Strategie für Freistellungsauftrag - Wie nutzt ihr den Freistellungsauftrag aus?

  • Hallo zusammen,

    ich mache mir gerade Gedanken, wie ich meinen Sparerpauschbetrag (1.000€) optimal ausnutze. Aktuell bin ich Student (später normaler Angestellter) und bespare nur thesaurierende ETFs (bzw. Aktien ohne Dividende).

    Mein "Problem": Da ich keine Ausschüttungen erhalte und aktuell keine Gewinne realisiere, verfällt mein Freistellungsauftrag jedes Jahr ungenutzt. Das bedeutet ja effektiv, dass ich einen steuerfreien Gewinn verschenke, den ich später bei Entnahme voll versteuern müsste.

    Meine Fragen an euch:

    1. Verkauf & Wiederkauf: Macht ihr zum Jahresende bewusst Verkäufe und kauft die Anteile direkt wieder zurück, nur um die Gewinne steuerlich "einzuloggen" und die Einstandskurse zu erhöhen?
    2. Kosten vs. Nutzen: Ab wann lohnt sich das unter Berücksichtigung von Spread und Ordergebühren? (Ich bin bei einem Neobroker, also sind die Gebühren gering).

    Danke für eure Tipps!

  • In den letzten 2 Jahren habe ich das gemacht. Allerdings steigt mein Bestand an Tagesgeld langsam so weit an, dass für dieses Verkauf/Kauf-Spielchen immer weniger freier Sparerfreibetrag übrig bleibt.

    Je mehr für dich noch offen ist, desto eher lohnt sich das. Wenn Du die vollen 1000 dafür zur Verfügung hast, kannst Du 1000 / 0,7 = 1428 Euro Gewinn realisieren, um das auszunutzen. Sparst also gute 200 EUR Steuern, abzüglich Gebühren und Spread. Wenn Du das Nachmittags machst, wenn die relevanten Börsen geöffnet haben, dürfte der Spread zu vernachlässigen sein.

  • Verkauf & Wiederkauf: Macht ihr zum Jahresende bewusst Verkäufe und kauft die Anteile direkt wieder zurück, nur um die Gewinne steuerlich "einzuloggen" und die Einstandskurse zu erhöhen?

    Ja

    Kosten vs. Nutzen: Ab wann lohnt sich das unter Berücksichtigung von Spread und Ordergebühren? (Ich bin bei einem Neobroker, also sind die Gebühren gering).

    Relativ schnell. Rechnen wir mal 1€ pro Transaktion und nochmal 1-2€ für den Spread. Der ist bei 08/15 ETF zu den üblichen Handelszeiten ja vernachlässigbar. Da lohnt sich das quasi immer.

  • Ich habe das einige Jahre gemacht (verkaufen/kaufen). Hat sich aus meiner Sicht selbst bei einer Direktbank gelohnt. Verkauft wurde 1. Tag vor meiner Sparplanausführung und die Sparplanrate wurde dann entsprechend erhöht und wieder nachzukaufen.
    Dabei war es hilfreich über eine Excel-Liste mit allen Käufen und darauf aufgelaufenen Gewinnen zu verfügen. So konnte ich immer ziemlich exakt den Freibetrag treffen.
    Seit einigen Jahren ist das aber nicht mehr erforderlich. Es gibt wieder etwas Zinsen und dann gibt es die Vorabpauschale.
    Damit hat sich das Thema 'Ausschöpfung des Freibetrags' für mich erstmal erledigt.

  • Ich mache mir gerade Gedanken, wie ich meinen Sparerpauschbetrag (1.000€) optimal ausnutze. Aktuell bin ich Student (später normaler Angestellter) und bespare nur thesaurierende ETFs (bzw. Aktien ohne Dividende).

    Für thesaurierende ETFs wird ein fiktiver Gewinn errechnet, die sog. "Vorabpauschale", die jedes Jahr versteuert wird. Die passende Abrechnung wird vermutlich im Verlauf der kommenden zwei Wochen bei Dir eintrudeln.

    Mein "Problem": Da ich keine Ausschüttungen erhalte und aktuell keine Gewinne realisiere, verfällt mein Freistellungsauftrag jedes Jahr ungenutzt. Das bedeutet ja effektiv, dass ich einen steuerfreien Gewinn verschenke, den ich später bei Entnahme voll versteuern müsste.

