Kauf oder Miete - Gutes Einkommen, wenig Eigenkapital

  • Liebes Forum,


    es geht um den Klassiker Miete oder Eigentum.

    Die Fakten:

    - 40 und 38 Jahre alt, verheiratet, keine Kinder (aus biologischen Gründen kommen auch keine)

    - beide krisensichere Jobs im unbefristeten Angestelltenverhältnis

    - Haushaltseinkommen ca. 15k netto im Monat (Ohne Boni, Gratifkationen etc.), Tendenz steigend

    - Eigenkapital knapp 100k

    - Mietwohnung in deutschem Ballungsraum, ca. 2k Warmmiete

    - Renten aus DRV, Versorgungswerk und ggf. Pension nach erfolgter Verbeamtung von Person 1

    - bei Beiden kein erwartbares Erbe

    - Kinderunterhalt aufgrund Pflegebedürftigkeit der Eltern wahrscheinlich


    Ich weiss, dass selbstbewohntes Eigentum vor allem eine Frage des Lebensstils ist. Ich frage mich allerdings in unserer Situation, ob es nicht finanziell dumm wäre, den Schritt nicht zu gehen.

    Wir haben kaum Eigenkapital, da wir beide aus finanziell prekären Elternhäuser kommen und die letzten Jahre damit beschäftigt waren, die Schulden aus Studium, Ausbildung etc. zu tilgen. Klassische Aufsteigerbiographie würde ich sagen.

    Derzeit investieren wir unser Geld in unsere Depots, vor allem mit dem Ziel die (im Verhältnis zum Einkommen) spärlichen Rentenzahlungen aufzustocken um im Alter gut davon leben zu können.

    Bis wir eine solide Finanzierung hinbekommen, müssen wir sicherlich noch drei bis fünf Jahre EK ansammeln, da die für uns interessanten Objekte ca. 1 bis 1,5 Mio kosten.

    Uns stellt sich nun die Frage inwieweit es Sinn macht, mit Anfang Mitte 40 zu kaufen und das Ziel zu haben, mit Renteneintrittsalter eine abbezahlte Immobilie zu haben.

  • Kater.Ka 17. Januar 2026 um 09:47

    Hat das Thema freigeschaltet.
  • - Haushaltseinkommen ca. 15k netto im Monat (Ohne Boni, Gratifkationen etc.), Tendenz steigend

    - Eigenkapital knapp 100k

    Wie kommts das ihr bei solch hohem Einkommen so wenig Eigenkapital habt?

    Ihr werdet ja kaum mehr als 5k im Monat verbrauchen, eher deutlich drunter. Das heißt ihr müsstet 10k pro Monat sparen können und hättet 100k Kapital schon in 10 Monaten.

    Waren das echt so hohe Schulden?


    Ich würde sagen mit dem Einkommen könnt ihr euch ein super fettes Depot ansparen und dann gut davon leben.

  • Finanziell sollte das Thema sicher machbar sein. Vielleicht noch ein oder zwei Jahre EK erhöhen und sollte das klappen. Die Frage ist mehr, ob es Sinn für Euch macht. Wichtige Fragen in dem Zusammenhang sind (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

    • Wollen wir die nächsten 20/30 Jahre hier leben?
    • Wie wichtig ist es für Euch, ein unkündbares Nest aufzubauen?
    • Bekommen wir zusätzlich zur Immobilie noch eine Altersvorsorge hin?
    • Kann das Thema Kinderunterhalt die finanzielle Planung gefährden?
    • Schränkt uns die Immobilie bei der Gestaltung unseres Lebensplans ein?

    Grundsätzlich sehe ich wenig Probleme, bei Eurem Einkommen eine schöne Wohnung mieten oder kaufen zu können. Ihr habt hier denke ich wirklich die freie Wahl und solltet versuchen Eure Prioritäten zu sortieren.

    Unabhängig davon solltet ihr schauen, wo aktuell bei Euch das Geld hingeht und was eine realistische Sparrate ist.

