„Die Nachtschicht“ - Philosophische Geldanlage

  • Falls dieser Vergleich zutreffen sollte, dann träfe er auf alle Foren, facebookgruppen und Hobbyvereine dieser Welt gleichermaßen zu.

    Ich stimme zu und das war auch mein allererster Gedanke.

    Hier mal mein Versuch, zumindest meine persönlichen Erfahrungen in Foren (andere Gruppen habe ich online nicht dank Social-Media-Meidung):

    Letztlich geht es (für mich nach kurzem Überlegen) um drei Dinge in Foren, nämlich 1. das Aufbauen von Wissen durch Austausch mit Leuten, die bereits Erfahrung haben, 2. um die Selbstvergewisserung, ob man selbst auf dem rechten Weg ist und 3. um das Aktuellhalten von 1. und 2., also des eigenen Wissens bzw. des rechten Weges. Man könnte vielleicht noch das Helfen von Neulingen als 4. Punkt anfügen. Ab dem Punkt springen viele aber schon wieder ab.

    Der 2. Punkt mit dem rechten Weg hat schon etwas Religiöses. Den 1. Punkt könnte man auch noch so interpretieren, z.B. als Weg hinein in die Religion. Aber 3. sicher nicht, weil es in Religionen, zumindest Buchreligionen, nichts Neues mehr gibt.

    Spaß beiseite! In Religionen geht es um viel mehr, um viel Grundsätzlicheres als dieses reine Finanz-Ding oder worum es auch immer in anderen Foren oder Social-Media-Gruppen geht, in denen man so ist. Bin selbst kein religiöser Mensch, auch nicht gläubig, aber ich lehne mich mal aus dem Fenster und behaupte, dass wir alle religiös geprägt sind. Unsere Vorstellung davon, was gut und was böse ist, ist religiös geprägt usw.

    Oder kurz gefasst: Schaut euch im Christentum die 10 Gebote an. Dann verfasst mal die 10 Gebote der Finanzbildung. Auch wichtig, aber ein Witz gegen das Grundsätzliche, was die 10 Gebote der Bibel vermitteln!

  • Das schreibt die KI zu den 10 Finanzgeboten:

    Die 10 Gebote der Finanzweisheit


    1. Ich bin die Vernunft, dein Herr. Du sollst keine Finanzgötzen neben mir haben.

    Glaube weder Verkäufern noch Prognosen, sondern prüfe alles mit klarem Verstand.

    2. Du sollst dir kein trügerisches Produkt machen.

    Kapitalbildende Versicherungen sind teuer, undurchsichtig und dienen selten deinem Wohl.

    3. Du sollst den Zinseszins nicht missbrauchen.

    Hüte dich vor Kosten, denn sie fressen dein Vermögen wie Motten das Gewand.

    4. Gedenke der Einfachheit und halte sie heilig.

    Ein weltweit gestreuter Aktien-ETF genügt für den langen Weg zum Vermögensaufbau.

    5. Du sollst streuen, auf dass du nicht fällst.

    Verteile dein Geld über Länder, Märkte und Anlageklassen, damit ein Sturm dich nicht vernichte.

    6. Du darfst Gold halten, doch bete es nicht an.

    Es spendet Trost in Krisenzeiten, doch es vermehrt dein Vermögen nicht.

    7. Du sollst das Haus nicht verherrlichen.

    Die selbstgenutzte Immobilie ist Heim und Zuflucht, nicht automatisch Reichtum. Rechne sie nicht schön.

    8. Du sollst keine Schulden machen.

    Denn der Schuldner ist Knecht des Gläubigers.

    9. Du sollst erst recht keine Konsumschulden machen.

    Was heute glänzt, wird morgen zur Kette an deinem Fuß.

    10. Du sollst Geduld üben bis ans Ende deiner Tage.

    Wer ausharrt, regelmäßig spart und nicht verzagt, wird ernten zu seiner Zeit.



    So schlecht nicht wenn man sich daran hält.

  • Religion als Konzept soll die "horror vacui" füllen, das sehe ich bei dem Finanzgedöns zwar auch, aber nicht ganz so ausgeprägt.

    Die organisierte Religion ("Kirche") ist ein Herrschaftinstrument, das sehe ich hier in der Community eher nicht. Amen.

