Ruhestand hat begonnen - Bei jetziger Lage Wertpapiere umschichten / verkaufen?

  • Hallo in die Runde,

    da die aktuellen Unsicherheiten wie geopolitische Lage, überbewerteter KI-Boom etc. uns m.E. auch die nächsten Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte begleiten werden, überlege ich ernsthaft, bzgl. meiner Wertpapiere aktiv zu werden.

    Auch wenn es oft heißt “Politische Börsen haben kurze Beine”, werden wir aktuell ja bereits länger eines besseren belehrt. Dazu dann noch die ganzen gehypten Sektoren wie Rüstung und KI. Klar ging es nach dem Zoll-Desaster April 2025 auch wieder aufwärts, aber die geopolitische und weltweit wirtschaftliche Lage (letztere beeinflusst definitiv die Finanzmärkte) ist leider jetzt eine andere. Nvidia sitzt auf Bergen von Chips, die sie nicht absetzen können, Rheinmetall kann produzieren und möchte liefern, hat aber keine oder nicht genug verbindliche Aufträge der Regierung etc. etc. In europäischen ETF'S sehe ich derzeit keine Alternative.

    Aktuelles Vermögen:

    • Risikoarme Anlagen (FG, TG): 245 K
    • Risikobehaftete Anlagen (Depot): 249 K

    Mein Depot hat seit Jahresbeginn eine Rendite von 0%. Vor ca. 1 Monat (Januar 2026) betrug der Depotwert noch 265 K :(

    Gewichtung im Depot:

    Einzelaktien

    • (Nvidia, Rheinmetall, Hensoldt): 24 %

    MSCI World ETF

    • SPDR MSCI ACWI IMI UCITS ETF: 25%
    • IShares MSCI ACWI UCITS ETF: 25 %

    Sektor ETF

    • Amundi MSCI Information Technology ETF: 24%
    • HAN ETF Defence: 2%

    Da ich mit Schwankungen und Verlusten - mit zunehmenden Alter - immer weniger gut umgehen kann, überlege ich folgendes:

    1. Den Anteil FG / TG ggf. auf 60% erhöhen, Wertpapiere dann auf 40% reduzieren.
    2. Alle Einzelaktien verkaufen, alle Sektor ETF’s verkaufen.
    3. Die durch den Verkauf erzielte Summe zu gegebener Zeit (vielleicht aktuelle erst mal abwarten) in die beiden MSCI-World ETF’s investieren.

    Die beim Verkauf anfallende Steuer ist sicher ein Wermutstropfen, aber damit könnte ich leben. Irgendwann fällt sie ja sowieso an, besonders bei den Einzelaktien, die keine günstigere Regelung haben wie die ETF’s.

    Ich zahle im Ruhestand nichts mehr ein, sondern möchte natürlich stückchenweise entnehmen.

    “Aussitzen” ist nämlich schwierig, wenn man sich seine Lebensträume ich den nächsten 5-10 Jahren (Fernreisen) erfüllen möchte. Dafür habe zumindest ich ja die Wertpapiere gekauft. :)

    Sicher gibt es unter euch den ein oder anderen, der ebenfalls gerade den Ruhestand begonnen hat und vor der gleichen Frage steht.

  • Dazu dann noch die ganzen gehypten Sektoren wie Rüstung

    Bei denen du ja offensichtlich „stark“ dabei bist…

    Nvidia sitz auf Bergen von Chips, die sie nicht absetzen können, Rheinmetall kann produzieren und möchte liefern, hat aber keine oder nicht genug verbindliche Aufträge der Regierung

    Das sind jetzt Ansichten zu Einzeltiteln, die SO nicht allgemein geteilt bzw. nicht bekannt sind. Wenn es dir dabei hilft, dich von Einzeltiteln zu trennen…

    Alle Einzelaktien verkaufen, alle Sektor ETF’s verkaufen.

    Sehr gute Idee. Besser geht’s nicht.
    Und dann nicht in den „Rückspiegel“ schauen.

