Geldanlage als Altersvorsorge mit 60&58

  • Hallo ihr Lieben,

    meine Eltern sind über Weihnachten auf mich zugekommen, um Tipps hinsichtlich der Optimierung ihrer Altersvorsorge zu erhalten. Nach kurzer Rechnung bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass ich auch jetzt noch eine große Einmalinvestition in einen möglichst breiten Aktien ETF empfehlen würde (100k in einen ACWI und 50k zusätzlich in den MSCI World). Das Geld soll zur Aufstockung der relativ niedrig erwarteten Rente genutzt werden. Meine Eltern würden meinen beiden Geschwistern und mir auch gerne etwas hinterlassen (hat aber keine Priorität, wir sind alle drei auch so gut versorgt).

    Folgendes Vermögen ist vorhanden:

    210.000 EUR liquide (auf Tagesgeldkonten und in einem jederzeit kündbaren Altersvorsorgefond)

    25.000 EUR sind in einem ETF auf den MSCI World

    5.000 EUR in Einzelaktien

    Zudem ist ein selbstgenutztes Einfamilienhaus (Wert: ca 500.000 EUR) und eine vermietete Eigentumswohnung (Wert ca. 200.000) wobei letztere mit noch ca. 40.000 EUR belastet ist; Darlehn läuft noch 9 Jahre mit 1,2 % p.A.; Raten über Miete

    Im nächsten Jahr steht zudem die Auszahlung einer Lebensversicherung zu ca. 60.000 EUR an.

    Das liquide Vermögen stammt zu ca. 2/3 aus einer Erbschaft im letzten Jahr, daher ist es nicht angelegt.

    Der Renteneintritt steht für meinen Vater in ca 3 Jahren an. Meine Mutter würde gerne auch noch über die Regelaltersgrenze hinaus arbeiten, sodass hier erst mit einem Renteneintritt in ca. 10 Jahren zu rechnen ist.

    Mache ich dabei einen Denkfehler? Durch die Immobilien ist ein Großteil des Vermögens ja bereits konservativ angelegt. Ca. 50k würde als Reserve direkt auf einem Tagesgeldkonto bereit liegen, was dem Sicherheitsgefühl meiner Eltern dienen würde. Der Rest sollte in den nächsten Jahren, gerade bei einer 10 Jahresperspektive eine ordentliche Rendite bringen, die zur Entnahme von ca. 3-5 Prozent, wenn dann beide in Rente sind, zusammen mit dem Anlagevermögen genügen dürfte.

    Ich danke euch schon mal und freue mich, auf euer Feedback.

  • Kater.Ka 9. Januar 2026 um 14:40

    Hat das Thema freigeschaltet.
  • ..., dass ich auch jetzt noch eine große Einmalinvestition in einen möglichst breiten Aktien ETF empfehlen würde (100k in einen ACWI und 50k zusätzlich in den MSCI World).

    Was erwartest Du Dir von der Aufteilung?
    Warum nicht 100% in einen MSCI ACWI?

    Der Rest sollte in den nächsten Jahren, gerade bei einer 10 Jahresperspektive eine ordentliche Rendite bringen, die zur Entnahme von ca. 3-5 Prozent, wenn dann beide in Rente sind, zusammen mit dem Anlagevermögen genügen dürfte.

    Klar, Rendite wollen wir alle. ;) Bei einer 100% Aktieninvestition kann aber nach 10 Jahren auch eine negative Rendite herauskommen. Solche Phasen gab es immer wieder mal. Was wäre, wenn nach 10 Jahren nur 70% oder 80% der ursprünglichen Anlagesumme vorhanden wären?
    Schon mal darüber nachgedacht etwas konservativer zu investieren? Es gibt z.B. mit den Vanguard Life Strategy ETF ein Kombiprodukt aus weltweiten Aktien und weltweiten Anleihen. Mit einem Vanguard LS 60 (60% Aktien/40% Anleihen) hat man auf Sicht von 10 Jahren in der Vergangenheit keinen Verlust gemacht.
    Nur so als Denksnastoss.

    PS: Man kann auch 100% in Aktien gehen zumal ja noch Lebensversicherungen dazu kommen. Aber was sagen denn Deine Eltern? Wie ist die finanzielle Situation in der Rente? Sind Deine Eltern in der Rentenphase auf Entnahmen aus dem vermögen angewiesen?

