Sicherheitsbaustein Renten ETF

  • Das mag alles sein, aber die Diskussion zeigt einmal mehr, dass Anleihen eben nicht so einfach zu verstehen sind, erst recht nicht für Anfänger. Es geht doch immer darum, auf Ebene des Gesamtportfolios eine möglichst hohe risikodjustierte Rendite zu erzielen. Am einfachsten erreicht man das, indem man zwischen den beiden großen Anlgeklassen Aktien und Anleihen die Gewichtung steuert. Das ist klar und einfach verständlich. Mehr Aktien = mehr Risiko, das versteht jeder Anfänger sofort. Sobald man jedoch innerhalb der Anleihen beginnt, Risiken hinzuzunehmen, wird es komplizierter. Denn dann müsste man die Aktienquote entsprechend senken. Aber wie stark? Und noch komplizierter wird es, wenn dem Anleger überhaupt nicht bewusst ist (oder, vermutlich häufiger der Fall, er ausblendet), dass die vermeintlich sicheren Anleihen nicht unerhebliche Risiken bergen.

    Daher bleibe ich dabei, ich rate davon ab, ein kompliziertes Anleiheportfolio aufzubauen. Simplicity first.

  • Das mag alles sein, aber die Diskussion zeigt einmal mehr, dass Anleihen eben nicht so einfach zu verstehen sind, erst recht nicht für Anfänger. Es geht doch immer darum, auf Ebene des Gesamtportfolios eine möglichst hohe risikodjustierte Rendite zu erzielen. Am einfachsten erreicht man das, indem man zwischen den beiden großen Anlgeklassen Aktien und Anleihen die Gewichtung steuert. Das ist klar und einfach verständlich. Mehr Aktien = mehr Risiko, das versteht jeder Anfänger sofort. Sobald man jedoch innerhalb der Anleihen beginnt, Risiken hinzuzunehmen, wird es komplizierter. Denn dann müsste man die Aktienquote entsprechend senken. Aber wie stark? Und noch komplizierter wird es, wenn dem Anleger überhaupt nicht bewusst ist (oder, vermutlich häufiger der Fall, er ausblendet), dass die vermeintlich sicheren Anleihen nicht unerhebliche Risiken bergen.

    Daher bleibe ich dabei, ich rate davon ab, ein kompliziertes Anleiheportfolio aufzubauen. Simplicity first.


    Da ist zu unterscheiden zwischen Anleihen und Anleihen-ETFs. Ein Investor, der eine Anleihe bis zur Endfälligkeit hält, hat damit ein sehr sicheres und einfach kalkulierbares Investment. Das Ziel ist dabei genau nicht Risiken hinzuzunehmen, sondern im Gegenteil die Zahlungsströme über längere Zeit vorhersagbarer zu machen, was sie bei Aktien und Tagesgeld nicht sind. In der Entnahmephase ist das interessanter als in der Ansparphase.

    Bei Laufzeit-ETFs (iBonds) geht das auch noch. Schwierig wird es erst mit normalen Renten-ETFs, da muss man wirklich verstehen wie die funktionieren und wie man damit umgeht.

  • Mehr Aktien = mehr Risiko, das versteht jeder Anfänger sofort.

    Mehr Optionen = noch mehr Risiko.

    Also ganz einfach ist Dein Überblick über Deine Risiken, wenn Du Dich ausschließlich auf Kauf-Optionen auf Nvidia und Tagesgeld beschränkst. Je nach Aufteilung zwischen diesen beiden Assets kannst Du Dein Risiko leicht und übersichtlich steuern. Ist das Deine Argumentation?

    Es gibt aber auch Anleger, die den Wert der Diversifikation schätzen und die eben nicht nur ein spezielles Risiko kaufen wollen. Anleger, die im Aktienbereich lieber einen breit gestreuten Aktienfonds kaufen.

    Und dann gibt es Anleger, die wissen, dass Diversifikation nicht nur innerhalb einer Assetklasse sinnvoll ist, sondern auch über die Assetklassen hinaus. Die wissen meist auch, dass Anleihen keine risikolose Anlage sind, aber durch Diversifikation über verschiedene Risikoklassen eben alle Risiken reduziert werden können.

