Finanzbildung durch die Sparkasse

  • Du greifst nach Strohhalmen. Ja, ich habe die Rentenversicherungen dazu genommen und ja es mögen keine 85 Mio. aktive Verträge sein. Willst du dadurch beweisen, dass der deutsche Sparer rational anlegt und über ausreichend Finanzwissen verfügt? Was ist mit den Rekorden bei Fondspolicen? Was ist mit Riester? Was ist mit Bausparverträgen? Was mit Zertfifakten? Was mit langfristigen Sichteinlagen? Usw. usw. usw. Die Zahlen liegen doch alle vor. So gut wie jeder Strukturvertrieb und jeder Finanzproduktverkäufer schreibt Rekorde bei Garantieprodukten und provisionsgeschwängerten Policen. Und die werden nicht nur an Mieter verkauft. Die hat die breite Masse in diesem Land. Du wirst bei so gut wie jedem dieser 65 Mio. ohne AKtien und Fonds in diesem Land ein unsinniges Produkt finden und diese Person ist sich nicht bewusst, wie unsinnig, teuer und unproduktiv es ist.

    Ihr spinnt hier das Märchen vom finanzaffinen Häuslebauer, der nur deshalb nicht auf ETF setzt, weil er es sich gerade nicht leisten kann und dann, wenn das Haus abbezahlt ist, sofort wieder auf ein global diversifiziertes Portfolio aufspringt. Das ist doch hanebüchen. Habt ihr schon mal einen Immobilienbesitzer gehört, der davon erzählt, dass er wisse, dass seine Immobilie ein Klumpenrisiko sei und eigentlich ETF besser rentieren würden und/oder sicher sei, aber er setze seinen persönlichen Wunsch über sein Wissen? :rolleyes: Falls ja, solltet ihr dringend aus dieser vergleichsweise informierten Blase namens Finanztip-Forum treten und euch mit ,,normalen" Leuten unterhalten.

    Die Deutschen investieren überwiegend nicht in Aktien, weil sie Aktien immer noch in der Breite für viel zu riskant halten. Das ist kulturell tief in dieser Gesellschaft verwurzelt und das bekommt man auch mit ein paar Euro Prämie vom Staat nicht geändert. Ja, es gibt ein Pflänzchen Hoffnung und die Zahlen steigen auf sehr, sehr niedrigem Nievau. Aber hier weiß keiner ob das nicht nur die Auswirkungen eines der längsten und stärksten Bullenmärkte der Menschheitsgeschichte geschuldet ist. Was wird passieren, wenn die Leute mal ihre Depot um die Hälfte dahinschmelzen sehen und das Ding 5-6 Jahre oder vielleicht mal über 10 Jahre am Boden liegen bleibt?:/

    Ich bleibe dabei: Wer heute keine einzige Aktie und keinen einzigen Fondsanteil besitzt, hat kein ausreichendes Finanzwissen. Und selbst der letzte Hardcore-Häuslebauer, wird ein paar Euro im ETF lassen, wenn er im Thema drin steckt. 0 Euro in Aktien und ETF bei ausreichendem Finanzwissen? Niemals.

  • Ja. das bin nämlich ich :)

    Du hast nicht 0 Euro in Aktien und Fonds wie die über 65 Mio. Deutsche. Somit greift bei dir mein Kriterium nicht. ;)

    Ich sage es nochmal: Ihr werdet nicht eine Person finden, die 0 Euro in Aktien und Fonds hat, die sich gut mit Finanzen auskennt. Jeder, der sich mit dem Thema beschäftigt und über ausreichende Kenntnisse verfügt, kommt zu dem Schluss, dass er mindestens einen kleinen Teil seines Vermögens breit diversifiziert und günstig direkt in Unternehmen investieren muss.

  • Habt ihr schon mal einen Immobilienbesitzer gehört, der davon erzählt, dass er wisse, dass seine Immobilie ein Klumpenrisiko sei und eigentlich ETF besser rentieren würden und/oder sicher sei, aber er setze seinen persönlichen Wunsch über sein Wissen?

    Unabhängig von der Tatsache, daß es in den 70er Jahren hierzulande noch keine ETFs gab ...

    War damals genau meine Lage: Selbst meine bescheidenen Kenntnisse als Finanz-Laie, wenn auch einem an solchen Finanzthemen Interessierten, reichten schon damals aus, um das "Klumpenrisiko" der eigenenutzten Immobilie zu erkennen.

    Für meinen Teil wollte ich aber gerne schön und nett wohnen und insbesondere auch mein Zuhause nach meinen Wünschen gestalten. Halte ich übrigens auch für eine sehr rationale Heran- und Vorgehensweise, denn "Du hast nur ein Leben" ... Ein kleiner Nebeneffekt oder Zusatznutzen (da ich als Kind mit finanziell prekären Verhältnissen in Berührung gekommen war): Danach hatte ich mit keinem Vermieter, keinen Mieterhöhungen und keiner Kündigungsgefahr bezüglich meinem Zuhause mehr zu tun.

    Für meinen Teil war ich übrigens damals davon überzeugt, mein persönliches Finanz-Ziel (finanzielle Unabhängigkeit deutlich vor dem Rentenalter) auch mit "schöner, netter und selbst bestimmter Wohnen" verbinden und erreichen zu können ...

  • Du greifst nach Strohhalmen. Ja, ich habe die Rentenversicherungen dazu genommen und ja es mögen keine 85 Mio. aktive Verträge sein. Willst du dadurch beweisen, dass der deutsche Sparer rational anlegt und über ausreichend Finanzwissen verfügt?