  • Und was sagen deine Geschwister dazu?

    Wenn du das Vermögen deiner Eltern irgendwie an der Börse anlegst und da geht’s dann runter und deine Geschwister waren von vornherein nicht damit einverstanden, was passiert dann?

    Ich hab von dem Geld meines Vaters schön die Finger gelassen weil einer meiner Schwestern Angst hat. Keine Lust mir nachher das Gejaule anzuhören und das ganze dann nur wegen ein paar tausend Euro mehr oder weniger.

    Ansonsten so einfach wie möglich anlegen, damit deine Eltern auch verstehen was da wo und warum gekauft wurde.

    Vermögen aufteilen in Rendite Teil der schwanken kann: ( z.b. ACWI oder LS 60 )

    Und Flüssigen Teil : Gutes Tagesgeld oder Geldmarktfonds bzw. ETFs . ( sollte auch als Rücklage für die Immobilie da sein)

    Da deine Eltern ja noch nicht scheintot sind dürften sie das mit entsprechender Anleitung auch selber hinbekommen.

    Viel Erfolg mit eueren Finanzentscheidungen.

  • Und was sagen deine Geschwister dazu?

    Ansonsten so einfach wie möglich anlegen, damit deine Eltern auch verstehen was da wo und warum gekauft wurde.

    Da deine Eltern ja noch nicht scheintot sind dürften sie das mit entsprechender Anleitung auch selber hinbekommen.

    Gut gesagt! Ich finde es merkwürdig, mit welcher Perspektive hier manchmal auf "Eltern" im Allgemeinen geblickt wird. Würde helfen, sich immer erst mal anzulesen, wie alt die konkreten Eltern denn sind. Hier zum Beispiel dürften sie jünger sein als viele Forumsschreiber.

  • Wie war die Aufteilung risikoarm zu renditeorientiert bevor die Eltern geerbt haben? Wenn ich es richtig verstehe ca. 70k risikoarm und 30 Aktien/-ETFs. Das wäre eine gewisse Orientierung für deren Risikobereitschaft. Davon würde ich nicht stark abweichen, sofern nicht ein starker Wunsch von Seiten der Eltern besteht.

    Ansonsten sehe ich es auch so, dass die Eltern noch nicht so alt sind, dass man ihnen die Dinge aus der Hand nehmen sollte. Ein gutes Einführungsbuch zu dem Thema wäre vielleicht eine gute Idee. Und ein Gespräch mit den übrigen Geschwistern vielleicht auch keine schlechte Idee. Desto unklarer die Meinungen der übrigen sind, desto mehr sich raushalten.

    Was andere grundlegende Gedanken sind, die mir spontan einfallen
    - ein ausreichend großes Liquiditätspolster wegen der Immobilien. Je nach Investitionsstau zwischen 20k und 50k
    - ausschüttende Fonds bevorzugen, da es bald in die Entnahmephase geht. Damit kommt immer automatisch ein gewisser Geldfluss
    - Sofern die Eltern Interesse haben, die zu erwartende Rentenlücke abschätzen. Kontenklärung veranlassen soweit nicht schon passiert. Möglicherweise muss man danach etwas riskanter anlegen als einem lieb ist. Aber dazu sollte man wissen, ob es nötig ist.

  • … um Tipps hinsichtlich der Optimierung ihrer Altersvorsorge zu erhalten.

    Wie sieht denn die Altersversorgung bisher aus, bzw. was ist denn zusätzlich gewünscht?

    Ich bin ja ein Fan von passivem Einkommen ohne den Kapitalstock veräussern zu müssen.

    Daher würde ich zu einem breit gestreuten Dividenden-ETF raten. Oder 3 Dividenden-ETF, die quartalsweise ausschütten. Klug ausgewählt hätte man damit monatliche Ausschüttungen zur Aufbesserung der klassischen Rente/Pension.

  • Ich finde es merkwürdig, mit welcher Perspektive hier manchmal auf "Eltern" im Allgemeinen geblickt wird. Würde helfen, sich immer erst mal anzulesen, wie alt die konkreten Eltern denn sind. Hier zum Beispiel dürften sie jünger sein als viele Forumsschreiber.