  • Aktuelles Vermögen:

    Risikoarme Anlagen (FG, TG): 245 K
    Risikobehaftete Anlagen (Depot): 249 K

    Risikoarme Anlagen => Einlagensicherung beachtet / über Banken gestreut / ggfs. Geldmarkt-ETF als Tagesgeldersatz?

    Da ich mit Schwankungen und Verlusten - mit zunehmenden Alter - immer weniger gut umgehen kann, überlege ich folgendes:
    Den Anteil FG / TG ggf. auf 60% erhöhen, Wertpapiere dann auf 40% reduzieren.
    Alle Einzelaktien verkaufen, alle Sektor ETF’s verkaufen.
    Die durch den Verkauf erzielte Summe zu gegebener Zeit (vielleicht aktuelle erst mal abwarten) in die beiden MSCI-World ETF’s investieren.

    Du verkaufst die Assetklasse Aktie, und willst wieder die Assetklasse Aktie kaufen. Dass beides eine gegenläufige Korrelation hat, ist nahezu ausgeschlossen. Deine Aktien (Rüstung, ...) haben vermutlich eine leicht gegenläufige Entwicklung im Vergleich zum Welt-ETF.

    Ich sehe hier dein psychisches Wohlbefinden schwerwiegender als die Börsenkurse. D.h. so wie du beschreibst, wäre zumindest eine größere Umschichtung für dich sinnvoller und in deine genannte Allokation 60% sichere Anlagen / 40% Depot entsprechend umzuschichten.

    wenn man sich seine Lebensträume ich den nächsten 5-10 Jahren (Fernreisen) erfüllen möchte. Dafür habe zumindest ich ja die Wertpapiere gekauft. :)

    Dann go for it und mache es nicht von einem Kurs an der Börse abhängig :thumbup:Wie hat - ich glaube Finanztip war es sogar - gesagt: Du investiert in den Urlaub/Reise und hast dadurch eine Erinnerungsdividende.

    Sicher gibt es unter euch den ein oder anderen, der ebenfalls gerade den Ruhestand begonnen hat und vor der gleichen Frage steht.

    Ich bin zwar noch weit davon entfernt, aber trotzdem hatte ich mir darüber auch schon Gedanken gemacht. Unabhängig von der Phase, sollte die Geldanlage zu deinen persönlichen Bedürfnissen passen (hier u.a. deine Psyche). Je näher es dem Lebensende zugeht, muss man sich überlegen:

    • Möchte ich Kapitalverzehr?
    • Möchte ich einen Teil vererben, Rest verzehren?
    • Möchte ich nur so viel entnehmen, dass das Depot / Geldanlage mehr oder weniger "eben" bleibt?

    Je nachdem was du anstrebst solltest du es zwischen Tages-/Festgeld und Depot ausbalancieren. Kursschwankungen (nach unten) sind je nach Szenario für dich aufgrund des möglicherweise kürzeren Anlagehorizonts kritischer zu sehen.

    Ich habe es noch nicht gelesen - habe mir aber das Buch von Gerd Kommer "Souverän Investieren - vor und im Ruhestand" gekauft. Auch mit dem Hintergrund in Bezug auf meine Eltern, um ihnen dort mit Wissen zur Seite zu stehen.

    Abschließend:

    wenn man sich seine Lebensträume

    ...erfüllen will, dann ist das das Schönste. Ich kenne einige aus dem Bekanntenkreis, die es vor hatten, aber aufgrund mangelnder Gesundheit es nicht mehr umsetzen konnten. Viel Spaß beim der Umsetzung! :thumbup:

  • Rechne doch unabhängig von der Beurteilung Deiner "unsicheren" Anlagen (zu der ich mich nicht berufen fühle) erstmal aus, wie lange die "sicheren" 245K reichen würden: 245K abzüglich xK für die geplanten Reisen dividiert durch monatliche Rentenlücke = wie viele Monate? Vermutlich ziemlich viele, wenn Deine Rentenlücke nicht sehr groß ist. Rechnest Du damit, dass während der gesamten Zeit Deine "unsicheren" Anlagen sich lausig entwickeln?

  • Sicher gibt es unter euch den ein oder anderen, der ebenfalls gerade den Ruhestand begonnen hat und vor der gleichen Frage steht.