    Ob das die Gesamtanlage verkompliziert, kann in der Tat diskutiert werden. Ich bin jedoch der Meinung, wer in der Lage ist, sich ein Grundverständnis von ETFs erarbeiten zu können, der sollte das auch bei Anleihen können. Vorausgesetzt, der Wille ist dafür da.

  • Den Widerspruch zwischen Risiko-Minimierung per Diversifikation, und Einfachheit, sieht man am "Pantoffel-Portfolio". Nur ein Tagesgeldkonto und einen MSCI World ETF zu haben, und das Rendite/Risiko-Verhältnis nur über dieses eine Verhältnis der Anteile zu steuern, ist unbestritten einfach und sehr anfängergeeignet. Da vergisst mancher, dass das Ziel hier nur Einfachheit und geringe Kosten sind; es geht nicht darum, die optimale Rendite für eine gegebene Risiko-Toleranz zu erreichen.

    Auf curvo.eu kann man das mit einem älteren (1999), ebenfalls einfachen Konzept namens "Harry Browne's Permanente Portfolio" vergleichen: je 25% in Aktien, Gold, Kurzläufer, Langläufer. Das lief 2007-2025 mit 8% Rendite p.a. und -6,7% maximalem Verlust im schlechtesten Jahr. Aus 10.000€ wurden 43.164€.

    Wenn ich nun im selben Zeitraum mit einem Mix aus MSCI World und Geldmarkt den gleichen Maximalverlust von -6,7% erreichen wollte, muss ich den Aktienanteil auf 25% reduzieren. Dann ist die Rendite bei 3,4%. Aus 10.000€ wurden 21.460€; weniger als die Hälfte.

    2008 war halt ein sehr schlechtes Jahr für Aktien, aber sehr gut für Langläufer-Renten, weil die Fed in der Krise die Zinsen massiv gesenkt hat. Die traditionelle Mischung aus Langläufer-Renten mit Aktien ergibt eine Diversifikation, die in Krisen den Verlust dämpft. Dieser Effekt fehlt in einem einfachen Mix aus Aktien und Geldmarkt und erzwingt für weniger risikotolerante Anleger einen geringeren Aktienanteil, was damit langfristig weniger Rendite bei gleichem Risiko bedeutet.

  • Harry Browne's Permanente Portfolio" vergleichen: je 25% in Aktien, Gold, Kurzläufer, Langläufer. Das lief 2007-2025 mit 8% Rendite p.a. und -6,7% maximalem Verlust im schlechtesten Jahr.

    In welcher Währung lief das? Und wie lief es zwischen 2007 und 2022 ?

    Ich vermute, dass die 8% nicht realistisch sind und tippe auf eher 5% bis 2022.


    Ist das alles aus Sicht einer US-Anlegerin gerechnet ?

  • Hornie , Kapitalist , danke für eure Ausführungen, spannendes Thema :)

    Kapitalist, deine These ist also im Kern, der Anleger würde für die Hinzunahme von langlaufenden Anleihen mit einer höheren risikoadjustierten Rendite entlohnt. Das widerspricht den Kernaussagen von Gerd Kommer, der das risikoreich:risikoarm Modell bereits seit 2007 propagiert. Das ist schon grundsätzlich gewagt, soll aber selbstverständlich als Argument alleine nicht ausreichen ;)

    Geben wir der These also zunächst eine Chance: In der modernen Portfoliotheorie (MPT) gilt ein Asset ist nur dann als sinnvoll, wenn es bei gleichem Risiko mehr Rendite oder bei gleicher Rendite weniger Risiko liefert. Deine These besagt nun also implizit, dass der Anleger durch die Hinzunahme langlaufender Anleihen, also i.W. für die Hinzunahme des Durations- oder Zinsänderungsrisikos dies erreicht. Also im Ergebnis durch eine höhere risikoadjustierte Rendite entschädigt wird. Aber ist dem denn auch so? Meines Erachtens eben nicht, denn das Zinsänderungsrisiko wird - über lange Zeiträume betrachtet - nicht ausreichend vergütet. Auf der Aktienseite hingegen wird er - und das dürfte unbestritten sein - durch die Hinzunahme von mehr systematischem Risiko, also einer größeren Portion des allgemeinen Aktienmarktrisikos ganz klar "robust" vergütet.
    Meine Vermutung: in dem angeführten Beispiel des "Harry Browne's Permanente Portfolio" liegt dieser Effekt maßgeblich am gewählten Zeitraum. Dieser Zeitraum war von einem hohen Ausgangszinsniveau vor der Finanzkrise und einem anschließend langanhaltenden Absinken des Zinsniveaus geprägt. Diesen Effekt kann man somit nicht einfach in die Zukunft fortschreiben.