    Ich teile Deine Meinung.

    Sehr häufig scheinen mir diejenigen, die ihrer Eltern Geld anlegen wollen, selbst in der Geldanlage nicht besonders versiert zu sein. Im Land der Blinden ist der Einäugige König.

    Da ist es noch schwieriger als sonst, einen Ratschlag zu geben.

    Die durchschnittlichen 58- und 60jährigen scheinen mir noch nicht so senil zu sein, daß sie ihre Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln könnten (und meines Erachtens auch sollten). Ich würde mit 60 nicht im Traum daran denken, einem Kind (das dann vielleicht Mitte 20 ist) meine Finanzen anzuvertrauen.

  • Vielen Dank für euer Feedback.

    Was erwartest Du Dir von der Aufteilung?
    Warum nicht 100% in einen MSCI ACWI?

    Ich dachte an eine etwas höhere Rendite durch höheren US Anteil.

    Life Strategy ETF ein Kombiprodukt aus weltweiten Aktien und weltweiten Anleihen. Mit einem Vanguard LS 60 (60% Aktien/40% Anleihen) hat man auf Sicht von 10 Jahren in der Vergangenheit keinen Verlust gemacht.

    Super, schaue ich mir direkt mal an.

    Man kann auch 100% in Aktien gehen zumal ja noch Lebensversicherungen dazu kommen. Aber was sagen denn Deine Eltern? Wie ist die finanzielle Situation in der Rente? Sind Deine Eltern in der Rentenphase auf Entnahmen aus dem vermögen angewiesen?

    Angewiesen im Sinne von "zum Leben notwendig" sind sie darauf nicht. Aufgrund des Wegfalls der Sparquote und durch das Wohneigentum sollte das Rentenniveau reichen. Eine Aufstockung der Rente iHv zur Zeit 1.000 EUR ca würde den Lebensstandard allerdings erhöhen und das würden sie sich wünschen.

    Und was sagen deine Geschwister dazu?

    Wenn du das Vermögen deiner Eltern irgendwie an der Börse anlegst und da geht’s dann runter und deine Geschwister waren von vornherein nicht damit einverstanden, was passiert dann?

    Das spielt eher keine Rolle. Ich lege ja nichts an, sondern meine Eltern, und die dürfen meiner Meinung nach mit ihrem Geld machen was sie möchten. Das sehen wir in der Familie alle so.

    Vermögen aufteilen in Rendite Teil der schwanken kann: ( z.b. ACWI oder LS 60 )

    Und Flüssigen Teil : Gutes Tagesgeld oder Geldmarktfonds bzw. ETFs . ( sollte auch als Rücklage für die Immobilie da sein)

    Danke dir, das ist ja ungefähr so, wie ich es auch dachte.

    Was andere grundlegende Gedanken sind, die mir spontan einfallen
    - ein ausreichend großes Liquiditätspolster wegen der Immobilien. Je nach Investitionsstau zwischen 20k und 50k
    - ausschüttende Fonds bevorzugen, da es bald in die Entnahmephase geht. Damit kommt immer automatisch ein gewisser Geldfluss
    - Sofern die Eltern Interesse haben, die zu erwartende Rentenlücke abschätzen. Kontenklärung veranlassen soweit nicht schon passiert. Möglicherweise muss man danach etwas riskanter anlegen als einem lieb ist. Aber dazu sollte man wissen, ob es nötig ist.

    Dankeschön. Das mit dem ausschüttenden Fond ergibt Sinn und werde ich in meiner "Empfehlung" berücksichtigen.

    Wie sieht denn die Altersversorgung bisher aus, bzw. was ist denn zusätzlich gewünscht?

    Bislang lediglich gesetzliche Rente und beide haben eine beinahe zu vernachlässigende Betriebsrente.

    Die durchschnittlichen 58- und 60jährigen scheinen mir noch nicht so senil zu sein, daß sie ihre Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln könnten (und meines Erachtens auch sollten). Ich würde mit 60 nicht im Traum daran denken, einem Kind (das dann vielleicht Mitte 20 ist) meine Finanzen anzuvertrauen.