    Google einfach mal nach dem Begriff "Rollen". Er wurde hier im Forum schon ad nauseam diskutiert. Kann man machen, wenn man bei einem spesengünstigen Broker ist, macht man aber im Dezember und nicht im Januar.

    Verkauf & Wiederkauf: Macht ihr zum Jahresende bewusst Verkäufe und kauft die Anteile direkt wieder zurück, nur um die Gewinne steuerlich "einzuloggen" und die Einstandskurse zu erhöhen?

    Das kann man machen. Ich mache das nicht, weil zu diesem Zeitpunkt mein Sparerpauschbetrag leider bereits ausgeschöpft ist.

    Kosten vs. Nutzen: Ab wann lohnt sich das unter Berücksichtigung von Spread und Ordergebühren? (Ich bin bei einem Neobroker, also sind die Gebühren gering).

    Rechne es Dir aus!

    Du kannst die Geschichte noch etwas größer aufziehen (vorausgesetzt, Du hast überhaupt die passenden Gewinne): Du kannst außer dem Sparerpauschbetrag noch weitere Einkünfte steuerfrei erhalten, beispielsweise über eine Nichtveranlagungsbescheinigung. Die realistische Grenze ist aber meistens nicht (wie oft fälschlich genannt) der Grundfreibetrag, sondern die Verdienstgrenze für die Familienversicherung in der GKV (die auch bei Privatversicherten ihre Bedeutung hat). Wenn Du mehr als 565 € pro Monat verdienst, fällst Du aus der Familienversicherung und Du mußt Dich dann selbst versichern. Das ist bei Kindern/Schülern echt heftig, bei Studenten auch noch heftig, aber weniger, weil die studentische Krankenversicherung günstiger ist als der Mindestbetrag der freiwilligen GKV sonst.

    PS: Mit echten Zahlen rechnet es sich leichter als mit theoretischen Möglichkeiten.

  • Hallo zusammen,

    ich mache mir gerade Gedanken, wie ich meinen Sparerpauschbetrag (1.000€) optimal ausnutze. Aktuell bin ich Student (später normaler Angestellter) und bespare nur thesaurierende ETFs (bzw. Aktien ohne Dividende).

    Mein "Problem": Da ich keine Ausschüttungen erhalte und aktuell keine Gewinne realisiere, verfällt mein Freistellungsauftrag jedes Jahr ungenutzt. Das bedeutet ja effektiv, dass ich einen steuerfreien Gewinn verschenke, den ich später bei Entnahme voll versteuern müsste.

    Meine Fragen an euch:

    1. Verkauf & Wiederkauf: Macht ihr zum Jahresende bewusst Verkäufe und kauft die Anteile direkt wieder zurück, nur um die Gewinne steuerlich "einzuloggen" und die Einstandskurse zu erhöhen?
    2. Kosten vs. Nutzen: Ab wann lohnt sich das unter Berücksichtigung von Spread und Ordergebühren? (Ich bin bei einem Neobroker, also sind die Gebühren gering).

    Danke für eure Tipps!

    Meinen Freibetrag schöpfe ich folgendermaßen aus:

    1. Vorabpauschale geht ab

    2. Unterjährige Zinsen aus Tagesgeld (und geringe Ausschüttungen aus einem der ETFs) gehen ab. Ich nehme an, dein Verrechungskonto ist verzinst, das arbeitet dann natürlich weiter.

    3. Mitte /Ende Dezember, sofern noch Freibetrag vorhanden: Gewinne realisieren. Je nach Umfang mal ein ganzer Posten, mal ein Teil, mal mehrere Teile. Vergangenes Jahr war das u.a. ein Fonds (DE0008474230), den ich bei Comdirect kostenfrei handeln kann.

    Aber bei deinen geringen Gebühren kannst du das auch mit deinen ETFs machen – es sei denn, du willst sie ungestört wachsen sehen, das motiviert ja auch. Könntest du den Freibetrag denn schon ausschöpfen?

  • bei mir übersteigen die zinserträge bereits den Freibetrag vollständig,

    ansonstne hätte ich auch noch ausschütungen und die VAP im jahr die den aufbrauchen täten.

    den freibetrag habe ich allerdings aufgrund dessen dass dieser bei den zinserträgen schon übererfüllt wird, gar nicht erst bei meiner depot führuenden bank eingerichtet.