  • - 40 und 38 Jahre alt, verheiratet, keine Kinder (aus biologischen Gründen kommen auch keine)

    - beide krisensichere Jobs im unbefristeten Angestelltenverhältnis

    - Haushaltseinkommen ca. 15k netto im Monat (Ohne Boni, Gratifkationen etc.), Tendenz steigend

    - Eigenkapital knapp 100k

    - Mietwohnung in deutschem Ballungsraum, ca. 2k Warmmiete

    - Renten aus DRV, Versorgungswerk und ggf. Pension nach erfolgter Verbeamtung von Person 1

    ... das mag wohl noch ein Weilchen dauern, wenn man jetzt 38 und 40 ist.

    - bei beiden kein erwartbares Erbe

    - Kinderunterhalt aufgrund Pflegebedürftigkeit der Eltern wahrscheinlich


    Ich weiß, dass selbstbewohntes Eigentum vor allem eine Frage des Lebensstils ist. Ich frage mich allerdings in unserer Situation, ob es nicht finanziell dumm wäre, den Schritt nicht zu gehen.

    Diese Entscheidung wirst Du selbst fällen müssen, das Für und Wider kennst Du ja vermutlich.

    Wir haben kaum Eigenkapital ...

    Derzeit investieren wir unser Geld in unsere Depots, vor allem mit dem Ziel die (im Verhältnis zum Einkommen) spärlichen Rentenzahlungen aufzustocken um im Alter gut davon leben zu können.

    Bis wir eine solide Finanzierung hinbekommen, müssen wir sicherlich noch drei bis fünf Jahre EK ansammeln, da die für uns interessanten Objekte ca. 1 bis 1,5 Mio kosten.

    Nicht unbedingt. Bei solchem Einkommen würdet Ihr auch eine 100%-Finanzierung bekommen. Ok, die kostet natürlich Geld in Form eines höheren Zinses, aber möglich wäre sie.

    Uns stellt sich nun die Frage inwieweit es Sinn macht, mit Anfang Mitte 40 zu kaufen und das Ziel zu haben, mit Renteneintrittsalter eine abbezahlte Immobilie zu haben.

    Diese Frage stellt sich eigentlich nicht. Du spielst mit dem Gedanken, hast aber nicht vor, ihn morgen schon umzusetzen, sondern peilst einen Kauf in etwa 5 Jahren an.

    Also kalkulierst Du mal, was Du in 3 oder 5 Jahren an Eigenkapital zusammenbekommst, sparst villeicht etwas schärfer als bisher, wenngleich schon jetzt von 15 T€ netto ordentlich etwas übrigbleiben sollte. Und 3 oder 5 Jahre Bedenkzeit sollten eigentlich reichen für die Entscheidung, ob Du ein eigenes Haus willst oder nicht.

  • Meiner Meinung nach ist es finanziell überhaupt nicht dumm kein Eigenheim zu haben. Es ist meiner Einschätzung nach ganz vorrangig bis nahezu ausschließlich eine Lifestyle/Konsum Ausgabe und keine finanzielle Anlageinvestition. Vor allem in diesen Größenordnungen (1-1,5 Mio €), wenn es nicht gerade München ist, ist es nie einfach Käufer zu finden und ob die Lage und die Art der Immobilie in 20-30 Jahren immer noch vergleichbar wertvoll ist, lässt sich nicht prognostizieren.

    Die Demografie wird erst die nächsten 10-30 Jahre richtig zuschlagen.

    Ich sehe im Südwesten in mittelgroßen bis großen Städten zahlreiche EFH/teure Wohnungen, die sich jahrelang nicht verkaufen.

    Ich würde es also allein von den Lebensvorstellungen abhängig machen. Als Mieter mit großem Aktiendepot und hohem Einkommen hat man eine hohe Flexibilität und kann sich einen hohen Lebensstandard leisten auch bei unerwarteten Krisen.

    Durch eine sehr teure selbst genutzte Immobilie kann man das gefährden. Wenn Trennung/Scheidung/Jobverlust/BU eintreten und man kurzfristig eine für 1,5 M € gekaufte Immobilie nur noch für 1,0-1,1 los kriegt ist das ein ziemlicher Verlust, den man in so einer Situation verdauen können muss, bzw. Sich dieses Risikos bewusst sein sollte.