    Das sehe ich, bezogen auf meine Situation, um die es ja in dem Thread geht, anders. Wenn meine Eltern, die sich nie mit Finanzanlagen beschäftigt haben, um Rat bitten, dann sage ich nicht "helft euch selber". Meine Mutter hat mir auch nicht mit 10 Jahren ein Kochbuch in die Hand gedrückt, wenn ich etwas essen wollte. Gleichwohl bleibt es natürlich deren Entscheidung, wie sie ihr, bis auf das Erbe, wirklich hart erarbeitetes Geld anlegen möchten. Ich helfe wo ich kann und da ich es nicht allzu gut kann, habe ich auf Unterstützung hier im Forum gebaut. Das hat aus meiner Sicht, auch gut geklappt und ich bin dankbar für die vielen hilfreichen Antworten. Die Alternative wäre ein Sparkassenanlagenberater...

  • Ich helfe wo ich kann und da ich es nicht allzu gut kann [nämlich Geld anlegen], habe ich auf Unterstützung hier im Forum gebaut.

    Das heißt, meine Vermutung:

    Sehr häufig scheinen mir diejenigen, die ihrer Eltern Geld anlegen wollen, selbst in der Geldanlage nicht besonders versiert zu sein. Im Land der Blinden ist der Einäugige König.

    hat mal wieder ins Schwarze getroffen.

    Gut wollen heißt noch lange nicht gut können.

    :)

  • Das sehe ich, bezogen auf meine Situation, um die es ja in dem Thread geht, anders. Wenn meine Eltern, die sich nie mit Finanzanlagen beschäftigt haben, um Rat bitten, dann sage ich nicht "helft euch selber". Meine Mutter hat mir auch nicht mit 10 Jahren ein Kochbuch in die Hand gedrückt, wenn ich etwas essen wollte. Gleichwohl bleibt es natürlich deren Entscheidung, wie sie ihr, bis auf das Erbe, wirklich hart erarbeitetes Geld anlegen möchten. Ich helfe wo ich kann und da ich es nicht allzu gut kann, habe ich auf Unterstützung hier im Forum gebaut. Das hat aus meiner Sicht, auch gut geklappt und ich bin dankbar für die vielen hilfreichen Antworten. Die Alternative wäre ein Sparkassenanlagenberater...

    Das Problem ist aber, dass Du Du bist und nicht Deine Eltern. Ich tue mich schwer damit jemanden, der bisher nie etwas mit Aktien/Börse zu tun hatte den Kopfsprung ins kalte Wasser zu empfehlen. Zumal, wenn es scheinbar finanziell nicht wirklich notwendig ist, das zu tun.
    Denk mal daran: Wenn das selbst gekochte Essen nicht schmeckt, kannst Du es weg schmeißen und Dir etwas Neues kochen, eine Pizza bestellen oder etwas essen gehen.
    Wenn in 1, 2 oder 5 Jahren die Börse um 50% einbricht, was/wie werden Deine Eltern dann fühlen?
    Und hey, es spricht nichts gegen eine Geldanlage am Kapitalmarkt. Aber eben mit bedacht und nicht unbedingt mit dem Hintergedanken eine 'bessere/höhere' Rendite erzielen zu wollen:

    Ich dachte an eine etwas höhere Rendite durch höheren US Anteil.

    :rolleyes:
    Was denken Denn Deine Eltern!?

  • ....


    Das liquide Vermögen stammt zu ca. 2/3 aus einer Erbschaft im letzten Jahr, daher ist es nicht angelegt.

    ....


    Zunächst: Das ist doch eine sehr solide Ausgangsbasis:thumbup:


    Warum ist die Erbschaft nicht angelegt? Zumal ja die Vermögensstruktur dafür spricht, dass ihr Euch mit Anlageoptionen auskennt.

    Bei meiner Frau war eine Erbschaft innerhalb von wenigen Tagen angelegt, nachdem sie auf ihrem Konto war ;)

  • Gabriel_Al,

    aus meiner Sicht ist die gewählte Asset-Allocation (Gewichtung "risikoarm" vs "risikoreich") das zentrale Steuerungselement jeder Geldanlage inkl. Finanzplan. Dabei waren ganz offensichtlich Deine Eltern eher nicht besonders risikoreich unterwegs (Lebensversicherung, eigengenutzte Immobilie, vermietete Immobilie).