    Das sieht bei Dir doch nicht schlecht aus. Da ist erstmal eine ganze Menge.
    Rechne dir aus was du in den nächsten 5 Jahren brauchst. (Rentenlücke plus Komfort plus die geplanten/avisierten Reisen) - diesen Betrag solltest du zumindest auf der sicheren Seite haben.
    Jedes Jahr wieder den 5-Jahresbedarf hochrechnen und diesen Betrag dann auf Sicheren Seite haben.

    Die Aktien würde ich nach und nach in die ACWI überführen.
    Sei froh wenn du hohe Steuern zahlen musst, denn dann waren die Gewinne auch entsprechend.

    Ich bin mit 80% in Aktienfonds und 20% auf der sicheren Seite (ist nach meinem persönlichen Bedarf mein 3-5 Jahres Budget) in Rente gegangen. (plus einer guten, die allgemeinen Kosten tragenden Rente zusätzlich)
    Wenn sich der Aktienmarkt nicht positiv entwickelt, dann gibt es statt Außenkabine eben Innenkabine, so what.

  • Kann dir nur schreiben wie ich es mache, für 5 Jahre liegt mein Bedarf inclusive Inflation in TG und Geldmarkt ETF, der Rest schlummert in einem weltweiten ETF und wird, bei für mich guten Stand, zum Auffüllen meiner sicheren Anlagen genutzt. Ob für dich die 5 Jahre zu kurz oder lang sind, musst du für dich selbst entscheiden.

  • Mein Depot hat seit Jahresbeginn eine Rendite von 0%. Vor ca. 1 Monat (Januar 2026) betrug der Depotwert noch 265 K :(

    Irgendwie lustig, sich Einzelaktien ins Depot zu legen und dann auf Tagesbasis das Depot zu bewerten. Dazu noch 24% höchstspekulative Sektorwette auf eine "IT" nach MSCI Definition. Ergibt akutell nochmal 5% Nvidia zusätzlich für Dein Gesamtdepot.

    “Aussitzen” ist nämlich schwierig, wenn man sich seine Lebensträume ich den nächsten 5-10 Jahren (Fernreisen) erfüllen möchte.

    Ist dabei eine Reise zum Mond? 245k€ sollten alleine für 6-10 Jahre Weltreisen auf einem Kreuzfahrschiff reichen.

    Hast Du Dir jemals Gedanken darüber gemacht, wieviel Finanzbedraf im Alter Du (mit und ohne Reisen) hast und wie Du den aus dem Depot nötigen Bedarf decken wirst?

    Sicher gibt es unter euch den ein oder anderen, der ebenfalls gerade den Ruhestand begonnen hat und vor der gleichen Frage steht.

    Ich bin erst in ein paar Jahren soweit, habe aber schon vor 10 Jahren Sektorwetten (egal, ob Mitarbeiteraktion oder IT-Zeugs) für mich ausgeschlossen. Die Marktrendite reicht mir, genauso wie die Höhe meiner risikoarmen Anlagen für die ersten Jahre meines Ruhestands ausreichen wird.

    Mein Tagesgeld wird dann vermutlich für 3 Jahre des gewünschten Bedarfes ausreichen, Rücklagen für die ETW oder das vermutlich letzte Auto in meinem Leben zählen für mich gesondert.

    Sollte ich mal eine große Ausgabe planen (also bei ähnlichen Rücklagenhöhe eine mittlere 5-stellige Einmalausgabe), dann wird:

    (1) entweder gerechnet, wie sehr das zu dem Zeitpunkt meiner zukünftigen Entnahme schaden könnte
    (2) oder es wird passend geplant. Ich werde auch in der Rente nicht spontan eine teure Luxusreise antreten, ein paar Tausender entsprechen schon heute der täglichen Volatilität meines Depots.

    Entweder, Du rechnest mit einem weiteren Einbruch Deiner Einzelaktien, dann verkaufe sie morgen. Oder Du rechnest mit einem Anstieg, dann gibt es die Reise halt erst, wenn der Traumkurs erreicht ist. Genügend Alternantiven zur Finanzierung dürftst Du haben.