  • es geht um den Klassiker Miete oder Eigentum.

    Dieser Klassiker sollte aber stets integraler Bestandteil eines stimmigen Gesamtkonzepts sein (so wie die privaten Finanzen stets auch ganzheitlich verstanden und behandelt werden sollten). Zu solch einem ganzheitlichen Ansatz gehört die private Altersvorsorge (die später in die konkrete Ruhestandsplanung übergeht sprich mündet).

    Mieten oder Kaufen dürfte bei dem gehobenen Einkommen

    Haushaltseinkommen ca. 15k netto im Monat (Ohne Boni, Gratifkationen etc.), Tendenz steigend

    nicht das entscheidende Problem darstellen (da sollte sich stets eine passende und nette Bleibe zum Mieten oder auch eine solche zum Kaufen und dem Finanzieren finden lassen - bei dem in Relation sehr bis äußerst geringen Eigenkapital hilft im zweiten Fall die hohe Kapitaldienstfähigkeit bei einer eventuelle Kreditvergabe).

    Von den üblichen Fragen abgesehen (Typ für Wohneigentum oder eher Mietermentalität, wie wahrscheinlich ist langes oder dauerhaftes Verweilen an dem Standort (Stichwort u. a. Transaktionskosten), mentale Probleme mit hohen Schulden oder eben keine usw.) scheint mir hier der Knackpunkt eher in der Ratio "Erwerbseinkommen" vs später zu erwartendes "Alterseinkommen" zu liegen (sog. "Rentenlücke").

    Woran sich die Frage anschließt, wie diese Versorgungs- oder Rentenlücke am ehesten geschlossen werden kann. Bei dem Einkommen und dem (aus meiner Sicht) noch jugendlichen Alter sollte - beispielsweise via dem regelmäßigen Investieren in ETFs - da sehr viel möglich sein. Zudem flexibel, kostengünstig, einfach in der Umsetzung und ohne jede Schulden. Einen Finanzplan und die nötige Compliance diesen betreffend vorausgesetzt ...

    Das könnte hier ggf. ein bißchen der Knackpunkt sein ... Bei dem Einkommen und Alter erscheinen mir die 100k Eigenkapital eher dürftig - das (also 6-7 Nettomonatsgehälter) läuft bei so manchen noch unter adäquate "Rücklage für Notfälle" ... (unabhängig hiervon):

    beide aus finanziell prekären Elternhäuser kommen und die letzten Jahre damit beschäftigt waren, die Schulden aus Studium, Ausbildung etc. zu tilgen. Klassische Aufsteigerbiographie würde ich sagen.

    Eine "klassische Aufsteigerbiographie" hatte ich auch - dabei stand aber bei mir das möglichst schnelle auch finanzielle "Freischaufeln" an den vorderen Stellen (dazu gehörte in der Anfangszeit auch reichlich Rücklage und Liquidität als Puffer und Basis für die folgenden Schritte).

    Eine selbst genutzte Immobilie hat natürlich den eingebauten "Zwangsspareffekt" - wer will schon Stress oder gar Ärger mit der Bank, sein Zuhause verlieren oder ggf. zwangsversteigert werden. Die Frage bleibt, braucht es diesen Zwang ...

    Es gibt natürlich auch einige positive Aspekte. Mieterhöhungen, Eigenbedarfskündigungen, Wohnungssuche usw. sind dann kein Thema mehr. Die ersparte Miete (man wohnt selbst nach vollständiger Tilgung des Kredit natürlich nicht kostenfrei - aber immerhin mietfrei ...) gehört zu den wenigen Dingen hierzulande, die (noch jedenfalls) nicht besteuert werden.

    Auch diesbezüglich

    Kinderunterhalt aufgrund Pflegebedürftigkeit der Eltern wahrscheinlich

    könnte es da Privilegierungen geben (angemessene Immobilie als Schonvermögen). Dazu kenne ich mich aber zu wenig aus, um dazu mehr zu schreiben. Die Grenzen für den Kinderunterhalt sind ja deutlich angehoben worden (meines Wissens ab 100.000 brutto Jahreseinkommen überhaupt erst möglich; "Entlastungsgesetz" um 2020 herum).