    In dem Kontext:

    Mache ich dabei einen Denkfehler? Durch die Immobilien ist ein Großteil des Vermögens ja bereits konservativ angelegt.

    Aus meiner Sicht zumindest die vermietete Immobilie betreffend auf jeden Fall. Eine vermietete Immobilie (noch dazu mit einer noch laufenden Finanzierung) würde ich - selbst wenn diese in München oder Frankfurt liegt (Immobilien sind Unikate) - nicht unter "konservative Anlagen" subsumieren. Zumindest dann nicht, wenn damit nach einer alten Einstufung in drei Risikoklassen die niedrigste Stufe gemeint ist (konservativ - ausgewogen - offensiv). Heutzutage wird ja oftmals mit 5, 7 oder auch 9 Risikoklassen gearbeitet - auch danach würde ich eine vermietete und noch finanzierte Immobilie nicht unter die Stufe 1 oder Stufe 2 einordnen.

    Hierbei (Asset-Allocation) eine (ganz) erhebliche Neuausrichtung vorzunehmen, sollte stets umsichtig und sorgfältig geprüft werden (erst recht, wenn es sich nicht um das eigene Geld handelt und die Betreffenden offensichtlich über keine oder kaum Erfahrungen mit Aktien und den Börsen verfügen ...).

    Besonderes Augenmerk würde ich generell - und in solchen Fällen erst recht - zum einen auf die objektive Risikotragfähigkeit legen. Neben einer "adäquaten Rücklage für Notfälle" braucht - nach meinem Dafürhalten - auch eine eigengenutzte Immobilie eine "Rücklage" ebenso wie eine vermietete Immobilie ein gewisse "Rücklage" benötigt.

    Zum anderen würde ich in dem Fall ganz besonders auf die subjektive Risikobereitschaft (Risikotoleranz) der Eltern schauen. Insbesondere, da diese wahrscheinlich noch nie einen größeren Kursrückgang mit eigenem relevantem Engagement an der Börse miterlebt haben. Das kann zudem in höherem Alter (Beispiel 60 + oder 65 +) und dann mit gegen Null tendierendem Humankapital als ganz besonders unangenehm empfunden werden.


    Ob Deine Eltern für einen finanziell auskömmlichen Ruhestand wirklich auf einen hohen Aktienanteil in der Asset-Allocation angewiesen sind, wäre ggf. eine eigenständige Frage (immerhin ist ja - neben später den Renten - so einiges vorhanden wie etwas freies Vermögen, eine lastenfreie eigengenutzte Immobilie, es kommt noch zeitnah eine Auszahlung aus einer KLV, irgendwann (in 9 Jahren) wird die vermietete Immobilie auch lastenfrei sein).

    Nichtsdestotrotz kann eine offensivere Ausrichtung die freien Mittel betreffend durchaus Sinn entfalten. Dabei gilt es - aus meiner Sicht - aber die oben genannte "Kautelen" (sprich Vorbehalte bzw. Sicherheitsvorkehrungen) zu beachten.


    Dir gute Gedanken und danach ebensolche Entscheidungen (für und mit Deinen Eltern) !

  • Warum ist die Erbschaft nicht angelegt? Zumal ja die Vermögensstruktur dafür spricht, dass ihr Euch mit Anlageoptionen auskennt.

    Eigentlich spricht die Vermögensstruktur eben nicht dafür, daß sich die Eltern mit Anlageoptionen auskennen. Und dazu, daß sich die Leute mit Anlagen eben nicht auskennen, spricht die Tatsache, daß die Erbschaft noch nicht angelegt ist.

    Bei meiner Frau war eine Erbschaft innerhalb von wenigen Tagen angelegt, nachdem sie auf ihrem Konto war ;)

    Eben.