    Hinzu kommt in der ganzen Betrachtungsweise ergänzend noch die Teilfreistellung der deutschen Abgeltungssteuer, die einen höheren Aktienanteil auch steuerlich begünstigt, was zusätzlich für das risikoreich:risikoarm Modell spricht.

  • In der modernen Portfoliotheorie (MPT) gilt ein Asset ist nur dann als sinnvoll, wenn es bei gleichem Risiko mehr Rendite oder bei gleicher Rendite weniger Risiko liefert.

    Die Aussage stimmt, wenn Du einzelne Assets betrachtest.

    Durch die Vermischung verschiedener Risikoklassen kannst Du aber das Gesamtrisiko senken.

    Ich hatte mir vor längerer Zeit mal eine Studie angesehen, in der sie sich nur auf die Assetklassen Aktien und Rohstoffe konzentriert haben. Rohstoffe haben hohe Risiken und geringe Renditen, sollten gefühlt also sofort ignoriert werden. Aber deren Risiken korrelieren nicht (bzw. negativ) mit Aktienrisiken. Daher konnte das Gesamtrisiko des Portfolio durch Beimischung von Rohstoffen reduziert werden, ohne die Gesamtrendite nennenswert zu verändern.

    Die optimale Mischung in der Studie war übrigens nur 4% Rohstoffe, die aber einen merklichen Einfluss hatten.

  • Die Aussage stimmt, wenn Du einzelne Assets betrachtest.

    Durch die Vermischung verschiedener Risikoklassen kannst Du aber das Gesamtrisiko senken.

    So ähnlich habe ich früher auch gedacht. Ich dachte jedenfalls, ich müsse möglichst viele unkorrelierte Anlageklassen und einzelne Assets miteinander kombinieren, um eine möglichst hohe risikoadjustierte Rendite zu erzielen. Ist vielleicht auch eine Folge von hohem Konsum von Finanzmedien etc.? Und es wird im Kern wohl auch stimmen, da hat schliesslich jemand einen Nobelpreis für bekommen. Wobei "Risiko" dabei i.d.R. als Volatilität definiert wird, also als die Stärke der Kursschwankungen in einem bestimmten Zeitraum. Die meisten Anleger fürchten hingegen viel mehr den "Maximum Drawdown". Aber wie auch immer, jedenfalls hatte diese Art der Portfoliokonstruktion zur Folge, dass dieses unüberschaubar wurde. Bis ich irgendwann festgestellt habe, dass ich mich selbst belogen habe. in Wirklichkeit hatte ich nämlich nicht nach hoher risikoadjustierter, sondern insgeheim und unterbewusst nach risikofreier Rendite in diesen Anlagen (wie bspw. Rohstoffen oder langlaufenden Anleihen, etc.) gesucht bzw. darauf gehofft. Und die gibt es nunmal nicht.

    Je weniger Anlageklassen und je weniger einzelne Assets bzw. Produkte, desto ehrlicher muss man sich selbst gegenüber machen. Denn dann verstecken die Risiken sich nicht irgendwo im Portfolio, sondern sind einfach und klar in der Höhe der Aktienquote erkennbar und steuerbar.

    Just my 2 cents.

  • Hinzu kommt in der ganzen Betrachtungsweise ergänzend noch die Teilfreistellung der deutschen Abgeltungssteuer, die einen höheren Aktienanteil auch steuerlich begünstigt.