    Eure Zinskondition wird bei einem Kauf jedenfalls eine relativ ungünstige sein (Stichwort: Hoher Beleihungsauslauf). Einerseits.

    Bis wir eine solide Finanzierung hinbekommen, müssen wir sicherlich noch drei bis fünf Jahre EK ansammeln, da die für uns interessanten Objekte ca. 1 bis 1,5 Mio kosten.

    Die Frage ist, was in drei oder fünf Jahren ein für euch interessantes Objekt kostet. Andererseits. Hier in der Region ziehen die Preise seit einigen Quartalen nämlich bereits wieder etwas an. Wenn auch von einem (noch) niedrigeren Niveau aus als um 2020 herum.


    Scheint mir in Eurem Fall eine ziemlich komplexe Frage zu sein - die auch stark von eure Einstellung und Haltung abhängt.


    Vor einigen Jahren hatte ein fast gleichaltriges Paar wie ihr eine Art Kompromiß gewählt: Die Immobilie (in dem Fall eine ETW) kleiner dimensioniert mit zügiger Tilgung bis 50 - um danach noch 15 Jahre + für den Aufbau zusätzlicher Altersvorsorge zu haben.

    Gerade vor dem Hintergrund:

    keine Kinder (aus biologischen Gründen kommen auch keine)

    vielleicht eine überlegenswerte Alternative.


    Gute Gedanken und ebensolche Entscheidungen wünsche ich !

  • Uns stellt sich nun die Frage inwieweit es Sinn macht, mit Anfang Mitte 40 zu kaufen und das Ziel zu haben, mit Renteneintrittsalter eine abbezahlte Immobilie zu haben.

    Sinn lässt sich nie wirklich beantworten. Aber es ist bei euch locker möglich, dass ihr das schafft. Je nachdem wie eure Lifestyle-Inflation aussieht. Also Butter bei die Fische, wie viel der 15k braucht ihr im Monat und wie viel könnt ihr wegsparen. Wenn ihr mehr als 5k braucht, sollte vlt mal etwas Demut einsetzen ^^

  • wenn es nicht gerade München ist, ist es nie einfach Käufer zu finden

    Das kann ich so selbst und aus Erfahrungen meines Umfelds nicht bestätigen. Und da ging es nicht um München (sondern "nur" um Frankfurt am Main, Berlin, Hamburg, Mainz, Darmstadt, Freiburg, Leipzig usw. - um nur einige der Beispiele zu nennen).

    Es wird also auf den jeweiligen Standort (Makro- und Mikrolage) ankommen.

    Die Demografie wird erst die nächsten 10-30 Jahre richtig zuschlagen.

    Vor geraumer Zeit (Ende 80er, Anfang 90er) galt Deutschland aufgrund der absehbaren Bevölkerungsentwicklung als "zu Ende gebaut", praktisch ohne Neubaubedarf und der Wohnungsmarkt "gesättigt". Meine mich dunkel an eine Langfristprognose mit perspektivisch auf ca. 70 Mio. geschrumpfter Bevölkerung zu erinnern - aktueller Stand um die 83,5 Mio. ... ?

    Durch diverse Entwicklungen (Trend zu kleineren Haushalten und insbesondere zu immer mehr Einpersonenhaushalten, Trend in Ballungsgebiete, größere Städte, Schwarmstädte usw. zu ziehen, Ost-West-Wanderung nach der Wiedervereinigung, Zuwanderung aus der EU, Migration auch aus Nicht-EU-Ländern usw.) hat sich diese Prognose aber als (man könnte fast sagen dramatisch) falsch herausgestellt.

    Es wird also (siehe schon oben) dabei entscheidend auf den Standort ankommen. Lebe ich in einer attraktiven und nachgefragten Region erscheint es mir eher fraglich, daß dort "in den nächsten 10-30 Jahren die Demographie erst richtig zuschlagen wird" - jedenfalls den Wohnungs- und Immobilienmarkt betreffend.

