal, dass einen die Schwankungen beunruhigen. Und es ist auch nicht so, dass die aktuelle Lage besonders beruhigend ist.

    Mit etwas Abstand kann ich Dir sagen, dass so eine Situation alle paar Jahre kommt. Wenn man keine Aktien hat, bekommt man manches davon nicht ganz so intensiv mit. Die großen Krisen von 2000-2003 und 2008 waren deutlich schlimmer als aktuell. Natürlich kann sich die Situation aktuell n och weiter verschlimmern wenn da einer in den USA noch mehr austickt als ohnehin schon. Sorry wenn es arrogant rüber kommt, aber die Erde dreht sich weiter!!!

    Vermutlich ist Deine Aktienquote zu hoch bzw. Du hast Dir mit der hohen Aktienquote zu viel abverlangt. Es braucht ein wenig Zeit, sich eine dicke Haut zuzulegen und manche bekommen sie nie. Statt jetzt kopflos Anteile zu verkaufen und darauf auch noch Steuern zu bezahlen, würde ich im ersten Schritt die Sparrate in einen risikoarmen Bereich lenken. Höre ein paar Videos von Finanztip und anderen guten Quellen oder schaff Dir ein Einführungsbuch an Hartmut Walz, Gerd Kommer oder Saidi Sulilatu an. Nimm Dir ein paar Wochen Zeit, um eine realistischere Aufteilung im Depot festzulegen, nach der Du die nächsten Jahre sparen willst. Und wenn Du diese Quote erreicht hast, teilst Du die Sparrate genau in dem Verhältnis auf.

    Voraussichtlich hast Du noch gut 20 Jahre, um Deine Altersvorsorge aufzubauen. Das ist vergleichsweise spät, wenn Du bisher nicht vorgesorgt hast. Du wirst also Gas geben müssen bei Deinem Vorhaben. Aktienquoten von unter 50 % wirst Du Dir (sorry für die Deutlichkeit) nicht leisten können.

    Die Schnapsidee von wegen Ausstieg und Wiedereinstieg. Funktioniert nur sehr selten, darauf zu spielen ist reinstes Roulette mit allerdings schlechteren Gewinnaussichten.

  • ...

    2. Einen Teil verkaufen und somit eine Reserve für einen Rücksetzer haben.

    Mein Weg wäre ein anderer: Nichts verkaufen, weiter buy & hold, eher mal auf die Level 1 Asset Allocation schauen und ggf. den sicheren Baustein erhöhen...

    ....

    So habe ich es auch in letzter Zeit gemacht, und meine Cash/Notgroschen quote aus persönlichen Resilienzgründen von 0,2% auf gut 1,1% erhöht

    Allerdings hat mir das natürlich in den letzten Monaten die Chancen genommen günstig einzukaufen.

  • In der derzeitigen Situation überlege ich eben dieses aufzulösen und erstmal auf dem Konto bzw. Tagesgeld liegen zu lassen. Wenn der Kurs dann weiter unten ist, wollte ich wieder einsteigen.

    Schau heute mal ins Depot und frage Dich, ob vor einigen Tagen zu verkaufen eine schlaue Idee gewesen wäre.

    Natürlich kann man die Kursentwicklung nie vorhersagen. Aber es gibt da so ein Sprichwort: „wer die Aktien nicht hat, wenn sie fallen, hat sie auch nicht, wenn sie wieder steigen“.

    Geh‘ nochmal in Dich, was Deine Risikotoleranz angeht, und pass‘ ggf. Deine Aktienquote an. ABER: Mach‘ das bewusst und mit einer klaren Strategie! Nicht spontan aus dem Bauch heraus, weil auf dem Markt gerade xyz passiert oder wegen eines diffusen Gefühls von „was wenn die Kurse sinken?!“.

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