    Diese Mär ("Aktien-ETFs werden niedriger besteuert als eine Direktanlage") wird gern verbreitet, sie hat aber den Nachteil, daß sie nicht stimmt (jedenfalls nicht in dem Maße wie immer behauptet). Rechnen wir doch einfach einmal nach:

    Diese Tabelle ist bei mir im Rechner ein Excel-Blatt; wer es nachrechnen will, muß daraus also wieder eine Rechentabelle machen. Die hinterlegten Formeln sind trivial, die bekommt jeder interessierte Leser locker selber heraus. Ich handhabe das bei mir so, daß ich veränderbare Werte (also Eingaben) grün hinterlege.

    Wenn man an den Parametern passend dreht, kommt natürlich etwas anderes heraus. Im Beispielfall habe ich mit einem ETF gerechnet, der US-Aktien enthält, die 2% Dividende zahlen und ihren Wert um 5% steigern.

    Bei der Direktanlage wird die Dividende mit 15% US-Quellensteuer belastet plus zusätzlich 10,55% deutsche Abgeltungsteuer plus Soli. Die Wertsteigerung wird mit deutscher Abgeltungsteuer plus Soli belastet. Zusammen betragen die Abzüge 1,83% von 7%, das sind 26,14%. Das ist etwas niedriger als die 26,375%, die man erwarten würde, und zwar deswegen, weil auf die 15% US-Quellensteuer kein Soli berechnet wird, die Steuerbelastung der US-Dividenden also nicht 26,375% beträgt, sondern nur 25,55%.

    Wenn die gleiche Aktie im ETF steckt, fällt auch die US-Quellensteuer an, sie wird aber nicht angerechnet. Auf die Dividende werden 26,375%*70% berechnet (Teilfreistellung!), also die berühmten 18,46%. Man sieht aber, daß die Gesamtsteuerbelastung der US-Dividende trotz Teilfreistellung höher ist als die Steuerbelastung ohne Teilfreistellung, aber mit Anrechnung der US-Quellensteuer.

    Die Wertentwicklung des ETFs wird geringer besteuert als die Wertentwicklung der Direktinvestition, dafür kostet der ETF aber Verwaltungskosten, die ich oben mit 0,20% angenommen habe.

    Die Gesamtbelastung der ETF-Investition beträgt in der Beispielkalkulation 1,68% von 7%, also 23,96%. Das ist weniger als die 26,14%, mit der die Direktinvestition belastet ist, aber nicht entscheidend weniger. Jedenfalls ist die Belastung des ETFs weit von den 18,46% entfernt, mit denen immer geworben wird.

    Wer möchte, mag selber nachrechnen. Drehe ich bei 2% Dividende die Wertsteigerung auf 10% hoch, steigt die Belastung der Direktinvestition minimal auf 26,24%; die Belastung des ETFs aber sinkt auf 21,67% - immer noch weit von den 18,46% entfernt. Drehe ich die Wertsteigerung auf 0% herunter, so beträgt die Belastung der Direktinvestition 25,55% (Nur Dividende, Teilbelastung mit SoLi), die Belastung des ETFs aber steigt auf 37,69%.

    Wer hätte das gedacht?

    Man kann natürlich noch mehr ändern, etwa einen anderen Dividendensatz vorsehen, eine höhere oder niedrigere Quellensteuer, etc.

    Das entscheidende Faktum ist letzlich die Wertentwicklung. Liebe hohe Steuern auf eine hohe Wertsteigerung zahlen als keine Steuer auf einen Verlust.

    :)

  • Diese Mär ("Aktien-ETFs werden niedriger besteuert als eine Direktanlage") wird gern verbreitet, sie hat aber den Nachteil, daß sie nicht stimmt (jedenfalls nicht in dem Maße wie immer behauptet).

    Ich zweifle deine Berechnung in keinster Weise an ;) Aber ich vermute, du hast das Wort "deutsche" in meinem obigen Kommentar irgendwie fehlinterpretiert. Hier ging es ja um die Frage, ob ein Portfolio mit langlaufenden Anleihen möglicherweise eine höhere risikoadjustierte Rendite erziele als eines mit kurzlaufenden Anleihen.