    Verlassen würde ich mich darauf auf keinen Fall. Und ausgerechnet im Alter in eine weniger attraktive Gegend zu ziehen (ziehen zu müssen), da es dort günstigeren Wohnraum zu mieten oder günstigere Immobilien zu kaufen gibt, wäre auch nicht der meinige Ansatz.

  • Meiner Meinung nach ist es finanziell überhaupt nicht dumm, kein Eigenheim zu haben. Es ist meiner Einschätzung nach ganz vorrangig bis nahezu ausschließlich eine Lifestyle/Konsumausgabe und keine finanzielle Anlageinvestition.

    Na und? Geld ist in letzter Konsequenz zum Ausgeben da.

    Vor allem in diesen Größenordnungen (1-1,5 Mio €), wenn es nicht gerade München ist, ist es nie einfach, Käufer zu finden, und ob die Lage und die Art der Immobilie in 20-30 Jahren immer noch vergleichbar wertvoll ist, lässt sich nicht prognostizieren.

    Ein Fixum ist, daß eine Immobilie immobil ist. Das gilt in Deutschland ganz besonders, weil hierzulande die Transaktionskosten höher sind als in anderen Ländern. Das heißt: Einfach mal das Eigenheim zu wechseln, wie es in den USA häufig ist, kostet hier in Deutschland verhältnismäßig viel Geld, weswegen die Leute hier seltener ihre Häuser umsetzen als in den USA.

    Unser Anfrager ist Teil eines Ehepaares, Kinder kann er ausschließen. Mal davon ausgegangen, daß die beiden Ihr Leben zusammen verbringen, ist Erbe kein großes Thema, sie können ihr Geld also verbrauchen. So wie sie jetzt verdienen, werden sie ein Haus (selbst für 1,5 Millionen) in absehbarer Zeit ansparen können und dazu noch ein Geldvermögen obendrauf. Finanziell sehe ich da kein Problem, Frage aber halt, ob man sich festlegen will. Ich sehe das in der Familie, wo Häuser gekauft wurden in der Vorstellung, daß man jetzt am Standort bleibt - und dann kam wieder eine Versetzung. Also hat man das Haus verkauft und am neuen Standort ein neues. Auf die letzte Versetzung haben die Leute so reagiert, daß die Frau am Ort wohnen bleibt und der Mann Wochenendpendler durch halb Deutschland ist. So ein Leben muß man zu führen bereit sein. Ich wäre es vermutlich nicht. Er aber macht das jetzt schon ganz schön lange.

    Die Demografie wird erst die nächsten 10-30 Jahre richtig zuschlagen.

    Ich sehe im Südwesten in mittelgroßen bis großen Städten zahlreiche EFH/teure Wohnungen, die sich jahrelang nicht verkaufen.

    Da stimmt der Preis dann nicht. Die Bevölkerungsprognosen sehen für die nächsten 30 Jahre für den Südwesten nicht so schlimm aus, das ist im Osten ganz anders. In anderen Ländern (beispielsweise Japan) ist die Situation schon heute kritisch. Da stehen auf dem Land um die 10 Millionen Häuser leer, und in der Stadt leben die Leute in Schuhschachteln in der Stadt.

    Mich würde das nicht abschrecken. Ich wohne hier in einer Gegend, die ihrer Lage wegen attraktiv bleiben wird (zumindest in meiner Lebenszeit). Die Immobilien hier sind sehr gefragt und schnell weg zu hohen Preisen. Es sieht nicht so aus, als ob sich das bald ändern würde.

    Ich würde es also allein von den Lebensvorstellungen abhängig machen. Als Mieter mit großem Aktiendepot und hohem Einkommen hat man eine hohe Flexibilität und kann sich einen hohen Lebensstandard leisten auch bei unerwarteten Krisen.

    Wenn das Aktiendepot groß genug ist, kann man sein Quartier auch kaufen - und das Depot ist hinterher immer noch groß genug.

    Unser TE spricht von 15 T€ netto im Monat. Seine Miete kostet ihn 2 T€. Gut leben will und soll er, aber dafür braucht er keine 13 T€ jeden Monat. Sprich: Wenn das Paar auch nur einigermaßen aufs Geld achten, sparen die beiden im Jahr 100 T€ - und da ist noch kein Kapitalertrag dabei.