  • Da weiß man als Neuling doch gleich, woran man hier im Forum ist

    Nur weil man neu im Forum ist muss das nicht heißen, dass es keine Anlagen gibt, welche den Freibetrag (wie auch immer) ausnutzen.

    Aus der Angabe "Student" könnte man es wohl in vielen Fällen in D schließen. Das Altersvorsorgedepot ist quasi noch nicht existent, und dass Eltern für einen Sparen und man mit 18 das Deport geschenkt bekommt (oder u.U. sogar nur darauf zugreifen darf) dürfte auch selten sein.

    Da ich keine Ausschüttungen erhalte und aktuell keine Gewinne realisiere, verfällt mein Freistellungsauftrag jedes Jahr ungenutzt

    Ich hoffe nicht, dass Du das ernst meinst und Dir die Abrechnung der ETFs (Acc) nicht ansiehst. Unter der Annahme, dass Du in D steuerpflichtig bist, ist die Vorabpauschale zusätzlich zu zahlen, wenn es beim Broker keinen Freistelungsauftrag in der entsprechenden Höhe gibt.

    Einen Notgroschen (Tagesgeld) dürftest Du vermutlich auch haben, womit nicht gesamte Freibetrag verfällt.

    Kosten vs. Nutzen: Ab wann lohnt sich das unter Berücksichtigung von Spread und Ordergebühren?

    Wenn Dir die eigene Rechnung zu aufwändig ist, dann ist es m.M.n. auch der Verkauf/Kauf. Wie schnell Du mit dem Erlös des Verkaufes wieder handeln kannst, könnte vom Broker abhängen, wie sich in der Zeit der Kurs entwickelt hat, eher vom Markt.

    Sobald Du mal nicht mehr das gesamte Depot für die Ausnutzung des Freistellungsauftrages verkaufen musst, bleibt Dir nur die Berechnung der anfallenden Steuer vor dem Verkauf, damit Du weder zuviel noch zu wenig Anteile verkaufst.

    Ob sich das dann lohnt, hängt für mich von der Höhe des Deports und Deiner Bewertung (Zeitaufwand gegen Geld) ab.

    den freibetrag habe ich allerdings aufgrund dessen dass dieser bei den zinserträgen schon übererfüllt wird, gar nicht erst bei meiner depot führuenden bank eingerichtet.

    Für mich ist das die Frage, was man mit dem Geld machen möchte. Soll es das Tagesgeld vergrößern, soll es die zusätzlich nötigen Finanzbedarf für die Vorabpauschale verringern oder wird das Geld von Ausschüttungen wieder (ggf. automatisch) investiert.

  • Danke euch für die vielen hilfreichen Antworten und die Beispielrechnungen!

    Ich nehme für mich folgende Punkte mit:

    1. Vorabpauschale (VAP): Das hatte ich tatsächlich unterschätzt. Ich werde jetzt erstmal abwarten, bis die Abrechnung der VAP durch ist (sollte ja in den nächsten Wochen passieren), um zu sehen, wie viel von meinem Freistellungsauftrag dann überhaupt noch "übrig" ist.
    2. NV-Bescheinigung: Danke für den Tipp! Als Student liege ich voraussichtlich unter dem Grundfreibetrag. Ich werde prüfen, ob ich mir die Bescheinigung hole – dann hätte ich das Limit von 1.000 € ja gar nicht und könnte deutlich mehr "rollen".
    3. Spread: Da ich bei einem Neobroker bin, scheinen die Kosten für Verkauf/Kauf ja wirklich das kleinere Übel zu sein im Vergleich zur Steuerersparnis.

    Ich warte jetzt die Abrechnung ab und entscheide dann, ob ich die NV-Bescheinigung beantrage oder den Restbetrag durch Verkauf/Wiederkauf auffülle.

  • NV-Bescheinigung: Danke für den Tipp! Als Student liege ich voraussichtlich unter dem Grundfreibetrag.

    Ich darf Dich nochmals auf folgende Passage hinweisen, die ich oben schon geschrieben habe:

    Die realistische Grenze ist aber meistens nicht (wie oft fälschlich genannt) der Grundfreibetrag, sondern die Verdienstgrenze für die Familienversicherung in der GKV (die auch bei Privatversicherten ihre Bedeutung hat)