    Mir ging es in meiner Anmerkung zur Teilfreistellung lediglich um folgendes: Angenommen ich habe zwei Portfolios mit identischer risikoadjustierter Rendite. Im einen Fall A ein Portfolio mit einer etwas höheren Aktienquote in Kombination mit kurzlaufenden Bundesanleihen. Und im anderen Fall B eine etwas geringere Aktienquote in Kombination mit langlaufenden Bundesanleihen. Und weiterhin angenommen, beide Portfolios erzielen nun eine exakt identische Vorsteuerrendite. Dann führt die Teilfreistellung in Fall A zu einer höheren Nachsteuerrendite. Ein Portfolio mit hohem Aktienanteil wird gegenüber einem mit niedriger Aktienquote steuerlich begünstigt, mehr wollte ich nicht zum Ausdruck bringen.

  • Ich zweifle deine Berechnung in keinster Weise an ;) Aber ich vermute, du hast das Wort "deutsche" in meinem obigen Kommentar irgendwie fehlinterpretiert. Hier ging es ja um die Frage, ob ein Portfolio mit langlaufenden Anleihen möglicherweise eine höhere risikoadjustierte Rendite erziele als eines mit kurzlaufenden Anleihen.

    Wir können ja mal eine Umfrage machen, wieviele der Mitforisten hier das formale Risiko ihres Portfolios ausrechnen und sich bei Modifikationen desselben auch daran orientieren.

    Ich kann mich schonmal outen als einer, der das nicht tut.

  • Wir können ja mal eine Umfrage machen, wieviele der Mitforisten hier das formale Risiko ihres Portfolios ausrechnen und sich bei Modifikationen desselben auch daran orientieren.

    Ich kann mich schonmal outen als einer, der das nicht tut.

    Ja, aber genau darum geht es mir doch bereits seit meinem ersten Beitrag in diesem Thread. Du musst nur mal weiter oben anfangen zu lesen, bspw. #22, #89, #123 oder #161 ;)

    Natürlich kann das niemand präzise ausrechnen und braucht er auch nicht. Aber in einem Portfolio bestehend aus x% FTSE All-World und y% Tagesgeld ist es eben einfacher als in einem Multi-Asset Portfolio aus was weiß ich wieviel Positionen.

    Einmal editiert, zuletzt von Saarlaender (20. Dezember 2025 um 15:14)

  • Wir können ja mal eine Umfrage machen, wieviele der Mitforisten hier das formale Risiko ihres Portfolios ausrechnen und sich bei Modifikationen desselben auch daran orientieren.

    Ich kann mich schonmal outen als einer, der das nicht tut.

    Ja, aber genau darum geht es mir doch bereits seit meinem ersten Beitrag in diesem Thread. Du musst nur mal weiter oben anfangen zu lesen, bspw. #22, #89, #123 oder #161 ;)

    Ich finde es ziemlich unpraktisch, mit Posting-Nummern zu argumentieren, zumal man ohne Link nicht dorthin springen kann. Ich habe mir die Mühe gemacht, die Postings herauszusuchen, finde dort aber nicht, was Du meinst. :(

    Ich habe keinen Sinn für Renten und auch keinen Sinn für Renten-ETFs. Wenn das wirklich Sicherkeitsbausteine sein sollen, kommen dafür allenfalls Euro-Staatsanleihen von Staaten mit guter Bonität infrage, allenfalls noch Unternehmensanleihen von Unternehmen guter Bonität. Dafür bekomme ich aktuell 2% für kurze Papiere und noch nicht einmal 3% für lange. Welcher Reiz soll darin bestehen?

    Ich erinnere mich noch gut an "sichere" Spekuationen der 1990er Jahre: Man konnte ein 10jähriges Papier kaufen und nach 5 Jahren umsetzen, eine nennenswert steile Zinsstrukturkurve bot einem dann einen einfach erreichbaren Zusatzgewinn (damals sogar steuerfrei). Den hast Du heute aber quasi nicht mehr. Du kaufst ein 10jähriges Papier mit 2,7% Rendite und hoffst, daß der Zins für 5jährige in 5 Jahren nicht anders steht als heute, nämlich bei etwa 2,5% und hast dann - wow! - 1% Kursgewinn.