    Komfortable Verhältnisse. Die beiden haben alle Optionen offen. Deswegen rate ich ja auch nicht ab. Aber wenn der TE selbst sagt, daß er sich einen Immobilienerwerb in drei bis fünf Jahren vorstellen könnte, hat er mit der konkreten Suche ja noch Zeit.

  • Die Frage war ja, ob es finanziell dumm wäre, kein Eigentum zu erwerben. Darauf habe ich versucht zu antworten.

    Dass jeder mit seinem Geld macht, was er will, ist klar. Ich glaube nur, dass eine sehr hochpreisige Immobilie aus finanzieller Sicht keine Renditegarantie gibt und mit wenig EK gibt es eben auch Risiken wie oben genannt. Gegen Krankheit und Scheidung hilft auch die Kinderlosigkeit nicht.

    Aus eigener Erfahrung würde ich auch sagen, dass man auch als Paar mehr als 5k im Monat ausgeben, wenn man sich etwas gönnt. Das muss man halt alles gegeneinander abwägen. Parallel ein 7 stelliges Depot und eine 7 stellige Immobilie wird nur zur Rente klappen, wenn beide bis dahin durcharbeiten „können“ und werden.

  • Vielen Dank für eure Antworten.

    Das Eigenkapital ist deshalb so niedrig, weil wir beide erst seit ca 5 Jahren arbeiten und das Nettoeinkommen nicht seit diesen fünf Jahren so hoch ist. Dazwischen mussten mehrere Umzüge bezahlt werden, Tilgung der Studienschulden, Hochzeit und Urlaube.

    Für uns war es wichtig, dass wir nach den prekären Verhältnissen aus dem Elternhaus und der Durststrecke Studium auch erstmal leben, Urlaube machen, und uns eine Wohnung etwa auch so einrichten, dass sie uns gefällt.

    Derzeit sparen wir ca 10k im Monat in die jeweiligen Depots.

    Die Lebenshaltungskosten werden die nächsten Jahre bis auf die Inflation nicht weiter steigen, da wir hier keine Ausgabe mehr neben dem sehen, was wir ohnehin jetzt schon haben (oft essen gehen, abbezahltes Auto, das durch einen Firmenwagen ersetzt wird, sofern es kaputt geht, div. Dienstleistungen für einen freien privaten Kalender etc.)

    Die Mietwohnung in der wir wohnen ist nicht alterstauglich, muss also ggf. im Alter durch eine andere (und damit teurere, weil wir derzeit dank einer sehr entgegenkommenden Vermietern sehr günstig wohnen) ersetzt werden.

    Und dennoch haben wir beide „Bauchschmerzen“. Trotz bis dahin vermutlich gut gefüllter Depots Skrupel im Alter dann 3-4K Miete oder der gleichen zu zahlen. Das fühlt sich falsch an, wenn man jetzt weniger Miete zahlt und mehr Einkommen hat und später mehr Miete zahlen muss und weniger Einkommen hat. Diesen Knoten aufzulösen ist derzeit das „Problem“. Daher der Gedanke an Eigentum.

  • Die Frage war ja, ob es finanziell dumm wäre, kein Eigentum zu erwerben. Darauf habe ich versucht zu antworten.

    Die alte Frage mit der sibyllinischen Antwort: Es kommt darauf an!

    Das hilft aber keinem weiter.

    Dass jeder mit seinem Geld macht, was er will, ist klar. Ich glaube nur, dass eine sehr hochpreisige Immobilie aus finanzieller Sicht keine Renditegarantie gibt und mit wenig EK gibt es eben auch Risiken wie oben genannt. Gegen Krankheit und Scheidung hilft auch die Kinderlosigkeit nicht.

    Das Leben ist ein Risiko. Passieren kann immer etwas, dann muß man darauf reagieren. Der hier im Forum so innig gewünschte Zahlungsflußplan über Jahrzehnte kann halt nicht funktionieren.