  • Nur das Thema Kredite würde ich deutlich weiter oben einsortieren (wenn man davon ausgeht, dass die Liste der Gebote nach einer gewissen Wichtigkeit sortiert ist)

    Das sehe ich ganz ähnlich - jedenfalls unter der oben genannten Voraussetzung in Klammern. Eine Einordnung erst an Nr. 8 bzw. Nr. 9 ist ziemlich weit hinten bei 10 "Geboten" - gerade für ein solches für so manche (problematisches bis) wichtiges Thema..

    Erst recht bei der heute nicht selten anzutreffenden "Buy Now - Pay Later" Haltung - auch bei Leuten, bei denen dies mit etwas besserer Übersicht und Finanzplanung samt Compliance dieselbe betreffend vermeidbar wäre.

    Zwingend erscheint - nach meinem Dafürhalten - dabei auch die deutliche Unterscheidung bzw. Herausstellung des Unterschieds zwischen Konsumschulden einerseits und Schulden, die einen positiven Cashflow generieren können andererseits (Kredithebel bei vermieteten Immobilien, Kredite für Firmengründung oder eine Selbständigkeit, Firmen- und Geschäftskredite usw.).


    Auch wenn ich nur Finanz-Laie bin, wenn auch ein an solchen Themen Interessierter mit zudem ein bißchen eigenen Erfahrungen ... erlaube ich mir zwei Ergänzungsvorschläge:


    Ziemlich oder ganz an den Anfang stellen würde ich (fast hätte ich geschrieben natürlich den "Paragraph Eins - jeder macht Seins" - aber die "10 Gebote" sind schon nochmals was anderes als reine "Paragraphen" in Sachen der Umsetzung und Gewichtung):

    Beginne so früh wie möglich, Dich mit dem Thema zu beschäftigen und darüber zu informieren. Werfe dabei auch einen Blick in die Geld-, Währungs- und Finanzgeschichte, auf das heutige Geldsystem und ebenso in die Geschichte von Währungsunionen.

    Versuche danach zu starten sprich zeitnah in die Umsetzung zu kommen (auch wenn es anfangs nur kleine Beträge sind). Bedenke dabei, daß Versichern der existentiellen Risiken vor dem Anlegen und erst recht vor dem Investieren kommt.


    Nur am Rande aber in dem Kontext:

    Zwischen Nr. 4 und Nr. 5 kann ein leichtes Spannungsfeld ausgemacht werden, jedenfalls dann, wenn Diversifikation dem Handelnden (besonders) wichtig ist und dieser sich auch in der Vermögensaufbauphase nicht schwerpunktmäßig nur auf eine einzige Anlageklasse limitieren will.

  • Erst recht bei der heute nicht selten anzutreffenden "Buy Now - Pay Later" Haltung - auch bei Leuten,

    Ich glaub nicht, dass das wirklich eine "Haltung" ist. Die Leute machen sich darüber einfach zu wenig Gedanken, was ein Kredit wirklich kostet.

    Die Leute werden ja in der Werbung mit einer positiven Annotation von Konsumkrediten bombardiert. Exemplarisch zum Beispiel die Smava-Werbung, wo die Dame, die einen Konsumkredit aufnimmt, als "Kreditrakete" gelobt wird. Meiner Meinung nach sollte Werbung für Konsumkredite genauso verboten bzw. stark restriktiert werden wie Tabakwerbung.

    Hier die betreffende Werbung:

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  • Die Leute werden ja in der Werbung mit einer positiven Annotation von Konsumkrediten bombardiert. Exemplarisch zum Beispiel die Smava-Werbung, wo die Dame, die einen Konsumkredit aufnimmt, als "Kreditrakete" gelobt wird. Meiner Meinung nach sollte Werbung für Konsumkredite genauso verboten bzw. stark restriktiert werden wie Tabakwerbung.

    Diese Werbung ist auf mehreren Ebenen schwer erträglich.

  • Ich glaub nicht, dass das wirklich eine "Haltung" ist. Die Leute machen sich darüber einfach zu wenig Gedanken, was ein Kredit wirklich kostet.

    Sich nicht über wichtige Themen (Beispiel: Geld und private Finanzen) zu informieren und/oder die Beschäftigung damit zu verweigern, kann auch eine "Haltung" sein (z. B. eine Attitüde etwa als Verweigerungshaltung).

    Die Leute werden ja in der Werbung mit einer positiven Annotation von Konsumkrediten bombardiert.

    "It always takes two to tango" ...