    Der typische Sicherheitsanleger baut sich seine Festgeldtreppe und kümmert sich nicht um das Zinsniveau, allenfalls zum Zeitpunkt der Prolongation. Da freut er sich, weil der Zins "hoch" ist oder ärgert sich, weil er niedrig ist. Machen dagegen kann er aber ja nichts.

    Mich würde wirklich interessieren, welcher Forist in seinem Portfolio ein Risikomanagement betreibt.

  • Ich habe einen Geldmarkt-ETF / LU0290358497, einen Weltweit-ETF / IE00B3YLTY66 und einen jetzt nur noch liegenden, vormals besparten Weltweit-ETF / LU0274208692.

    Ich rechne da nix und mache auch sonst nix außer die Sparpläne weiterlaufen zu lassen, solange die Rente reicht. Risiko ist im Aktienbereich ja alles, damit lebe ich aber.
    Mein kleines Hobby, ein weiter gefütterter Wasserstoff-ETF / IE00BMYDM794 macht mir auch noch Freude. Hier fließen im Schnitt die Erträge aus der monatlichen Festgeldtreppe im Rahmen eines Sparplans hinein.

  • Hornie , Kapitalist , danke für eure Ausführungen, spannendes Thema :)

    Kapitalist, deine These ist also im Kern, der Anleger würde für die Hinzunahme von langlaufenden Anleihen mit einer höheren risikoadjustierten Rendite entlohnt. Das widerspricht den Kernaussagen von Gerd Kommer, der das risikoreich:risikoarm Modell bereits seit 2007 propagiert. Das ist schon grundsätzlich gewagt, soll aber selbstverständlich als Argument alleine nicht ausreichen ;)

    Geben wir der These also zunächst eine Chance: In der modernen Portfoliotheorie (MPT) gilt ein Asset ist nur dann als sinnvoll, wenn es bei gleichem Risiko mehr Rendite oder bei gleicher Rendite weniger Risiko liefert. Deine These besagt nun also implizit, dass der Anleger durch die Hinzunahme langlaufender Anleihen, also i.W. für die Hinzunahme des Durations- oder Zinsänderungsrisikos dies erreicht. Also im Ergebnis durch eine höhere risikoadjustierte Rendite entschädigt wird. Aber ist dem denn auch so? Meines Erachtens eben nicht, denn das Zinsänderungsrisiko wird - über lange Zeiträume betrachtet - nicht ausreichend vergütet. Auf der Aktienseite hingegen wird er - und das dürfte unbestritten sein - durch die Hinzunahme von mehr systematischem Risiko, also einer größeren Portion des allgemeinen Aktienmarktrisikos ganz klar "robust" vergütet.
    Meine Vermutung: in dem angeführten Beispiel des "Harry Browne's Permanente Portfolio" liegt dieser Effekt maßgeblich am gewählten Zeitraum. Dieser Zeitraum war von einem hohen Ausgangszinsniveau vor der Finanzkrise und einem anschließend langanhaltenden Absinken des Zinsniveaus geprägt. Diesen Effekt kann man somit nicht einfach in die Zukunft fortschreiben.

    Der Zusammenhang zwischen Langläufer-Renten und Aktien ist viel einfacher. Die Kurse der Anleihen reagieren bekanntermaßen stark auf die Zinspolitik der Fed bzw. EZB. Je länger die Restlaufzeit desto größer der Hebel. In Jahren schlechter Wirtschaftsentwicklung, Rezessionen etc., droht Deflation und es ist es wahrscheinlicher dass die Zentralbank mit Zinssenkungen gegensteuert, wodurch die Anleihenkurse steigen während die Aktien schlecht laufen.

    Das ist der Grund warum das Portfolio sogar mit einem Plus gut durch die Krisenjahre 2008/2009 gekommen ist. Wer nur mit Aktien in Emerging Markets, Regionen, Small Caps, etc. diversifizierte war tief im Minus. Diversifikation nur im Aktienteil bringt in Krisenzeiten wenig, weil alle mit demselben Aufzug in den Keller fahren. Langläufer-Anleihen und Gold dagegen haben den Verlust ausgeglichen. Das ist ein Beispiel für die Kombination von assets, die einzeln betrachtet alle volatil sind, aber im Portfolio kombiniert den maximalen Verlust begrenzen.