    Der TE hat im Moment noch wenig Geld; in 3 Jahren können bei ihm aus 100 T€ locker 400 T€ geworden sein (oder gar mehr), dann kann er sich die Immobilie für 1,5 M€ kaufen, wenn er sie will. Die hat er dann vermutlich sogar schneller abbezahlt als der Durchschnittshäuslebauer.

    Bei ihm ist die Frage eine ganz andere: Will oder soll er sich so festlegen?

    Aus eigener Erfahrung würde ich auch sagen, dass man auch als Paar mehr als 5k im Monat ausgeben, wenn man sich etwas gönnt. Das muss man halt alles gegeneinander abwägen. Parallel ein 7 stelliges Depot und eine 7 stellige Immobilie wird nur zur Rente klappen, wenn beide bis dahin durcharbeiten „können“ und werden.

    Klar. Davon gehe ich aber mal aus.

  • Unser Anfrager ist Teil eines Ehepaares, Kinder kann er ausschließen. Mal davon ausgegangen, daß die beiden Ihr Leben zusammen verbringen, ist Erbe kein großes Thema, sie können ihr Geld also verbrauchen.

    Wenn unser Anfrager sein Geld im Alter komplett verleben will, da es keine Erben gibt, ist es dann sinnvoll 1,5 Mio in einer Immobilie zu binden?

  • Wenn unser Anfrager sein Geld im Alter komplett verleben will, da es keine Erben gibt, ist es dann sinnvoll 1,5 Mio in einer Immobilie zu binden?

    Eine berechtige Frage aus meiner Sicht.

    "Problem" jedenfalls Stand heute: Der Anfrager hat bislang noch so gut wie kein Geld angesammelt (nur 6-7 Nettomonatseinkommen) trotz diesen Rahmenbedingungen

    Haushaltseinkommen ca. 15k netto im Monat (Ohne Boni, Gratifkationen etc.), Tendenz steigend

    und wohnt zudem jedenfalls nicht extrem günstig

    Mietwohnung in deutschem Ballungsraum, ca. 2k Warmmiete

    Die Lücke "Erwerbseinkommen" vs "Renteneinkommen" dürfte eine erhebliche sein. Aufgrund der komfortablen Einkommenssituation aber (noch) gut zu schließen.

    Dazu braucht es halt einen Finanz-Plan, die entsprechende Compliance diesen Finanz-Plan betreffend - und dabei könnte (konjunktiv, also nicht muß) die besagte Immobilie ein integraler Bestandteil sein.

    Mal (endlich und zielgerichtet) anfangen - sei es nun in Richtung ETFs oder in Richtung eigen genutzte Immobilie (mit dem Ziel schneller Entschuldung, um danach noch 10 oder 15 oder mehr Jahre zu haben für eine breitere Aufstellung) - dürfte auf jeden Fall angesagt sein.

    Jedenfalls, wenn der Schritt vom Erwerbseinkommen zur Rente (aus finanzieller Sicht) ein nicht zu großer Einschnitt werden soll.

  • Man muss ja auch immer bedenken, dass es vor nicht allzulanger Zeit kaum Zinsen gab. Da ist es nachvollziehbar, dass man nicht extrem gespart, sondern das Leben genossen hat.

    Das kann nur so verstanden werden, daß niedrige Zinsen und/oder negative Realzinsen per se den Sparanreiz in der Bevölkerung senken ... ?

    Ich finde nicht, dass das wenig Eigenkapital ist.

    Als Eigenkapital für eine Immobilie (avisiert 1,0 bis 1,5 Mio. € Kaufpreis) erachte ich 6-7 Nettomonatseinkommen für ein extrem geringes Eigenkapital.

    Da muß man übrigens bei dem hier vorliegenden Einkommen

    nicht extrem gespart

    haben, um etwas mehr freie Mittel zu haben. Eine dem hohen Einkommen angepasste Sparquote (die Versorgungslücke/Rentenlücke pflegt mit dem Einkommen eher mit zu steigen) hätte dafür vermutlich schon ausgereicht.

  • Wenn unser Anfrager sein Geld im Alter komplett verleben will, da es keine Erben gibt, ist es dann sinnvoll 1,5 Mio in einer Immobilie zu binden?