    Der TE spricht davon, daß 2/3 des liquiden Vermögens aus einer Erbschaft stammen. Damit könnte er meinen, daß von den genannten 210 T€ 2/3, also 140 T€ Erbschaft sind. Dann wären 70 T€ eigene Ersparnis. Dazu kommt ein Eigenheim von 500 T€ (mutmaßlich bezahlt), eine kleine Eigentumswohnung von 200 T€ (mit 40 T€ belastet), ein minimales Aktiendepot von 5000 € (vermutlich ein "Spieldepot") und 25 T€ in einem ETF. Das ist zwar immerhin ein bißchen Aktienengagement, aber insgesamt zeigt sich das Bild von Sicherheitsanlegern. Viel Geld ist das nicht, gemessen daran, daß die Leute kurz vor der Rente stehen und offensichtlich keine anderen Anlagen zur Überbrückung der Rentenlücke haben.

    Über sich selbst spricht der TE wie üblich nicht, so daß die Frage nach der eigenen Kompetenz unbeantwortet bleibt. Grundsätzlich mal sollte ein Ratgeber im Gebiet, in dem er berät, nicht nur kompetenter sein als diejenigen, die er berät, sondern sinnvollerweise kompetent, also selber sattelfest. Ich bin mir nicht so sicher, ob das im vorliegenden Fall gegeben ist.

  • Über sich selbst spricht der TE wie üblich nicht, so daß die Frage nach der eigenen Kompetenz unbeantwortet bleibt.

    Ein klein bißchen erwähnt er zumindest seine eigene Finanzlage, wie immer es dazu auch gekommen sein mag - siehe hier:

    Meine Eltern würden meinen beiden Geschwistern und mir auch gerne etwas hinterlassen (hat aber keine Priorität, wir sind alle drei auch so gut versorgt).

    (nachträglich gefettet von mir)

    Etwas verunsichert in Sachen "eigener Kompetenz" hat mich beispielsweise die fehlende Ausleuchtung der subjektiven Risikobereitschaft sprich Risikotoleranz der Eltern und beispielsweise auch die Einordnung einer vermieteten noch mit Kredit belasteten Immobilie unter "konservative" Anlagen (wenn damit die niedrigste Risikoklasse gemeint sein sollte).


    Außerdem scheint bei ihm eine möglichst hohe Rendite besonderes Gewicht zu haben - siehe hier

    Ich dachte an eine etwas höhere Rendite durch höheren US Anteil.

    Ganz generell erschließt sich mir übrigens diese Sicht nicht auf Anhieb und unbedingt:

    Die Alternative wäre ein Sparkassenanlagenberater...

    Es gäbe ja auch noch die "Alternative" den Eltern ein kompaktes Büchlein zu empfehlen oder zu schenken mit der Bitte dieses zu lesen, um dann in einer gemeinsamen Diskussion den passenden Weg zu finden und zu definieren ... Es ist schließlich ihr Geld und es geht immerhin um ihre Ruhestandsplanung.

    Eine Geheim- oder Raketenwissenschaft ist das in derartigen Standardfällen jedenfalls nicht.

    Zudem befinden sich die Eltern noch aktiv im Erwerbsleben und in dem Alter (60&58) dürfte man im Regelfall noch in der Lage sein zumindest die Basics beim Thema "private Finanzen" zu erfassen und sich anzulesen.

    Wenn man weiß, warum man sich finanziell aufstellt, wie man sich aufstellt, erhöht dies - nach meinen Erfahrungen und Beobachtungen - signifikant die Compliance den eigenen Finanzplan betreffend. Den Aspekt halte ich für nicht ganz unbedeutend, um es noch zurückhaltend zu formulieren.

  • Ich dachte an eine etwas höhere Rendite durch höheren US Anteil.

    Erstens ist bei der Zusammensetzung der Unterschied zwischen MSCI ACWI und MSCI World überschaubar. Und zweitens ist es kein Naturgesetz, dass ein höherer US-Anteil langfristig eine höhere Rendite bringt.

    Das spielt eher keine Rolle. Ich lege ja nichts an, sondern meine Eltern, und die dürfen meiner Meinung nach mit ihrem Geld machen was sie möchten. Das sehen wir in der Familie alle so.

    [...]

    Ca. 50k würde als Reserve direkt auf einem Tagesgeldkonto bereit liegen, was dem Sicherheitsgefühl meiner Eltern dienen würde. Der Rest sollte in den nächsten Jahren, gerade bei einer 10 Jahresperspektive eine ordentliche Rendite bringen, die zur Entnahme von ca. 3-5 Prozent, wenn dann beide in Rente sind, zusammen mit dem Anlagevermögen genügen dürfte.