  • Kapitalist , ich zweifle überhaupt nicht an, dass eine Kombination von unkorrelierten Assets zur Stabilisierung eines Portfolios in allen denkbaren künftigen Marktszenarien sinnvoll ist. Ich bin aber weiterhin der Ansicht, dass speziell langlaufende Anleihen gegenüber kurzlaufenden nur in einem deflationären Zinsregime Sinn machen. Ein solches hatten wir nach der Finanzkrise für eine sehr lange Zeit. Also in der ex-post Betrachtung der letzten Jahrzehnte mit dem deflationären Schock 2008 und der Zeit danach hat es somit zweifellos gut funktioniert. Aber nur bis zur Zinswende, das Jahr 2022 war dann ein denkbar schlechtes für Portfolios die mit Langläufer-Anleihen stabilisiert werden sollten. Und - das ist der entscheidende Punkt - es funktioniert in der ex-ante Betrachtung für alle denkbaren zukünftigen Marktszenarien eben nicht. Also in einem prognosefreien Portfolio gilt somit aus meiner Sicht: Diversifikation über Anlageklassen hinweg ja, aber nicht mit langlaufenden Anleihen sondern mit Kurzläufern oder Tagesgeld.

    Aber nehmen wir für einen Moment an, du hast Recht. Warum empfehlen Gerd Kommer, Hartmut Walz, Finanztip, etc. nur Kurzläufer und keine Langläufer-Anleihen?

    Hier ein Beispiel: Anleihen zur Portfoliostabilisierung meiden

  • Aber nehmen wir für einen Moment an, du hast Recht. Warum empfehlen Gerd Kommer, Hartmut Walz, Finanztip, etc. nur Kurzläufer und keine Langläufer-Anleihen?

    Hier ein Beispiel: Anleihen zur Portfoliostabilisierung meiden

    Meine Vermutung wäre, weil die Aktien-ETF plus Kurzläufer/Geldmarkt-Kombi halt die allereinfachste und am Besten für Anfänger geeignete Variante ist. Und die genannten Herrschaften machen halt v. a. sehr segensreiche Arbeit für Anfänger im Geldanlage-Bereich. Langläufer-Anleihen sind sehr machtvolle Hebel, sie reagieren auf Veränderungen extrem stark … da empfiehlt es sich schon, fester im Sattel zu sitzen und nicht gerade erst aufgesessen zu sein.


    Der Verkaufstrick war doch, das als Referenzpunkt zu definieren, was MSCI World plus Tagesgeld eben hergeben. Und dann zu sagen: Hol Dir das. Das mag nicht 53xy, aber verlässlich sein.


    Ich habe aber nie verstanden, warum die Diversifikation als free lunch nicht auch mit Anlageklassen gelten sollte … und halte deshalb Langläufer und auch Rohstoffe für wichtig in einem Portfolio.


    Btw, im verlinkten Artikel werden Offene Immobilienfonds als mögliche Beimischung in den Raum gestellt, wenn man keine eigene Immobilie hat. Soll das dem Forum hier wirklich als Beispiel dienen?

    Ernsthaft?! Die Forensoftware erlaubt das nun teils in Zahlen geschriebene Wort nicht? LOL!

  • Dieser verlinkte Blog-Text von Walz stammt vom Januar 2019 als die EZB ihre Nullzinspolitik hatte und deshalb die Kurse der Langläufer Anleihen schon sehr hoch waren. In dieser Phase Langläufer zu kaufen ist riskant; das ist das ganze Argument von Walz und da hat er nicht Unrecht.

    Gut war sein Tip aber trotzdem nicht. In den nachfolgenden 7 Monaten ist der Kurs der 30-jährigen Bundesanleihe +30% gestiegen weil die Konjunkturaussichten nochmal schlechter wurden und der Markt weitere Zinssenkungen befürchtete. Wer Walz ignorierte und an den Langläufern festhielt war in der Krise richtig gut dabei. In einem Depot mit Langläufer Anteil hätte das automatische re-balancing Mitte 2019 verkauft und ordentlich Gewinne mitgenommen, um nach der Zinserhöhung 2022 zu niedrigen Kursen wieder zuzukaufen.