    Rechne Dir lieber nicht aus, was nVidia Anfang 10/2025 wert war und wieviele Urlaubstage Du dadruch bereits "verloren" hast. Warum hast Du nicht 10/2025 verkauft?

  • Da ich mit Schwankungen und Verlusten - mit zunehmenden Alter - immer weniger gut umgehen kann,

    das ist eine interessante Selbsterkenntnis.

    Die meisten Foristen hier berichten das Gegenteil: je länger sie investiert sind, umso mehr sind sie die Auf+Abs der Börse gewohnt. Und in den meisten Fällen reduziert die Schwankung ja auch lediglich deine bisherigen Buchgewinne.

    Tatsächlich finde ich die Risikostruktur deiner Anlage eher überraschend: 50/50 verteilt zwischen risikoarm/risikoreicher (wird oft empfohlen bei geringer/mittlerer Risikobereitschaft) , aber dann im risikoreicheren Teil sehr agressiv die Hälfte in sehr spezielle Sektorwetten investieren (gilt für Anleger mit sehr hoher Risikobereitschaft) - da schlugen wohl mal zwei Herzen in deiner Brust? 😉

    Nachdem du dich damit nicht mehr wohlfühlst, wäre es sicherlich empfehlenswert die Einzel/Sektorwetten aufzulösen und statt dessen in den MSCI WW (oder einen ähnlich breiten Index) zu verschieben.


    Die durch den Verkauf erzielte Summe zu gegebener Zeit (vielleicht aktuelle erst mal abwarten) in die beiden MSCI-World ETF’s investieren

    Auch das ist eher überraschend: jeder, der schon lange Jahre investiert hat, weiss, dass Market-timing nicht funktioniert. Wann wäre denn deiner Meinung nach "der gegebene Zeitpunkt"? Was machst du mit dem Geld bis dahin?

    denn wir alle wissen: mit nur 25% Vermögensanteil im Risiko, schlägst du kaum die Inflation.

  • Da ich mit Schwankungen und Verlusten - mit zunehmenden Alter - immer weniger gut umgehen kann, überlege ich folgendes:

    das ist eine interessante Selbsterkenntnis.

    Die meisten Foristen hier berichten das Gegenteil: je länger sie investiert sind, umso mehr sind sie die Auf+Abs der Börse gewohnt. Und in den meisten Fällen reduziert die Schwankung ja auch lediglich deine bisherigen Buchgewinne.

    Die meisten Foristen sparen ja noch für eine Zeit in Jahrzehnten.

    Je älter man wird, desto näher kommt die Entspar-Phase. Und dann will man von den Buchgewinnen leben. Und wenn die sich die Buchgewinne nach und nach auflösen, hat man nicht unbedingt 15 Jahre Zeit die Sache auszusitzen.

  • Je älter man wird, desto näher kommt die Entspar-Phase. Und dann will man von den Buchgewinnen leben. Und wenn die sich die Buchgewinne nach und nach auflösen, hat man nicht unbedingt 15 Jahre Zeit die Sache auszusitzen.

    Sehr gut beschrieben.
    Und nicht jeder ist mit Mitte 60 ein unbeweibter Junggeselle, der niemandem Rechenschaft schuldig ist, wenn er plötzlich nur noch wenig „Buchgewinne“ hat.

  • Und dann will man von den Buchgewinnen leben.

    Wenn es um "wollen" und nicht um "müssen" geht, dann will ich durchaus noch 20 Jahre ab Rentenbeginn selbstbestimmt mein Geld (nicht nur die Gewinne) verbrauchen.

    Bei 50% risikoarmer Anlage und 50% der risikokbehafteten Anlage in weltweiten ETFs könnte man (bei vollkommen unbekannter Entnahmehöhe) locker 15 Jahre benötigen, bis der übrige Anteil überhaupt relevant wird. Ob dann noch die 3 einzelwerte oder der IT ETF eine Relevanz haben werden?

    Aber klar, die Fernreisen in den kommenden 10 Jahren können locker mehr wie 350k€ kosten. Das sind ja nur 35k€ im Jahr.