    Ja, aber offensichtlich verlassen sich Deine Eltern darauf, was Du "empfiehlst". Eine Anlage eines Großteils ihres liquiden Vermögens in Aktien(-ETFs) kann für viel böses Blut in der Familie sorgen, insbesondere, wenn man da rangeht mit der Vorstellung, dass das Invest "bei einer 10 Jahresperspektive eine ordentliche Rendite bringen" wird und Du das Deinen Eltern auch so verkaufst.

    Die letzten 10 Jahre war das so, ja. Und auf sehr lange Sicht gab es bei einem weltweiten marktbreiten Aktieninvest im Schnitt um die 7% pro Jahr Rendite (vor Inflation und Steuern). Aber das war nicht immer so. Sieh' Dir mal historische Daten des MSCI World an, und im folgenden Link insbesondere den Abschnitt "Drawdown": MSCI World: historical performance from 1978 to 2025

    Dort steht:

    Zitat

    The longest drawdown period lasted for 13 years and 6 months and was between August 2000 and February 2014. It reached a trough of -55.7%.

    The deepest drawdown period lasted for 13 years and 6 months and was between August 2000 and February 2014. It reached a trough of -55.7%.

    Das heißt, es gab auch schon Phasen, wo man über 13 Jahre (!) warten musste, um wieder "auf null" zu sein, und zeitweise über 50% im Minus war.

    Wer 1999 Geld in den MSCI World angelegt hat, war 2009 (also 10 Jahre später) 55% im Minus.

    Wenn Du Deinen Eltern empfiehlst, 220.000 EUR (also die 210.000 EUR liquides Vermögen plus die 60.000 EUR aus der Lebensversicherung abzüglich einer Tagesgeld-Reserve on 50.000 EUR) in Aktien-ETF anzulegen, kann das bedeuten, dass das Depot bei angelegten 220.000 EUR in 10 Jahren einen Wert von nur 98.000 EUR ausweist, wenn es nochmal zu einer Entwicklung wie in der Dotcom- und Finanzkrise kommt.

    Wäre das wirklich kein Problem in eurer Familie? Ist Deinen Eltern das Risiko einer Anlage in Aktien-ETF bewusst? Ist ihnen klar, dass 10 Jahre für Aktien-ETF ein eher kurzer Anlagehorizont ist? Wie locker würden sie es nehmen, wenn ein signifikanter Anteil ihres Vermögens um gute 50% einbricht und pünktlich zu Rentenbeginn eben keine Entnahme in gewünschter Höhe drin ist?

    Ich sage nicht, dass man in höherem Alter kein Geld in Aktien-ETFs investieren darf oder sollte. Aber ich würde mich als Kind mit einer solchen Empfehlung an meine Eltern sehr zurückhalten, wenn die Eltern sich nicht selbst und von sich aus informieren und vollständig durchdringen, in was sie da investieren und mit welchen Risiken es verbunden ist (und zwar beide Elternteile, nicht nur eins).

  • Es gäbe ja auch noch die "Alternative" den Eltern ein kompaktes Büchlein zu empfehlen oder zu schenken mit der Bitte dieses zu lesen, um dann in einer gemeinsamen Diskussion den passenden Weg zu finden und zu definieren ... Es ist schließlich ihr Geld und es geht immerhin um ihre Ruhestandsplanung.

    Wer hätte gedacht, dass ich das mal sage... Aber diesen Absatz von Dir kann ich voll und ganz unterschreiben!

    Es gibt noch etwas zwischen "alles in Aktien-ETF" und "auf zum Sparkassenverkäufer".

  • Nur am Rande:

    Wer hätte gedacht, dass ich das mal sage... Aber diesen Absatz von Dir kann ich voll und ganz unterschreiben!

    Auch wenn für mich die Meinung fremder Dritter in der Regel irrelevant ist - Ausnahmen bestätigen wie stets die Regel (zu diesen Ausnahmen zählst Du aber nicht):

    Hoffentlich bleibt es bei diesem einmaligen Konsens - ansonsten könnte ggf. etwas mit meiner Haltung nicht mehr stimmen ...

    Und fast noch schlimmer: Auch mit meiner finanziellen Aufstellung.