    Ich würde es nicht, aber der Anfrager wird neben seiner Immobilie noch genügend Geld zum Verleben haben. Ein Eigenheim zu haben ist eine Konsumentscheidung - aber wem sage ich das?

  • Vielen Dank für eure Antworten.

    .....

    Und dennoch haben wir beide „Bauchschmerzen“. Trotz bis dahin vermutlich gut gefüllter Depots Skrupel im Alter dann 3-4K Miete oder der gleichen zu zahlen. Das fühlt sich falsch an, wenn man jetzt weniger Miete zahlt und mehr Einkommen hat und später mehr Miete zahlen muss und weniger Einkommen hat. Diesen Knoten aufzulösen ist derzeit das „Problem“. Daher der Gedanke an Eigentum.

    Und wenn Ihr Euch überlegt, was für eine Wohnung Ihr möchtet (Eckdaten Größe, Lage, Ausstattung), grob herausfindet, was die kosten würde (z.B. durch eine Weile Recherche Immoscout und andere Anbieter), überlegt, wie lange Ihr dafür welche Beträge sparen müsstet und dabei trotzdem noch so leben könnt, dass Ihr keine schlechte Laune bekommt, und dann ein paar Jahre entsprechend konsequent mit Plan spart (z.B. durch mehr oder weniger risikoreich z.B. in ETF investieren, oder bei dem theoretisch verfügbaren recht hohen Betrag von 10.000 EUR /Monat auch nur mit Festgeldtreppe/Geldmarktfonds) bis Ihr so eine Wohnung mit weit höherem Eigenkapital (möglichst komplett) zahlen könntet, und davor aber dann überschlagt, ob sich das Kaufen im Vergleich zum Mieten für Euch rechnet?

    Eine Binse, aber wenn Ihr 10.000 € pro Monat zur Verfügung habt, habt Ihr in drei Jahren schon deutlich mehr Eigenkapital ... Natürlich kann das schiefgehen bei Börsencrash zwischendurch. aber solange Ihr keinen festen Plan habt, zu enem bestimmten Zeitpunkt zu kaufen, ist das für mich zumindest auch ein Ansatz. Selbst wenn Ihr sehr konservativ spart, scheint mir das relativ zeitnah machbar.

    Beim Planen möglichen Elternunterhalt berücksichtigen (der ist aber nicht mehr so hoch wie früher).

    Ob sich die Wohnung, die Ihr dann kaufen wollt, rechnet, würde ich für mich daran erstmal festmachen, wie lange ich da plane zu wohnen (wenn Ihr dauerhaft da bleiben wollt) und was ich in der Zeit sonst an Miete zahlen müsste (Inclusive Inflation bzw. voraussichtlichen Mieterhöhungen). Mit EFT Sparpan und mieten kann man vermutlich trotzdem mehr Rendite erzielen, nützt aber nicht, wenn man in Stadt, in der man wohnen will, dafür keine passenden Wohnung bekommt. Wenn Ihr beide im Ballungsraum recht flexibel seid, ist das nicht ganz so wichtig.

    Vorher Rentenlücken "berechnen" (einschätzen), um zu sehen, welche Größe der Wohnung Ihr Euch als Rentner (kaufend oder mietend) leisten könnt.

    Und davor in Ruhe schon mal währenddessen einlesen (Wohnungskauf, WEG, Rücklagen für Wohnungsinstandhaltung als Eigentümer usw. ),mglichst ein paar Wohnungen probehalber anschauen, um ein Gefühl zu bekommen, und mit anderen Wohnungseigentümern im Freundes-/Bekanntenkreis sprechen.

    Und, auch wenn´s unromatisch ist, vernünftige Regelungen untereinander für Worst case Szenarien wie Scheidung etc. dabei mit einbeziehen und zusammen besprechen.

    Es sieht für mich aus, als hättet Ihr gute Möglichkeiten, Rentenlücke und Wohnen noch gut hinzubekommen, wenn Ihr es jetzt konsequent angeht und plant, egal, ob es dann Richtung Eigentum oder Miete geht.