    Exemplarisch zum Beispiel die Smava-Werbung

    Diese Werbung ist mir bekannt. Ebenso die Formulierung "Kreditrakete".

    Für meinen Teil würde mir schon eine solche "Ansprache" in einer Werbung als Adressat derselben nicht zusagen. Schon das dürfte aber zeigen, wie seitens des Unternehmens (Kreditinstitut) und seiner Werbeagentur die Zielgruppe samt Haltung und/oder Kenntnisstand eingeschätzt wird ...

    In diesem Clip wird von einem Kredit für das "Wohn- und Arbeitszimmer" gesprochen. Da könnte man natürlich (sehr wohlwollend) "auf den Grund bohren" sprich Wohnzimmer als Konsumschulden verstehen und Arbeitszimmer als sozusagen Geschäftskredit auffassen, da mit einem Arbeitszimmer ggf. ein positiver Cashflow verbunden sein kann (siehe die Unterscheidung Nr. 27 Abs. 3).

    Nur am Rande aber in dem Kontext:

    Meiner Meinung nach sollte Werbung für Konsumkredite genauso verboten bzw. stark restriktiert werden wie Tabakwerbung.

    Zum wichtigen bis unverzichtbaren Grad einer gewissen wirtschaftlichen Freiheit (Stichwort: Privatautonomie - siehe GG und BGB) gehört auch die Freiheit zu Fehlentscheidungen. Bei Rankings diesen wichtigen Aspekt betreffend (ein "Baustein im Gebäude" der "internationalen Wettbewerbsfähigkeit" übrigens) landet Deutschland meist nur im Mittelfeld der großen Industrienationen (an der Spitze landen meist Länder wie die Schweiz, Singapur, Irland usw. gefolgt von den USA als eines der sehr großen Länder).

    Statt bei Verboten (korrespondiert auch eher wenig mit dem beispielsweise in politischen Sonntagsreden oft vorkommenden mündigen und kritischen Bürger und ebensolchem Verbraucher) würde ich da eher beim Thema Information und Aufklärung ansetzen mithin einer besseren Finanzbildung insgesamt.

  • „Selbermacher:innen“ im Finanzforum – eine Ersatzreligion?

    Zwei Dinge weiß ich jetzt.

    1. Wieso man auf Kapitalerträge Kirchensteuer zahlen soll.

    2. Verdammt, irgendwann werde ich doch echt mal zu diesen ominösen Yogakursen müssen. Als Zuschauer, ärztlich betreut vermutlich, aber ich muss da mal hin.

  • In diesem Clip wird von einem Kredit für das "Wohn- und Arbeitszimmer" gesprochen. Da könnte man natürlich (sehr wohlwollend) "auf den Grund bohren" sprich Wohnzimmer als Konsumschulden verstehen und Arbeitszimmer als sozusagen Geschäftskredit auffassen

    Das Arbeitszimmer wurde hier doch nur verwendet, um der Dame den Anstrich der cleveren Geschäftsfrau zu verpassen, die aufgrund ihrer Kreditentscheidung selbstverständlich auf's Titelblatt von irgendeinem Bussinessmagazin gehört.

  • Das Arbeitszimmer wurde hier doch nur verwendet, um der Dame den Anstrich der cleveren Geschäftsfrau zu verpassen, die aufgrund ihrer Kreditentscheidung selbstverständlich auf's Titelblatt von irgendeinem Bussinessmagazin gehört.

    Verstehe - das hatte ich allerdings auch schon vorher verstanden ...

    Ansonsten und ganz generell: Siehe schon Nr. 30

    "It always takes two to tango" ...

    Apropos Verbote bezüglich "Werbung für Konsumkredite" bzw. "Anstrich der cleveren Geschäftsfrau, die aufgrund ihrer Kreditentscheidung selbstverständlich auf`s Titelblatt von irgendeinem Businessmagazin gehört":

    Bei derartigen Kautelen wäre aber ein erheblicher Teil der Werbung zu verbieten. Um nur ein Beispiel aus vielen zu nennen: Wenn ausgerechnet ein SUV einsam auf einer schönen und freien Landstraße durch tolle Landschaften fährt oder ein Sportwagen eine ebenso schöne und freie Küstenstraße entlang - was hat das mit der Realität der meisten Menschen und des Straßenverkehrs hierzulande zu tun oder gemeinsam ... ?