    Ich greife nicht nach Strohhalmen, ich zeige auf, dass Du mit völlig übertriebenen und aus der Luft gegriffenen Zahlen argumentierst. Aus welchem Grund sollte ich bei so einem Realitätsverlust irgendeiner Deiner Meinungen Glauben schenken?

    Dass praktisch jeder in seinem Anlegerleben auch mal Fehler macht (Bausparer, Kapitallebensversicherung, manche Zertifikate, usw.) ist doch völlig unbestritten. Eine Verallgemeinerung auf das Wissen und die Rationalität bei der Geldanlage ist aber völlig unzulässig. Bekanntermaßen lassen sich Versicherungsverträge nicht immer auflösen (z.B. BAV). Es mag auch Situationen geben, wo das Halbeinkünfteverfahren bei einem bereits besparten Versicherungsvertrag sich zumindest als risikoarmer Baustein vertreten lässt. Und dann gibt es noch so etwas wie Rürup für Selbständige auch das hat zumindest eine begrenzte Berechtigung sofern man kostengünstig eingekauft hat. Ach ja und auch die Endfälligkeit bei Immobilienerwerb zur Vermietung hat schon auch ein Argument.

    Ich halte fest:

    Deine angeblichen über 65 Mio sind eine heftige Übertreibung.

    Wenn man lediglich aktiv besparte Verträge berücksichtigt und Doppelzählungen (KLV+RV) herausfiltert, kommt man vielleicht auf 40 Mio betroffener Personen. Davon sind vielleicht 10 Mio im weiteren Sinne sinnvoll.

    Eine realistische Schätzung kommt damit auf 30-35 Mio Personen, die aktiv mindestens ein eher unsinniges Produkt der Lebensversicherungen besparen.

    Dass der Rest Deiner Argumentationskette auf tönernen Füßen steht wurde nicht nur von mir bereits mehrfach angesprochen.

  • Dass praktisch jeder in seinem Anlegerleben auch mal Fehler macht ...

    Ist vermutlich eine Tatsache, die meisten Anlegerleben betreffend.


    Nur am Rande aber in dem Kontext

    Dass praktisch jeder in seinem Anlegerleben auch mal Fehler macht (Bausparer, Kapitallebensversicherung, manche Zertifikate, usw.) ist doch völlig unbestritten.

    Für meinen Teil kann ich mich aber an lange Jahre (eher eine Ära) erinnern, in denen bestimmte Anlagen - angefangen von Pfandbriefen über Kommunalobligationen bis hin zu Bundeswertpapieren und insbesondere Kapitallebensversicherungen in Form des sog. "5 + 7 Modells" - recht ordentlich funktionierten sprich rentierten.

    Selbst Bausparverträge bzw. deren Darlehen konnte damals - in bestimmten Konstellationen (flexible und zügige Tilgung bei Eigennutzung einer Immobilie, da Schuldzinsen hierzulande dann steuerlich nicht in Ansatz bringbar) - ein sinnvolles Vehikel sein. Zumal es damals keine Immobiliendarlehen gab, die vertraglich garantiert jährliche Sondertilgungen - während der Zinsfestschreibung - erlaubten (noch dazu ohne Vorfälligkeitsentschädigungen (VFE)). Dies war damals bei den Bauspardarlehen in beliebiger Höhe und ohne jede VFE möglich.

  • Völlig korrekt

    Daher wollte ich diesen Aspekt bei BSV nicht unerwähnt lassen (Nr. 107 letzter Abs.).

    es gab auch Bausparverträge, die als reine Sparverträge (womöglich in Kombi mit VL) eine durchaus erträgliche Rendite lieferten.

    Davon habe ich ebenfalls mehrfach gehört (auch wenn ich selbst nie VL in Anspruch genommen habe)

    Der simple Schluss Bausparer -> "keine Ahnung" ist schlicht nicht zulässig.

    "Zulässig" - sei es als "simpler Schluß", Haltung oder Meinung - ist hierzulande (vor dem Hintergrund des Art. 5 GG mit u. a. der "Meinungsfreiheit" und dem "Zensurverbot") Alles, was nicht gegen geltende Gesetze verstößt.

    Die entscheidende Frage ist daher stets, so auch in dem Fall hier, ob dieser "Schluß" auch zutreffend sprich stimmig ist. Da liegt "Irving" bzw. inzwischen St. Irving mit relevanten Anteilen seiner Thesen neben der Realität.

    Nur am Rande: Das gilt insbesondere auch für die damals beliebten KLVs in Form der "5 + 7 Modelle". Der inkludierte steuerliche Vorteil, der diese Variante der KLV attraktiv machte, wurde - nach meiner Erinnerung - bereits Ende 2004 abgeschafft (Inkrafttreten des sog. Alterseinkünftegesetz (AltEinkG) zum 1. Januar 2005).

  • "nicht zulässig" habe ich hier eher der elementaren Logik entlehnt. Natürlich kann das in anderem Zusammenhang eine andere Bedeutung bekommen.

    Das hatte sich jedenfalls mir bereits aus dem Kontext erschlossen. Nichtsdestotrotz vielen Dank für Deine kurze Klarstellung.

    Auf die Grundlagen des Art. 5 Grundgesetz hinzuweisen (je jure und de facto unsere Verfassung) - auch in einem solchen Kontext - scheint mir aber immer bedeutsamer und damit wichtiger zu werden.

Passende Ratgeber für Dich

Von Finanztip-Experten fundiert recherchiert

Was Finanztip ausmacht
Finanztip Bewertungen